Vienna: Warum die Stadionsituation ein "schönes Luxusproblem" ist
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Vienna: Warum die Stadionsituation ein "schönes Luxusproblem" ist

Vor dem Spitzenspiel gegen Blau-Weiß Linz nahm sich Vienna-Geschäftsführer Thomas Loy Zeit, um über den möglichen Bundesliga-Aufstieg zu sprechen. Der größte Hemmschuh: die Hohe Warte.

Am Dienstag bekam die Vienna im UNIQA-ÖFB-Cup-Duell gegen den SK Rapid einen Vorgeschmack, was die Döblinger in der ADMIRAL Bundesliga erwarten könnte.

Obwohl kein Muss, kann man am Samstag im Spitzenduell der ADMIRAL 2. Liga gegen Blau-Weiß Linz (17 Uhr im LIVE-Stream) einen großen Schritt Richtung mehr Spiele gegen die Großen des Landes machen.

Für die wirtschaftlichen Belange des Klubs ist seit 2019 Thomas Loy zuständig, der insgesamt schon über zehn Jahre für den First Vienna FC arbeitet. Die sportliche Performance ist zwar die Voraussetzung für einen Aufstieg, aber dann stellen sich vor allem finanzielle und infrastrukturelle Fragen.

Wie es vor allem um das Stadion steht, verrät Loy im 90minuten-Interview. In selbigem lobt er auch den kommenden Gegner und legt dar, wie die zweite Leistungsstufe aussehen sollte.

90minuten: Am Dienstag hat die Vienna Bundesliga-Luft geschnuppert und dem überlegenen Tabellenführer einige Aufgaben gestellt. Das ist die sportliche Seite. Was fehlt der Vienna aus Sicht der Geschäftsführung noch für die Bundesliga?

Thomas Loy: Zunächst einmal der sportliche Aufstieg, dazu müssen wir die meisten Punkte machen. Darüber hinaus haben wir vor allem bei der Infrastruktur noch einiges zu tun. Das betrifft nicht nur das Stadion und die Mindestanforderungen der Bundesliga, etwa bei Flutlicht, Rasenheizung oder einem überdachten Gästebereich, sondern die gesamte Infrastruktur des Vereins. Was öffentlich vielleicht weniger bekannt ist, ist, dass wir mit Männern, Frauen und Nachwuchs aktuell auf sechs verschiedene Standorte verteilt sind. Hier geht es weniger um die Erfüllung des Regulativs der Bundesliga als darum, Bedingungen zu schaffen, unter denen wir uns langfristig in der Bundesliga etablieren können.

Wir wollen natürlich jedes Spiel gewinnen, aber Blau-Weiß Linz ist der klare Aufstiegskandidat. Abgesehen davon wird die Meisterschaft nicht in der elften Runde entschieden.

Thomas Loy, Geschäftsführer First Vienna FC

90minuten: Über die Infrastruktur möchte ich später gesondert sprechen. Zuerst habe ich hier eine Aussendung aus dem Archiv. Am 15. Juli 2021 gab man das Ziel Bundesliga ab 2026/27 aus. Warum kickt man noch nicht im Konzert der Großen?

Loy: Damals sind wir gerade aus der Stadtliga in die Regionalliga aufgestiegen - und sportlich ist nicht immer alles so genau planbar wie in anderen Bereichen. Wir sind beispielsweise extrem gewachsen. Ich kann bereits verraten, dass wir für die Saison 2025/26 einen neuen Umsatzrekord und einen Gewinn ausweisen können. Unsere Kampfmannschaft ist natürlich das sportliche Flaggschiff. Ihr Personalbudget haben wir gegenüber der vergangenen Saison aber unverändert gehalten. Gleichzeitig investieren wir in die Entwicklung des gesamten Vereins und haben etwa den Nachwuchs mit hauptberuflichen Trainern professioneller aufgestellt. Solche Fortschritte zeigen sich nicht unmittelbar in der Tabelle. Wir haben unser Ziel weiterhin klar vor Augen und sind auf einem guten Weg.

90minuten: Der damalige Fünfjahresplan umfasste fünf Punkte: die sportliche Weiterentwicklung, den Vienna Campus mit Nachwuchsfokus in der Spielmanngasse, den Punkt Infrastruktur/Digitalisierung, Sponsoring und Verkauf sowie Mitglieder und Fans. Abgesehen von Stadion und Aufstieg, was wurde bereits umgesetzt?

Loy: Wir haben in allen fünf Bereichen im Rahmen unserer Möglichkeiten Fortschritte erzielt. Wie schon erwähnt, haben wir etwa den Nachwuchs durch hauptberufliche Trainer professioneller aufgestellt. Auch wirtschaftlich haben wir uns deutlich weiterentwickelt, wie der neue Umsatzrekord zeigt. Bei der Infrastruktur haben wir allerdings noch Aufholbedarf. Dabei geht es um mehr als das Stadion. Wenn wir uns langfristig weiterentwickeln wollen, brauchen wir auch entsprechende Trainingsmöglichkeiten und gute Rahmenbedingungen für Männer, Frauen und Nachwuchs. Deshalb denken wir bei diesen Investitionen über den Aufstieg hinaus. Unser Anspruch ist, die Grundlagen für einen dauerhaft erfolgreichen Verein zu schaffen.

Thomas Loy: Seit 2016 im Verein, seit 2019 Geschäftsführer
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Thomas Loy: Seit 2016 im Verein, seit 2019 Geschäftsführer

90minuten: Um ins Oberhaus zu gelangen, muss man, wie eingangs dargelegt, erst einmal aufsteigen. Auch wenn Sie nicht für das Sportliche verantwortlich sind: Wie wichtig wären die drei Punkte in Runde elf, um bis zum Schluss um den Aufstieg mitzuspielen?

Loy: Wir wollen natürlich jedes Spiel gewinnen, aber Blau-Weiß Linz ist der klare Aufstiegskandidat. Wir hatten einen großen Umbruch mit elf Abgängen und 14 Neuzugängen. Umso erfreulicher ist, wie gut Trainerteam und Mannschaft bereits zusammengefunden haben. Abgesehen davon wird die Meisterschaft nicht in der elften Runde entschieden.

90minuten: Beide Vereine gelten als Traditionsvereine, sind aber die kleineren Nummern in einer größeren Stadt: Welchen Vorsprung hat Blau-Weiß, was kann man – auf allen Ebenen – vom Gegner lernen?

Loy: Sie haben mehr Bundesliga-Erfahrung im Kader, beziehungsweise im gesamten Verein. Das eigene, bundesligataugliche Stadion ist zudem ein richtiger Heimvorteil. Als Verein kann man auf verschiedensten Ebenen viel von anderen Klubs lernen, etwa bei Organisation, Infrastruktur oder Vermarktung. Es ist als Absteiger nicht der Regelfall, dass man gleich wieder ernsthaft um den Meistertitel mitspielt. Das zeigt, dass sie nicht nur auf, sondern auch abseits des Rasens sehr gut aufgestellt sind.

90minuten: Reden wir über das Geld. Als Vergleichswert habe ich hier die letztverfügbaren Finanzkennzahlen aus 2024/25. Da betrugen die Vienna-Erträge knapp 6,4 Mio. Euro. Die Aufstiegskandidaten Admira (8 Mio.) und Ried (8,5 Mio.) hatten höhere Erträge. In der Bundesliga wird man deutlich mehr als zehn Millionen Euro benötigen. Wo soll das Geld herkommen?

Loy: Die Bundesliga ist aus meiner Sicht in einigen Bereichen leichter zu budgetieren als die 2. Liga, weil die Erlösmöglichkeiten größer sind. Spiele gegen Rapid und andere attraktive Gegner bringen mehr Zuschauer und Aufmerksamkeit. Dazu steigen die Erlöse durch die Sponsorenverträge, in denen genau geregelt ist, um wie viel sich die Zahlungen bei einem Aufstieg erhöhen. Natürlich steigen in der Bundesliga auch die Kosten.

Der Präsident meinte aber neulich in einem Interview mit der "Kronen Zeitung", dass er hofft, Ende 2026 etwas vermelden zu können. Im Kern dreht es sich um die Frage der Finanzierung.

90minuten: Sprich: Sie müssten nicht Klinken putzen gehen, sondern haben das Budget durch Fernsehgeld und die Verträge schon geregelt.

Loy: Man muss immer Klinken putzen, aber auch das wird in der Bundesliga leichter.

90minuten: Wie sehr "muss" die Vienna aufsteigen, wie lange kann man sich den gegenwärtigen Betrieb leisten?

Loy: Unser großer Vorteil ist, dass wir keinem wirtschaftlichen Zwang unterliegen, aufsteigen zu müssen. Wir planen langfristig mit unseren Partnern und entwickeln die Vienna Schritt für Schritt weiter. Seit dem Neustart 2017 haben wir jedes Jahr schwarze Zahlen geschrieben und sind gesund gewachsen. Diese solide Basis wollen wir erhalten. Natürlich ist die Bundesliga unser mittel- bis langfristiges Ziel. Wenn es im Aufstiegsrennen darauf ankommt, haben wir die Möglichkeit, uns sportlich noch gezielt zu verstärken. Wir werden aber nicht die wirtschaftliche Stabilität des Vereins aufs Spiel setzen.

90minuten: Sollte es diesen Winter so weit sein, dass der Aufstieg greifbar ist, könnte man sich, um sicher zu gehen, auch noch personell verstärken?

Loy: Ja.

90minuten: Ein Kernpunkt ist das Stadion. Wenn ich richtig informiert bin, soll sich auf der Hohen Warte bis Ende 2027 etwas tun. Wie ist der aktuelle Stand?

Loy: Grundsätzlich ist es positiv, wenn in den Medien wenig darüber geschrieben wird. Wir sind weiterhin in guten und konstruktiven Gesprächen mit dem Büro von Sportstadtrat Peter Hacker. Wie unser Präsident Kurt Svoboda bereits mehrfach betont hat, werden wir informieren, sobald es etwas Konkretes zu verkünden gibt. Der Präsident meinte aber neulich in einem Interview mit der "Kronen Zeitung", dass er hofft, Ende 2026 etwas vermelden zu können. Im Kern dreht es sich um die Frage der Finanzierung.

Ja, das ist die echte Anzeigetafel auf der Hohen Warte
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Ja, das ist die echte Anzeigetafel auf der Hohen Warte

90minuten: Den Zustand der Hohen Warte haben Sie schon eingangs beschrieben. Das heißt aber, man schaut, wie der Platz entwickelt werden kann?

Loy: Genau, wir müssen wissen, welche Finanzierung dafür möglich ist. Ein Stadionprojekt wie jenes des Sport-Clubs (kolportierte Kosten in der Höhe von 20 bis 22 Mio. Euro, Anm.) werden wir uns mit sieben Millionen Euro Budget nicht alleine leisten. Dafür braucht es Partner und eine gemeinsam getragene Finanzierung. Mir fällt auch kein Verein in Österreich ein, der ein vergleichbares Stadionprojekt vollständig aus eigener Kraft finanziert und umgesetzt hätte.

90minuten: Sollte man bereits diese Saison aufsteigen, wird man allenfalls ausweichen müssen. Letztes Jahr hätte man bei der Austria gespielt, wo würde man das 2027/28 tun?

Loy: Wir arbeiten gegenwärtig an den Lizenzunterlagen, die wir Anfang März abgeben müssen. Wenn wir die Pläne für den Umbau bis dahin eingereicht haben, müssen wir uns nicht an die 20 Kilometer Umkreis halten, sondern können mit Stadien verhandeln, die bis zu 150 Kilometer entfernt sind. Zu konkreten Standorten oder laufenden Gesprächen können wir derzeit keine Details nennen. Klar ist aber, dass eine Saison außerhalb der eigenen Heimstätte organisatorisch und finanziell eine Herausforderung wäre.

Dazu käme der Verlust des Heimvorteils auf der Hohen Warte. Umso wichtiger ist uns eine langfristige Lösung am eigenen Standort. Wenn ein Aufstieg vorübergehend ein Ausweichen notwendig macht, nehmen wir diese Herausforderung natürlich gerne an – aber ich möchte betonen, dass das ein schönes Luxusproblem ist, weil wir dann eben in der Bundesliga spielen.

Das ist natürlich nicht die Champions League, aber man kann ja nicht immer nur raunzen, ohne eine Lösung parat zu haben.

90minuten: Wie bewerten Sie die wirtschaftliche Entwicklung der ADMIRAL 2. Liga in den letzten Jahren insgesamt – ich höre oft Beschwerden, wie schwer es ist, das Kicken in dieser Liga zu finanzieren?

Loy: Wir sind die fünfte Saison mit dabei und konnten den Umsatz jedes Jahr steigern. Der Zuschauerschnitt ist in der letzten Spielzeit ebenfalls gestiegen – und das, obwohl die vergangene Saison sportlich zum Vergessen war. Es kommt aber auch immer drauf an, welche Mannschaften in der Liga sind. Mit interessanten Klubs wie Wacker Innsbruck, Austria Salzburg und Blau-Weiß Linz hat die 2. Liga ein gewisses Flair. Das macht schon einiges aus.

90minuten: Ich möchte noch einmal bei den Beschwerden bleiben, weil viele, mit denen wir sprechen, eben die schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen der 2. Liga bekritteln. Wirft das nicht ein Schlaglicht auf die gesamte Liga?

Loy: Das ist natürlich nicht die Champions League, aber man kann ja nicht immer nur raunzen, ohne eine Lösung parat zu haben. Ich höre viel in den Bundesligameetings, aber ich denke, dass zu wenig auf den österreichischen Fußball in seiner Gesamtheit geachtet wird. Was wäre denn überhaupt eine Alternative? Eine Verkleinerung der 2. Liga auf beispielsweise zwölf Vereine würde bedeuten, dass vier Vereine absteigen. Auf der anderen Seite wollen die Bundesligaklubs aktuell keinen Relegationsplatz, das würde ich auch nicht wollen, wenn ich oben gegen den Abstieg spiele. Jeder regt sich in der 2. Liga über die Zweitvertretungen auf, aber ohne die schaffen wir keine Sechzehnerliga. Man darf hier nicht nur seine eigene Perspektive haben.

90minuten: Die Einwände gegen Zweierteams im Ligabetrieb sind ja bekannt. Es geht vielleicht gar nicht so sehr darum, dass Zweierteams weniger Fans anziehen. Ein Problem ist vielmehr, dass ein guter Spieler im Sommer gegen meinen Verein drei Tore erzielt, gegen meinen Titelkonkurrenten dann aber nicht mehr spielt, weil er in die erste Mannschaft hochgezogen wird.

Loy: Ja, schon. Aber sonst schaffen wir keine Sechzehnerliga. Es jammern zudem ja alle über die wirtschaftliche Lage, im Handball bis rauf in die Bundesliga. Ich persönlich kenne kein Konzept, das besser ist als das jetzige.

90minuten: Wir danken für das Gespräch!


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