David Affengruber: "Es ist wichtig, eigene Spuren zu ziehen"
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David Affengruber: "Es ist wichtig, eigene Spuren zu ziehen"

Als der heute 25-Jährige 2024 von Doublesieger Sturm zum spanischen Zweitligisten Elche wechselte, wurde er teilweise belächelt. Heute sieht sich der ÖFB-Legionär in seinem Weg bestätigt.

"Er könnte unser zukünftiger Kapitän sein", ist Anfang September in einem Fulham-Forum zu lesen. Die Rede ist von David Affengruber.

Der 25-Jährige, der über Sturm Graz und Elche den Sprung in die Premier League geschafft hat, ist in der Blüte seiner Karriere. Spätestens nach Startelf-Einsätzen für Fulham an der Anfield Road und zuhause gegen Manchester United sowie seinem ÖFB-Startelfdebüt mitsamt erstem Länderspieltor gegen den Kosovo ist klar: Der Niederösterreicher hat es an die Spitze der Fußballwelt geschafft. 

Am Trainingsgelände des FC Fulham spricht Affengruber mit 90minuten über seinen neuen Klub, seine Verbindung zu Sturm Graz und über den Stellenwert von Talent im Fußball.

90minuten: David, du bist am Deadline Day zum FC Fulham gewechselt. Wie ist der Transfer zustande gekommen?

David Affengruber: Es war ein sehr stressiger Tag. Angefangen hat es schon zuvor mit den Gesprächen. Diese waren sehr gut, dann mussten sich natürlich noch die Vereine einig werden. Das hat ein bisschen gedauert, aber schließlich ist der Transfer zustande gekommen, worüber ich mich extrem gefreut habe. Am Dienstag bin ich mittags von Alicante nach London geflogen, habe den Medizincheck gemacht und am Abend unterschrieben. Es war ein aufregender Tag.

90minuten: Wie schwer ist dir der Abschied von Elche gefallen?

Affengruber: Es ist kein Geheimnis, dass ich mich in Spanien wohlgefühlt habe und in Elche sehr glücklich war. Aber im Fußball muss man gewisse Entscheidungen für seine Karriere treffen. Für mich war das ein nächster Schritt. Es war klar, dass ich diese Möglichkeit nutzen möchte, wenn sie sich ergibt. Ich glaube, dass ich Elche trotzdem mit einem guten Gefühl verlassen habe. Ich bin auch richtig stolz darauf, was wir dort erreicht haben.

Bereits in seinem ersten Startelf-Einsatz für Fulham durfte sich Affengruber an der Anfield Road mit Wirtz und Co. messen. Am Ende gab es ein 0:0.
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Bereits in seinem ersten Startelf-Einsatz für Fulham durfte sich Affengruber an der Anfield Road mit Wirtz und Co. messen. Am Ende gab es ein 0:0.

90minuten: Du hast bei Fulham gleich die Chance bekommen, dich zu beweisen. Wie hast du das geschafft, und spürst du aufgrund der Ablöse und der Erwartungen zusätzlichen Druck?

Affengruber: Bezüglich der Ablöse verspüre ich keinen Druck. Das liegt nicht in meiner Hand. Dass ich gleich auswärts gegen Liverpool reingeworfen worden bin, war vielleicht sogar gut, weil man nicht viel nachdenken kann. Es war alles neu und aufregend, jeder Tag war etwas Neues für mich. Wir haben damals noch im Hotel gewohnt, alles ist sehr schnell gegangen. Ich wurde dann ins kalte Wasser geworfen, aber es hat gut funktioniert. Jetzt geht es darum, dass wir als Mannschaft einander immer besser kennenlernen. Das kommt mit den Spielen und den Trainings. Seit der Unterbrechung durch das Nationalteam ist es schon besser geworden. Jetzt heißt es einfach, immer zu liefern.

90minuten: Wie würdest du die Premier League mit der österreichischen Bundesliga und der spanischen Liga vergleichen?

Affengruber: Das ist schwierig zu vergleichen. Ich glaube, dass La Liga eine sehr gute Liga ist und zu den besten der Welt gehört. Die Art des Fußballs ist ein bisschen anders. In Spanien gibt es mehr Kontrolle mit dem Ball. In England ist es ein bisschen mehr Hin und Her, ein bisschen mehr Action. Das sind die größten Unterschiede.

Im ausverkauften Happel-Stadion ein Tor zu schießen, muss man auch einmal auf der Checkliste abhaken. Ein super Gefühl.

David Affengruber

90minuten: Du hast mittlerweile in Österreich, Spanien und England gespielt. Was hast du dabei als Spieler dazugelernt?

Affengruber: Eine Auslandserfahrung ist immer etwas Neues, speziell wenn man nach Spanien kommt und eine neue Sprache und Kultur kennenlernt. Außerdem habe ich in Spanien einen neuen Fußball kennengelernt. Dort wurde mehr auf Ballbesitz gespielt. Davor waren es bei Salzburg und Sturm Graz eher Pressing und diese Art von Fußball. Jetzt kann ich beides spielen. Ich glaube, es ist für einen Spieler immer gut, wenn er verschiedene Spielstile beherrscht. Das hilft in der Karriere sehr.

90minuten.at: Bei deinem Startelfdebüt im Nationalteam hast du gleich dein erstes Tor geschossen. Was ist in diesem Moment in dir vorgegangen?

Affengruber: Das war ein besonderer Moment. Im Nationalteam ist es immer etwas Besonderes, wenn man spielt. Jetzt war es das erste Mal, dass ich die Hymne auf dem Platz gesungen habe. Das fühlt sich schon gut an. Dann im ausverkauften Happel-Stadion ein Tor zu schießen, muss man auch einmal auf der Checkliste abhaken. Ein super Gefühl. Da ist auch ein bisschen Stolz dabei, weil es etwas ganz Spezielles ist, für das Nationalteam in so einem Moment ein Tor zu machen.

90minuten: Nach dem Sieg gegen den Kosovo gab es zwei Unentschieden. Wie fällt deine Bilanz des Lehrgangs aus?

Affengruber: Grundsätzlich hätten wir uns vielleicht mehr erhofft. Wir haben jetzt acht Punkte und sind Tabellenführer. Unser Ziel ist es, wieder aufzusteigen, und da sind wir auf einem guten Weg. Im nächsten Lehrgang haben wir gegen Irland das wichtige Heimspiel, das wir gewinnen müssen. Dann sieht es eigentlich ganz gut aus, aber wir dürfen nicht nachlassen und müssen jedes Spiel mit 100 Prozent Engagement und Intensität angehen.

90minuten: Wie erlebst du den Konkurrenzkampf auf der Innenverteidigerposition im Nationalteam?

Affengruber: Konkurrenz ist gut, auch fürs Nationalteam. Jeder muss Woche für Woche liefern. Nur dann ist man dabei. Du musst bei deinem Verein überzeugen und Leistung bringen. Das kann nur positiv für Österreich sein, wenn es auf einer Position so einen Konkurrenzkampf gibt. Dann steht in jedem Spiel der momentan beste Innenverteidiger auf dem Platz.

90minuten: Dein Weg im Klubfußball hat dich von Salzburg zu Sturm Graz geführt. Warum war der Wechsel zu Sturm damals der richtige Schritt?

Affengruber: In Salzburg war die Innenverteidigerposition sehr gut besetzt. Ich wollte spielen, weil ich noch immer sage, dass Spielzeit für einen jungen Spieler das Wichtigste für seine Entwicklung ist. Deshalb bin ich nach Graz gegangen. Natürlich wusste ich nicht, ob ich dort spielen würde, aber es war realistischer, dass ich zum Einsatz komme. Das hat dann gleich funktioniert. Wir hatten eine sehr erfolgreiche Zeit mit Sturm Graz.

90minuten: Welche Rolle haben Christian Ilzer und Andreas Schicker in dieser erfolgreichen Zeit gespielt?

Affengruber: Ich glaube, dass sie in Graz eine sehr große Rolle gespielt haben. Sonst hätten wir diese Ära, die wir ein Stück weit geprägt haben, vielleicht nicht so geschafft. Es hat einfach alles zusammengepasst: die Transfers, wie wir gespielt haben und der Mannschaftszusammenhalt. Da hat jedes Puzzleteil gepasst. Nur so wirst du in Österreich Meister.

Mit Sturm Graz wurde David Affengruber zweimal ÖFB-Cup-Sieger und gewann 2024 die Meisterschaft.
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Mit Sturm Graz wurde David Affengruber zweimal ÖFB-Cup-Sieger und gewann 2024 die Meisterschaft.

90minuten: Verfolgst du Sturm noch und hast du Kontakt zu ehemaligen Mitspielern?

Affengruber: Ab und zu. Ich bin auch im Sommer gerne einmal in Graz, weil ich noch viele Leute kenne. Mit Hierli (Stefan Hierländer, Anm.) war ich viel in Kontakt, leider hat er inzwischen aufgehört. Mit Jon (Gorenc-Stankovic, Anm.) habe ich noch ab und zu Kontakt. Wenn es geht, verfolge ich Sturm schon, speziell wenn sie international spielen. Das schaue ich mir sicher an, und ich drücke ihnen die Daumen.

90minuten: Was traust du Sturm grundsätzlich international zu?

Affengruber: International ist es immer schwierig. Wir haben das selbst erlebt. Das Wichtigste ist, so viele Punkte wie möglich zu holen. Im Endeffekt geht es darum, dass Österreich in der Fünfjahreswertung gut dasteht. Dafür müssen alle österreichischen Vereine international performen. Deshalb drücke ich auch jedem österreichischen Verein die Daumen. Für Österreich ist es wichtig, in der Fünfjahreswertung dort zu bleiben, wo wir jetzt sind.

90minuten: Du bist 2024 von Sturm Graz in die zweite spanische Liga zu Elche gewechselt. Diesen Schritt konnte nicht jeder nachvollziehen. Wie hast du das wahrgenommen?

Affengruber: Der Sommer war für mich lang. Es gab viele Gespräche. Der Schritt war aber gut überlegt, weil ich wusste, was dort möglich ist. Der Trainer war für mich interessant. Außerdem wollte ich ins Ausland, eine neue Kultur und eine neue Sprache kennenlernen. Dass der Wechsel von Sturm Graz in die zweite spanische Liga kritisiert wird, muss man verstehen. Vielleicht kennen manche die spanische zweite Liga einfach nicht, das ist eine sehr gute Liga. Der Plan war, aufzusteigen und La Liga zu spielen. Das ist gelungen. Daher würde ich sagen, dass es der richtige Weg war.

Es wird immer Kritik geben und immer Leute, die eine andere Meinung haben. Das muss man akzeptieren.

David Affengruber

90minuten: Wenn du solch eine Kritik hörst, denkst du dir dann, dass du es deinen Kritikern gezeigt hast?

Affengruber: Ich glaube, das gehört zu diesem Geschäft dazu. Es gibt immer Kritiker, davon lebt auch ein bisschen unser Geschäft Fußball. Es ist einfach cool, dass sich so viele Leute für diesen Sport und das, was wir machen, interessieren. Es wird immer Kritik geben und immer Leute, die eine andere Meinung haben. Das muss man akzeptieren. Aber das wird mich nie wirklich in meinen Entscheidungen oder meiner Leistung beeinflussen. Im Endeffekt stehe ich auf dem Platz und muss die Konsequenzen tragen, wenn ich etwas gut oder schlecht gemacht habe.

90minuten: Du hast in Salzburg mit einigen großen Talenten zusammengespielt. Wie hast du dich selbst damals gesehen?

Affengruber: Da hatten wir schon einige. Benjamin Šeško spielt jetzt bei Manchester United, Karim Adeyemi bei Barcelona, Nici (Seiwald, Anm.) bei Leipzig und Luka (Sucic, Anm.) bei Sociedad. Es ist cool, dass die Jungs alle ihren Weg machen. Gegen einige von ihnen haben wir auch schon gespielt, etwa gegen Luka in Spanien und gegen Karim erst vor dieser Saison. Wo ich mich selbst gesehen habe? Ich glaube, ich war einfach immer der Arbeiter. Ich musste mir vieles erarbeiten. Bis jetzt bin ich meinen Weg gegangen und muss sagen, dass ich auf meine Karriere bisher sehr stolz bin. Aber ich sehe immer noch viel Potenzial und weiß, dass noch mehr geht. 

90minuten: Haben es Spieler mit sehr viel Talent im Fußball leichter oder vielleicht sogar schwerer?

Affengruber: Nein, ich glaube, Talent hilft immer. Jeder Fußballprofi hat ein gewisses Talent. Das brauchst du, um Profi zu werden. Aber natürlich gehört auch harte Arbeit dazu. Talent plus harte Arbeit ist sicher die beste Kombi.

In Salzburg spielte David Affengruber mit Talenten wie Nicolas Seiwald, Benjamin Sesko und Luka Sucic zusammen.
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In Salzburg spielte David Affengruber mit Talenten wie Nicolas Seiwald, Benjamin Sesko und Luka Sucic zusammen.

90minuten: Du hast früher im Mittelfeld gespielt und bist erst später Innenverteidiger geworden. Wie ist es dazu gekommen?

Affengruber: In der Akademie war ich eigentlich nie wirklich Innenverteidiger. Nach der Vorbereitung hat es auf dieser Position nicht so gut ausgeschaut, und dann hat der Trainer entschieden, mich nach hinten zu stellen. Mein erstes Spiel auf dieser Position war gegen Amstetten zu Hause. Ich habe ein Tor geschossen, wir haben gewonnen, und danach bin ich hinten geblieben. Ich fühle mich dort sehr wohl. Es ist eine Position, auf der man das Spiel kontrollieren und abschätzen muss, wann man ins Risiko gehen kann. Das liegt und gefällt mir. 

90minuten: Was möchtest du in deiner Karriere noch erreichen?

Affengruber: Ich bin jetzt 25 Jahre alt und habe schon vor, so lange wie möglich auf höchstem Niveau in den Top-5-Ligen zu spielen. Ich bin bisher immer meinen Weg gegangen und habe noch viel vor. Sicher ist auch die Champions League ein großes Ziel von mir. Aber das kommt alles Schritt für Schritt. Jetzt geht es erst einmal darum, mich bei Fulham in der Premier League zu etablieren.

90minuten: Dein eigenes YouTube-Format heißt "Affis Overtime". Warum dieser Name und warum zeigst du, was du nach dem Training noch machst?

Affengruber: Da geht es einfach darum, was außerhalb vom Fußball so Thema ist. Ich habe das Format gestartet, weil ich junge Mädels und Buben für den Sport begeistern möchte. Ich bin zum Beispiel durch eine Netflix-Doku zu Formel 1 gekommen, weil ich einfach die Behind-the-Scenes-Szenen extrem interessant fand. Und ich glaube, dass man da der jungen Generation schon etwas mitgeben kann und sie das vielleicht ein bisschen mehr zum Fußball hinzieht.

90minuten: Du hast dich selbst als Arbeiter beschrieben. Was würdest du jungen Fußballern raten, die sich vielleicht nicht als das größte Talent im Kader sehen?

Affengruber: Das Wichtigste, was ich jungen Fußballern immer sage, ist: Der Spaß darf nie verloren gehen. Ich habe noch immer Spaß am Fußball, deswegen mache ich es. Dann sollte man seinen eigenen Weg gehen. Man kann nicht einfach jemanden kopieren. Es ist extrem wichtig, seine eigenen Spuren zu ziehen und hart zu arbeiten. Aber man muss unbedingt Spaß am Fußballspielen haben.

90minuten: Was würdest du deinem jüngeren Ich sagen, das 2021 gerade Salzburg verlässt?

Affengruber: Geh deinen Weg. Mach es mit voller Überzeugung. Dann bin ich mir sicher, dass du es schaffst.

90minuten: Danke für das Gespräch!

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