Pokalfinale und am Ende Rang neun in der Liga!
Lange ist es her, dass der SCR Altach eine so sorgenfreie Saison spielen konnte, wie im vergangenen Jahr. Aufgrund der Punkteteilung wurde es in den letzten Runden zwar nochmal kurz knapp, am Ende stand aber der souveräne Klassenerhalt.
Erfolg weckt bekanntlich Begehrlichkeiten. So mussten die Altacher im Sommer mit Mohamed Ouedraogo, der für 2,2 Millionen Euro nach Lyon wechselte, und Sandro Ingolitsch zwei Stammkräfte ziehen lassen.
Im Rahmen des Bundesliga-Mediadays spricht Trainer Ognjen Zaric im Interview mit 90minuten über den Verlust wichtiger Leistungsträger, die Entwicklung junger Spieler, realistische Saisonziele und warum die Fans Geduld brauchen.
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90minuten: Der Pflichtspielstart steht vor der Tür. Wo steht der SCR Altach nach der langen Vorbereitung?
Ognjen Zaric: Wir müssen realistisch einordnen, dass wir zehn Wechsel im Sommer hatten. Wir mussten einen Kaderumbruch bewältigen. Da haben wir unter anderem mit Alexander Gorgon und Lukas Gugganig viel Erfahrung verloren und versucht, das mit jungen Spielern aus der zweiten Liga aufzufangen.
90minuten: Sie sprechen die jungen Spieler wie Yanis Eisschill, Henrique Bell und Denizcan Cosgun an. Wie weit sind sie in ihrer Entwicklung?
Zaric: Sie bringen alle sehr spannende Profile mit. Aber wir müssen sie erst technisch und taktisch hinführen. Auch physisch. Ich glaube, das hat man in der letzten Saison gut gesehen. Wir spielen einen sehr intensiven Fußball und da haben die Jungs natürlich noch Aufholbedarf. Deshalb spielt der Faktor Zeit da auch eine Rolle.
Für mich war Momo (Anm. Ouedraogo) im Frühjahr der beste Spieler auf der linken Seite in der Bundesliga.
90minuten: Neben der Routine hat Altach mit Mohamed Ouedraogo und Sandro Ingolitsch auch zwei wichtige Stammspieler verloren. Wie schwer wiegt deren Abgang?
Zaric: Wir mussten auf zwei entscheidenden Positionen wechseln. Mit Ouedraogo und Ingolitsch haben wir beide Wing-Backs verloren. Da verlierst du nicht nur viel Qualität, sondern auch viele Scorer. Für mich war Momo (Anm. Ouedraogo) im Frühjahr der beste Spieler auf der linken Seite in der Bundesliga. Aber der Transfer ist natürlich für den ganzen Klub super. Er wechselt von Altach zu einem Champions-League-Klub und bringt uns als Verein sehr viel Geld.
90minuten: Mit Benjamin Böckle und Niklas Niehoff hat der Verein die beiden Abgänge bereits ersetzt. Was erwarten Sie sich von den beiden?
Zaric: Mit Böckle bekommen wir jemanden, der sehr laufstark ist und sich als Vorarlberger sehr mit dem Klub identifiziert. Der Wechsel von Niehoff hat sich leider sehr lange gezogen und er hat die ganze Vorbereitung nicht bei uns mitgemacht. Er bringt aber ein sehr offensives Profil mit, mit viel Potenzial.
90minuten: Steht der Kader schon oder wünschen Sie sich noch was?
Zaric: Uns fehlt sicherlich noch ein schneller Offensivspieler. Ob das jetzt ein Stürmer, ein Halbraum oder ein Flügel ist, ist nicht ganz so wichtig. Wichtiger ist, dass wir nochmal mehr Tempo in vorderster Linie haben.
90minuten: Im Sturm gibt es mit Rückkehrer Srdjan Hrstic, Shingo Nakano und Marko Raguz drei Neue. Wie sehen Sie Altach an vorderster Front aufgestellt?
Zaric: Bei Shingo (Anm. Nakano) ist es so, dass er viele Tore erzielt hat. Aber wir müssen das Niveau auch realistisch einschätzen. Er hatte in der Vorbereitung körperliche Themen, aufgrund der Belastung.
Bei Marko (Anm. Raguz) ist es so: Wenn wir vom Best-Case ausgehen, dann ist es eine Win-Win-Situation. Er ist menschlich hervorragend, aber wir haben vereinbart, dass wir ihn Schritt für Schritt heranführen. Wenn wir ihn wieder annähernd auf das Niveau bekommen, auf dem er war, haben wir vieles richtig gemacht.
Und dann ist da noch Srdjan (Anm. Hrstic). Er weiß, welchen Fußball wir spielen und ist in der Mannschaft sehr beliebt. Am Ende ist es immer auch eine Frage, was der Markt hergibt und wir sehen bei ihm noch viel Luft nach oben.
90minuten: Die letzte Saison war mit Pokalfinale und Rang neun sehr erfolgreich. Was muss aus Ihrer Sicht passieren, dass die nächste Saison ähnlich erfolgreich verläuft?
Zaric: Wir haben ein sehr ehrliches Gespräch mit der Geschäftsführung und der sportlichen Leitung geführt. Dabei haben wir uns auf zwei Punkte geeinigt, dass wir Spieler weiterentwickeln, die uns mittelfristig sportlich helfen und langfristig dann Geld bringen. Dann wollen wir natürlich in der Liga bleiben. Je früher, desto besser.
Das sind die zwei ehrlichen Ziele. So sehen das sowohl ich als auch der Verein. Und da hat der Klub auch gesagt, dass ich der richtige Trainer bin. Weil wenn wir jetzt sagen, dass wir in die Top 6 wollen, dann müssen wir ganz andere Aktivitäten auf dem Transfermarkt machen. Da braucht es in der Offensive jemanden, der das gezeigt hat und auch in der Breite deutlich mehr Spieler. Das heißt aber nicht, dass wir das nicht wollen würden.
Man muss respektieren, dass der Verein den wirtschaftlich nachhaltigen Weg gehen möchte.
90minuten: Das heißt aber auch, dass die Fans mit der Mannschaft ein bisschen nachsichtig sein müssen?
Zaric: Ich glaube, wir müssen das ehrlich kommunizieren. Wir müssen die Fans in diesem Bewusstsein auch mitnehmen. Der SCR Altach ist ein wirtschaftlich sehr sauber und stabil geführter Klub. Da muss man auch respektieren, dass der Verein den wirtschaftlich nachhaltigen Weg gehen möchte. Das sollte dann auch jeder Fan verstehen.
90minuten: Altach hat in den letzten Jahren viel von der Punkteteilung profitiert. Wie stehen Sie zum Ende?
Zaric: Ich bin froh, dass ich es einmal miterlebt habe, mit einem positiven Ende natürlich. Es bringt viele Spannungen mit. Aber im Sinne der sportlichen Gerechtigkeit ist es absolut fair, so wie es nun ist.
90minuten: Vielen Dank für das Gespräch!
Florian Gabriel