Er trifft und trifft und trifft!
Sebastian Bachler sorgt in der 2. Klasse in Tirol für Aufsehen: 62 Tore in nur 24 Spielen für den FC Oberndorf sprechen eine klare Sprache. Damit war der 20-Jährige der Spieler mit den meisten Toren im Kalenderjahr 2025 in Österreich.
90minuten gibt zum Jahresende auch unterklassigen Spielern eine Bühne und rückt außergewöhnliche Leistungen abseits des Profigeschäfts ins Rampenlicht. Im Interview spricht Bachler über seine irre Torquote, Erfahrungen in höheren Ligen, seine Liebe zu seinem Heimatverein und Lionel Messi.
(Text wird unter Video "Vom Unterhaus zum Star" fortgesetzt)
90minuten: Du hast im Kalenderjahr 2025 62 Tore in der Liga geschossen. Dazu kommen zwei im Cup. Das alles in 24 Spielen. Wie schießt man so viele Tore?
Sebastian Bachler: (lacht) Ich glaube, dass das mit der Mannschaft zusammenhängt. Das Jahr haben wir einfach eine brutal gute Mannschaft. Das ist mein Heimatverein und für den schießt man gerne Tore.
90minuten: Wo würdest du sagen, liegen deine Stärken?
Bachler: Ich stehe oft richtig. Ich bin sehr schnell und meine Mitspieler wissen auch, wo ich stehe und dann passt das ganz gut.
90minuten: Aufsteigen könnt ihr ja trotzdem nicht?
Bachler: Da gibts eine neue Regel, wir können nicht aufsteigen, aber Meister ist Meister und dann steigen wir halt nächstes Jahr auf. Soweit sind wir ungeschlagen.
90minuten: Du hast zuvor höher gespielt. Genauer gesagt bei Kitzbühel in der vierten und dann in der dritthöchsten Liga Österreichs. Wie war diese Erfahrung?
Bachler: Es war relativ interessant. Ich bin mit 17 von Oberndorf von der 2. Klasse in die vierte Liga. Ich hab ein Jahr hart trainiert, dass ich da mithalten kann. Dann ist eh gleich der Aufstieg gekommen und ich habe auch meine Einsatzminuten bekommen. Aber ich habe gemerkt, dass da sehr viel Arbeit dahinter steckt.
Der Spaß am Fußball war nicht mehr wirklich da.
90minuten: Was machst du hauptberuflich? Und wie lässt sich das mit dem Fußball verbinden?
Bachler: Ich bin Zimmerer. Du bist von der Arbeit um halb 6 heimkommen und um 6 bist du wieder aufs Training gefahren und das drei, vier Mal die Woche.
90minuten: Was waren dann die Gründe, warum du Kitzbühel verlassen hast?
Bachler: Wir sind aufgestiegen in die dritte Liga. Das ist dann nochmal ein anderes Niveau, da bin ich auch nicht mehr wirklich auf meine Einsatzminuten gekommen. Der Spaß am Fußball war nicht mehr wirklich da. Wenn du am Samstag nach Vorarlberg fahren musst für ein Spiel, da deine 20 Minuten bekommst und dann am Sonntag noch für die zweite Mannschaft spielen musst, dann hast du von der Freizeit nicht mehr viel. Es hat sich angefühlt, als würde ich von der Arbeit weggehen und dann wieder zur Arbeit gehen. Mir ist der Spaß am Fußball dann wieder wichtiger geworden. Deswegen bin ich wieder in Oberndorf. Es ist natürlich was anderes als bei Kitzbühel zu spielen.
90minuten: Hattest du in der Vergangenheit auch mit Verletzungen zu kämpfen?
Bachler: Nur in Kitzbühel. Ich habe mir mal die Nase gebrochen und vier Mal die Außenbänder gerissen. Das war eine ärgere Verletzung. Da war es dann auch schwierig in der dritten Liga mit den anderen mitzuhalten und auch die Umstellung von der 2. Klasse in die dritte bzw. vierte Liga ist ein großer Sprung, fast zu groß.
90minuten: Und jetzt?
Bachler: Jetzt ist der Spaß wieder voll da und ich spiele jeden Tag mit meinen Freunden Fußball und wir sind erfolgreich. Die meisten sind aus dem Dorf und wir sind auch in der Freizeit gemeinsam unterwegs. Da sitzt man nach dem Training vielleicht auch ein bisschen länger.
90minuten: Herrscht in Oberndorf auch eine Art Euphorie, wenn die lokale Mannschaft so erfolgreich ist?
Bachler: Man merkt schon, dass mehr Leute am Fußballplatz sind. Es macht Spaß, wenn man so viele sieht, die dich abfeiern.
90minuten: Ergreifen die gegnerischen Trainer schon Maßnahmen, wenn da jemand so viele Tore macht?
Bachler: Es ist schon schwieriger geworden. Ich habe schon mal drei Leute bei mir. Und die decken dich und steigen dir 90 Minuten auf die Füße.
90minuten: Ist es dein Ziel irgendwann wieder höher zu spielen?
Bachler: Ich hab schon darüber nachgedacht. Aber jetzt will ich mal mit Oberndorf Meister werden und vielleicht ein bis zwei Mal aufsteigen in den nächsten Jahren und dann greife ich vielleicht nochmal an und geh weiter rauf.
90minuten: Du bist auch Kapitän deiner Mannschaft. Wie ist es dazu gekommen? Du bist ja erst 20 Jahre und seit Jänner wieder beim Klub?
Bachler: Der vorherige Kapitän hat sich verletzt und dann war ich vom ersten Spiel an Kapitän und bin es auch geblieben. Es passt irgendwie. Ich bin auch eher der lautere am Platz.
Vor der Saison war mein Ziel drei Tore pro Spiel im Schnitt. Schauen wir mal, ob ich das noch erreichen kann in der Rückrunde.
90minuten: Hast du einen Lieblingsverein?
Bachler: Wacker Innsbruck ist mein Lieblingsverein. Es schaut aktuell wieder besser für sie aus. Damals waren sie noch unter mir. Ich hab aber leider nie gegen sie gespielt, ich habe sie immer knapp verpasst.
90minuten: Und international?
Bachler: Ich bin Messi-Fan. Aber der bessere soll gewinnen, ich habe international keinen wirklichen Lieblingsverein.
90minuten: Was sagst du zum Argentinien-Los bei der WM?
Bachler: Natürlich geil. Ich glaube, die machen wir fertig, wir haben ja auch den Arnautovic (lacht).
90minuten: Wenn er nur halb so viele Tore macht wie du, mache ich mir keine Sorgen.
Bachler: (lacht) Es ist ein geiles Gefühl. Vor der Saison war mein Ziel drei Tore pro Spiel im Schnitt. Schauen wir mal, ob ich das noch erreichen kann in der Rückrunde.
90minuten: Was sagst du zur Qualität in der Liga?
Bachler: Es ist nicht einfach. In der 2. Klasse wird härter Fußball gespielt, als in der dritten oder vierten Liga. Technisch veranlagt ist es nicht mehr so und ein schnelles Spiel ist es auch nicht, aber körperlich: Ich glaube ich werde zehn Mal mehr gefoult als in Kitzbühel. Und man hat halt nur Derbys und das ist ja der Anreiz, wenn da Feuer im Spiel ist. Das ist eine geile Sache.
90minuten: Danke für das Gespräch!
Florian Hager