In wenigen Wochen eröffnen Mexiko und Südafrika die Weltmeisterschaft 2026. Die Zeitverschiebung zwischen Österreich und Nordamerika will es so, dass viele der äußerst zahlreichen Spiele spätnachts oder frühmorgens über die Bühne gehen werden. Das Wachbleiben verschönern könnte die vergrößerte Anzahl an bekannten Gesichtern.
Vier Spieler aus der österreichischen Bundesliga haben an der WM 2022 mitgewirkt. Diese Zahl wird sich mit Sicherheit erhöhen, allein dank der erfolgreichen ÖFB-Qualifikation.
WM-Teilnehmer aus der Bundesliga 2022:
Spieler | Verein | Nation | WM-Einsätze |
|---|---|---|---|
Luka Sucic | Red Bull Salzburg | Kroatien | 0 |
Strahinja Pavlovic | Red Bull Salzburg | Serbien | 3 |
Noah Okafor | Red Bull Salzburg | Schweiz | 3 |
Philipp Köhn | Red Bull Salzburg | Schweiz | 0 |
Bis zum 11. Mai müssen die Teamchefs aller teilnehmenden Nationen ihren Großkader mit bis zu 55 Spielern nominieren. Ab dem 25. Mai müssen die Spieler von ihren Vereinen freigegeben werden, am 1. Juni müssen alle endgültigen 26-Mann-Kader stehen.
Der Pool aus mehr oder weniger hoffnungsvollen Kandidaten ist dementsprechend noch unübersichtlich groß, lässt sich aus österreichischer Sicht aber schnell aussieben. Weder Haiti noch Kap Verde, Katar oder Usbekistan sind aktuell in den zwei höchsten heimischen Spielklassen vertreten - damit sind nur einige Beispiele genannt. Andere Nationalteams wie Deutschland, Frankreich, Spanien oder England orientieren sich beim Bau ihrer Kader in Richtung der größeren Ligen.
Wer hat - abgesehen von ÖFB-Spielern - aktuell die besten Karten? Und wer verpasst die WM am Ende knapp?
Red Bull Salzburg:
Schweden:
John Mellberg hat sein letztes Pflichtspiel im Juli 2025 absolviert, kurz davor stand der 19-Jährige erstmals im Kader des schwedischen Nationalteams. Trainieren kann der Innenverteidiger inzwischen wieder. Dass Mellberg im zugespitzten Titelkampf noch genug Spielpraxis sammeln kann, um den seit Oktober amtierenden Graham Potter für eine Nominierung zu begeistern, ist so gut wie ausgeschlossen. Die Skandinavier konnten Polen im Qualifikations-Playoff überwinden und treffen bei der WM auf Tunesien, die Niederlande und Japan.
Japan:
Takumu Kawamura kam im Sommer 2024 nach Salzburg, blieb seitdem aber unentwegt vom Verletzungspech verfolgt. Nach einer Knie-Operation im Jänner ist eine WM-Teilnahme unrealistisch. Drei Mal durfte der 26-Jährige in seiner bisherigen Karriere für Japans Nationalteam auflaufen. Besser sieht es für Sota Kitano aus: Der Offensivspieler durfte im November 2025 debütieren und sollte zumindest seinen Platz im Großkader sicher haben.
Bosnien und Herzegowina:
Kerim Alajbegovic wird nach einer beeindruckenden Saison bei Red Bull Salzburg im Sommer zu Bayer Leverkusen zurückkehren. Zumindest während der Gruppenphase ist der 18-Jährige jedenfalls noch in Österreich registriert - wichtig ist das vor allem für die Berechnung der Abstellungsprämie. Alajbegovic ist bei Bosnien aktuell als Bankspieler gesetzt und sollte gegen Kanada, die Schweiz und Katar mehrere Einsätze absolvieren können.
Ghana:
Edmund Baidoo hat bislang noch kein Länderspiel für Ghana absolviert, weder im Nachwuchs- noch im Erwachsenenbereich. Weil Otto Addo nach der Länderspielpause im März den Teamchefposten räumen musste, könnte sich aber unter anderer Führung ein neuer Blick auf das verfügbare Personal ergeben. Wenn Dan Agyei (28) von Kacaelispor aus der türkischen Süper Lig - wie gegen Österreich und Deutschland - in den Kader rutschen kann, sollte es auch für Baidoo nicht abwegig sein. Für den 20-Jährigen spricht sein Tempo, gegen ihn die noch immer nicht überwundene Abschlussschwäche.
Elfenbeinküste:
Von seinem Kreuzbandriss inzwischen zurückgekehrt ist Karim Konate. Der Stürmer hat nach neun Liga-Einsätzen vielversprechende vier Tore auf seinem Konto, muss seine Form aber verbessern, um gesichert auf den WM-Zug aufspringen zu können. Vor allem in der Offensive ist die Konkurrenz groß, aber nicht unüberwindbar.
LASK
Tschechien:
Offensivspieler Krystof Danek konnte im November für Tschechien debütieren, damals noch unter Interimstrainer Jaroslav Köstl. Seit Anfang März setzt er allerdings mit einer muskulären Verletzung aus. Wird er rechtzeitig vor dem Saisonende wieder fit, sollte es zumindest für eine Nennung im Großkader reichen. Sollte Tschechien drei offensive Mittelfeldspieler zur WM mitnehmen, müsste Danek sich gegen mehrere nominell ebenbürtige Konkurrenten durchsetzen.
Panama:
Andres Andrade hat für Panama die gesamte Qualifikation bestritten und wird ohne Zweifel an der Weltmeisterschaft teilnehmen. Mit seiner Nationalmannschaft trifft er dort auf Ghana, Kroatien und England.
USA:
Auch wenn Samuel Adeniran seine Torquote unter Didi Kühbauer klar verbessern konnte, kommt wohl nur ein US-Amerikaner des LASK für eine Einberufung durch Mauricio Pochettino in Betracht. George Bello spielt eine bemerkenswert gute Saison, vielleicht seine beste in Österreich. Die Außenbahnen des Gastgeberlandes sind mit Sergino Dest und Antonee Robinson gut besetzt, vor allem auf der linken Seite fehlt es aber an einer überzeugenden Back-Up-Lösung.
Senegal:
Modou Keba Cisse hat sich im Lauf der Saison 2025/26 gut entwickelt, eine erstmalige Einberufung in das senegalesische Nationalteam wäre nicht mehr weit hergeholt. Hinter dem 34-Jährigen Kalidou Koulibaly und Chelsea-Reservist Mamadou Sarr wächst eine neue Generation von Innenverteidigern heran, die für Mittelklassevereine in der Ligue 1 und La Liga aktiv ist. Cisse fehlt derzeit noch Erfahrung auf höchstem Niveau, im Blickfeld stehen, sollte der künftige Aston Villa Spieler aber schon.
SK Rapid
Elfenbeinküste:
Mit einer erfolgreicheren Saison des SK Rapid im Rücken hätte Romeo Amane sich womöglich erfolgreich für einen der letzten Kaderplätze bewerben können. Hinter Stammkräften wie Franck Kessie, Seko Fofana und Ibrahim Sangare werden die Backup-Rollen im Mittelfeld an Spieler außerhalb der großen Ligen vergeben, Amane bleibt - Stand jetzt - aber außen vor. Der 23-Jährige wartet noch auf den ersten Länderspiel-Einsatz für sein Heimatland.
Tunesien:
Sofern Armin-Elias Gröller sich in den kommenden Jahren zum Bundesliga-Spieler entwickeln kann, wird er Länderspiele für Tunesiens Nationalteam absolvieren. Die Qualitätsdichte der Nordafrikaner ist überschaubar - für eine WM-Nominierung nach einer Saison ohne regelmäßige Spielpraxis kommt der 21-Jährige aber wohl trotzdem nicht in Frage.
Australien:
Marco Tilio hat 11 Länderspiele für Australien absolviert und die WM 2022 zumindest als Bankspieler miterlebt, zuletzt im Kader stand er im Juni 2025. Seit seinem Wechsel zum SK Rapid im Winter konnte der 24-jährige Offensivspieler keine Argumente für eine erneute Einberufung sammeln und hat im Vergleich mit der Konkurrenz wohl das Nachsehen.
Norwegen:
Um einen Platz im Großkader oder als Ersatzkraft für eine hochkarätig besetzte Offensive um Erling Haaland, Martin Ødegaard, Alexander Sørloth und Antonio Nusa zu ergattern, hätten sowohl Tobias Gulliksen als auch Petter Nosa Dahl eine herausragende Saison gebraucht. Beide spielen in Norwegens Nationalteam aktuell keine Rolle.
Austria Wien
Südkorea:
Außenverteidiger Tae-Seok Lee ist bei Südkorea gesetzt und wird bei der WM dabei sein. Ob auch Austria-Teamkollege Kang-Hee Lee in den Kader rutscht, ist hingegen fraglich. Zwar sammelt der Defensivspieler regelmäßig auf höherem Niveau Erfahrung als die Konkurrenz - im Nationalteam dabei war der 24-Jährige dafür noch nicht.
Australien:
Zweieinhalb Monate nach seiner ersten Nominierung für Australiens Nationalteam musste Noah Botic alle WM-Träume ad acta legen: Ein Knöchelbruch Ende November macht eine Teilnahme am Turnier unmöglich.
Sturm Graz
Bosnien und Herzegowina:
Weil sich Bosnien sein WM-Ticket im Playoff gegen Italien spektakulär sichern konnte, dürfen sich gleich drei Grazer berechtigte Hoffnungen auf eine Endrunden-Teilnahme machen. Sollte die Fitness mitspielen, ist mit Jusuf Gazibegovic zu rechnen. Ein schwieriger Herbst in Köln ohne Einsätze hat den 26-Jährigen zwar vorübergehend seinen Kaderplatz gekostet, zuletzt stand er aber wieder auf der Abrufliste.
Gleiches gilt für Emir Karic, der im Herbst gegen Österreich sein Debüt geben durfte. Außenverteidiger Arjan Malic war im März für die U21 im Einsatz, hat unter Teamchef Sergej Barbarez aber bereits sechs Länderspiele absolviert. Mit seiner Leistungen im Rahmen der WM-Qualifikation hatte der 20-Jährige maßgeblichen Anteil am Einzug ins Playoff.
SV Ried
Südafrika:
Antonio Van Wyk hat in seiner ersten Bundesliga-Saison bei der SV Ried eine positive Entwicklung genommen, wartet aber noch auf seinen ersten Nationalteam-Einsatz. In der Offensive gibt es mit Lyle Foster (FC Burnley) ein klares Aushängeschild, dahinter setzt Teamchef Hugo Broos vor allem auf etablierte Kräfte aus der südafrikanischen Liga und wird laut eigenen Angaben nicht mehr nennenswert von dieser Zusammensetzung abweichen. Für den Großkader kommt Van Wyk in Frage, darüber hinaus wird es schwierig.
Teamkollege Yusuf Maart stand für Südafrika zuletzt 2022 auf dem Platz, war im Juni 2025 aber Teil eines 30-Mann-Kaders für zwei Freundschaftsspiele. Wenig später zog es den Routinier nach Ried, wo er sich als Leistungsträger etablieren konnte. Auch seine Konkurrenten stammen großteils aus der heimischen Liga.
Irak:
Bayern-Leihgabe Jussef Nasrawe hätte im März laut Medienberichten eigentlich sein Debüt für den Irak geben sollen. Eine angekündigte Nominierung des gebürtigen Münchners kam letztlich nicht zustande, zumindest die Formalismen sollen im Hintergrund aber geklärt worden sein. Der 19-jährige Mittelfeldspieler hätte im Fall eines Nationenwechsels wohl gute Aussichten auf einen Kaderplatz, sofern er seine Spielzeit in Ried steigern kann.
TSV Hartberg
Australien:
Im 90minuten-Interview Anfang Mai 2025 (>> Hier lesen) nannte der Flügelspieler die Weltmeisterschaft als großes Ziel. Einen ordentlichen Dämpfer wegstecken musste Jed Drew dann aufgrund einer Rückenverletzung, die ihn für große Teile der Herbstsaison außer Gefecht gesetzt haben. Intakt sind die Chancen zwar, am Ende doch noch in den Kader zu rutschen.
In der Meistergruppe Tore oder Assists und damit Argumente für eine Nominierung zu sammeln, wird allerdings kein leichtes Unterfangen. Im Moment müsste der schnelle 22-Jährige viel Boden auf die Konkurrenz gutmachen.
GAK
Australien:
Die "Socceroos" haben einen zweiten Rechtsverteidiger gesucht und ihn wohl in Jacob Italiano gefunden. Der 24-Jährige konnte in drei Nationalteam-Einsätzen seit Oktober überzeugen und darf sich berechtigte Hoffnungen auf eine WM-Teilnahme machen - die verbesserte Form des GAK kommt auch aus persönlicher Sicht zum richtigen Zeitpunkt. Ein möglicher Konkurrent, Sam Silvera von Middlesbrough, fällt zudem mit einem Mittelfußbruch aus.
FAC
Kap Verde:
Erstmals hat sich Kap Verde für eine Fußball-Weltmeisterschaft qualifiziert und bekommt es im Juni mit Spanien, Uruguay und Saudi-Arabien zu tun. Ist dabei vielleicht sogar erstmals ein Liga-Zwa-Spieler bei einer WM mit von der Partie? Außenbahnspieler Flavio kam 2014 über Portugal nach Österreich und spielt seit 2020 in Wien-Floridsdorf. Bis dato hat der 30-Jährige aber noch kein Länderspiel für sein Heimatland absolviert. Bestenfalls sind ihm demnach Außenseiterchancen einzuräumen.
Tunesien:
Bis in die U23 von Tunesien hat es der 20-jährige Innenverteidiger Josef Taieb schon geschafft. Beim FAC kommt er inzwischen regelmäßig zum Einsatz, die WM kommt aber wohl das eine oder andere Jahr zu früh. Die aktuell gesetzten Innenverteidiger spielen in Slowenien, der Ukraine, der Türkei und in der höchsten Liga Tunesiens - unendlich weit ist der Weg in die Nationalmannschaft also nicht.
Daniel Sauer