Warum Thomas Silberberger beim WAC schon jetzt zur Mahnung ansetzt
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Warum Thomas Silberberger beim WAC schon jetzt zur Mahnung ansetzt

Vor einem schwierigen Liga-Auftakt ist der WAC-Cheftrainer bemüht, Mannschaft und Umfeld auf dem Boden zu halten.

Auf die Kaderplanung für die neue Saison angesprochen, baut sich Thomas Silberberger gleich um ein paar Zentimeter auf. Beim Wolfsberger AC ist es üblich, dass Trainer sich aktiv in den Rekrutierungsprozess einbringen sollen.

Einen Sportdirektor gibt es bekanntlich nicht, die Arbeit teilen sie sich mit dem Präsidenten Dietmar Riegler und Teammanager Markus Perchthaler.

Eine so klare Handschrift, wie sie Silberberger dem Kader aufgedrückt hat, kann man aber nicht all seinen Vorgängern nachsagen.

Innenverteidiger Raffael Behounek und Stürmer Giacomo Vrioni kennt der Tiroler noch aus gemeinsamen WSG-Zeiten. Die beiden Offensivspieler Sky Schwarz und Marco Schabauer hat er von seiner letzten Station bei der Admira mitgebracht.

"Diese Spieler wären nicht beim WAC, wenn ich nicht gesagt hätte, dass ich sie will", lautet deshalb das knappe Fazit.

Großer Umbruch

Gemeinsam mit fünf anderen Neuzugängen und einigen Leih-Rückkehrern sollen die vier die letzten Monate vergessen machen.

Die Saison nach der Beinahe-Meisterschaft und dem errungenen Cup-Titel kostete die Wolfsberger nicht nur Trainer Didi Kühbauer, sondern auch zahlreiche große Namen. Ballo, Kojzek, Schöpf, Baumgartner, Zukic, Nwaiwu - sie alle haben den Verein verlassen.

Erleichterte Stimmung nach dem geschafften Klassenerhalt im Mai
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Erleichterte Stimmung nach dem geschafften Klassenerhalt im Mai

Ohne den dritten Trainerwechsel wäre man vielleicht auch in die 2. Liga geschlittert. Weder Peter Pacult noch Ismail Atalan konnten die Mannschaft in die Spur bringen, erst mit Silberberger gelang der Turnaround.

Der 53-Jährige blickt zurück: "Ich habe gleich gesagt, dass es die schwierigste Saison meiner Trainerlaufbahn war. Zwischendurch war es wirklich extrem kritisch, am Ende haben wir es mit Bravour gemeistert. Ich habe aber keine Sekunde darüber nachgedacht, welche schlimmen Dinge hätten passieren können."

Bessere Stimmung mit neuem Personal

Im 90minuten-Interview nach der Saison sprach er von fliegenden Menschen im Training. Mit fokussierten Übungen sollte die Mannschaft Intensität zurückgewinnen. Damals wurde an Grundlagen gefeilt.

"Wir haben die Dinge trainiert, mit denen Bundesligaspiele entschieden werden: Zweikämpfe, zweite und dritte Bälle und Standardsituationen", sagt Silberberger.

Wir hatten Sitzordnungen, damit jeder einmal mit jedem am Tisch sitzt und keine Grüppchen entstehen.

Nicolas Wimmer

Inzwischen wurde das Programm um spielerische Elemente erweitert, in der Vorbereitung war dafür Zeit. Auch Teambuilding hatte einen hohen Stellenwert.

Nicolas Wimmer, neuer Kapitän, berichtet: "Wir haben im Trainingslager viel Wert darauf gelegt, dass die neuen Spieler integriert werden. Wir hatten Sitzordnungen, damit jeder einmal mit jedem am Tisch sitzt und keine Grüppchen entstehen."

In der Vorsaison habe sich die Mannschaft in Phasen von innen heraus zerfetzt, jeder habe gegen jeden gearbeitet, sagt er. Wimmer selbst stand nach Spielen oft frustriert vor TV-Mikrofonen. Auch deshalb beschwört er jetzt den Zusammenhalt in einer neu zusammengestellten Truppe.

Den Umbruch hält er schon jetzt für ausreichend verarbeitet: "In unserem Geschäft ist das alles gar nicht so schwierig. Man kennt sich untereinander, die Integration geht relativ schnell. Natürlich ist es schade, wenn Spieler den Verein verlassen, mit denen wir gemeinsam den Cup-Titel gefeiert haben."

Arbeit am Kader wird fortgesetzt

Den WAC noch verlassen könnte Stammkeeper Nikolas Polster, ein Angebot liegt allerdings nicht vor. Im nächsten Sommer läuft der Vertrag des 24-Jährigen aus.

Ein ablösefreier Transfer wäre ein bitterer Rückschlag, für die Kärntner, die 2024 einen mittleren sechsstelligen Betrag in Polster investiert haben.

Eine Deadline für einen Polster-Transfer setzt Silberberger nicht, das Thema könnte daher bis zum Ende der Transferphase erhalten bleiben.

Was aus dem Lavanttal aber schon durchklingt: Man möchte mit dem Leistungsträger verlängern und wünscht sich eine baldige Einigung.

Polster behielt 2025/26 neunmal eine weiße Weste
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Polster behielt 2025/26 neunmal eine weiße Weste

Sollte es nicht dazu kommen, wäre es nicht überraschend, wenn Silberberger im Lauf der Saison auch Lukas Gütlbauer mehr Spielzeit zukommen lässt, um sich auf einen Abschied vorzubereiten.

Ebenfalls nicht verpflichtet wurde Dominik Fitz. Auf diese Personalie angesprochen, winkt der Trainer gleich ab: "Darüber wird jetzt seit sechs Wochen diskutiert. Wir waren während meines USA-Urlaubes in der gleichen Stadt und haben uns kurz kontaktiert. Mehr ist nicht passiert."

Mit Philipp Verhounig soll sich der Verein laut Medienberichten kurz vor Ligastart nochmals in der Offensive verstärken. Der Liefering-Kapitän blühte im Frühjahr unter Danny Galm auch im Erwachsenenfußball auf.

Die vorderste Reihe ist damit - wie andere Mannschaftsteile - sehr dicht besetzt. Weitere Abgänge wären daher keine Überraschung.

Als 20-Jähriger passt Verhounig auch zur wiedergefundenen Ausrichtung des WAC: Man will wieder vom Österreicher-Topf profitieren.

Dieser hätte dem Verein im Vorjahr mehr als 600.000 Euro einbringen können. 2026/27 wäre wohl rund die Hälfte zu holen.

Mahnende Worte vom Trainer

Noch vor dem Start in der Liga mahnt Silberberger jedenfalls zur Vorsicht. "Die Vorbereitung wirkt sehr vielversprechend, weil wir kein Spiel verloren haben. Es darf aber niemand glauben, dass es schon laufen wird. Das ist gefährlich. Ich will das auch nicht gelten lassen. Dann hebe ich schon mahnend den Finger, wenn mir etwas nicht passt."

Das Auftaktprogramm hat es in sich. Nach zwei Heimspielen gegen Austria Wien und Red Bull Salzburg gastiert in Runde vier der LASK in Wolfsberg. Dazwischen wartet eine lange Auswärtsfahrt nach Lustenau.

Der WAC stellt sich daher früh in der Saison einem Charaktertest. Für den Trainer sollte danach feststehen, ob er weiter entwickeln darf, oder zurück zur Grundlagenarbeit muss.


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