Philipp Semlic: "Wir werden noch Spieler brauchen"
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Philipp Semlic: "Wir werden noch Spieler brauchen"

Die WSG Tirol startete mit einem Punkt gegen Sturm in die Saison. Ein generalüberholter Kader soll die Tiroler zum Klassenerhalt und im Idealfall darüber hinaus führen. Noch ist dieser aber nicht fertig.

Im Wattener Gernot-Langes-Stadion sind in den letzten Wochen Bagger über das Spielfeld gerollt. Als erste Etappe des Umbaus wird eine Rasenheizung installiert, im Herbst folgen Arbeiten an den Tribünen, ehe die WSG 2027 aus dem Innsbrucker Tivoli in die Heimat zurückkehren soll.

Generalüberholt wurde seit Anfang Juni auch der Kader von Cheftrainer Philipp Semlic – allerdings nur zum Teil aus freien Stücken.

Nur sechs Spieler, die der Steirer schon in seinem ersten Jahr betreut hat, sind auch jetzt, in seinem dritten, noch mit von der Partie. Mehr als die Hälfte des Personals aus 2025/26 hat den Verein verlassen, darunter acht der elf Spieler mit den meisten Einsatzminuten.

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Kurzum: Die WSG Tirol musste sich neu aufstellen und macht das – so sagt Semlic – gerne, weil sie sich als Plattform versteht.

"Wir arbeiten in Zweijahreszyklen. Da geht es uns nicht anders als vielen anderen kleineren Vereinen in Europa. Mit unseren Abgängen haben wir immer offen kommuniziert – bei einigen waren wir uns einig, dass sie jetzt den nächsten Schritt machen müssen, weil sie eindeutig das Zeug dazu haben."

Die 90minuten-Saisonvorschau der WSG Tirol:


Dass Leistungsträger der Vorsaison wie Matthäus Taferner, Valentino Müller und Adam Stejskal noch keinen neuen Verein gefunden haben, macht dem Trainer keine Sorgen. Er stehe immer noch mit vielen Spielern in Kontakt, erklärt Semlic. Vom Lawrence-Transfer nach Belgien wusste er schon vorab.

Stejskals Suche nach einem neuen Arbeitgeber wird derzeit von einer Verletzung erschwert, Müller soll sich für einen Wechsel nach Spanien oder Portugal interessieren. Dort läuft der Markt erst an.

Fest steht bei der WSG: "Wenn sich für die Jungs am Ende des Sommers nicht der Weg ergeben hat, den sie sich vorgestellt haben, steht ihnen die Tür bei uns immer offen."

Weitere Neuzugänge sollen kommen

Um die Abgänge bestmöglich zu kompensieren, wurden bislang sieben neue potenzielle Stammspieler verpflichtet. Dass das nicht reichen wird, weiß auch Semlic:

"Es wird in allen Linien noch einen Spieler brauchen, der das Niveau heben kann. Stand jetzt sehe ich uns konkurrenzfähig. Um unser großes Ziel zu erreichen, wird sich aber noch etwas tun müssen. Jetzt gilt es, den richtigen Moment abzuwarten."

Das angesprochene große Ziel lautet zunächst Klassenerhalt, dann – wie im Vorjahr - ein ernsthafter Vorstoß in Richtung Meistergruppe.

Ein großer Umbruch macht die Arbeit in dieser Hinsicht kaum einfacher. Anders als bei großen Vereinen kann im Trainingslager nicht auf die Erkenntnisse der Vorsaison aufgebaut werden.

Bei den Neuzugängen fängt man mit den Grundlagen an. Weil wir nach klaren Profilen suchen, sind unsere Ideen aber auch nicht neu für die Spieler.

Philipp Semlic

Semlic meint: "Bei den Neuzugängen fängt man natürlich mit den Grundlagen an. Weil wir nach klaren Profilen suchen, sind unsere Ideen aber auch nicht neu für die Spieler. Es geht vor allem um Abstimmung, Raumaufteilung und Timing. Das ist immer viel Arbeit, dieser Prozess wird noch einige Zeit laufen. Für mich macht das aber auch das Trainersein aus - vor allem bei der WSG."

Im Trainerteam bleibe die gesammelte Erfahrung außerdem erhalten, sagt er. Man wisse, welche Zugänge in welchen Phasen der Meisterschaft bei welchen Gegnern funktioniert haben.

Neue Netzwerke

Eine für die WSG sehr wertvolle Quelle für hochveranlagte Stürmer, der Nachwuchs von Juventus Turin, ist inzwischen versiegt. Die Führungsriege der Italiener wurde in den letzten Jahren sukzessive ausgetauscht, alle Ansprechpersonen mussten den Verein verlassen.

Stattdessen schlug man im Sommer zum zweiten Mal in England zu. In der Vorsaison kam Ademola Ola-Adebomi von Crystal Palace, jetzt wurde Michael Olakigbe von Brentford ausgeliehen. Darauf angesprochen grinst Semlic nur. Zwar gebe es keine feste Pipeline, wohl aber gute Kontakte.

Der neue WSG-Speedster im Testspiel-Einsatz
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Der neue WSG-Speedster im Testspiel-Einsatz

Geholfen haben soll in diesem Fall der Transfer von Jannik Schuster aus Salzburg zum Premier-League-Klub aus London. Die "Bees" hatten Österreich genauer im Blick, über Berater wurde Olakigbe später nach Tirol gelotst.

"Wir haben gesehen, dass wir dieses Element brauchen. In diese Richtung entwickelt sich auch die Bundesliga: Es braucht Eins-gegen-eins-Spieler, Tempospieler. Das hatten wir im letzten Jahr so nicht. Mit Husein Balic und Michael Olakigbe sind jetzt zwei dazugekommen, die diese Elemente hineinbringen", stellt Semlic die Neuverpflichtungen vor.

Kabine wird wieder lauter

Für die verbliebenen Spieler ist die neue Saison mit Umstellungen verbunden. Kabinennachbarn sind weg, die eine oder andere Freundesgruppe hat sich aufgelöst. Mit Lukas Hinterseer gibt es im Kader aber immerhin eine erfahrene Ansprechperson.

"Meine Rolle verändert sich nicht wirklich. Wenn es Fragen gibt, bin ich immer ansprechbar. Wir haben ein gutes Miteinander", meint er.

Jetzt haben wir wieder ein paar Charaktere dazubekommen. Das ist auch total in Ordnung.

Lukas Hinterseer

Vor zwei Jahren sei die Mannschaft im Umgang miteinander ein bisschen lauter gewesen, letztes Jahr eine Spur ruhiger. "Jetzt haben wir wieder ein paar Charaktere dazubekommen. Das ist auch total in Ordnung. Wichtig ist, dass wir schnell zusammenfinden. Nur so haben wir eine Chance."

Es sei, so Hinterseer, außerdem wichtig, erneut einen guten Start zu erwischen, um Vertrauen aufzubauen und nicht ins Zweifeln zu kommen. "Wir haben kein leichtes Programm. Wenn es zu Beginn schief laufen sollte, müssen wir das auch richtig einordnen."

Mit dem 1:1 gegen Vizemeister Sturm Graz ist der Auftakt in die Bundesliga-Saison schon einmal zufriedenstellend verlaufen. Torschütze war Neuzugang Michael Olakigbe.

Semlic will Rückkehr nach Wattens erleben

Dass Semlic selbst dem Verein erhalten geblieben ist, ist nicht selbstverständlich. Bei offenen Trainerposten im Inland wird sein Name inzwischen regelmäßig genannt. Das Beispiel Max Senft zeigt außerdem, dass man auch im Ausland die Bundesliga im Blick hat. Trotzdem hat er seinen Vertrag im Frühjahr verlängert.

Ich denke nicht an den nächsten Schritt. Vielleicht limitiert mich das im Vergleich mit anderen, die ihre Karriere anders gestalten.

Philipp Semlic

Zu diesem Punkt hält er fest: "Ich bin seit fast 20 Jahren Trainer. In dieser Zeit habe ich meine Erfahrungen gemacht. Wenn ich in meiner Position immer an den nächsten Schritt denke, verliere ich zwangsläufig das Hier und Jetzt aus dem Auge. Das führt zu Unruhe. Mittlerweile mache ich das überhaupt nicht mehr. Vielleicht limitiert mich das im Vergleich mit anderen, die ihre eigene Karriere anders gestalten."

Das Stadionprojekt bezeichnet der 43-Jährige als wichtige Tribefeder, um den Verein aus dem Abstiegssumpf in Richtung Meistergruppe zu heben. "Das ist eine rein budgetäre Geschichte. Mit dem Stadion im Hintergrund ist diese Entwicklung möglich, da will ich dabei sein."

Das Gernot-Langes-Stadion in Wattens wird demnächst erneuert
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Das Gernot-Langes-Stadion in Wattens wird demnächst erneuert

Im Alltag bietet die WSG Tirol viele Freiheiten, die es in größeren Vereinen nicht geben kann. "Mir ist wichtig, dass ich Spaß habe und in einem Verein arbeite, in dem ich mich und meine Ideen entwickeln kann, ohne eine strikte Linie auferlegt zu bekommen. Deswegen habe ich den Schritt zur WSG auch gemacht. Der Verein muss sich entwickeln."

Hinterseer-Verlängerung per Handschlag

Auch Lukas Hinterseer hat seinen Vertrag zum Ende der Vorsaison noch einmal verlängert. Der 35-Jährige wird den Verein zumindest als Spieler nicht mehr verlassen:

"Ich bin froh, dass ich bei der WSG bin. Ich verstehe aber auch die Jungs, die sich hier präsentieren wollen, um einen nächsten Schritt zu machen."

Nach dem Spiel gegen Linz hatte ich ein zweiminütiges Gespräch mit 'Köcki', in dem ich ihm gleich per Handschlag zugesagt habe.

Hinterseer über seine Vertragsverlängerung

Besonders lange nachdenken musste er über das Zusatzjahr nicht: "Nach dem Spiel gegen Blau-Weiß Linz hatte ich ein zweiminütiges Gespräch mit 'Köcki', in dem ich ihm gleich per Handschlag für die nächste Saison zugesagt habe. Kurz nach dem Trainingsstart hat er mich dann angerufen und gemeint, dass wir den Vertrag ja auch noch unterschreiben müssen. Das war innerhalb kürzester Zeit erledigt."

Als Kapitän tritt Hinterseer jetzt die Nachfolge von Valentino Müller an: "Ich bin jetzt für einen größeren Teil meines Lebens Profi gewesen, als ich kein Profi war. Es macht immer noch Spaß, jeden Tag im Training vorneweg zu gehen, den jungen Spielern alles mitzugeben."

Diese Führung wird es zumindest in den kommenden Wochen auch brauchen. Als Gegner warten mitunter Red Bull Salzburg und die Wiener Austria.



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