Ist die Hydration Break was für Österreich?
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Ist die Hydration Break was für Österreich?

Bei großer Hitze notwendig, teilte die institutionalisierte und vermarktete Hydration Break zwei Weltmeisterschaftshalbzeiten in Viertel. Soll die Bundesliga sie auch einführen?

Erstmals gab es bei der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko etwa zur Mitte der Halbzeit hin eine rund drei Minuten andauernde Unterbrechung. Diese wurde Hydration Break genannt, während der Ball nicht rollte, konnte Werbung gesendet werden. Ist das auch für die österreichische Bundesliga ein Modell?

Denn an einem eiskalten Freitagabend im Februar in Innsbruck wird wohl kein Mensch eine Hydration Break brauchen. Sieht man sich aber die fortschreitende Kommerzialisierung des Fußballs an, könnte das irgendwann Realität werden.

90minuten hat verschiedene Trainer und Kapitäne der Bundesliga-Klubs befragt, wie sie die Sachlage einschätzen. Die Antworten bewegen sich zwischen gesundheitlicher Notwendigkeit, taktischem Nutzen und Kritik an der Kommerzialisierung – insgesamt überwiegt die Skepsis.

In Österreich könnte man sie auch durchführen. Das Regelwerk erlaubt den Schiedsrichtern aktuell, eine Trinkpause von einer Minute oder eine Kühlpause von drei Minuten zu bestimmen. Wie die Admiral Bundesliga gegenüber "Sky" jüngst erklärte, ist eine verpflichtende Trinkpause aktuell nicht geplant.

Der Hitze trotzen

Einen klaren Konsens gibt es in einer Sache, die WSG-Tirol-Trainer Philipp Semlic so formuliert: "Sportwissenschaftlich sind Trinkpausen bei hohen Temperaturen ab 28 Grad gut und wichtig."

Einer, der diese Temperaturen lange Jahre am eigenen Leib in Kairo erlebt hat, ist Neo-Ried-Coach Mario Despotovic, der diese aus eigener Erfahrung begrüßt. Für ihn steht dabei vor allem die Gesundheit der Spieler im Vordergrund. Die Trinkpause per se ist auch für Austria-Lustenau-Trainer Markus Mader gut, sollte aber nicht zu lange sein.

Damit kann man als Trainer noch einmal alle erreichen, wenn es zu Beginn nicht laufen sollte. Ansonsten muss man auf dem Platz ja stille Post spielen.

Thomas Silberberger

Rapid-Übungsleiter Johannes Hoff Thorup schränkt jedoch wiederum ein: "Ich denke, es gibt nur sehr, sehr wenige Spiele, bei denen die Temperatur tatsächlich eine Trinkpause erfordert." Damit hat der Däne einen Punkt:

Denn erstens ist es traditionell eher in den Sommermonaten Juli und August über 28 Grad heiß. Zweitens verschieben sich die Hitzewellen und kommen tendenziell früher – also ist die heimische Bundesliga einstweilen hauptsächlich im August davon betroffen. Doch die Pause ist nicht nur zum Trinken da.

Input ist gut, aber...

Sturms Fabio Ingolitsch begrüßt die Break "aus Trainersicht auf jeden Fall, weil du dann einfach früher schon die Möglichkeit hast, auf das Spiel nochmal Einfluss zu nehmen." Wenn man es im Vorfeld weiß, dass diese kommt, so Semlic, "kann das Trainerteam das auch entsprechend vorbereiten". Interessant: Kapitän Jon Gorenc-Stankovic ist dagegen, die Break würde den Spielfluss brechen.

Inglotisch' WAC-Pendant Thomas Silberberger pflichtet seinem Trainerkollegen aber bei: "Damit kann man als Trainer noch einmal alle erreichen, wenn es zu Beginn nicht laufen sollte. Ansonsten muss man auf dem Platz ja stille Post spielen und bekommt am Ende trotzdem nicht, was man eigentlich wollte." Für Altachs Ognjen Zarić ergibt sich wiederum nur ein "kleiner Vorteil". Doch alles hat zwei Seiten.

Denn beim LASK sind sich Kapitän Sascha Horvath und Trainer Didi Kühbauer einig, dass sie für die unterlegene Mannschaft ein Vorteil ist, weil sich die Spieler neu einstellen können. Gleichzeitig verliert die spielbestimmende Mannschaft ihr Momentum. Ist man auf der anderen Seite, so Rapid-Kicker Matthias Seidl, "nimmt sie den Flow ein bisschen aus dem Spiel".

Bei Rapid sieht man es so: Es gibt nur wenige Spiele, die tatsächlich eine Trinkpause aufgrund der Hitze erfordern
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Bei Rapid sieht man es so: Es gibt nur wenige Spiele, die tatsächlich eine Trinkpause aufgrund der Hitze erfordern

Weniger um die taktische Schieflage als um die Temperatur geht es TSV-Hartberg-Routinier Tobias Kainz: "In Kombination mit den Temperaturen kann die Hydration Break Trainer und Mannschaft helfen."

Gerade zu Saisonbeginn, wenn Abläufe noch nicht automatisiert sind, erscheint der zusätzliche Trainerinput für viele nachvollziehbar. Ob sich diese taktischen Eindrücke auch in den Zahlen widerspiegeln, ist allerdings weniger eindeutig.

Sportliche Entwicklung? Eher Geld

104 Spiele reichen zwar aus, um erste Tendenzen zu erkennen. Aber belastbare Rückschlüsse darauf, ob die Hydration Break das Spiel dauerhaft verändert, lassen sich daraus noch nicht ziehen. Dafür unterscheiden sich Turniermodus, Klima und Spielverläufe zu stark vom Ligaalltag.

Bei der WM fielen ansonsten - genauso wie bisher auch üblich - die meisten Tore nach Minute 75. Der Verdacht liegt daher nahe, dass nicht die Trinkpause dahintersteckt, sondern die in den letzten Jahren exzessiv angewandte Nachspielzeit: Je länger die reguläre Spielzeit durch Nachspielzeit gestreckt wird, desto mehr Spielanteile verschieben sich rein rechnerisch in die späte Phase.

Das bestätigte auch der ehemalige Arsenal-Trainer und heute für globale Fußballentwicklung zuständige Arsène Wenger gegenüber der BBC: "Ich hatte nicht den Eindruck, dass sie die Ergebnisse beeinflusst haben." Trinkpausen seien "manchmal nicht gut angekommen", und die FIFA werde "analysieren, welche Auswirkungen sie hatten".

In erster Linie geht es hierbei ums Kommerzielle. Das finde ich nicht so gut.

Andreas Leitner

Über eine Sache gibt es ohnehin keine zwei Meinungen: Natürlich spielt der Kommerz eine Rolle. Bei Fox Sports, so die BBC, hätte ein 30-sekündiger Werbespot zwischen 200.000 und 300.000 US-Dollar gekostet, in der Finalphase bis zu 750.000 USD. In Europa bäckt man kleinere Brötchen. Die ARD hatte ihr Pausen-Paket mit sechs Spots für insgesamt 600.000 Euro nach Angaben der "Bild" bereits vor der WM vollständig verkauft.

Bedenken geäußert

Schätzungen für den heimischen Markt bewegten sich im Vorfeld der WM zwischen 9.000 und 18.000 Euro für 30 Sekunden Werbung. Im internationalen Vergleich ist das deutlich weniger, aber auch für österreichische Verhältnisse kein unbeträchtlicher Erlös.

Und so sehen es auch die heimischen Akteure: Hier soll es ums Geld gehen. Ried-Kapitän und Torhüter Andreas Leitner meint etwa: "In erster Linie geht es hierbei ums Kommerzielle. Das finde ich nicht so gut."

Kühbauer vermutet auch, dass die Bundesliga finanziell "nicht durch die Decke" gehen werde. Überhaupt, so Schopp, "ist es zu kommerzialisiert. Für mich war das WM-Finale ein Symbol: Ich habe das Spiel nie gespürt, dabei sollte das im Vordergrund stehen. Ich habe Angst, dass das noch mehr vom Spiel ablenkt".

Dem Schlusswort des Meistertrainers kann man wohl zustimmen: "Man muss auch nicht auf jeden Zug raufspringen."


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