Ach, wären doch alle in der Conference League [Fünfjahreswertung]

Ach, wären doch alle in der Conference League [Fünfjahreswertung]

Der vierte Spieltag bringt einen vielleicht nicht mehr ganz so wichtigen Heimsieg des LASK gegen Union St.-Gilloise. Salzburg und Sturm verlieren die Duelle mit den Italienern und überhaupt wäre es besser, wenn nicht alle in so schwierigen Bewerben wären.

+ + 90minuten.at PLUS - Von Georg Sohler + +

 

Red Bull Salzburg verliert auch das zweite Spiel gegen Inter Mailand. Kein Beinbruch, immerhin standen die Norditaliener im Juni im Champions League-Finale und können mit Lautaro Martínez einen Weltmeister von der Bank bringen. Dass beide Duelle wegen relativ späten Elfmetern zugunsten des Teams von Marko Arnautović entschieden wurden, darf aber durchaus erwähnt werden. Wegen der starken Performance von Real Sociedad ist der Achtelfinalzug schon abgefahren, an den letzten beiden Spieltagen gilt es nun, das direkte Duell gegen Benfica für sich zu entscheiden, um in die Zwischenrunde der Europa League zu kommen.

Dorthin möchte auch der SK Sturm. Nach der Niederlage gegen Atalanta Bergamo geht gilt es daheim gegen Raków Czestochowa Platz drei zu holen und zu hoffen, dass Bergamo daheim gegen Sporting gewinnt. Dann hätten die Blackies am letzten Spieltag die Möglichkeit, die Lissaboner von der Europa- in die Europa Conference League zu befördern. Wie bei den Bullen muss Rang drei und ein damit verbundenes europäisches Überwintern nun der Auftrag sein.

Das wird für den LASK hingegen schwierig. Zwar holte die gegenwärtig in guter Form agierenden Athletiker drei Punkte gegen Union St.-Gilloise, weil sich aber Liverpool in Toulouse nicht gerade mit Ruhm bekleckerte, sind die Oberösterreicher nach wie vor Letzter. Es ist theoretisch auch noch ein Weiterkommen in der EL drinnen. Voraussetzung für Platz drei ist es, das direkte Duell mit den Belgiern zu gewinnen. Dafür braucht es einen Punkt. Um in der EL zu überwintern, müsste man wohl an der Anfield Road mindestens einen Punkt holen und gegen Toulouse gewinnen. Die Europa Conference League ist da wahrscheinlicher - und wäre ohnehin "besser" gewesen, wie sich gleich zeigen wird.

 

Vorsprung halten

Österreich kommt in der Fünfjahreswertung nicht so recht vom Fleck. Vor dem vierten Spieltag hatte man 31.000 Punkte, nun dank des LASK-Sieges 31.400. Der Rückstand auf Schottland ist von 1.650 auf 1.850 moderat angewachsen, die Türkei hat nicht angeschrieben, ist aber mit 3.950 Punkten sehr, sehr weit weg. Konkret: Selbst wenn Österreichs Vertreter in einem ersten Schritt alle sechs ausstehenden Spiele gewinnen, die Türken gar keine Punkte holen, sind sie noch immer vier Siege vorne. Um die Schotten einzuholen, bräuchte es fünf Siege mehr.

Nach hinten hält der Vorsprung gewissermaßen. Die Schweiz war zur Gruppenphasenhalbzeit 0.225 Punkte hinter Team Rot-Weiß-Rot, ist es jetzt noch immer. Die Tschechen hatten 2.700 Zähler Rückstand, nun sind es 1.600. Holen die Tschechen drei Siege und ein Unentschieden mehr, sind sie an Österreich vorbei, da ein Sieg wegen nur vier angetretenen Mannschaften 0.500 statt 0.400 Punkte bringt. Dänemark konnte ebenfalls leicht aufholen, Norwegen machte Riesenschritte, noch haben die heimischen Vertreter aber wohl genug Vorsprung.

 

 

Türkei und Schottland: Lieber ECL?

Bei der Türkei zeigt sich eindrucksvoll, warum dieser Artikel die Headline hat, die er hat. Vorneweg: Galatasaray ist in der Champions League in der Gruppe A, Bayern hat alle Spiele gewonnen, Manchester United ist aber nur noch ein Schatten seiner selbst, weswegen Gala nach vier Spieltagen einen Punkt vor den gar nicht so furchteinflößenden Red Devils liegt und sogar noch ins Achtelfinale kommen kann. Umgekehrt könnte man auch ganz rausfliegen, nur um das auch zu erwähnen. Fenerbahçe führt die Gruppe H der ECL mit neun Punkten an, verlor allerdings gegen Razgrad. Das könnte noch eng werden, drei Siege nach vier Spieltagen bringen aber eben viele Punkte. Beşiktaş wiederum ist die Antithese zu "In der ECL kann man leicht punkten". Die Gruppe mit Brügge, Bodö/Glimt und Lugano mag zwar unangenehm sein, mehr als ein Punkt nach vier Spielen sollte aber drinnen sein. Vor allem hilft es auch nichts, wenn die Norweger ihren sieben Punkten keine mehr dazufügen, selbst wenn die Türken zwei Mal gewinnen - denn beide Spiele gewann Bodö/Glimt.

Genauso wenig hat Celtic erreicht. Zwar ist man in der Champions League, konnte aber nur Atlético ein Pünktchen abtrotzen und wurde nun im Rückspiel mit 6:0 überrollt. Feyenoord hat sechs Punkte, die Wahrscheinlichkeit auf Europacup im Frühling 2024 ist für die Schotten eher theoretischer Natur. Dem Stadtrivalen Rangers ergeht es besser. Nach dem Sieg gegen Sparta liegt man mit sieben Punkten auf Platz 2 der Europa League-Gruppe C. An Spieltag fünf braucht man daheim gegen Aris Limassol nur einen Punkt, dann geht es zumindest in der ECL weiter. Der Zug ist für Aberdeen bereits abgefahren. PAOK (10 P) und Eintracht Frankfurt (9) liegen uneinholbar vor den Schotten.

 

Die Verfolger Schweiz, Tschechien und Co.

Die Schweiz hat noch drei Vertreter. Die Young Boys Bern liefern sich mit Roter Stern Belgrad in de CL ein Schneckenrennen. Manchester City und RB Leipzig sind vorne weg, die Schweizer liegen wegen des schlechteren Torverhältnisses auf Rang 4. Das Hinspiel endete 2:2, somit geht es am 5. Spieltag darum, sich einen Vorteil zu verschaffen. Servette Genf (4 Punkte) muss sich seinerseits in der EL Sheriff Tiraspol (1) vom Hals halten, an Slavia und AS Roma (beide 9) wird man wohl nicht vorbeikommen. Lugano hat in der ECL dank der erwähnten schlechten Performance von Beşiktaş noch Chancen auf ein Weiterkommen, muss aber vier Punkte Rückstand auf Bodö/Glimt aufholen.

Die tschechischen Klubs wurden schon angeschnitten. Slavia Prag liegt auf Aufstiegskurs, Sparta ist in der Rangers-Gruppe mittendrin im Kampf, um zumindest in der ECL weiterzumachen. Und Viktoria Pilsen hat überhaupt alle vier Spiele in der zugegebenermaßen einfachen Gruppe mit Astana, Ballkani und Dinamo Zagreb gewonnen.

Kopenhagen überraschte jüngst United in der Bayern-Gruppe in der CL, gegen diese muss man am nächsten Spieltag antreten. Wie auch bei Gala ist alles drinnen. Nordsjælland hat gegenwärtig sieben Punkte und liegt einen vor Ludogorets Razgrad, zwei hinter Fener. Das wird noch ein hartes Stück Arbeit, empfängt man doch die Türken und die Bulgaren haben mit Trnava wohl die leichtere Aufgabe. Am letzten Spieltag kommt es dann zum direkten Duell um den Aufstieg.

Molde schlägt sich in der Leverkusen-Gruppe der EL übrigens gut. Nach dem Sieg gegen Häcken hat man gleich viele Punkte wie Karabach Agdam. Rang drei ist dank des gewonnen direkten Duells mit den Schweden schon fix. Bodö/Glimt muss drei Punkte Vorsprung gegen Lugano verteidigen, um in der ECL zu überwintern.

 

Kleinere Brötchen, mehrere Chancen

Die Salzburg-Gruppe ist der Königsklasse mehr als würdig, aber auch Sturm und der LASK hatten es schwer. Bergamo spielte 2019/20 bis 2021/22 drei Mal Gruppenphase in der Champins League, Sporting war 21/22 und 22/23 ebendort, Częstochowa ist immerhin amtierender polnischer Meister. Die Athletiker haben mit Liverpool natürlich einen Weltklub, aber auch Union St.-Gilloise war 2020/21 belgischer Meister, ist ein Topklub aus einer passablen Liga. Toulouse mag als amtierender Cupsieger Frankreichs nicht den klingenden Namen haben, aber ist eben amtierender Cupsieger Frankreichs.

Natürlich müssen die Clubs nach dem höchsten Streben, hinsichtlich der Fünfjahreswertung wäre aber ein Punktesammler in der ECL nicht so schlecht. Der LASK wäre beispielsweise ein Topf1-Team in der ECL gewesen, da hätte man mit Klubs der Preisklasse Slovan, Astana oder Ballkani schon Schlittenfahren können. Sturm wäre zwar im zweiten Topf gewesen, aber in Pot1 und 2 wären Vereine wie Dinamo Zagreb, Ferencváros, Slovan Bratislava oder Bodö/Glimt gewesen - allesamt Gegner, die mit Sicherheit unterhalb von Sporting, LFC und Co stehen. 

Erwähnen sollte man auch: Hätte Rapid die Fiorentina geschlagen, wäre man in Topf2 der ECL gelandet, ledigliich die Austria hätte sich aus Topf4 kommend abmühen müssen. Unbestritten ist wohl, dass in der Conference League leichter Punkte zu holen wären. Dann wäre Rang 10 nicht so weit weg. 

++ EXKLUSIV ++

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