Wer eingeladen ist, muss trotzdem erst kommen [Zuschauer:innencheck Bundesliga, 4. Runde]
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Wer eingeladen ist, muss trotzdem erst kommen [Zuschauer:innencheck Bundesliga, 4. Runde]

Landauf, landab bemühen sich die Klubs der Admiral Bundesliga, die Fans ins Stadion zu bekommen. Wie bei einer normalen Party gilt aber generell: Auch wer eingeladen ist, muss einmal kommen.

+ + 90minuten.at Exklusiv - Ein Zuschauer:innencheck von Georg Sander + +

 

Beinahe jede Woche lassen sich die Klubs Aktionen einfallen, wie sie mehr Menschen in die Stadien der Liga bekommen. Einfach freier Eintritt, Amateurklubs aus dem Bundesland, Einladung für Frauen- und Mädchenteams und, und, und. Da und dort führt das dann zu mehr Fans, wie jüngst bei der WSG Tirol oder aktuell wohl bei Austria Klagenfurt. Der Impact ist bei den kleineren Vereinen des Landes natürlich größer - würde Rapid zu 15.000 "normalen" Zuseher:innen 1.000 einladen, wäre das kaum eine Fußnote wert, die Hütteldorfer haben sowieso im Regelfall bei einem Heimspiel die mit Abstand meistens Besucher:innen der Runde.

Letzte Woche wurden da (Graz) und dort (Wien-Favoriten) mehr Fans prognostiziert. Aber es helfen wohl auch kaum Freikartenaktionen, wenn die Menschen ihre Lieblingsmannschaft zum Teil zweimal in der Woche sehen können, Urlaubszeit ist auch und - das sollte nicht vergessen werden - die Inflation und Lebenshaltungskosten steigen an. Vor allem letzterer Grund wird sich nicht wirklich positiv auf den Zuschauer:innenschnitt auswirken. Die Details:

 

Zweimal Austria, einmal Lustenau, einmal Klagenfurt

Mit 3.723 begrüßte Aufsteiger Austria Lustenau gegen den TSV Hartberg recht viele Fans im heimischen Reichshofstadion. Ein Vergleich, weil es sonst keinen gibt: In der Meistergruppe 2021/22 kamen beim Duell zwischen dem TSV und dem Nachbarn Altach nur knapp 2.500 Besucher:innen. Auch bemerkenswert: Seit die Fans mit der Meistergruppe wieder quasi ohne Corona-Beschränkungen ins Stadion dürfen, war der niedrigste Rundenwert nur in der 32. Meisterschaftsrunde im Frühjahr so hoch wie nun.

Austria Klagenfurt warb wiederum um Fans und gegen die SV Ried kamen 4.506. Obwohl diese Paarung wenig Tradition hat, hat sie doch viel Brisanz. Die Aktionen rund um das Spiel dürften sich jedenfalls ausgezahlt haben, im Februar 2022 lautete der offizielle Besuch 3.250 und da ging es in Runde 21 um viel. Der beste Besuch war die drittletzte Partie im Februar 2020, 5.547 waren im Austria-Heimstadion zu Gast. 2018 verirrten sich 500 Menschen ins Stadion in der Landeshauptstadt.

 

Rapid und Austria kommen früh dran

Selbst wenn der SK Rapid auswärts spielt, ist er meistens unter den Top2, was den Besuch betrifft. Nicht so in Pasching, solange der LASK dort kickt, rund 6.000 Fans passen in das Waldstadion. Offiziell angegeben wurden 5.800. Viel mehr ist über dieses Spiel nicht zu sagen, den Athletikern wird ein Umzug auf die neue Gugl fantechnisch wohl gut tun, auch wnn man wohl danach trachten muss, wirklich einmal zu den anderen Topklubs aufzuschließen. Sportlicher Erfolg, wie derzeit, hilft da sicher.

Den braucht Austria Wien ganz dringend, sei es wie am Wochenende gegen die WSG Tirol oder am Donnerstag gegen Fenerbahçe. 8.526 gegen die Tiroler sind, Freikartenaktionen hin oder her, Rekord. Das zweitbestbesuchte Spiel zwischen den Klubs fand im Oktober 2019 vor 8.040 Fans statt, 1969 spielte die Austria gegen Wattens (noch vor der Spielgemeinschaft SpG Wattens-Wacker Innsbruck) laut Archiv vor 7.000 Menschen.

 

Vizemeister und Meister: Fast unerklärlich

Wenn der SCR Altach über den Arlberg und noch ein paar mehr Hügel Richtung Steiermark reist, dann ist das für die Anhänger:innen des SK Sturm meistens nicht so die große Sause. Während der Besucher:innenschnitt der Schwarz-Weißen über die Saison gesehen sehr oft über 10.000 liegt, kommen gegen die Vorarlberger stets deutlich weniger. Seit 2005 duellieren sich die Teams auf höchster Ebene, 19 Mal in Liebenau, seit 2016 kletterte die Besucher:innenzahl nie wieder in den fünfstelligen Bereich. Und das, obwohl die Bilanz mit 15 Heimsiegen, drei Remis und nur einer Niederlage ganz klar für die Steirer spricht.

Meister Red Bull Salzburg war zuletzt zweimal in der Fremde zu Werke und nun gegen den WAC daheim und ähnlich wie bei Sturm/Altach gelten die Kärntner nicht unbedingt als das Team, das die Red Bull Arena aus allen Nähten platzen lässt. Eigentlich kann man den Absatz von oben mit ein paar adaptierten Zahlen kopieren: Während der Besucher:innenschnitt der roten Bullen über die Saison gesehen zuletzt öfters über 10.000 liegt, kommen gegen die Kärntner stets deutlich weniger. Seit 2012 duellieren sich die Teams auf höchster Ebene, 21 Mal in Wals-Siezenheim, seit 2016 kletterte die Besucher:innenzahl nie wieder in den fünfstelligen Bereich. Und das, obwohl die Bilanz mit 14 Heimsiegen, sechs Remis und nur einer Niederlage ganz klar für die Salzburger spricht.

 

Verschobene Runde

Unter der Woche kickt die Austria vor ausverkauftem Haus, der WAC und Rapid treten auswärts an. Die Hütteldorfer verschieben das Heimspiel gegen den TSV Hartberg - und dennoch stehen prickelnde Begegnungen an. So gastieren die Klagenfurter in Salzburg, eine spannende Partie. Es kommt zum Ländlederby in Altach und in Graz trifft Sturm als Dritter auf den Tabellenführer LASK. Ried kickt zudem gegen die WSG, die Veilchen müssen in Wolfsberg ran. Beides Spiele, die hinsichtlich Zusammensetzung der Meistergruppe schon (vor-)entscheidend sein können. Jetzt müssen nur noch die Fans kommen.

 

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