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UEFA-Fünfjahreswertung: Abwarten und relativ entspannt Tee trinken

Mit der gestrigen Niederlage von Red Bull Salzburg bei Villarreal ist die Europaccup-Saison 2020/21 für Österreich zu Ende. Eine gute Saison hinsichtlich der Punkte, es wäre mehr drinnen gewesen. Fußballösterreich kann die restliche Saison relativ entspannt verfolgen.

+ + 90minuten.at Exklusiv - Von Georg Sander + +

 

Österreichs Vertreter erkickten sich diese Saison 6.700 Punkte für die UEFA-Fünfjahreswertung. Das ist mehr als in den letzten beiden Jahren (18/19: 6.200, 19/20: 5.800) und weniger als in den zwei Spielzeiten davor (16/17: 7.375, 17/18: 9.750). Für die Spielzeit 2022/23 gibt es nun vorbehaltlich relativ unerwarteter Ergebnisse Rang 10 und den Champions League-Fixplatz für den Meister. 

 

Da und dort Luft nach oben

Der TSV Hartberg konnte in seiner Debütsaison in der Qualifikation nicht allzuviel beitragen. Gegen Piast Gliwice gab es ein 3:2 in Polen, Tobias Kainz schoss das erste, Lukas Ried das zweite und bislang letzte Tor auf internationaler Ebene für die Steirer. Schade, dass es nur ein Spiel gab, das Trainerteam rund um Markus Schopp gilt als ausgefuchst, da wäre mehr drinnen gewesen. Rapid und der LASK absolvierten ordentliche Gruppenphasen. Rapid hatte just gegen Molde zwei sehr schlechte Tage, die KO-Phase wäre drinnen gewesen; auch wenn Molde nun mit Hoffenheim ein größeres Kaliber ausschaltete. Den Linzern fiel der vierte Spieltag, 0:2-Niederlage in Belgien gegen Antwerpen, auf den Kopf.

Der WAC hatte offenbar die richtigen Lehren aus der ersten Saison gezogen, erkickte sich mit konzentrierten Leistungen in einer schwierigen Gruppe ein Sechzehntelfinale, Tottenham war dann aber logischerweise zwei Nummern zu groß. Und Red Bull Salzburg wiederum zeigte wieder einmal viel Potential, sowohl in der Königsklasse, als auch gegen Villarreal, erlaubte sich aber zu viele zum Teil skurrile Patzer. Da wie dort war ein Aufstieg im Bereich des Möglichen, noch (?) ist man aber im Gegensatz zu 2017/18 etwas zu grün hinter den Ohren. Der Ausgleich von Villarreal, als just Junuzovic Keeper Stankovic unglücklich und mit besten Intentionen wegräumte und so das 1:1 ermöglichte, kann sinnbildlich für die Bullen, aber auch ein bisschen für die gesamte Europacupsaison, stehen.

 

Vorne enteilt niemand

Geträumt werden konnte zwischenzeitlich von mehr, Rang zehn ist in Ordnung. Wie sieht es weiter vorne aus? Russland hat mit Krasnodar, das an Dinamo Zagreb scheiterte, keinen Klub mehr im Bewerb. Dahinter lauern die Niederlande. PSV ist raus, Ajax Amsterdam ist weiter, vielleicht ist hier noch eine Verschiebung drinnen. Für die Russen war es jedenfalls eine Horrorsaison. Die verbliebenen belgischen Vertreter Royal Antwerpen und Club Brügge verabschiedeten sich diese Woche ebenfalls. Am Ende haben Österreich nur 0,675 Punkte oder zwei Siege auf Belgien gefehlt. Allerdings hätte das nur bedeutet, dass der Vizemeister eine Runde später in der CL-Quali antritt.

 

Gefahr von hinten?

Warum kann Österreich nur "relativ" entspannt abwarten? Schottland hat mit den Rangers noch einen Klub im Bewerb und 2.700 Zähler Rückstand. Ein schottischer Sieg ist 0,5 Punkte Wert (Zwei durch Anzahl der Starter). Für ein Viertelfinale und darüber hinaus gebe es noch einen Bonuspunkt, der dann wieder dividiert wird. Schottland hat fünf Siege und ein Remis Rückstand. Das heißt: Gewinnen die Rangers fünf Mal und kommen ins Halbfinale, ist Rang 10 weg. Sportlich möglich, allerdings unwahrscheinlich.

Die Ukraine hat mit Dynamo Kiew und Shachtar Donezk noch zwei Vertreter im Achtelfinale mit dabei. Die Siege sind aber nicht so viel wert, starteten doch fünf ukrainische Vertreter. Um zu Österreich aufzuschließen, bräuchte es mit den Bonuspunkten ab dem Viertelfinale über sechs Siege, je nachdem, ob einer oder beide weiterkommen. Das ist wie im Falle Schottlands möglich, aber aufgrund des Starterfeldes auch eher unwahrscheinlich.

Im Achtelfinale wird gibt es keine Setzungen mehr. Kiew, Donezk und die Rangers könnten einfache Lose bekommen - die einfachsten wären wohl Slavia Prag, Molde, Piräus, Bern und Zagreb. Die anderen Vertreter: AS Roma, AC Milan, Manchester United, Ajax Amsterdam, Granada, Villarreal, Arsenal und Tottenham. Sprich: Im Viertelfinale kommt dann ein richtiger Kracher.

 

Fazit: Weiter machen

Salzburg, LASK, Rapid und der WAC werden vermutlich auch 2021/22 die Chance auf Europa haben. Da ist Österreich fix Zwölfter. Der Meister tritt im CL-Playoff an, der Zweite in der zweiten Qualirunde im Platzierungsweg. Der Cupsieger bzw. Ligadritte im Playoff zur auf 32 Teams minimierten Europa League, die anderen beiden Plätze garantieren ein Antreten in Q3 bzw. Q2 der neuen Europa Conference League. 2022/23 sieht es dann nach Rang 10 aus. Wie erwähnt bedeutet das: Der Meister ist fix in der Gruppenphase der Königsklasse, für den Vizemeister alle anderen ändert sich nichts.

Wichtig wird sein, dass vor allem jene Klubs, die jetzt dabei waren oder schon länger im Europacup zugegen sind, die richtigen Lehren aus dieser Saison ziehen. 

 

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