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Manprit Sarkaria: Mit neuem "Riesenlauf" ins Ausland und zur EM? [Exklusiv]

Wenn Sturm-Offensivkraft Manprit Sarkaria ein ähnliches Frühjahr wie im Vorjahr gelingt, fährt er mit Österreich zur Europameisterschaft und kann sich dort für eine Top-Liga empfehlen. Die Grundlagen dafür werden aktuell im Trainingslager geschaffen, wo er sich exklusiv mit 90minuten.at unterhalten.

+ + 90minuten.at PLUS - Von Daniel Sauer + +

 

Die gute Luft an der türkischen Riviera wirkt Wunder - vielleicht auch der Rasen oder das Essen. Wie viele Bundesligisten absolviert Sturm Graz seine Frühjahres-Vorbereitung in Belek, das dürfte vor allem Manprit Sarkaria freuen. Nach einem durchwachsenen Herbst 2022 konnte er mit den "Blackies" im wenige Kilometer entfernten Side die Grundlage für eine ordentliche Leistungssteigerung legen: Von Februar bis Juni des vergangenen Jahres gelangen dem Stürmer 17 Scorerpunkte in 18 Pflichtspielen - im Oktober folgte das Debüt für die Nationalmannschaft, Teamchef Rangnick attestierte Sarkaria zuvor einen "Riesenlauf". Die Hoffnung ist groß, dass er diesen schon bald wiederholen kann. Im exklusiven Gespräch mit 90minuten.at gibt er Einblick zu Themen wie Transfers, Müdigkeit und der EM 2024.

 

Zufrieden mit dem Herbst

Jedenfalls spult der 27-Jährige gemeinsam mit seinen Teamkollegen seit rund eineinhalb Wochen die Trainingslager-Kilometer ab. Trainer Christian Ilzer schleift die Mannschaft, im Frühjahr warten schwierige Aufgaben in Meisterschaft, Cup und Conference League. Das Training sei dementsprechend anstrengend, meint Manprit Sarkaria, "damit wir trotz intensiver Spielidee die Konzentration hochhalten können". Im Herbst gelang das nur phasenweise, trotz brauchbarer Ergebnisse hinterließ das Team einen müden Eindruck - vor allem in der Europa League gab es ab November nichts mehr zu holen. Eine allzu kritische Beurteilung will Sarkaria aber nicht durchgehen lassen - man könne grundsätzlich schon von einer erfolgreichen Hinrunde reden, sei ja auch noch in allen Bewerben vertreten: "Wir können schon zufrieden sein". Auch die von außen wahrgenommene Müdigkeit nimmt er differenziert wahr: "Davon würde ich nicht sprechen. Im Kopf vielleicht ein wenig, aber körperlich nicht. Für mich ist das eine Kopfsache".

Sarkaria im Trainingslager

Transfer im Sommer denkbar

Von der Ursache unabhängig fallen die Zahlen deutlich aus: Mit drei Torbeteiligungen in 14 Spielen seit Oktober hatte Sarkaria nicht mehr dieselbe Durchschlagskraft, wie in den Monaten davor - das betrifft auch den Rest der Sturm-Offensive. Trotzdem kommen die Scouts nach Graz – ein Jahr vor Vertragsablauf könnte das Thema Auslandstransfer im Sommer heiß werden. "Ich weiß, was ich an Sturm habe – denke aber natürlich schon auch, dass das cool wäre. Jeder Fußballer will sich im Ausland beweisen. Ich würde schon gerne wissen, wie es weit weg von zuhause ist", erklärt Sarkaria, der sich damit offensichtlich einen Traum erfüllen würde. Mit dem ambitionierten englischen Zweitligisten FC Southampton wurde der Spieler ebenso in Verbindung gebracht, wie mit nicht näher genannten Klubs in Italien. Konkretes zu den diversen Gerüchten gibt es aber nicht: "Ich habe auch viel gelesen. Bei mir hat aber keiner angeklopft – ich wüsste auch nicht, dass in nächster Zeit etwas kommt".

"Es wird vieles versprochen, aber nicht eingehalten. Da geht es um Ehrlichkeit und Vertrauen, beides hat mir irgendwann gefehlt." - Sarkaria über Spielerberater

Sollte es einmal so weit sein, wäre er für Interessenten selbst der erste Ansprechpartner: Wie Sturm-Sportchef Andreas Schicker vor kurzem offenbart hat, hat sein Leistungsträger keinen Berater. "Es geht auch ohne", erklärt Sarkaria auf Nachfrage von 90minuten.at. "Wenn man eine gute Saison spielt, reden viele Leute mit. Es wird vieles versprochen, aber nicht eingehalten. Da geht es um Ehrlichkeit und Vertrauen, beides hat mir irgendwann gefehlt", führt er weiter aus. Seine letzten Vertragsverlängerung im Mai 2022 wurde noch von einer Agentur ausgehandelt. Der Draht zu Schicker selbst ist gut: "Wir sprechen oft miteinander. Darüber, was man verbessern kann, was uns jeweils stört, was gut passt. Da gibt es viele Themen".

 

Hoffnung auf EM-Teilnahme

Klar ist, dass Sarkaria spätestens im kommenden Sommer vor einer wichtigen Entscheidung steht. Der Vertrag bei Sturm läuft 2025 aus, im August feiert er seinen 28. Geburtstag und kommt damit in ein Alter, in dem Transfers in Top-Ligen komplizierter werden. In ähnlichen Situationen hielt der ein oder andere Nationalspieler zuletzt Rücksprache mit Teamchef Ralf Rangnick, auch für den Sturm-Kicker kommt das infrage: "Es ist noch nicht dazu gekommen. Sollte es einmal so weit sein, würde ich ihn schon um Rat fragen. Ich habe das auch schon öfter gehört, er kann in solchen Situationen sicher weiterhelfen. Von einem Fachmann wie ihm kann man sich auf jeden Fall einen Tipp holen".

Der Kontakt zum Deutschen ist seit seiner ersten Einberufung im Juni 2023 aufrecht: Erst kurz vor Neujahr habe sich Rangnick zuletzt gemeldet. "Er hat allen Spielern eine Nachricht geschickt. Er hat erklärt, was ich gut gemacht habe, womit er zufrieden war – und geschrieben, dass ich Gas geben soll", erzählt Sarkaria, der sein bisher einziges Länderspiel gegen Belgien bestreiten durfte. "Das Team hat mich gut aufgenommen. Ich hoffe, dass ich zur EM und vor allem den Testspielen vor der EM mitgenommen werde, um mich noch einmal zeigen zu können", meint er weiter. Dafür wird es möglicherweise erneut eine Leistungssteigerung gegenüber dem Herbst brauchen, auch wenn durch den Rücktritt von Karim Onisiwo ein Offensiv-Platz dauerhaft frei wird. Die Konkurrenz hört unter anderem auf die Namen Grüll, Adamu, Cham, Weimann, Zulj und Pichler. Auch Neo-Rapidler Christoph Lang könnte sich mit guten Leistungen ins Blickfeld spielen. Näheren Aufschluss gibt der Kader für die ersten ÖFB-Testspiele Ende März.

"Er hat allen Spielern eine Nachricht geschickt. Er hat erklärt, was ich gut gemacht habe, womit er zufrieden war." - Sarkaria über Rangnick

Belastung wächst spürbar

Im Jahr 2023 brachte es der Offensivspieler auf 39 Pflichtspieleinsätze, 44 hätten es ohne Verletzungen sein können. Jedenfalls eine leichte Steigerung gegenüber dem Jahr davor, die sich bemerkbar gemacht hat: "Ich merke schon, dass es mehr Spiele werden. Dadurch steigt natürlich die Belastung, das wirkt sich auf den Körper aus - aber ich fühle mich topfit, stehe gerne so viel am Feld und will, wenn möglich, immer spielen". Alles in den Schatten stellt ohnehin Sarkarias Marathonjahr 2021, in dem 53 Spiele für zwei Vereine zusammenkamen.

Durch die zuletzt regelmäßigen Einberufungen ins Nationalteam steigt auch die körperliche Belastung für den Spieler. Anstatt normaler Trainingseinheiten beim Verein sind Länderspielpausen bei Sarkaria inzwischen mit Reisen und zusätzlichen Pflichtspielen verbunden: "Das sollte aber keinen Spieler stören. Mich erfüllt das mit Stolz. Ich fühle mich dort wohl. In der Vergangenheit hatte ich zu dieser Zeit keine Spiele, das hat natürlich auch gutgetan". 

Was sich Christian Ilzer in den kommenden Wochen von seiner Mannschaft sehen will, bleibt intern: "Das machen wir uns innerhalb der Mannschaft aus. Der Trainer erklärt, was er sich erwartet – das behalten wir aber für uns", gibt Manprit Sarkaria zu verstehen. Viel Zeit, um in die Gänge zu kommen, gibt es aber nicht. Erstmals wieder ernst wird es am 2. Februar im ÖFB-Cup gegen die Wiener Austria. Eine Woche später steht ein Auswärtsspiel bei Red Bull Salzburg auf dem Programm, ehe in der UEFA Conference League Slovan Bratislava wartet.

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