Roland Schmid: "Ich erkenne unter Didi Kühbauer keine nachhaltige Verbesserung“

Roland Schmid spricht im Exklusiv-Interview mit 90minuten.at über den steinigen Weg zur Zulassung zur Präsidenten-Wahl, die Gründe für die sportliche Misere in Hütteldorf, warum Rapid in den vergangenen Jahren seiner Ansicht nach zu überheblich agiert hat und warum Michael Tojner nicht als klassischer Investor gesehen wird.

Andi Herzog ist derzeit in Israel Teamchef, es gibt auch keine Verhandlungen mit ihm. Herzog hat – sowohl Grüneis wie auch mich – unterstützend beraten. Da geht es um keine offizielle, bezahlte oder nicht-bezahlte Funktion bei Rapid.

Roland Schmid

Rapid ist nicht ausvermarktet. Wir haben kein volles Stadion, die Zuschauerzahlen sind zurückgegangen. Auch im Hospitality-Bereich sehe ich Rückgänge, die Logen sind nicht ausverkauft, da gibt es noch Potenzial.

Roland Schmid

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90minuten.at: Kann man sich Salzburg in Sachen sportlicher Philosophie zum Vorbild nehmen?

Roland Schmid: Ich würde hier nicht nur Red Bull Salzburg nennen. Es gibt den LASK, den WAC, Ajax Amsterdam. Es gibt genug Vereine, die es hier vormachen. Rapid ist aber nicht Red Bull, Rapid ist nicht Mateschitz. Hier ist schon noch ein Unterschied, wir müssen so wirtschaften, wie wir wirtschaften können. Bei Salzburg kann das Budget auch einmal überschritten werden.

 

90minuten.at: Ein Präsidium nimmt sich ja auch immer wieder Durchgriffsrechte heraus. Wo sehen Sie diese?

Roland Schmid: Im Idealfall brauchen wir so etwas nicht …

 

90minuten.at: .. ich meinte bei Personalentscheidungen wie Trainerauswahl …

Roland Schmid: Das hat der Sportdirektor zu entscheiden. Und ja, bei gewissen Personalentscheidungen muss das Präsidium formal zustimmen. Aber die Entscheidung hat der Sportdirektor zu treffen und dafür auch gerade zu stehen.

90minuten.at: Sie fordern in Ihrem Konzept: „Vom Wirtschaftsbetrieb zum Sportverein: Der Sportklub Rapid muss im Sinne eines „Sportvereins“ geführt werden.“ Was heißt das konkret und was ist aus Ihrer Sicht in Bezug auf die Vergangenheit zu ändern?

Roland Schmid: In der großartigen Arbeit im Bereich Infrastruktur, Hospitality, etc. hat sich die aktuelle Rapid-Führung ein bisschen verloren. Wir haben ein super Stadion, super Hospitality, etc. – damit hat man mit dem Kostendruck, den das neue Stadion erzeugt, auch gefühlt jede Woche in den Medien von neuen wirtschaftlichen Partnern, etc. gelesen bzw. gehört. Ich habe das so empfunden, dass zunächst eher die wirtschaftlichen Erfolge kommuniziert worden sind und es erst in zweiter Linie um den Sport ging. Als Fußballverein muss immer mit Sport begonnen werden. Klar muss man neuen Partnern eine Bühne geben, aber es geht darum, dass wir Fußballbotschaften transportieren.

 

90minuten.at: Aber würde sich hier auch strukturell etwas ändern?

Roland Schmid: Nein, es ist ein reines Kommunikationsthema. Der Sportdirektor soll das Gesicht nach außen sein, das würde aber nichts an den Kompetenzen ändern.

 

90minuten.at: Andi Herzog ist einer Ihrer Unterstützer. Jedem Kenner ist klar, dass Herzog, sollte er in einer offiziellen Funktion zu Rapid kommen, nicht in der zweiten Reihe unter Barisic vorstellbar wäre. Das würde doch mit Zoran Barisic kollidieren?

Roland Schmid: Vorweg gibt es zum Thema Barisic aus meiner Sicht keine Diskussion. Andi Herzog ist derzeit in Israel Teamchef, es gibt auch keine Verhandlungen mit ihm. Herzog hat – sowohl Grüneis wie auch mich – unterstützend beraten. Da geht es um keine offizielle, bezahlte oder nicht-bezahlte Funktion bei Rapid.

 

90minuten.at: Aber auch für Sie wäre klar, dass Andi Herzog niemand wäre, der sich in die zweite Reihe stellt, sagen wir als Leiter des Nachwuchses beispielsweise …

Roland Schmid: So wird er sich nicht sehen, wir ihn auch nicht. Aber wenn wir so etwas schon ehrlich diskutieren, könnte man genauso fragen, ob er nicht eigentlich ein Trainer sein will. Es ist jetzt einfach viel zu früh, darüber zu sprechen. Es gibt keine Gespräche mit ihm darüber.

 

90minuten.at: In Ihrem Konzept steht auch: „Unser oberster Chef sollte der Fußballsport auf Basis einer einheitlichen und durchgängigen Performance-Kultur sein.“ Ganz ehrlich: Mit diesem Satz kann ich nichts anfangen. Was soll das heißen?

Roland Schmid: Es geht darum, die letzten fünf bis zehn Prozent herauszuholen. Conny Wilczynski, der auch in unserem Präsidium dabei ist, meint: 90 Prozent schaffen die meisten, aber die letzten fünf bis zehn Prozent machen es dann aus. Das sind unsere Konzepte, bei denen wir einhaken wollen. Das können jetzt die Ernährung, die Fitness, etc. sein, also Detailinhalte. Es geht einfach auch darum, ständig nachzudenken, wo man sich verbessern kann – die Mannschaft und jeder Einzelne.

 

90minuten.at: Aber geht es da auch um das von Rapid gepflegte „Kämpfen und Siegen“?

Roland Schmid: Es geht darum, wie wir kämpfen und wie wir siegen sollen und nicht ob.

90minuten.at: Einer der zentralen Punkte im Schmid-Konzept ist der eigene Nachwuchs. Was wollen Sie hier konkret erreichen bzw. ändern? Wo sehen Sie hier den Unterschied zu den Plänen unter der Liste Bruckner?

Roland Schmid: Der Nachwuchs ist die einzige Chance, um Rapid sportlich wieder ganz oben zu positionieren. Das heißt, die Kernaufgabe wird es sein, den Nachwuchs mit Geld auszustatten aber auch mit Infrastruktur. Da sind wir beim Thema Akademie, wo wir ein bisschen im Dunkeln tappen, wo offenbar die große Variante von 25 Mio. Euro vom Tisch ist und von einer 7-8 Mio. Euro Variante gesprochen wird. Rapid meint, die Variante ist beauftragt, die Stadt Wien aber sagt, den Auftrag gibt es nicht. Wir haben als Team grün-weiß leider keine gesicherten Informationen, wie der aktuelle Stand tatsächlich ist. Unser Ansatz ist, die Wahl abzuwarten, um dann zu evaluieren. Aber für uns ist ganz klar, dass wir die bestmögliche Variante umsetzen wollen. Das heißt, wir müssen das Geld so aufstellen, dass wir uns die 25 Mio. Euro Variante leisten können. Die große finanzielle Sorge habe ich dabei eher, wenn es um den Betrieb geht, nicht um die einmalige Aufstellung von 25 Mio. Euro. In unserem Konzept ist außerdem verankert, dass 20 Prozent des nationalen Budgets künftig in den Nachwuchs fließen sollen. Auch da wissen wir nicht genau, wie viel derzeit in den Nachwuchs fließt. Da haben wir von 1,7 Mio. Euro gelesen, Martin Bruckner meinte 2,5 Mio. Euro. Unser Plan sind hier 6 bis 10 Mio. Euro für den Nachwuchs pro Jahr.

 

90minuten.at: Sie haben das Geld angesprochen. „Finanzielle Stärke ist gefragt: Der Rekordmeister wird auf lange Sicht neue Einnahmequellen benötigen“, heißt es dazu in Ihrem Papier. Wo sehen Sie neue Erlösquellen?

Roland Schmid: Wir haben drei große Einkommensquellen: Die Bundesliga, den internationalen Bewerb und die Transfers. Die Transfers haben eine Zeit lang funktioniert, in letzter Zeit wieder schlechter, weil offenbar die Qualität in der Masse, die nachkommt, nicht mehr so gut ist. Wenn wir die besten Ergebnisse der vergangenen vier Jahre hernehmen, ist es nicht illusorisch, dass man auf ein Jahresbudget von 60 Mio. Euro kommt. 33 Mio. Euro aus dem nationalen Budget, 11 bis 16 Mio. Euro aus dem internationalen Bewerb, der Rest aus Transfers. Es ist aus eigener Kraft möglich und es muss Anspruch sein, dass Rapid jedes Jahr international spielt. Das muss als fixe Einnahmequelle Rücksicht finden. Es wird zudem auch wichtig sein, dass wir mit einer Akademie zusätzliche Sponsoren finden.

 

90minuten.at: Welche finanziellen Potenziale sehen Sie im nationalen Betrieb. Da ist Rapid ja relativ gut ausvermarktet.

Roland Schmid: Rapid ist nicht ausvermarktet. Wir haben kein volles Stadion, die Zuschauerzahlen sind zurückgegangen. Auch im Hospitality-Bereich sehe ich Rückgänge, die Logen sind nicht ausverkauft, da gibt es noch Potenzial.

 

>> Weiterlesen Seite 3 – Roland Schmid über Transferausgaben, die Rolle von Michael Tojner und die Überheblichkeit von Rapid

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