Viel Drumherum, wenig Stöger

Ex-Krone Journalist Peter Linden hat sich an eine Biografie von Erfolgstrainer Peter Stöger gemacht. Herausgekommen ist eine Aneinanderreihung seiner Karrierestation und Wegbegleiter.

Dass Peter Stöger einst einer der besseren Kicker in Rot-Weiß-Rot war ist unbestritten. Dass er nun auch als Trainer reüssiert ebenso. Mit der Wiener Austria holte der 65-fache Nationalspieler nach Stationen beim GAK, bei Wr. Neustadt und der Vienna den österreichischen Meistertitel und mit dem 1. FC Köln gelang ihm auf Anhieb der Aufstieg in die Deutsche Bundesliga, wo er die frühere Fahrstuhlmannschaft nicht nur etablieren, sondern sogar bis in den Europacup führen konnte. Höchste Zeit also für eine Biografie, die nun vom früheren Krone-Sportredakteur Peter Linden geschrieben, mit einem Vorwort von Toni Polster versehen und mit dem Untertitel „Seine Mannschaften. Seine Erfolge“ veröffentlicht wurde.

Wer sich ungeachtet dieses Namenszusatzes Einblicke in den fußballerischen Alltag, die Denkweise und die Philosophie des Erfolgstrainers erhofft, wird allerdings weitgehend enttäuscht. Das Buch ist vielmehr eine streng chronologische Aneinanderreihung seiner Spieler- und Trainerstationen, in der Wegbegleiter breiten Raum einnehmen, die Gedanken des Hauptdarstellers hingegen eher weniger. Die Chance auf Querverweise zu früheren und späteren Stationen von Trainerkollegen und Spielern packt Linden bei wirklich jeder Gelegenheit ausführlich am Schopf, was wohl dem deutsch-österreichischen Doppelvertrieb geschuldet sein dürfte. Der Autor scheint mit den Exkursen die Österreicher dem deutschen Publikum und die Deutschen dem österreichischen Publikum näherbringen zu wollen, was in manchen Fällen auch durchaus angebracht ist. In ihrer Fülle hemmen die vielen Hinweise auf erzielte Tore, die Anzahl von Ligaspielen und Länderspieleinsätzen, vorhergehende und spätere Karrierestationen aber nur den Lesefluss. Dazu kommen gar nicht so wenige Rechtschreibfehler und Tippfehler und so ist „Peter Stöger – Seine Mannschaften. Seine Erfolge“ nur für Statistik-Freaks und Anekdoten-Junkies uneingeschränkt zu empfehlen.

Wer mehr über Stögers Verständnis von Fußball erfahren möchte, über seine Art der Mannschaftsführung und die Hintergründe seines Erfolges muss sich bis zur nächsten Biografie des Fußballtrainers gedulden. Oder in der Zwischenzeit seine Informationen aus den gar nicht so raren Interviews mit deutschen Qualitätszeitungen und -medien beziehen, die auch rasch erkannt haben, dass ihnen mit Stöger nicht einfach nur ein Fußballtrainer gegenübersitzt. Sondern vielmehr ein Denker und Lenker, der noch dazu mit jeder Menge Humor gesegnet ist und von der deutschen (insbesondere der Kölner) Fußballöffentlichkeit daher neben seinen fachlichen auch für seine menschlichen Qualitäten geschätzt wird.

Erschienen ist das Buch im Ueberreuter Verlag.