ÖFB-Präsident Klaus Mitterdorfer: "Man wird auch Investoren brauchen"
ÖFB-Präsident Klaus Mitterdorfer war zu Gast bei „Talk & Tore“ und sprch dort unter anderem über das Nationalteam, Frauenfußball und das so wichtige Nationalstadion.
Es gibt in letzter Zeit sehr gute Gespräche auch mit der Stadt Wien gegeben. Man ist sich dieses Problems sehr wohl bewusst.
Klaus Mitterdorfer (ÖFB-Präsident):
…über die Stimmung im Nationalteam sowie das bevorstehende Duell mit Schweden: „Ich habe es so empfunden, dass da ein Team am Werk ist, das nicht nur eine gute Qualität hat. Es sind nämlich auch Menschen am Werk, die zusammenhalten und einen Weg gehen wollen. Diese Kombination mit der Qualität des Trainerteams und der Spieler, aber auch die Einstellung, das Herz und die Leidenschaft kann für wirklich viel positives Sorgen. Ich bin deshalb zuversichtlich, dass wir auch in Schweden ein gutes Spiel absolvieren werden. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir es schaffen, nach Deutschland zu fahren und dann dort mit diesem Team eine gute Figur abgeben werden.“
…über Frauenfußball: „Wir sind auf einem guten Weg. Wo wir sicher noch Luft nach oben haben, ist meiner Meinung nach in der Breite. Die brauchen wir aber letztlich auch, um irgendwann in der Spitze die Spielerinnen zu entwickeln. Wenn du bei den Amateurvereinen niemanden hast, der sich mit einer Begeisterung für den Frauenfußball interessiert, ist es schwer. Das ist leider immer noch in der Form gegeben. Daher ist es für die Landesverbände und für den ÖFB wichtig, dass man einfach gezielte Projekte diesbezüglich setzt, um bei den Vereinen das Bewusstsein zu wecken, dass es nicht nur darum geht, dass die Mädchen und Frauen Fußball spielen, sondern, dass ich auch Frauen gewinne, die vielleicht einmal Trainerinnen oder Funktionäre werden. Zu dem Thema Ligaformat glaube ich, dass es ein Thema ist, welches in Abstimmung mit den Vereinen zu erfolgen hat. Für mich sind immer drei Kriterien wichtig. Es muss sportlich interessant, wirtschaftlich finanziell gut und für die Zuschauer attraktiv sein. In diesem Paket ist es die Aufgabe, dass wir relativ zügig etwas schaffen.“
…über seine Ziele als ÖFB-Präsident: „Grundsätzlich stehen natürlich die Erfolge und die Wege der Nationalteams über allem. Ein wesentliches Thema ist auch die Infrastruktur. Wir sind kurz vor dem Finalisieren des Trainingszentrums in Wien-Aspang. Neben einer Heimat der Nationalteams für die Lehrgänge soll es auch eine Heimat für die Mitarbeiter/innen des ÖFB als Campus sein. Das nächste Thema ist natürlich, dass man sich der Stadionfrage nicht ganz verschließen wird können. Das ist auch eines der großen Ziele. Es ist wichtig, dass man eine klare Struktur für die nächsten fünf bis sechs Jahre hat. Es ist auch ganz wichtig, auf das geänderte Gesellschafts- und Freizeitverhalten der Menschen zu reagieren. Eine große Frage wird sein, wie wir die Mädchen und Buben in Zukunft für den Fußball gewinnen und behalten können. Man wird mit geschickten Marktforschungstools ganz gezielt auf die Bedürfnisse der jungen Menschen hinschauen und die Angebote diesbezüglich gestalten müssen. Außerdem müssen wir uns die Frage stellen, wie es uns gelingt, auch in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren ehrenamtliche Funktionäre bei den Vereinen zu haben und, wie wir sie unterstützen können. Wenn wir sie nicht haben, dann fehlt uns die Heimat für die fußballbegeisterten Menschen in unserem Land. Dann tun wir uns in der Spitze in weiterer Folge schwer.“
…über ein mögliches neues Nationalstadion: „Es gibt in letzter Zeit sehr gute Gespräche auch mit der Stadt Wien gegeben. Man ist sich dieses Problems sehr wohl bewusst. Man wird auch Investoren brauchen. Es muss halt auch ein Konstrukt sein, das ganzjährig bespielt wird, anderen Sportarten auch zur Verfügung steht und wo auch Konzerte abgehalten werden können, dass man einen Anreiz finden, dass Investoren sagen, dass sich das auszahlt. Es ist schon ein sehr großes Ziel vom ÖFB und von mir persönlich.“
…über das Schiedsrichterwesen in Österreich: „Das Ziel ist, dass man die Spitze so entwickelt, dass es uns bald wieder gelingt, ausgezeichnete Schiedsrichter bei Champions League Spielen erleben zu können. Ein weiteres Ziel muss natürlich sein, dass es uns auch gelingt, Menschen zu begeistern, überhaupt Schiedsrichter zu werden. Wir haben in Österreich derzeit ungefähr 2300 Schiedsrichter und wir bräuchten 3000. Es ist eine wesentliche Aufgabe, in der Breite zu schauen, dass wir besser aufgestellt werden, als wir es derzeit sind.“
…über die Kuss-Affäre um Luis Rubiales: „Es war ein Verhalten, dass einfach unangemessen war. Es geht um die soziale Verantwortung, die Sportverbände und Sportvereine wahrzunehmen haben. Man muss ganz klar Konsequenzen einfahren. Da gibt es für mich keine Diskussion.“