Europacup wie Bodø/Glimt? Viel Geduld notwendig
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Europacup wie Bodø/Glimt? Viel Geduld notwendig

Von einem Champions-League-Achtelfinale wie es Bodø/Glimt erreicht hat, ist Österreich aktuell gefühlt Lichtjahre entfernt. Selbst die K.o.-Phasen der niedriger eingestuften Bewerbe wirken aktuell außer Reichweite.

Nach Abschluss der Spielzeit 2021/22 war Österreich in der Fünfjahreswertung Achter. Sturm Graz und Rapid spielten in der Europa-League-Gruppenphase. Der LASK war im Achtelfinale der Conference League und Red Bull Salzburg gar unter den letzten 16 in der Champions League.

2024/25 flackerte noch einmal ein Feuer auf. Österreichs Klubs schafften die viertbeste Europacup-Saison. Geschuldet war das vorherigen Erfolgen, überschaubar schweren Gegner und der neuen Ligaphase.

Sturm war als Meister fix in der Königsklasse, Salzburg schaltete vor dem späteren Zusammenbruch in der Ligaphase mit Twente und Dynamo Kiew zwei spielerisch überschaubar harte Nüsse aus.

Rapid schaffte es sogar bis ins Viertelfinale der Conference League. Dabei musste der in der Liga kriselnde Klub aber kaum gegen Gegner auf Augenhöhe ran, wenn man sich Gegner wie Noah, Petrocub oder Banja Luka ansieht.

Kein Qualitätsmerkmal

Schon die zwei Jahre zuvor waren hinsichtlich europäischer Erfolge freundlich ausgedrückt überschaubar. Dieses Jahr war es noch schlechter. 2015/16 gab es zuletzt weniger Punkte in der Fünfjahreswertung als in dieser Saison.

Relativ gesehen haben die Klubs individuelle Tiefpunkte erreicht. Also werden Trainer und Funktionäre getauscht (oder auch nicht), neue Wege begangen (oder zu alten zurückgekehrt) und so weiter.

Die knappen Entscheidungen in der Bundesliga in den letzten Jahren bzw. der gegenwärtige Zustand sind kein Qualitätsmerkmal. Wenn überhaupt, dann gilt das für die anderen Vereine.

Die sogenannten Großklubs bekamen vor allem europäisch eben die Rechnung für eine lange Liste an Fehlentscheidungen präsentiert.

Gegen die Wand fahren

Im Endeffekt funktionieren Fußballvereine sehr ähnlich wie wir Menschen. Wir bleiben in der Komfortzone, halten an dem fest, was funktioniert hat. Allzu große Veränderungen meiden wir. Erst wenn es gar nicht anders geht, ändern wir unser Verhalten.

Diese Erkenntnis ist so alt wie die Menschheit. Warum sollten die Klubs da anders agieren? Relativ gesehen haben die Klubs individuelle Tiefpunkte erreicht.

Salzburg spielt das Stadion mit mehreren letztlich falschen Personalentscheidungen leer. Sturm wäre im Abstiegskampf, würden nur Heimspiele zählen - der qualitative Aderlass im Kader war zu groß, die Einnahmen aus der Königsklasse fließen in die Infrastruktur. Das hätte erklärt gehört. Rapid ist sowieso allhalbjährlich in der Krise. Der LASK war Letzter, die Austria stand vor dem finanziellen Aus.

Die Richtigmacher aus dem Norden: Bodø/Glimt
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Die Richtigmacher aus dem Norden: Bodø/Glimt

Das Team der Stunde

An so einem Punkt war Bodø/Glimt schon öfters. Die Norweger waren in den letzten 20 Jahren bis 2018 immer mehr oder weniger zwischen Abstiegskampf in der ersten Liga und Aufstiegsrennen in der zweiten Leistungsstufe. Gelegentlich lief es besser, dann ging es wieder runter, zuletzt mit dem einen oder anderen wenig nachhaltigen Ausreißer nach oben. Der letzte Abstieg datiert aus dem Jahr 2015.

Mit dem Aufstieg nach einer Saison Zweitklassigkeit änderte sich einiges. Zwar konnte sich der Klub im ersten Jahr nur mühsam in der ersten Liga halten, aber Kjetil Knutsen ist seitdem Trainer und gab dem Team eine offensivere Identität.

Man setzt auf Eigengewächse, Norweger und den einen oder anderen internationalen Spieler; stets gibt es ein Auge auf bestimmte herausragende Fähigkeiten. Genaueres gibt es HIER >>> nachzulesen. Die kurze Antwort, warum es klappt, ist eine gute Strategie, die konsequent durchgezogen wird.

Nun aber zum Aber

Bis die Norweger zum heutigen Riesenerfolg kamen, dauerte es jedoch. Nach dem zweiten Platz 2019 flog man 2020/21 in der damals nur in einem Spiel ausgetragenen Europa-League-Quali in der dritten Runde gegen AC Milan raus - Vize in der Europa League, so weit war Norwegen in der Fünfjahreswertung hinten. Wer eine schlechte Setzung hat, bekommt früh große Kaliber zugelost.

Offen ist natürlich, ob die heimischen Klubs ihre Tiefpunkte wirklich erreicht haben – Kenner des heimischen Kicks sind ja so manches gewohnt...

2021/22 mühte sich der Klub nach dem Erstrundenaus in der Champions-League-Qualifikation durch die Conference League und schaffte es folglich bis ins Viertelfinale.

Im Folgejahr musste man von der Champions-League-Quali in die Europa League, dort kam der Klub irgendwie noch als Dritter in die Zwischenrunde der Conference League. Dorthin schaffte man es auch im Folgejahr.

Geduld, Geduld

Erst 2024/25 zeigte der Verein mit dem Halbfinale in der Europa League so richtig auf. Sprich: Vom Meisterteller zu dem Europacup-Erfolg, der auch für rot-weiß-rote Teams als solcher angesehen wird, dauerte es fünf Jahre.

Natürlich kann es für die heimischen Topklubs schneller gehen. Immerhin mussten sie sich nicht aus der Zweitklassigkeit an die Spitze der Liga spielen. Dass das Werk'l bei Salzburg, Sturm und Co. international innerhalb kürzester Zeit wieder rennt, damit sollten Verantwortliche und Fans aber nicht rechnen – genau das zeigt das Beispiel aus Skandinavien.

Offen ist natürlich, ob die heimischen Klubs ihre Tiefpunkte wirklich erreicht haben – Kenner des heimischen Kicks sind ja so manches gewohnt. Und eines darf nicht vergessen werden: Der norwegische Rekordmeister heißt Rosenborg...


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