Gegenansicht / 2019

Wer im Juni sät, erntet die Saison

Die Arbeit der Sportchefs außerhalb der Saison ist unglaublich wichtig. Wer jetzt gut arbeitet, wird die Saisonziele eher erreichen können.

Ein Kommentar von Georg Sander

 

Beinahe stündlich trudeln die Transfermeldungen ein. Bei einem Klub mehr, bei einem anderen weniger; je nachdem, wie weitsichtig man eben plant und wie die abgelaufene Saison war. Irgendwann werden dann die Ziele formuliert. Die sind absehbar. Salzburg will Meister werden, Rapid, die Austria, vielleicht auch der LASK und Sturm wollen „da sein, wenn die Salzburger auslassen.“ Einige Vereine, vermutlich Wattens und Hartberg, werden den Nicht-Abstieg als Ziel ausgeben, der Rest peilt die Meistergruppe an.

 

Vorbauen

In der abgelaufenen Saison haben nur drei Klubs nicht ihre Trainer gewechselt. Die Hochzeit der Trainerwechsel spielte sich zwischen Herbst und Runde 22 ab. Verständlich, denn das große Ziel großer Klubs ist es, den einfachen Weg ins internationale Geschäft zu nehmen – und das geht am leichtesten, wenn man sich nicht mehr mit der Admira oder Hartberg rumplagen muss.

Es wird sich erst im Herbst weisen, ob man aus dem neuen Modus die richtigen Lehren gezogen hat, tatsächlich jetzt schon alle Kader so zusammen gestellt weden, dass man nicht noch Panik-artig last-minute-Transfers im August tätigen muss und dann recht uneingespielt in den heißen Herbst geht. Es wird wohl kaum so sein, dass die Top5 vor Weihnachten oben sind, Klubs, bei denen es ein bisschen egal ist – zB Admira oder Mattersburg – mit Abstand vor dem Abstiegsplatz liegen.

"Es ist wohl kein Zufall, dass die Top3 2018/19 den Trainer eben nicht unter der Saison gewechselt haben"

Lehren aus 2018/19

Welche Lehren können nun aus dem ersten Versuch mit der Zwölferliga gezogen werden? Korrekturen unter der Saison sind dabei meist falsch und teuer obendrein. Vor allem, wenn die Ansprüche hoch sind. Rapid ist auch mit Kühbauer unten gelandet und hat den Europacup verpasst. Wie Sturm dorthin gekommen ist, darüber darf man getrost den Mantel des Schweigens legen. Die Austria hat sich Rang vier mehr erwurschtelt und muss nun so krass umbauen, dass selbst ein offensichtlicher Trainerhexer wie Christian Ilzer vermutlich zu wenig Zeit hat, um am Verteilerkreis „Anspruch und Stil“ zu vermitteln.

Es ist wohl kein Zufall, dass die Top3 2018/19 den Trainer eben nicht unter der Saison gewechselt haben. Binsenweisheit? Mag sein. Oder einfach dem Umstand geschuldet, dass man vor der Saison schon genug Hirnschmalz in die Kaderplanung und die Spielweise investiert hat.

 

Jetzt ist entscheidend

Genau deshalb sind diese Wochen vor dem Trainingsauftakt so entscheidend. Wer sich nun einen guten Kader zusammenstellt, einen Fußball hat oder findet, der passt, hat schon viel richtig gemacht. Und dann muss man auch mit Rückschlägen umgehen können. Der WAC hat acht Spiele in Folge nicht gewonnen und den dritten Rang erreicht. Hartberg hat 13 Spiele in Folge nicht gewonnen, ist nicht abgestiegen. Bei beiden Kleinklubs passte am Ende dann doch genug, um an den Trainern und den Spielern festzuhalten.

Das ist letztlich die Konsequenz der Arbeit vor der Saison. Und um die geht es.

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