These: Hoff Thorup und Helm sollten beide zur Diskussion stehen
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These: Hoff Thorup und Helm sollten beide zur Diskussion stehen

Die letzten Tage und Wochen waren für Rapid und Austria Wien mit gemischten Gefühlen verbunden. 90minuten-Redakteure Daniel Sauer und Georg Sohler diskutieren den Stand der Dinge, bevor der Herbst richtig losgeht.

Immerhin, im UNIQA ÖFB-Cup sind beide Wiener Vereine ohne große Probleme in die nächste Runde aufgestiegen. Der bittere Beigeschmack von deftigen Pleiten gegen Red Bull Salzburg und dem Ausscheiden im Europacup hat sich aber noch nicht ganz verzogen.

Für die Austria steht bislang erst ein Liga-Sieg zu Buche, bei Rapid derer vier. Dafür mussten die Hütteldorfer spät im August Romeo Amane abgeben, während die Austria den vereinslosen Valentino Müller an Land ziehen konnte.

Für beide Klubs werden die kommenden Wochen richtungsweisend für den Rest der Saison. Wie viel ist ohne Mehrfachbelastung wirklich möglich?

Die 90minuten-Redakteure Daniel Sauer und Georg Sohler diskutieren im Format "Ansichtssache" mit vier Thesen aus der LAOLA1-Redaktion.


These: Stephan Helm und Johannes Hoff Thorup haben große Ziele verpasst. Sie sollten beide zur Diskussion stehen.

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Georg Sohler:

Vermutlich wären wir vor ein paar Jahren noch kritisch gewesen und hätten sofort gefordert, dass die Trainer gehen sollen. Allerdings ist ein differenzierter Blick notwendig. Johannes Hoff Thorup hat ein Spiel in Salzburg verloren, sonst ist der SK Rapid in dieser Saison nach 90 bzw. 120 Minuten ungeschlagen.

Gegen den schottischen Vizemeister darf man trotz des Spielverlaufs auch einmal ausscheiden. Dass der SK Sturm klar geschlagen wurde, ist ja auch nicht nichts. Wenn man so will, ist das die richtige Reaktion. Und man darf nicht vergessen, dass er erst im Winter übernommen hat.

Die Hütteldorfer sind nun gut beraten, bei entsprechenden Ergebnissen am Platz an ihm festzuhalten. Bei Helm sehe ich da schon größere Gefahr. Drei Punkte nach fünf Spielen sind auch im Wissen, wie es finanziell um die Austria steht, viel zu wenig. Wenn das Ziel Meistergruppe in den kommenden Wochen außer Reichweite zu geraten droht, müsste man ihn gehen lassen.

Daniel Sauer:

Beim Rapid-Trainer dürfte es meiner Meinung nach nicht einmal eine Diskussion geben. Entwicklungen im Fußball verlaufen nicht linear - das bestätigt sich in den bisherigen Ergebnissen. Bitter ist, dass die Mannschaft ausgerechnet in einem K.O.-Spiel erstmals eingebrochen ist. Zur großen Frage wird jetzt aber, ob sich der Verein nach zwei oder drei Rückschlägen in Serie wieder der Selbstauflösung hingibt oder zusammensteht.

Den Frust der Austria-Fans kann ich schon eher verstehen. Sorge macht der Mangel an Intensität im Spiel, den Stephan Helm rasch korrigieren muss. Mit einem Auftritt wie gegen die WSG Tirol kauft sich kein Trainer mehr Zeit.

Ein Stück weit verwöhnt geworden ist man in Favoriten aber schon. Der Kader ist dünn, aber jung, gespickt mit Eigengewächsen und entwicklungsfähig. Gegenüber Lustenau, GAK, Ried und Altach muss man sich bis Ende Oktober klar abheben. Viele andere Probleme werden sich von selbst lösen.


These: Der Amane-Abgang bei Rapid wiegt schwer. Markus Katzer sollte sich nach vertragslosen Spielern umschauen - so wie es die Austria mit Valentino Müller gemacht hat.

These: Der Amane-Abgang bei Rapid wiegt schwer. Markus Katzer sollte sich nach vertragslosen Spielern umschauen - so wie es die Austria mit Valentino Müller gemacht hat.
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Daniel Sauer:

Aus der Rapid-Transferstrategie werde ich noch nicht ganz schlau, finde sie aber auch nicht grob verkehrt. Der einzige echte Neuzugang Adamsen hinterlässt einen guten ersten Eindruck. Auf diversen Positionen rücken Nachwuchsspieler zumindest theoretisch näher an die Startelf, im Mittelfeld zum Beispiel Lorenz Szladits.

Beim erwähnten Valentino Müller wird man hoffentlich trotzdem angerufen haben, alles andere wäre fahrlässig. Dass Rapid leer ausging und trotzdem nicht mehr reagiert hat, muss nicht zwingend falsch sein. Last-Minute-Transfers sind teuer und riskant. Auch Hoff Thorup wird im Spiel gegen Salzburg nach einer halben Stunde schwer geschluckt haben. Es ist ja nicht so, dass man als Trainer immer im Vorhinein weiß, wie wenig ein Plan am Ende aufgehen kann. Solange er eine Lösung findet, ist alles gut.

Georg Sohler:

Es ist Anfang September, Spieler müssen im Zweifelsfall sofort helfen. Wenn ich Mecki Katzer mal die Arbeit abnehmen darf und schaue, welche Bundesliga-Kicker gerade vertragslos sind, würde ich es auch eher sein lassen. Da braucht es einen Kicker in der Preisklasse von Valentino Müller. Vor allem muss man von einem Transfer überzeugt sein. Dann lieber einen Nachwuchskicker ranlassen, wie Daniel richtigerweise schreibt.

Zudem hat man sieben Innenverteidiger im Kader. Zur Not kann da einer auch einmal eine Reihe weiter vorne aushelfen. Und bevor jetzt einer einen Legionär fordert: Es ist schon schwer genug, so spät in der Saison einen Kicker wie Müller zu integrieren, der die Liga und alle Gegner kennt. Man stelle sich vor, Katzer zaubert nun einen aus dem Hut und der funktioniert nicht sofort.


These: Die gute Form von Salzburg ließ Rapid und Austria schlechter aussehen, als sie eigentlich sind.

These: Die gute Form von Salzburg ließ Rapid und Austria schlechter aussehen, als sie eigentlich sind.
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Georg Sohler:

Während Tabellen selten lügen, brauchen Spielergebnisse dann doch mehr Einordnung. Also neige ich dazu, dieser These etwas abzugewinnen. Gegen Hartberg und den WAC ist die Mozartkugel nicht gleich reingegangen, entsprechend sahen die Spiele dann aus Salzburger Sicht aus.

Ich spende ins Phrasenschwein: In beiden Spielen gegen die Wiener Klubs ist es nach 20 Minuten 2:0 gestanden. Da rennst du dann nur hinterher, machst Räume auf. Wenn der Gegner dann durchzieht, gibt’s am Ende eben einen Kantersieg. Rapid ist den Beweis schon angetreten, dass sie es besser können, siehe meine Antwort ganz oben.

Bei der Austria fehlt mir dieser Beweis noch. Die ist schlecht in die Saison gestartet und muss in den nächsten zwei Runden daheim gegen Lustenau und auswärts beim GAK zeigen, dass man aktuell über diesen Klubs steht. Und was Salzburg betrifft, auch noch ein Wort: Die haben die richtigen Lehren aus den letzten Spielzeiten gezogen. Da werden, angeführt von Tabakovic, noch einige Kantersiege folgen.

Daniel Sauer:

Wie Georg schon richtig sagt: Die Liga wird sich wohl wieder daran gewöhnen müssen, dass gegen Salzburg jeder unter die Räder geraten kann. Nicht muss – auch die Bullen werden gelegentlich stolpern. Vor allem bei Rapid sollten die guten Aspekte des Duells in Erinnerung bleiben.

Es war ein intensives Spiel mit gefälligen Phasen auf beiden Seiten. Die Wiener haben zu viele Geschenke verteilt, die Salzburg dankend angenommen hat. Daran lässt sich arbeiten. Der Reality-Check für die Defensive kann früh in der Saison durchaus wertvoll sein.

Die Austria ist in ihrer Entwicklung einen Schritt weiter zurück und kämpft noch mit sich selbst. Stichwort Intensität, wie oben erwähnt. Eine Mittelfeldzentrale Maybach-Markovic-Saljic kann gegen Salzburg in dieser Saisonphase keinen Zugriff bekommen. Vielleicht sieht es schon in einigen Monaten anders aus. Nur die Entscheidung, Reinhold Ranftl als Innenverteidiger gegen Tabakovic zu stellen, war tatsächlich so schlecht. Das sollte man in Zukunft unterlassen.


These: Eine Saison ohne Europacup kann den beiden Vereinen viel bringen - wenn sie sich den LASK als Vorbild nehmen.

These: Eine Saison ohne Europacup kann den beiden Vereinen viel bringen - wenn sie sich den LASK als Vorbild nehmen.
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Daniel Sauer:

Den LASK der Vorsaison würden sich wohl die meisten Bundesligisten gerne als Vorbild nehmen. Auch bei den Linzern ging der Sommer vor einem Jahr gewaltig in die Hose. Es ist also noch nicht ausgeschlossen, dass ein Verein in ihre Fußstapfen tritt.

Man muss die Situation bei Rapid und Austria jetzt sowieso annehmen, wie sie ist. Weniger Rotation, ein klarer Stamm, geduldige Entwicklung, keine Unruheherde in der Wochenmitte. Angesichts der Rückholaktion des noch nicht lange entlassenen Didi Kühbauer gehört wohl auch ein Unterordnen der eigenen Befindlichkeiten aller Beteiligten dazu. Das sollte sich in den Ergebnissen widerspiegeln.

Dass Rapid die Conference League im vergangenen Herbst sportlich geholfen hat, würde ich ausschließen. Die Austria konnte sich nach dem Europacup-Aus im Vorjahr rasch stabilisieren. Einen Meistertitel anzuvisieren, wäre vermessen. Den Spielplan sollte man sich aber zum Vorteil machen können.

Georg Sohler:

Inhaltlich volle Zustimmung zur These, auch wenn's natürlich leichter ist, wenn du von Sieg zu Sieg rennst und am Ende der Saison Meister, Cupteller und Champions League-Teilnahme stehen. Es stinkt sich mit vollen Hosen eben gut.

Allerdings taugt der LASK wohl mehr als der SK Sturm zum Vorbild. Warum? Weil die Blackies nicht so eine aufmüpfige Fanszene haben, es keinen Funktionärsquatsch via Medien gibt und die Bosse Jauk und Tebbich weitgehend unaufgeregt führen. In veränderlichen Bestandteilen ist die Gugl Wien-Favoriten und Hütteldorf relativ nahe. Gerade deshalb kann es ein Anschauungsbeispiel sein, wie man aus einer Krise gut herauskommt.


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