Österreich ist dem wichtigen 15. Platz in der UEFA-5-Jahreswertung nach den Qualifikationsphasen ein Stück näher gekommen.
Mit 4,200 Punkten hat man bereits jetzt mehr Punkte am Konto als nach der gesamten internationalen Vorsaison, während der Inhaber von Rang 15, Zypern, schwächelte.
Nun ist ein (sehr ungleicher) Dreikampf um Rang 15 entbrannt: Österreich muss einen Monster-Rückstand auf die Zyprer gutmachen und währenddessen noch die Schweiz überholen.
Wie die Chancen bei diesem durchaus als "Mission Impossible" zu bezeichnenden Unterfangen stehen und wie es um die Konkurrenznationen Österreichs steht, analysiert 90minuten:
Die Top-20 der aktuellen UEFA-5-Jahreswertung
Platz | Land | 22/23 | 23/24 | 24/25 | 25/26 | 26/27 | Gesamt | Teams |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
1 | England | 23,000 | 17,375 | 29,464 | 28,680 | 3,500 | 102,019 | 9/9 |
2 | Italien | 22,357 | 21,000 | 21,875 | 19,000 | 3,642 | 87,874 | 7/7 |
3 | Spanien | 16,571 | 16,062 | 23,892 | 22,093 | 3,875 | 82,493 | 8/8 |
4 | Deutschland | 17,125 | 19,357 | 18,421 | 21,785 | 3,714 | 80,402 | 7/7 |
5 | Frankreich | 12,583 | 16,250 | 17,928 | 18,321 | 3,071 | 68,153 | 7/7 |
6 | Portugal | 12,500 | 11,000 | 16,250 | 20,500 | 4,300 | 64,550 | 5/5 |
7 | Belgien | 14,200 | 14,400 | 15,650 | 11,400 | 3,400 | 59,050 | 5/5 |
8 | Niederlande | 13,500 | 10,000 | 15,250 | 9,979 | 3,666 | 52,395 | 6/6 |
9 | Türkei | 11,800 | 12,000 | 10,300 | 11,075 | 4,500 | 49,675 | 4/5 |
10 | Polen | 7,750 | 6,875 | 11,750 | 15,750 | 3,000 | 45,125 | 2/5 |
11 | Tschechien | 6,750 | 13,500 | 10,550 | 11,025 | 2,900 | 44,725 | 4/5 |
12 | Griechenland | 2,125 | 11,400 | 12,687 | 14,200 | 3,400 | 43,812 | 4/5 |
13 | Norwegen | 5,750 | 8,000 | 11,812 | 8,050 | 5,000 | 38,612 | 4/5 |
14 | Dänemark | 5,900 | 8,500 | 7,656 | 12,250 | 2,625 | 38,306 | 4/4 |
15 | Zypern | 5,100 | 3,750 | 10,562 | 12,156 | 2,625 | 34,193 | 2/4 |
16 | Schweiz | 8,500 | 5,200 | 7,050 | 6,200 | 3,250 | 30,200 | 2/4 |
17 | Österreich | 4,900 | 4,800 | 9,650 | 4,100 | 4,200 | 27,650 | 3/5 |
18 | Ungarn | 5,875 | 4,500 | 6,625 | 7,437 | 2,875 | 27,312 | 1/4 |
19 | Schottland | 3,500 | 6,400 | 9,250 | 4,600 | 2,100 | 27,312 | 2/5 |
20 | Schweden | 6,250 | 1,875 | 11,375 | 5,000 | 1,250 | 26,250 | 1/4 |
Punkteschlüssel:
Sieg* = 2 Punkte/Anzahl der Teilnehmer zu Saisonbeginn
Remis* = 1 Punkt/Anzahl der Teilnehmer zu Saisonbeginn
*in Qualifikationsphase nur die Hälfte
Alle Infos zu etwaigen Bonuspunkten sind unter diesem Link zu finden>>>
Die Unantastbaren
Zunächst ein kurzer Überblick über jene Nationen, die eigentlich Österreichs Konkurrenten sein sollten, dies momentan aber leider nicht sind.
Die Polen (10. Platz/17,475 Punkte vor Österreich) könnten nach zwei - ausschließlich durch die Conference League begünstigten - Wahnsinnsjahren heuer auf den Boden der Realität zurückgeholt werden. Mit Lech Posen und Jagiellonia Bialystok haben sie nur zwei ihrer fünf Starter durchgebracht und das jeweils in die Europa League, wo viele schwierige, vor allem englische Gegner warten.
Tschechien (11./+17,075), Griechenland (12./+16,162), Norwegen (13./+10,962) und Dänemark (14./+10,656) haben dafür allesamt vier Mannschaften in einer Ligaphase unterbekommen, ihr jeweiliger Vorsprung auf Österreich wird daher tendenziell eher weiter steigen als schrumpfen.
Speziell die Dänen, die ihre Punkte sogar nur durch vier teilen müssen und alle vier Vertreter in der Conference League unterbrachten, werden heuer eine brutale Saison hinlegen.
15. Zypern (34,193)
Europa League:
Omonia Nikosia
gegen Celta Vigo (ESP/h), NK Celje (SLO/a), Benfica Lissabon (POR/h), NEC Nijmegen (NED/a), Juventus Turin (ITA/a), Celtic Glasgow (SCO/h), Stade Rennes (FRA/a), Besiktas Istanbul (TUR/h)
Conference League:
Pafos FC
gegen Atalanta Bergamo (ITA/a), FC Riga (LAT/h), Twente Enschede (NED/a), FC Midtjylland (DEN/h), Mjällby AIF (SWE/a), Heart of Midlothian (SCO/h)
ausgeschieden:
Apollon Limassol
AEK Larnaka
Ob Österreichs minimale Chance auf Platz 15 lebt, wird sehr stark von der zyprischen Performance abhängen.
Diese dürfte ob der gezeigten zyprischen Quali-Leistungen heuer deutlich schlechter ausfallen als zuletzt.
Apollon Limassol und AEK Larnaka erreichten nicht mal das Conference-League-Playoff, Meister Omonia Nikosia scheiterte bereits in der zweiten Runde der Champions-League-Quali, kämpfte sich aber (über einen recht einfachen Weg) in die Europa League. Dort hat Omonia bei der Auslosung aus fast jedem Topf zwei der schwerstmöglichen Gegner ausgefasst.
Der Pafos FC rettete sich nach einem durchaus knappen Scheitern am FC Salzburg in der Europa-League-Quali in der Verlängerung des Conference-League-Playoffs doch noch in eine Ligaphase und war bei der Auslosung ebenfalls nicht wirklich vom Glück verfolgt.
Es wäre ob der zugelosten Gegner kein großes Wunder, wenn weder Pafos noch Omonia die jeweilige Ligaphase überstehen würden.
Prognose:
Zypern wird in dieser Europacup-Saison einen ordentlichen Realitycheck erfahren, für ein österreichisches Überholmanöver ist der Rückstand aber leider zu groß.
Die zyprische First Division ist in der 5-Jahreswertung momentan mit Sicherheit über ihrem wirklichen Leistungsniveau platziert.
Ihren Aufschwung haben die Zyprer hauptsächlich der Conference League zu verdanken, in der die Punkte relativ einfach verdient bzw. teils sogar "geschenkt" waren, als etwa Omonia und Pafos in der Zwischenrunde der Conference League 2024/25 aufeinandertrafen und Zypern dafür automatisch 1,125 Punkte gutgeschrieben bekam.
Spätestens in der nächsten Saison, wenn Zypern erstmals die Punkte durch fünf teilen muss, wird man sich auf der Mittelmeer-Insel im UEFA-Ranking wieder nach unten orientieren müssen. Dann muss Österreich bereit sein.
Das bringt Platz 15 (Saison 2027/28):
Meister in der zweiten Qualifikationsrunde zur Champions League
Vizemeister in Quali-Runde 2 der Champions League
Cup-Sieger (oder Liga-Dritter) in Quali-Runde 3 der Europa League
Liga-Dritter bzw. -Vierter in Quali-Runde 2 der Conference League
Liga-Vierter bzw. -Fünfter in Quali-Runde 2 der Conference League
16. Schweiz (30,200)
Conference League:
FC Thun
gegen Twente Enschede (NED/a), Hajduk Split (CRO/h), Heart of Midlothian (SCO/h), Ajax Amsterdam (NED/a), KAA Gent (BEL/h), ZSKA Sofia (BUL/a)
FC Lugano
gegen Roter Stern Belgrad (SRB/h), FC Getafe (ESP/a), Kauno Zalgiris (LIT/h), FK Jablonec (CZE/a), FC Kopenhagen (DEN/a), VV St. Truiden (BEL/h)
ausgeschieden:
FC St. Gallen
FC Sion
Die Schweizer haben aus einer alles andere als idealen Ausgangslage fast schon das Maximum in der Qualiphase herausgeholt.
Die Eidgenossen mussten ohne die beiden großen Punktehamster FC Basel und BSC Young Boys international an den Start gehen, dafür schickten sie Überraschungsmeister FC Thun in die Champions-League-Quali, der dort sofort scheiterte, sich aber immerhin in die Conference League durchkämpfte.
Dort ist auch der FC Lugano zu finden, der in der Quali den notwendigen internationalen Spirit bewies, als er unter anderem trotz Unterzahl Maccabi Tel Aviv im Playoff ausschaltete. Die Tessiner sind zurzeit das stärkste Team der Schweiz und könnten im dritthöchsten UEFA-Bewerb gut punkten.
Der FC St. Gallen und der FC Sion scheiterten indes durchaus unglücklich im Conference-League-Playoff.
Prognose:
Mit diesem Teilnehmerfeld ging es für die Eigenossen von Anfang an nur um Schadensbegrenzung. Diese könnte durchaus gelingen.
Vom nach dem Meistertitel auseinandergefallenen FC Thun braucht man sich - nicht zuletzt aufgrund des ein oder anderen knackigen Gegners - keine Wunderdinge erwarten, Lugano könnte aber durchaus weit kommen und so - auch dank des Viererdivisors - das Schweizer Punktekonto gut füllen.
Tendenziell haben die Eidgenossen aber sogar die um den Deut schlechteren Karten als Österreich auf Platz 15 - zumindest die Schweiz sollte heuer für uns zu holen sein.
Das bringt Platz 16 (Saison 2027/28):
Meister in der zweiten Qualifikationsrunde zur Champions League
Cup-Sieger (oder Liga-Dritter) in Quali-Runde 2 der Europa League
Liga-Dritter bzw. -Vierter in Quali-Runde 2 der Conference League
Liga-Vierter bzw. -Fünfter in Quali-Runde 2 der Conference League
17. Österreich (27,650)
Champions League:
LASK
gegen AEK Athen (GRE/a), FC Liverpool (ENG/h), Sporting Lissabon (POR/a), Slovan Bratislava (SVK/h), FK Bodö/Glimt (NOR/a), Fenerbahce Istanbul (TUR/h), Real Madrid (ESP/a), FC Porto (POR/h)
Europa League:
FC Salzburg
gegen Levski Sofia (BUL/a), AC Milan (ITA/h), NK Celje (SLO/a), RSC Anderlecht (BEL/a), Ararat-Armenia (ARM/h), Sparta Prag (CZE/h), Bayer Leverkusen (GER/a), Crystal Palace (ENG/h)
SK Sturm
gegen Stade Rennes (FRA/h), FC Bournemouth (ENG/a), Olympique Marseille (FRA/h), NK Celje (SLO/h), TSG Hoffenheim (GER/a), AZ Alkmaar (NED/a), OFI Kreta (GRE/h), Dinamo Zagreb (CRO/a)
ausgeschieden:
SK Rapid
FK Austria Wien
Es wäre so viel drinnen gewesen.
Der LASK, der FC Salzburg und mit leichten Abstrichen auch der SK Sturm zeigten in der Quali extrem viel Europacup-Geist und machten schon früh im Sommer viel Lust auf die neue Saison.
Selbst der FK Austria Wien erreichte endlich einmal zumindest das Conference-League-Playoff, wo für die jungen "Veilchen" in ihrer aktuellen Verfassung schlicht nicht mehr gegen Braga drinnen war.
Und dann kam der Selbstfaller des SK Rapid. Gegen diese limitierten, in Unterzahl agierenden und teils über das Feld humpelnden Hearts auszuscheiden, ist kaum entschuldbar und könnte uns schlussendlich den so wichtigen 15. Platz kosten.
So hat Österreich diesmal keine einzige Mannschaft in der - dieses Jahr zugegebenermaßen stärker als sonst besetzten - Conference League, dafür gleich zwei in der deutlich herausfordernden Europa League.
Zumindest bei den Salzburgern ist die Hoffnung groß, dass sie dort endlich wieder deutlich besser abschneiden als zuletzt und den einen oder anderen Bonuspunkt abstauben. Die grunderneuerten "Bullen" von Danny Röhl zeigten sich in der bisherigen Saison fast schon beängstigend stark; es ist zu hoffen, dass sie diese Form über den internationalen Herbst konservieren können.
Sturm hat tendenziell die etwas schwereren Gegner am Spielplan stehen und wirkt momentan trotz eines nominell starken Kaders noch nicht stabil genug für dieses Niveau. Hoffentlich finden sich die "Blackies" schnell, dann ist freilich auch für sie ein Weiterkommen möglich.
Beim LASK ist freilich jeder in der Champions League eingefahrene Zähler als Bonuspunkt zu werten. Mit diesem Willen, dieser Leidenschaft und speziell dieser ganz zäh zu bespielenden Spielweise werden die Linzer aber mit Sicherheit auch in der "Königsklasse" für die eine oder andere Überraschung sorgen.
Prognose:
Österreich wird endlich wieder eine sehr gute internationale Saison spielen, der Sprung auf Platz 15 wird aber knapp nicht gelingen.
Wagen wir eine Milchmädchen-Rechnung: Wenn man davon ausgeht, dass Pafos und Omonia jeweils zwei Siege und ein Remis holen und nach der Ligaphase ausscheiden - ein durchaus optimistisches, angesichts der Schwere der zyprischen Gegner, aber nicht völlig aus der Luft gegriffenes Szenario - hätte Österreich 9,043 Punkte gutzumachen.
Anders ausgedrückt: Der LASK, Salzburg und Sturm müssten 23 ihrer 24 Ligaphasen-Partien gewinnen. Das könnte schwierig werden.
Freilich gibt es auch noch etwaige Bonuspunkte zu holen und bei einem Weiterkommen die Möglichkeit, in K.o.-Spielen zu punkten, ein Angriff auf Zypern wird sich heuer aber einfach nicht ausgehen.
Was möglich sein sollte, ist, den Rückstand auf Platz 15 zur Saison 2027/28, der mit 6,343 Punkten fast ident zum aktuellen Status quo ist, auf ein Niveau zu reduzieren, das nächstes Jahr ein Überholmanöver realistisch macht.
Das bringt Platz 17 (Saison 2027/28):
Meister in der zweiten Qualifikationsrunde zur Champions League
Cup-Sieger (oder Liga-Dritter) in Quali-Runde 2 der Europa League
Liga-Dritter bzw. -Vierter in Quali-Runde 2 der Conference League
Liga-Vierter bzw. -Fünfter in Quali-Runde 2 der Conference League
Österreich einziger ernsthafter Anwärter auf Top-15
Es ist schon durchaus weit hergeholt, Österreich als Kandidaten auf Platz 15 zu bezeichnen. Da alle dahinterliegenden Nationen maximal theoretische Chancen auf die Top-15 haben und alle Plätze außerhalb davon mehr oder weniger gleich viel wert sind, nur ein kurzer Überblick über die verfolgende Konkurrenz:
Nationen wie Ungarn (18.), Schweden (20.), Rumänien (22.) oder die Ukraine (23.) haben jeweils nur eine Mannschaft in der Ligaphase dabei und werden Österreich so natürlich nicht gefährlich werden können.
Schottland (19.) wäre, hätte Rapid nicht ausgelassen, auch fast völlig zerpflückt worden, nun stehen neben Celtic auch noch die Hearts in einer Ligaphase.
Auch Kroatien (21.) ist im zweiten Jahr in Folge zweifach im internationalen Herbst vertreten und könnte durchaus einen kleinen Sprung nach vorne machen.
Allgemein lässt sich festhalten, dass Österreich momentan die einzige Zypern verfolgende Nation ist, die mittelfristig ernsthafte Ansprüche darauf stellen darf, wieder in die Top-15 einzudringen.
Simon Urhofer