These: Die Austria macht im Derby den Fehlstart von Hoff Thorup perfekt!
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These: Die Austria macht im Derby den Fehlstart von Hoff Thorup perfekt!

Das Premieren-Derby von Johannes Hoff Thorup ist gleichzeitig das erste seit September 2024 mit Auswärtsfans. 90minuten diskutiert über die wichtigsten Themen.

Jetzt ist Derby angesagt!

In der Bundesliga-Tabelle trennen Austria Wien und den SK Rapid vor dem direkten Duell am Sonntag (ab 17 Uhr im LIVE-Ticker) drei Punkte, atmosphärisch liegen Welten zwischen den Lokalrivalen.

Vier Runden vor der Ligateilung braucht der neue Rapid-Trainer Johannes Hoff Thorup dringend ein erstes Erfolgserlebnis, die "Veilchen" klettern unter Stephan Helm gerade wieder auf den Dampfer in Richtung Titelkampf.

Chefredakteur Harald Prantl und 90minuten-Redakteur Daniel Sauer diskutieren vier Thesen der Redaktion:

These: Die Austria macht im Derby den Fehlstart von Hoff Thorup perfekt! Der Negativrekord von elf Spielen ohne Sieg geht für "Grün-Weiß" auch gegen die "Veilchen" weiter.

These: Die Austria macht im Derby den Fehlstart von Hoff Thorup perfekt! Der Negativrekord von elf Spielen ohne Sieg geht für "Grün-Weiß" auch gegen die "Veilchen" weiter.
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Daniel Sauer: Nach der Niederlage gegen die Austria im Herbst ging die Talfahrt erst richtig los - sollte sich das Blatt ausgerechnet in Wien-Favoriten wenden, wäre das natürlich poetisch. Damit rechnen sollte man aber nicht. Johannes Hoff Thorup ist vieles, aber kein Pragmatiker und wird Zeit brauchen, um eine Mannschaft nach seinen Vorstellungen zu formen.

Rapid agiert derzeit mit viel Ballbesitz und wenig Selbstvertrauen, seinem Gegenüber Stephan Helm spielt das voll in die Karten. Das Derby gegen effektive "Veilchen" kommt zu früh und wird die nächste Enttäuschung für Rapid-Fans, die sich mit dem Gedanken anfreunden können, dass es auch in der Qualifikationsgruppe viel zu gewinnen und weiterzuentwickeln gibt.

Harald Prantl: Was aus grün-weißer Sicht zu befürchten war, ist eingetreten - Johannes Hoff Thorup braucht Zeit, um den SK Rapid nach seinen Vorstellungen zu entwickeln. Eine verunsicherte Elf, die dennoch den Anspruch hat, Fußball zu spielen, scheint für die Wiener Austria ein gefundenes Fressen. Die Brust der Violetten ist breit, wenn sie mit einem Gegner konfrontiert sind, der ihnen in der Offensive Platz gibt, sind sie am stärksten.

Nichtsdestoweniger wäre es bei weitem nicht das erste Derby in der jüngeren Vergangenheit, das mit einem überraschenden Ergebnis aufwartet und einen Wendepunkt in den Saisonen der beiden Klubs darstellt. Ein Derby hat eigene Gesetze – das wurde zu oft belegt, um nur eine leere Floskel zu sein.


These: Die jungen Wilden dominieren! Die Austria wird mit der veränderten Strategie bis zum Ende um die Meisterschaft mitspielen und mit einem Abgang zumindest an der Rekordablöse von Omer Damari kratzen.

These: Die jungen Wilden dominieren! Die Austria wird mit der veränderten Strategie bis zum Ende um die Meisterschaft mitspielen und mit einem Abgang zumindest an der Rekordablöse von Omer Damari kratzen.
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Harald Prantl: Die Austria hat in der angestrebten Entwicklung den nächsten Schritt gemacht. Die vielversprechenden Talente konnten sich im Herbst – nach dem Aufstieg der Young Violets auch in der 2. Liga – weiterentwickeln und sind nunmehr nach und nach ernsthafte Kandidaten für regelmäßige (Startelf-)Einsätze geworden. Dass das dazu führen kann, dass der FAK bis zum Ende um den Titel mitspielen kann, wäre aber eher der Schwäche der Liga-Krösusse zuzuschreiben.

Damari brachte damals rund sieben Millionen Euro ein. An diesen Wert heranzukommen, könnte schwierig werden. Der heißeste Kandidat ist Abubakr Barry, aber auch nur dann, wenn es gelingt, den Vertrag des Gambiers über die zu ziehende Option bis 2027 hinaus zu verlängern.

Daniel Sauer: Wir sollten auf dem Boden der Tatsachen bleiben. In den letzten beiden Pflichtspielen war die Austria-Startelf rund 27 Jahre alt, gegen Salzburg standen zu Beginn acht Ü23-Spieler auf dem Platz. Stephan Helm setzt auf eine routinierte Truppe, dem TSV Hartberg hat man beispielsweise ganze drei Jahre voraus. Unterm Strich ist das natürlich belanglos, am Verteilerkreis hat man eindeutig den richtigen Kurs eingeschlagen.

Der Verein hat sich eine klare Identität verpasst und spielt - von außen betrachtet - mit deutlich weniger Druck als die Konkurrenz. Sollte man jetzt noch den Faden verlieren, wäre das eine Überraschung. Dass eines der Talente im Kader schon im Sommer einen hoher einstelliger Millionenbetrag einspielt, fiele schon eher in die Kategorie Sensation.


These: Top-Transfers! Markus Katzer hat mit Andreas Weimann und Yusuf Demir alles richtig gemacht, die beiden werden noch im Frühjahr zu Unterschiedsspielern mutieren.

These: Top-Transfers! Markus Katzer hat mit Andreas Weimann und Yusuf Demir alles richtig gemacht, die beiden werden noch im Frühjahr zu Unterschiedsspielern mutieren.
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Daniel Sauer: Wer im Winter zwei Spieler an Land zieht, die über kurz oder lang in der Startelf stehen können, aber keine Ablöse kosten, darf sich auf die Schulter klopfen. Andi Weimann hat bereits angedeutet, dass er die Rapid-Offensive beleben kann und füllt eine klaffende Lücke im Sturm. Yusuf Demir hat seit 2022 nur 1.434 Minuten absolviert, beweist mit dem Rückschritt nach Wien aber eine Reflektiertheit, die in den letzten Jahren vielleicht gefehlt hat.

Rapid hat zwei Spieler dazubekommen, die sich selbst und der breiten Öffentlichkeit etwas beweisen wollen - solche Typen braucht der Verein mehr als alles andere. Es sollte niemanden überraschen, wenn sich mindestens einer der beiden sein WM-Ticket in Hütteldorf abholt.

Harald Prantl: Der SK Rapid dürfte in der Herbst-Analyse festgestellt haben, dass es einen weiteren Routinier braucht, um seine Mannschaft zu stabilisieren. Mit Andreas Weimann wurde ein idealer gefunden.

Der 34-Jährige passt in vielerlei Hinsicht perfekt – seine kämpferische Spielweise ist genau das, was den Block West mitzureißen vermag, mit der Erfahrung von über 350 Spielen auf der Insel bringt ihn auch so schnell nichts aus der Ruhe. Und zumindest eine Hand am WM-Ticket hatte er als mehr oder weniger regelmäßiges ÖFB-Kadermitglied ja auch davor schon.

Yusuf Demir zurückzuholen, war angesichts der geringen Anstrengungen, die finanziell notwendig waren, gewissermaßen ein No-Brainer. Er ist erst 22 Jahre alt, ihm ist im gewohnten Umfeld ohne weiteres zuzutrauen, wieder die Kurve zu kratzen. Ob Demir noch im Frühjahr zum Unterschiedsspieler mutiert, wage ich eher zu bezweifeln, Weimann ist es allemal zuzutrauen.


These: Endlich wieder Gästefans! Vier Derbys ohne Auswärts-Fans sind genug. Es ist gut, dass das 348. Wiener Derby wieder vor vollem Haus ausgetragen wird.

These: Endlich wieder Gästefans! Vier Derbys ohne Auswärts-Fans sind genug. Es ist gut, dass das 348. Wiener Derby wieder vor vollem Haus ausgetragen wird.
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Harald Prantl: Angesichts der Vorkommnisse in den Duellen vor der Gästefan-Sperre war diese notwendig, das sehe ich heute nicht anders als damals.

Was uns die Zwischenzeit gelehrt hat: Ein Derby fühlt sich nur dann wie ein Derby an, wenn die Fanlager beider Vereine in den Stadien sind. Diese Erkenntnis möge sich so tief ins Gedächtnis aller eingeprägt haben, dass sie sich auch in hitzigen Phasen vor, während und nach den Duellen daran erinnern.

Daniel Sauer: Eine befristete räumliche Trennung von zwei Streithansln ist ein durchaus probates Mittel, um wieder mehr Harmonie herbeizuführen. Die Grenzen wurden schlicht und einfach zu oft und drastisch überschritten, um nicht einzugreifen. In der Zwischenzeit dürfte sich die Temperatur vor allem innerhalb der beiden Vereine reduziert haben - letztlich muss es das gemeinsame Ziel sein, erneute Eskalationen zu verhindern.

Für Sonntag gilt: Es gibt wenige Dinge, die den österreichischen Fußball so aufwerten, wie ein hart aber fair geführtes Wiener Derby vor vollem Haus. Das war vor, während und nach der Auswärtssperre klar. Wie oft es sie in Zukunft geben wird, haben alle Seiten selbst in der Hand.



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