These: Alles andere als der Meistertitel für den LASK wäre schlicht unfair
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These: Alles andere als der Meistertitel für den LASK wäre schlicht unfair

Am Ende ist es ein Fernduell zwischen LASK und Sturm Graz, welches das Meisterrennen 2025/26 entscheidet. Hat einer der beiden Anwärter den Titel mehr verdient als der andere?

Wer wird Österreichischer Meister der Saison 2025/26? Diese Frage entscheidet sich am Sonntag im Fernduell zwischen Sturm Graz und dem LASK.

Sonntag, ab 14:30 Uhr im LIVE-Ticker >>>

Während der LASK alles in der eigenen Hand hat und den Meistertitel mit einem Punktgewinn gegen die Wiener Austria fixieren kann, muss Sturm Graz gegen Rapid gewinnen und gleichzeitig auf einen Nuller des LASK hoffen.

Für den SK Rapid, Austria Wien und Red Bull Salzburg geht es am Sonntag noch um die Verteilung der europäischen Plätze. Nur der TSV Hartberg hat nichts mehr zu gewinnen oder zu verlieren.

Die 90minuten-Redakteure Georg Sohler und Daniel Sauer diskutieren vor dem allesentscheidenden letzten Spieltag über drei Thesen der Redaktion.


These: Der LASK spielt den besten und attraktivsten Fußball der Bundesliga. Alles andere als der Meistertitel wäre schlichtweg unfair.

These: Der LASK spielt den besten und attraktivsten Fußball der Bundesliga. Alles andere als der Meistertitel wäre schlichtweg unfair.
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Georg Sohler:

Ich bin immer ein Freund des Umstandes, dass jener Verein verdient Meister ist, der am Ende die meisten Punkte gesammelt hat. Sollte es der SK Sturm sein, wäre das genauso fair oder unfair.

Es war beim Spiel gegen Salzburg ohnehin ersichtlich, dass die Athletiker nicht den schönsten Fußball spielen. Sie sind unter Trainer Didi Kühbauer vor allem hoch effizient und sehr konzentriert in dem was sie tun.

An einem guten Tag kann den "Bullen" hinsichtlich Attraktivität niemand das Wasser reichen. Davon können sie sich aber nichts kaufen. Von lässigen Ballstafetten bis in den gegnerischen Sechzehner hat man halt wenig, wenn man nicht trifft - der Gegner aber schon.  

Attraktivität wird ja auch dem TSV Hartberg herzlich wurscht sein, weil er sich den Abstiegskampf auch ohne Tiki-Taka seit Spieltag 22 aus der Ferne ansieht. Es geht nur und ausschließlich um die Tabelle. Sonst kommen wir in Teufels Küche: Sollen wir noch die Anzahl der geschossenen Tore miteinrechnen oder die erhaltenen? Vielleicht ein Extrapunkt für den höchsten xG-Wert und den schönsten Torjubel des Co-Trainers?

Daniel Sauer:

In mir strebt sich viel dagegen, dieser These zuzustimmen. Zumal der LASK in den letzten Wochen mit Sicherheit nicht den attraktivsten Fußball der Liga auf den Platz gebracht hat.

Die Erinnerungen an den katastrophalen Saisonstart sind auch präsent. Sturm Graz hatte bis in den Oktober elf Punkte Vorsprung auf die Linzer.

Andererseits hat der Titelverteidiger diesen Vorsprung in enttäuschender Manier noch vor der Punkteteilung verspielt. Auch ein Trainerwechsel hat kaum Aufschwung gebracht. Eine Erfolgsgeschichte lässt sich daraus nicht wirklich schreiben.

Didi Kühbauer hat vielleicht nicht die insgesamt beste, aber effektivste Mannschaft dieser Spielzeit geformt. Gäbe es dafür einen Titel, könnte man ihn schon jetzt verleihen. Dass die Meisterschaft am letzten Spieltag und strikt anhand der Tabelle vergeben wird, halte ich wie Georg für richtig und fair.


These: Die Qualität des SK Sturm Graz hat zuletzt von Jahr zu Jahr abgenommen. Sollten die Blackies erneut Meister werden, wäre ihnen das höher anzurechnen als in den beiden Jahren zuvor.

These: Die Qualität des SK Sturm Graz hat zuletzt von Jahr zu Jahr abgenommen. Sollten die Blackies erneut Meister werden, wäre ihnen das höher anzurechnen als in den beiden Jahren zuvor.
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Daniel Sauer:

Eine sportliche Rückentwicklung hoch anzurechnen, fühlt sich intuitiv falsch an. Anders lässt sich die Saison von Sturm Graz - auch unter Fabio Ingolitsch - kaum deuten.

Verstehen kann ich sie angesichts der vielen unersetzbaren Abgänge in den letzten Jahren. Verständnis war aber nicht gefragt.

Wenn Graz am Ende von ganz oben lacht, sollte vor allem das Gesamtwerk im Vordergrund stehen. Andi Schicker und Christian Ilzer haben vor Jahren ein beeindruckendes Fundament gebaut, dessen Löcher von Michael Parensen und seinen Trainern zur Genüge gestopft wurden.

Sollte Sturm auch 2025/26 Meister werden, wäre das keinesfalls unverdient. Man hat sich auf dem Weg aber stark von der Konkurrenz abhängig gemacht. Dass in zehn Jahren noch jemand vom dritten Teil des Titel-Hattricks schwärmt, wage ich zu bezweifeln.

Georg Sohler:

Den letzten Punkt muss ich ein bisschen einordnen. Ich habe jüngst in einem noch nicht erschienenen Interview mit Rainer Pariasek über Franco Foda gesprochen. Und darüber, wie man als Moderator mit dem – zugegebenermaßen uns Journalisten gegenüber nicht einfachen – Ex-Teamchef umgegangen ist.

Da kam mir in den Sinn, dass von seinem Sturm-Titel 2010/11 vor allem das denkwürdige Handspiel von Edin Salkic übrig blieb. Und das Fazit, dass die Saison fußballerisch einfach nur schlecht war. Wir alle werden nicht müde, diesen Titel abzuschaseln. Richtig fair ist das aber eigentlich nicht.

Es ist nämlich nie leicht, eine ganze Gruppe von (inklusive Staff) 40-50 Personen von Sommer bis Frühling so zu orchestrieren, dass sie am Ende besser als der Rest ist. Das ist eine Errungenschaft.

Es gab bislang 111 Meistermannschaften in Österreichs Fußball. Das sind grob an die 3.000 Personen.

Seit der ersten Saison 1911/12 haben hierzulande gemäß Schätzungen wohl bis zu 25 Millionen Menschen in den heutigen Grenzen gelebt. 0,12 Promille davon dürfen sich also Fußballmeister nennen. Das ist schon ein elitärer Kreis und zeigt recht deutlich, dass eigentlich kein Titel mehr oder weniger wert ist.


These: Österreich benötigt in der Fünfjahreswertung jede verfügbare Hilfe: Nachdem Salzburg und Rapid die besten Klubkoeffizienten aller österreichischen Teams haben, wäre es immens wichtig, dass die beiden kommende Saison international dabei sind.

These: Österreich benötigt in der Fünfjahreswertung jede verfügbare Hilfe: Nachdem Salzburg und Rapid die besten Klubkoeffizienten aller österreichischen Teams haben, wäre es immens wichtig, dass die beiden kommende Saison international dabei sind.
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Georg Sohler:

Ich finde die Diskussion "X wäre besser als Y, weil Z" befremdlich.

Natürlich müssen wir "hackeln", um von Platz 20 zu Beginn der Europacup-Saison 2026/27 weiter nach oben zu kommen. Und klarerweise traut man es dem gegenwärtigen Führungsquartett noch am ehesten zu, international was zu reißen. Ich würde es aber nicht am Koeffizienten aufhängen - selbst, wenn damit einige der ganz großen Kaliber vermieden werden können.

Darüber hinaus bin ich mir nicht sicher, ob die beiden genannten Vereine wirklich die richtigen Schlüsse aus den Misserfolgen der letzten Monate und Jahre gezogen haben. Oder, dass sie schon so weit sind, diese in Europacup-Erfolge umzumünzen.

Außerdem haben wir schon Düdelingen und Vaduz erlebt. Weiters hat es Rapid diese Saison in der Conference League als Topf-1-Team geschafft, nicht nur Letzter zu werden, sondern gegen das Trio Universitatea Craiova, Omonia Nikosia und Zrinjski Mostar nur einen Punkt zu holen.

Wenn letztlich Austria Wien und der GAK in der Quali antreten, dann ist das einfach so.

Daniel Sauer: 

Wer sich in den letzten beiden Jahren näher mit der Fünfjahreswertung beschäftigt hat, wird der Vorstellung von Qualifikations-Auftritten von Altach, WAC, Ried oder der WSG wenig abgewinnen können.

Charmante, aber wenig aussichtsreiche Abenteuer können wir uns eigentlich nicht mehr leisten.

Ab 2027/28 ist Österreich europäisch nur noch vierfach vertreten und muss sich in Zukunft durch zusätzliche Qualifikationsrunden kämpfen. Die Chancen auf Ligaphasen-Teilnahmen wären dann deutlich geringer.

Auch wenn Georg zurecht die zahlreichen Misserfolge der heimischen Spitzenteams erwähnt, werden selbst die meisten GAK-Fans ihrem Verein weniger zutrauen als Red Bull Salzburg oder dem SK Rapid.

Am Ende waren auch in dieser Saison die üblichen Verdächtigen im Hauptbewerb dabei, der WAC trotz einer starken Vorsaison nicht. Der Koeffizient ist nicht alles, macht das Leben aber leichter. Unterm Strich ist damit der ganzen Liga geholfen.

Bundesliga-Tabellenrechner:


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