Das traurige Ende der Ära Löw [Euro 2020, Tag 6]

Deutschland verliert den Euro-Auftakt in München gegen Weltmeister Frankreich mit 1:0. Hinter dieser Auftaktniederlage steckt für Team Löw aber mehr als eine knappe Niederlage gegen den amtierenden Weltmeister. Es ist der Beginn der unrühmlichen Finissage der Karriere eines großen Trainers.

++ Pucher schaut EM – der tägliche 12 Meter zur Europameisterschaft ++

 

Am 13. Juli 2014 war Joachim Löw am Zenit seiner Laufbahn als Trainer. Im Maracana in Rio de Janeiro gewinnt er nach einem großartigen Turnier seiner Mannschaft den WM-Titel. Unter anderem hat Deutschland den Gastgeber in einem Spiel für die Ewigkeit mit 7:1 aus dem Stadion gefegt. Das war der Zeitpunkt, wo Löw als Bundestrainer abtreten hätte sollen. Am Höhepunkt. Hat er nicht getan und es begann ein langsamer, aber stetiger Abwärtstrend. Negatives vorläufiges Ende vor dieser Euro 2020: Das blamable Aus bei der WM 2018 in Russland.

Hat sich Deutschland mit Jogi Löw ab 2006 von Turnier zu Turnier gesteigert, trat nach dem großen Titel in Brasilien das Gegenteil ein. Es begann eine Dynamik, wie bei einem Spieler im Casino. Beim nächsten Mal wieder gut machen. Funktioniert halt fast nie. Vor allem dann nicht, wenn die Rahmenbedingungen sich immer mehr verschlechtern. Die tragenden Charaktere der Weltmeistermannschaft hörten nach und nach auf oder haben ihren Leistungszenit überschritten. Die nachrückende Generation, exemplarisch seien Timo Werner und Leroy Sane genannt, haben vor allem hinsichtlich ihrer Persönlichkeit nicht das Format ihrer Vorgänger. Der Trainer selbst begann zunehmend herumzumäandern, aber weder er selbst, noch der DFB zogen die Reißleine.

"Mentalität muss wachsen und braucht dazu Kontinuität und Stabilität. Nichts davon kann Team Löw anno 2021 bieten." - Jürgen Pucher

Schließlich kam es aber doch zur Entscheidung, dass die aktuell laufende Euro sein letzter großer Auftritt sein wird. Im Vorfeld lief es aber wieder nicht rund. Die Einberufung von Spielern wie Mats Hummels oder Thomas Müller, die Löw seinerzeit selbst nicht mehr im Team wollte, sorgte für Verwirrung und Kritik. Einer der besten deutschen Spieler der letzten Saison, Marco Reus, wollte gleich gar nicht mitspielen. Löw sprach im Vorfeld der Europameisterschaft davon, man brauche eine Mentalität wie 2014. Wäre das nur denkmöglich, hätte Reus wohl nicht darauf verzichtet, seine letzte Chance auf einen Titel mit der Nationalmannschaft zu gewinnen. Mentalität muss wachsen und braucht dazu Kontinuität und Stabilität. Nichts davon kann Team Löw anno 2021 bieten.

Am 15. Juni 2021 verliert Deutschland gegen Frankreich sein Auftaktspiel beim letzten Turnier des Bundestrainers in München mit 1:0. Klarer als es das Ergebnis aussagt. Deutschland wird bei diesem Turnier keine große Rolle spielen. Joachim Löw hat dann am Ende sieben Jahre lang sukzessive seine Legacy von 2014 kaputt gemacht. Einer der großen Trainer der Zehnerjahre hätte als Held abtreten können. Über die Jahre ist er fast ein wenig zur Witzfigur verkommen. Das ist schade.

 

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