SC Austria Lustenau: Ist beim zweiten Mal alles besser?
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SC Austria Lustenau: Ist beim zweiten Mal alles besser?

Mit dem neuen Stadion im Rücken peilen die Vorarlberger die Rückkehr in die höchste Spielklasse an. Infrastrukturell ist der Klub mehr als bereit, doch wie sieht es sonst aus?

Mai 2022: Der SC Austria Lustenau steigt in die Bundesliga auf – souverän, mit fünf Punkten Vorsprung und einem klaren sportlichen Fundament.

März 2026: Vier Jahre später stehen die Vorarlberger wieder an der Spitze – diesmal jedoch mittendrin in einem Vierkampf. Acht Runden vor Schluss trennen Lustenau, Admira, FAC und St. Pölten gerade einmal zwei Punkte.

"Jetzt ist natürlich der Aufstieg das große Ziel", sagt Sportdirektor Dieter Alge.

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Doch anders als damals definiert sich Lustenaus Anspruch nicht mehr nur über die Tabelle. Denn wirtschaftlich zählt der Klub weiterhin nicht zu den Schwergewichten der ADMIRAL 2. Liga.

Wir sind im Vergleich immer noch ein kleiner Fisch.

Vincent Baur, Geschäftsführer Austria Lustenau

Aufstieg? Ein Kann, aber kein Muss

"Wir sind im Vergleich immer noch ein kleiner Fisch", ordnet Geschäftsführer Vincent Baur die finanzielle Situation ein.

Vor allem der Bau des neuen Stadions hat viel Eigenkapital geschluckt. Gerade im Sponsoring spielen Klubs aus der Bundeshauptstadt finanziell in einer anderen Liga.

So oder so bewegt sich die Austria aktuell bei etwas mehr als vier Millionen Euro Budget. Das würde sich im Falle eines Aufstiegs dann auf über sechs Millionen Euro erhöhen.

Ein Unterschied, der zeigt, wie schmal der Grat zwischen Ambition und Realität ist.

Gleichzeitig wäre ein verpasster Aufstieg für die Vorarlberger kein finanzieller Einschnitt, der den Klub aus der Bahn werfen würde. Vielmehr ist die Planung bewusst so ausgelegt, dass man in beiden Szenarien handlungsfähig bleibt.

"Wir haben damals in der Bundesliga viele neue Sponsoren bekommen, die uns trotz des Abstiegs erhalten geblieben sind", so der Geschäftsführer.

Beim letzten Aufstieg 2022 hielt sich der Klub aus der größten Marktgemeinde Österreichs zwei Jahre in der Bundesliga. Eine Zeit, die mit dem gleichzeitigen Stadion-Neubau eine mehr als herausfordernde war.

"In der Bundesliga hat es vor zwei Jahren nicht gereicht, weil viel gefehlt hat. Es war eine Ausnahmesituation mit dem Ausweichstadion in Bregenz. Wir mussten viel Geld in den Verein investieren, haben es aber gestemmt und geschafft", erklärt Baur.

Genau deshalb liegt die größte Hoffnung der Vorarlberger nicht nur im Sportlichen, sondern vor allem abseits des Rasens.

Das neue Reichshofstadion (Sun Minimeal Arena) bietet Platz für 5.138 Zuschauer.
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Das neue Reichshofstadion (Sun Minimeal Arena) bietet Platz für 5.138 Zuschauer.

Infrastruktur als Schlüssel

"Wir sind definitiv Bundesliga-tauglich und das hat einen Grund – die neue Infrastruktur. Die Anlage ist bereit und der Klub ist es auch", so Baur.

Mit dem neuen Stadion, dem Austria-Dorf und dem neuen Bürogebäude hat man nun ein Fundament geschaffen, das es beim letzten Aufstieg so noch nicht gegeben hat. "Das war immer wie ein Damoklesschwert für uns und das können wir jetzt abhaken."

Plötzlich kann sich Lustenau anders positionieren, professioneller auftreten und auch wirtschaftlich neue Möglichkeiten erschließen. Oder, wie es Baur formuliert: "Wir können uns damit ganz anders aufstellen – und das wird in Zukunft eine große Rolle spielen."

Nicht nur sportlich, sondern auch bei den Zuschauerzahlen zählen die "Grünen" zu den Spitzenreitern der ADMIRAL 2. Liga. Rund 2.800 Fans kommen aktuell zu den Heimspielen.

Eine Zahl, die im Falle eines Aufstiegs nochmal deutlich nach oben gehen wird: "Wir wären ohne Frage ein Gewinn für die Liga."

Infrastrukturell ist der Klub also bereit für die höchste Liga.

Wir haben uns im Sommer zusammengerauft und gemeinsam mit dem Trainerteam eine klare Spielidee aufgestellt. Dadurch ist dieser Glaube zurückgekommen, dass wir erfolgreich sein können. Dass es aber so schnell funktioniert, war nicht abzusehen.

Dieter Alge, Sportdirektor Austria Lustenau

Höhen und Tiefen

Sportlich hingegen waren die letzten Jahre gezeichnet von Höhen und Tiefen. Nach dem Aufstieg 2022 hielt man im ersten Jahr als Zweiter der Qualigruppe souverän die Liga. In den darauffolgenden Jahren wäre beinahe der Super-Gau eingetreten.

2023/24 stieg man als abgeschlagener Letzter ab, 2024/25 war man lange im Abstiegskampf in Richtung Regionalliga, wurde am Ende Zwölfter.

"Wir haben uns im Sommer zusammengerauft und gemeinsam mit dem Trainerteam eine klare Spielidee aufgestellt. Dadurch ist dieser Glaube zurückgekommen, dass wir erfolgreich sein können. Dass es aber so schnell funktioniert, war nicht abzusehen", skizziert Sportdirektor Alge den wichtigen Sommer.

Seitdem geht es in Lustenau wieder steil bergauf. Ein Szenario, das man sich im Vorfeld so nicht erwartet hat.

Hauptgrund dafür ist ein qualitativ wie quantitativ stark besetzter Kader. Gepaart mit der Erfahrung von Cheftrainer Markus Mader, der bereits 2022 mit dem Klub aufgestiegen ist.

Die Zukunft von Markus Mader in Lustenau ist noch nicht gesichert.
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Die Zukunft von Markus Mader in Lustenau ist noch nicht gesichert.

Was passiert mit Trainer und Sportdirektor?

Doch speziell in der sportlichen Führung gibt es aktuell noch die größten Fragezeichen. Sowohl bei Sportdirektor Dieter Alge als auch bei Trainer Markus Mader läuft der Vertrag mit Saisonende aus.

Während sich Alges Kontrakt im Falle eines Aufstiegs fix verlängert, hat Mader keine Option. Trotzdem will man mit dem 57-Jährigen weitermachen.

"Es ist für uns zurzeit nicht so leicht zu planen, wir werden uns aber in den nächsten Wochen zusammensetzen. Ich persönlich will mit dem Trainer weitermachen und Markus selbst kann sich das zum Glück auch gut vorstellen", so Alge.

Wie in der sportlichen Führung hängt auch im Kader am Ende viel von der Ligazugehörigkeit ab. Eine Situation, die den Verantwortlichen aktuell viel Arbeit beschert.

Große Ungewissheit im Kader

"Da gibt es sicher zwei, drei Spieler, die nicht zu halten wären. Auch finanziell wird es in der 2. Liga eine andere Situation. Da werden wir sicher auch umdenken und vermehrt auf österreichische Spieler setzen müssen."

Vor allem in Sachen Nachwuchs drängen sich da laut dem Sportdirektor Spieler auf: Melih Akbulut (verliehen an Bischofshofen) und Emir Tuna (zweite Mannschaft). "Das sind Spieler, die in Zukunft eine Rolle spielen können."

Insgesamt laufen 13 Verträge im Sommer aus, darunter viele Stammspieler. Dem sportlichen Führungsteam ist es aber wichtig, das Gerüst über die Saison hinaus zusammenzuhalten.

Mit Kapitän Matthias Maak wurde dafür bereits eine wichtige Personalie geklärt. Sein Vertrag hat sich aufgrund einer bestimmten Anzahl an Einsätzen automatisch verlängert – unabhängig von der Ligazugehörigkeit.

"Auch sonst haben einige Spieler Klauseln, bei denen sich der Vertrag vorzeitig im Falle eines Aufstiegs verlängert", so der Sportdirektor.

Den aktuellen Kader sieht Alge aber in jedem Fall bereit für die Bundesliga. "Klar würden wir uns noch auf ein paar Positionen verstärken. Ich glaube aber, dass wir Spieler haben, die sich in der Bundesliga leichter tun würden als in der 2. Liga. Weil in der Zweiten das spielerische Element dann doch mehr in den Hintergrund rückt."

Immerhin waren mit Domenik Schierl, Matthias Maak, Fabian Gmeiner, Pius Grabher und Nico Gorzel fünf Spieler bereits beim letzten Bundesliga-Abenteuer der Austria mit von der Partie.

Es ist keine Abhängigkeit, sondern ein Miteinander, eine Kooperation.

Vincent Baur, Geschäftsführer Austria Lustenau

Die Rolle von CSC

Eine Rolle bei den Planungen spielt auch weiterhin das internationale Netzwerk rund um die Core Sports Capital.

Die Lustenauer sind seit der Saison 2019/20 Teil von CSC. Zu diesem Netzwerk gehören sowohl der französische Zweitligist Clermont Foot als auch der Schweizer Drittligist Biel-Bienne.

Schon beim letzten Bundesliga-Aufenthalt griff Lustenau punktuell auf externe Spieler zurück – ein Modell, das auch diesmal wieder an Bedeutung gewinnen könnte.

"Es ist keine Abhängigkeit, sondern ein Miteinander, eine Kooperation", betont Geschäftsführer Vincent Baur. Auch wenn es bei anderen Klubs im Netzwerk sportlich zuletzt nicht nach Wunsch lief, sehe man darin weiterhin eine Chance, den eigenen Kader gezielt zu verstärken.

Aus dem aktuellen Team ist mit Mohamed-Amine Bouchenna ein Spieler von Partnerklub Clermont geliehen. Den Offensivspieler würde man im Falle eines Aufstiegs auch im kommenden Jahr gerne halten, wie Alge bestätigt.

Gerade für einen Klub mit begrenzten finanziellen Mitteln bleibt diese Zusammenarbeit ein wichtiger Baustein – um die strukturellen Unterschiede zu den finanzstärkeren Konkurrenten auszugleichen.

Balanceakt

Klar ist: Austria Lustenau präsentiert sich vier Jahre nach dem letzten Aufstieg in vielen Bereichen deutlich gefestigter. Die Infrastruktur ist auf Bundesliga-Niveau, die Organisation professioneller, die Ausgangslage stabiler.

Gleichzeitig bleibt der Weg nach oben ein Balanceakt. Sportlich scheint die Mannschaft bereit, finanziell bewegt sich der Klub weiterhin in einem engen Rahmen – und muss genau kalkulieren.

Oder, wie es Baur selbst einordnet: "Auch wenn wir finanziell nicht in den Top drei stehen, hoffen wir doch, am Ende in der Tabelle auf Platz eins zu stehen."

Der nächste Aufstieg wäre für Lustenau deshalb mehr als nur ein sportlicher Erfolg. Er wäre der Beweis, dass sich ein Klub trotz begrenzter Mittel – und mit der richtigen Struktur im Hintergrund – dauerhaft in der Bundesliga etablieren kann.

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