Der Bischofshofener SK hätte diese Saison in der Regionalliga Nord spielen wollen. Doch mit Mai 2026 stand der Verein, der in sieben Jahren hundert Jahre alt wird, ohne Platz da.
Kurios: Zwar verweigerte man dem Klub die Teilnahme am Ligabetrieb, aber nicht am UNIQA ÖFB-Cup. Noch kurioser: Die Bischofshofener stiegen in Runde zwei auf. Dort flog man mit einem 62-Jährigen am Platz gegen Altach aus dem Bewerb.
Noch aufschlussreicher wird die Geschichte, wenn man sich mit den vergangenen zwölf Monaten des BSK 1933 befasst. Ex-Judoka und Gesicht des alten BSK Patrick Reiter, Geschäftsführer der Polysport GmbH, hat dazu eine eigene Homepage aufgesetzt.
Den vorläufigen Endpunkt markiert die De-facto-Übersiedlung des Nachwuchses in die neu geschaffene Fußballsektion des Skiclub Bischofshofen.
Um Auskunft gebeten
90minuten hat mit mehreren Parteien gesprochen – Reiter selbst, dem Salzburger Fußballverband, einem Berater des Skiclubs, Josef Faschingbauer, Raimund Unger, Vizepräsident des SC Bischofshofen, Leiter der neuen Sektion Fußball des Skiclubs sowie Stadtrat.
Bürgermeister Hansjörg Obinger erklärte mit Verweis auf laufende Gerichtsverfahren, derzeit keine Stellungnahme abgeben zu wollen. Eingeflossen in die Recherche sind zudem weitere Hintergrundgespräche mit Personen, die nicht zitiert werden wollen.
Das Leben besteht aus Graustufen und 90minuten versucht, den Nebel rund um den Traditionsverein zu lichten.
Professionalisieren im Amateurbereich
Der SK Bischofshofen hat eine lange und nicht unerfolgreiche Geschichte. 1933 gegründet, ist er nach Austria Salzburg und dem Salzburger AK 1971/72 der dritte Verein des Bundeslandes, der es in die Erstklassigkeit schafft. Der Klub hält sich aber nicht in oberen Gefilden, sondern landet 1999 in der fünften Liga. Bis 2015 verbleibt man zwischen erster und zweiter Landesliga.
Es kommt ja niemand, wenn die Kampfmannschaft nicht gut spielt.
2015 schickt sich Patrick Reiter an, den Klub zu professionalisieren. Der Judo-Europameister von 1995 gründet eine Wirtschafts-GmbH, um die finanziellen und rechtlichen Risiken des Regionalligabetriebs – seiner Darstellung nach – nicht auf ehrenamtliche Funktionäre abzuwälzen.
Das ist in erster und zweiter Bundesliga Usus, im Amateurbereich unüblich. Es geschah laut ihm jedenfalls im Austausch mit Finanzamt, Bezirkshauptmannschaft, Juristen und Steuerberatern.
Allerdings: Eine Wirtschafts-GmbH ist im Amateurfußball eher ungewöhnlich. Je professioneller der BSK aufgestellt wurde, desto stärker stellte sich in Bischofshofen aber auch die Frage, wie eine solche Struktur mit der kommunalen Unterstützung und Subvention des Vereins durch Steuergeld und dem Anspruch auf möglichst breite Nachwuchsarbeit zusammenpasst.
"Die enge Verflechtung der GmbH mit dem Verein, der Gesellschafter mit Funktionären und teilweise Personenidentität sowie die diesbezügliche rechtliche Konstruktion stieß auf immer mehr Kritik innerhalb der Stadtgemeinde", blickt Raimund Unger, im Zivilberuf Rechtsanwalt, auf die Anfänge zurück.
Erste Bröseln
Reiter will jedenfalls schnell viel ändern. So wird etwa die Nachwuchsarbeit neu bewertet. Die monatlichen Beiträge im Nachwuchs wurden für die Sechs- bis Zehnjährigen von fünf auf 14 Euro angehoben, bei den älteren Nachwuchskickern auf 17 Euro.
Seiner Darstellung nach war der Schritt notwendig, um die Trainingsqualität zu erhalten und entsprechend abzubilden. Das ist ein starker Anstieg – und steht im Spannungsfeld mit dem Anspruch der Stadt, niederschwellige und sozial verträgliche Teilhabe am Kick zu garantieren.
Das Interesse der Stadt ist nicht aus der Luft gegriffen. Sie stellt den Fußballplatz, Kunstrasentrainingsplatz, Hallen und Kabinen kostenlos zur Verfügung, kümmert sich um Wartung und Instandhaltung, fördert den Nachwuchs des Klubs mit einer niedrigen fünfstelligen Eurosumme.
Reiters Darstellung nach war aber vieles rund um den Platz marode. Die Spielbetriebs-GmbH modernisierte die Banden, beteiligte sich an der Bewässerungsanlage, die Stadt zahlte die Düsen dazu. Der BSK etabliert sich in Folge am oberen Ende des Amateurfußballs. Allerdings setzt er dabei auf viele externe Kicker. Das gefällt nicht jedem. Reiters Zugang ist: "Es kommt ja niemand, wenn die Kampfmannschaft nicht gut spielt."
Es eskaliert
2023 kommt es zu einem Eklat: Fotos von Schimmelbefall in der Kabine landen in den Medien. Die Gemeinde reagiert umgehend und saniert diese 2024 um öffentliche Gelder. Die Kosten belaufen sich bereits auf rund eine halbe Million Euro.
Weiters kommt der Vereinsvorwurf Richtung Stadt, dass der Kunstrasenplatz für Nachwuchsfußball nicht geeignet sei. 2025 modernisiert die Stadtgemeinde diesen Platz um rund eine Million Euro.
Im Zuge der Sanierung und Modernisierung wurde zudem im Frühjahr 2025 ein neuer Vertrag für die Benützung der Anlagen übermittelt. In diesem war ein Passus enthalten, den der BSK beeinspruchte.
Die Diskussion über den BSK und der problematischen rechtlichen Konstruktion mit der GmbH gab es nicht nur in dieser Sitzung, sondern unzählige Male zuvor.
Der Vertrag wird dann seitens der Gemeinde gekündigt. Da es über die Jahre immer wieder zu Problemen kam, zieht sich Reiter irgendwann aus den Verhandlungen zurück – auf Verlangen der Gemeinde, die ausschließlich mit einem rechtmäßigen Vertreter des Vereins verhandeln will.
Das Tuch zur Stadtgemeinde scheint da aber schon durchschnitten zu sein. Bislang, das erzählt das lokale Fußballfunktionärsurgestein Josef Faschingbauer gegenüber 90minuten, wurde halt dem einzigen Fußballklub alles zur Verfügung gestellt.
Die Gemeinde macht sich überhaupt Gedanken, wie es weitergehen soll. Es kursieren laut Unger Gerüchte, Reiter hätte sich auf die Polysport GmbH alle Rechte des Vereins, insbesondere auch Namens- und Markenrechte übertragen lassen. Der Stadtamtsdirektor spricht im September 2025 bereits öffentlich die Möglichkeit der Neugründung eines Vereins an, erinnert sich Unger: "Daher kann der BSK von diesbezüglichen Überlegungen auch nicht überrascht gewesen sein."
Etwas Neues soll entstehen
In einer Stadtratssitzung im Dezember 2025 – das Protokoll ist öffentlich einsehbar – stellt Stadtrat Raimund Unger in den Raum, dass dem nicht so sein müsste. Wörtlich aus dem Protokoll: "Der Vorsitzende stellt an StR Mag. UNGER die Frage, was sein Zugang ist, dass man den BSK ‚radiert‘, denn dann tun sich andere leichter, anzufangen?" Sprich: Ein neuer Klub und Einreihen in der letzten Liga.
Unger sagt angesprochen auf diese Aussage: "Die Diskussion über den BSK und der problematischen rechtlichen Konstruktion mit der GmbH gab es nicht nur in dieser Sitzung, sondern unzählige Male zuvor. Auch ist und war der Wunsch eines kompletten Neustarts oder einer Neugründung des Vereins nicht neu, sondern kam immer wieder von allen möglichen Seiten aus der Öffentlichkeit. Das Wort 'radieren' wird hier immer gerne aus dem Zusammenhang gerissen."
Die Frage wurde nämlich einerseits nicht bejaht, betont er. Und andererseits ging es immer nur – was in vielen Protokollen nachlesbar sei – konkret um zwei Dinge: "Eine absolute Entflechtung der Polysport GmbH vom Verein BSK und einen absoluten Schwerpunkt und Ausrichtung auf die Jugend und den Nachwuchs, nicht auf Profifußball, finanziert vom Steuerzahler. Und wenn dies nicht gelingt, betonte Bürgermeister Obinger zu Recht in dieser Sitzung auch seine Unterstützung für einen neuen Verein."
Bischofshofener Plan B
Die Gemeinde macht sich Gedanken. In einer öffentlichen Sitzung im März 2026 beschließt die Stadtgemeinde den allgemeinen Vertragstext über die Benutzungsvereinbarung der Fußballinfrastruktur mit dem Hinweis, dass im Sinne einer objektiven Verwendung öffentlicher Mittel jeder Verein die Möglichkeit haben soll, sich um die gemeindeeigene Fußballstruktur zu bewerben.
Sie schickt diesen neuen allgemeinen Vertragstext für die Nutzung der Sportstätten auch an den BSK 1933. Und sie macht nun Ernst mit dem Ansinnen, den Nachwuchs zu stärken, veranstaltet ein nicht-öffentliches Hearing vor Gemeindevertretern, wer die Sportstätten nutzen kann.
Neben dem BSK präsentieren der SC Bischofshofen und ein weiterer Interessent ihre Konzepte. Faschingbauer wird zunächst als BSK-Urgestein und langjähriger Fußballfunktionär auf Einladung des Bürgermeisters hinzugezogen. Nach dem Zuschlag an den SC Bischofshofen übernimmt er eine beratende Rolle im Klub.
Unterschiedliche Auffassungen
Reiter vermutet, dass es ausgedealt war, Faschingbauer betont im Gespräch jedoch: "Der Wunsch vonseiten des Bürgermeisters war es, den Klub vom Kopf auf die Füße neu aufzustellen, weil der Nachwuchs in Gefahr war. Im Frühjahr waren laut Salzburger Nachrichten 38 Kinder bis zur U13 gemeldet, Reiter sprach von 200 und mehr."
Die Angaben beziehen sich allerdings offenbar auf unterschiedliche Zählweisen: Faschingbauer spricht von gemeldeten Spielern bis U13, Reiter zählt nach eigener Darstellung den gesamten betreuten Nachwuchs. Die Sorge um den Nachwuchs teilt Faschingbauer jedenfalls mit der Gemeinde – von Reiters Zugang zeigt er sich alles andere als begeistert. Faschingbauer führt zudem an, dass aufgrund der Zustände mehrere dutzend Kinder in den umliegenden Gemeinden untergekommen waren.
"Ich wollte als langjähriger Leiter des LAZ Bischofshofen weder eine Spielgemeinschaft, noch eine Neugründung, das tue ich mir mit 75 nicht mehr an", sagt er. Deshalb stellte er sich gerne als einer von vielen Ehrenamtlichen und Funktionären der neuen Fußballsektion in Bischofshofen zur Verfügung. Ihm sei schlichtweg wichtig, dass es einen guten Nachwuchs gibt, egal, in welcher Liga.
Ende April 2026 kommt es schließlich zur geheimen Abstimmung in einer öffentlichen und von zahlreichen Bürgern besuchten Gemeindevertretersitzung. Der SC Bischofshofen erhält den Zuschlag für die künftige Nutzung der Sportanlage mit klarer 20:3-Mehrheit.
Es gibt keinen Platz
Indes gibt es nicht nur in Bischofshofen Stress. Der Salzburger Fußballverband muss die neue Regionalliga Nord gestalten. Der BSK bekommt bis 15. Mai 2026 Zeit, eine neue Spielstätte zu finden und versucht dies. Am 23. Juli 2026 stellte der BSK einen schriftlichen Antrag auf Nutzung des Platzes in Pöndorf.
Der Verband sucht keine Plätze, das ist eine Sache des Vereins. Wenn wir unterstützen können, tun wir das gerne.
Mit Schreiben vom 27. Juli lehnte der zuständige Verband den Antrag unter Verweis auf den notwendigen Fristenlauf ab. Reiter versteht dies nicht: Ein Verbandsvertreter hatte doch vor Gericht ausgesagt, der BSK habe nie um den Platz in Pöndorf angesucht. Allerdings: Der Platz ist schllichtweg nicht für die Regionalliga zugelassen.
Abseits dieser juristischen Themen: Warum konnte der SFV dem BSK bei der Suche nach einer Regionalliga-tauglichen Spielstätte nicht helfen? Der SFV erklärt dazu auf Anfrage: "Der Verband sucht keine Plätze, das ist eine Sache des Vereins. Wenn wir unterstützen können, tun wir das gerne. Der Verband selbst aber hat keine eigene Sportanlage."
Gerichtsverfahren anhängig
Viele Freunde, das erfährt 90minuten aus diversen Gesprächen, hat sich Reiter jedenfalls nicht gemacht. Eine Einschätzung, die er selbst darauf angesprochen teilt.
In der 11.000 Einwohner zählenden Stadt gibt es keinen weiteren Platz. Auch in den umliegenden Gemeinden fand sich kein geeigneter Platz für einen weiteren Regionalligisten. Weiter unten zu kicken – die Frist für eine Meldung in einer unteren Klasse wäre bis 30. Mai 2026 gelaufen – will Reiter nicht. Damit ist der unmittelbare Grund für das Regionalliga-Aus die fehlende Spielstätte. Wie es dazu kam, ist zwischen BSK und Stadt weiterhin umstritten.
Indes strengt Reiter insgesamt fünf verschiedene, zum Teil noch anhängige, Gerichtsverfahren an. Eines dreht sich etwa um die Frage, ob die Stadt die Schlösser zur Sportanlage nach Auslaufen des Vertrags tauschen durfte oder nicht. Auf diese einzugehen würde den Rahmen wirklich sprengen, sie werden vermutlich auch länger dauern.
Zukunft offen
Seit 3. September ist der verbandsinterne Rechtsweg zur Frage abgeschlossen, ob der Klub an der Regionalliga teilnehmen darf. Spieler und Trainer beginnen sich bereits zuvor aufzuteilen. Einige melden sich beim SC Bischofshofen, andere beim TSV St. Johann, nur ein paar Minuten mit dem Bus entfernt. Die Spieler werden bis 30. Juni 2027 befristet freigestellt.
Der BSK will den Wechseln keine Steine in den Weg legen, beharrt aber ungeachtet der Frist auf der Ausbildungsentschädigung – schließlich habe man in die Kinder und Jugendlichen investiert.
Im Sommer darf der BSK dann zwar nicht am Ligabetrieb teilnehmen, aber am UNIQA ÖFB-Cup. Man übersteht die erste Runde. Reiter setzt eine Homepage mit dem Titel "RIP BSK 1933" auf, schiebt der Gemeinde die Schuld zu. Beim Auswärtsduell gegen Altach hängt ein Plakat mit den Konterfeis von Unger und Obinger als "Totengräber" des Vereins. Reiter selbst nennt dies eine "Kunstaktion" - dazu gehört auch der Einsatz des 62 Jahre alten Walter Weiss.
Was ist der aktuelle Stand vonseiten des Verbandes? Der SFV meint: "Der Bewerbsausschluss gilt nur für 2026/27." Findet der BSK einen Platz, müssen die Spieler zurückkehren und der Traditionsverein wird in den Spielbetrieb eingegliedert.
Faschingbauer vertritt indes die Haltung, die auch die Gemeinde seit zehn Jahren hat: Es geht um die Kinder. Reiter wiederum betont, den Regionalligisten möglichst transparent und ordentlich führen zu wollen, verweist auf die Notwendigkeit, weit oben zu spielen.
Und jetzt?
Wie es nun weitergehen kann, ist fraglich. Es laufen mehrere Gerichtsverfahren vor ordentlichen Gerichten, Obinger will deswegen gar nichts sagen, Reiter will nicht vorgreifen, sieht sich aber im Recht. Wenn notwendig, würde er sich auch ganz zurückziehen. Er betont aber auch, nicht nur emotional, sondern auch finanziell noch am Verein zu hängen.
Es ist also eine vertrackte Situation. Auf der einen Seite steht Reiters Anspruch, den BSK aus seiner Sicht professionell und sportlich möglichst hoch zu führen. Auf der anderen Seite steht das Ziel der Stadt, den Fußball in Bischofshofen stärker auf den Nachwuchs und lokale Strukturen auszurichten.
Diesen Scherbenhaufen zusammenzupicken erscheint ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Dass die Gerichtsverfahren bis 30. Juni abgeschlossen sein werden, ist ebenfalls wenig wahrscheinlich.
Sicher scheinen nur zwei Dinge. Der SFV muss Wettbewerbe mit Tausenden Menschen organisieren. Der Bischofshofener Skiclub will ein Umfeld aufstellen, damit die Kinder und Jugendlichen in ihrer Heimatstadt kicken können. Ihre Vorbilder spielen nun in der 2. Klasse Süd, in der achten Leistungsstufe.
Georg Sohler