Philipp Schobesberger: Er will doch nur spielen
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Philipp Schobesberger: Er will doch nur spielen

Philipp Schobesberger hält seine talentierten Knochen seit vier Jahren in unteren Ligen hin, aktuell für den FCM Traiskirchen. Wie geht es dem Ex-Rapidler damit?

Es ist ein heißer Sommertag südlich von Wien. Am Feld kicken ehemalige Bundesliga-Kicker, daneben holt ein aktueller Erstligaspieler sein Kind vom Nachwuchstraining ab. Dass Philipp Schobesberger noch mit dem Vater dieses Kindes kicken könnte, sieht man, wenn er den Ball behandelt.

Der heute 32 Jahre alte Linzer ist das, was Fußballmagazine und Romantiker gerne als Instinktfußballer bezeichnen. Die Käfig- und Scheiberlkicker, die Trickser und Täuscher, die Edelpratscherl und – wie es heutzutage heißt – Unterschiedspieler.

Dass er es noch kann, zeigt er im internen Testmatch mit anderen ehemaligen Bundesliga-Kickern wie Philipp Hosiner, Patrick Schmidt, Maximilian Sax oder Thomas Ebner. Es ist eine Volte des Schicksals, dass Schobesberger just wegen seines legendären Pilsen-Stolperers mit verlässlicher Regelmäßigkeit in Reels und Stories auftaucht. Können täte er es ja noch.

Das sagt er beim Interview gegenüber 90minuten ganz deutlich: "Ich glaube schon, dass ich noch weiter oben spielen könnte. Das Tempo ist ein anderes, aber vom Kicken her geht sich das locker aus. Da mache ich mir keine Sorgen, wenn ich mir die Spiele in der Liga ansehe."

Cupsieger aus Pasching

2010/11 taucht der Name Philipp Schobesberger erstmals in den Datenbanken auf. Allerdings eben nicht in denen einer Akademie – zumindest nicht im klassischen Sinne. Der 1993 geborene Linzer kickt als Bub und Teenager für Admira Linz, den SV Pasching und den LASK. 2010/11 spielt er für Eferding in der Oberösterreich-Liga. Schobesberger kehrt nach Pasching zurück.

Es ist ein Tor in der Europa League – ich wüsste nicht, was mich stören sollte. Dass es ein bisschen ungewöhnlich war, stimmt schon. Aber auch schlechte Werbung ist Werbung.

Philipp Schobesberger über sein berühmtes Tor

2012/13 spielt er eine gute Saison, die die Paschinger, ausgestattet mit Red-Bull-Geld, nach Siegen über unter anderem den SK Rapid und Red Bull Salzburg ins Finale des ÖFB-Cups gegen die Wiener Austria bringt. Dank eines Goals von Daniel Sobkova gewinnen die Oberösterreicher sensationell gegen die von der Meisterfeier noch freudentrunkenen Veilchen.

Schobesberger selbst trifft nicht, zeigt aber sein Zangler-Talent. Im Jahr darauf gelingt ihm eine persönliche Fabelsaison in der Regionalliga Mitte. 14 Tore, zwölf Assists – klar, dass da ein Bundesligist zugreift, bei einem gerade einmal 21-jährigen Amateurkicker. Es ist der SK Rapid.

Keine Anpassungsschwierigkeiten

Schobesberger schafft zwar keine 14 Tore pro Saison, trifft aber regelmäßig. In seiner Debütsaison für die Hütteldorfer verbucht er acht Tore und acht Assists in der Liga. Am 5. November 2015 schießt er gegen Viktoria Pilsen das berühmte und seitdem immer wieder hochgeholte Stolpergoal. Auf das schaut er lachend zurück.

Während der eine oder andere Ex-Kicker mit seiner Vergangenheit abschließen will, sagt Schobesberger: "Es ist ein Tor in der Europa League – ich wüsste nicht, was mich stören sollte. Dass es ein bisschen ungewöhnlich war, stimmt schon. Aber auch schlechte Werbung ist Werbung."

Jedenfalls folgt auf diese Saison ein langer Leidensweg.

Ein Verteidiger vor der Nase ist für den Zangler oft kein großes Hindernis
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Ein Verteidiger vor der Nase ist für den Zangler oft kein großes Hindernis

Dann zwickt es leider

Im Sommer 2016 splittert ein Teil des Knorpels ab, im November kehrt Schobesberger zurück und verpasst aufgrund eines Knochenödems quasi den Rest der Saison und fehlt bis in den August 2017 hinein. Der Instinktkicker ist zum Zuschauen verdammt. Vielleicht rächt sich nun die fehlende Akademieausbildung inklusive professioneller Betreuung.

"Ich bin jetzt kein Sportwissenschaftler, aber es kann schon damit zusammenhängen", sagt Schobesberger darauf angesprochen. Er stellt aber auch klar: "Ich denke nicht, dass ich mich weniger bewegt habe als die Akademiespieler. Wahrscheinlich sogar mehr, ich war den ganzen Tag im Käfig kicken und am Abend beim Training. Dazwischen habe ich Tennis gespielt." Wie dem auch sei, die Verletzungen häufen sich.

Abschied aus Hütteldorf

2018 verpasst er große Teile der Sommervorbereitung und steht erst wieder im November am Platz. Grund ist eine Hüftverletzung. Schobesberger kämpft sich zurück. Mit der vollen Sommervorbereitung 2019 scheint wieder alles zu passen. Doch im November reißt das Kreuzband und damit geht mehr oder weniger die Zeit in Hütteldorf zu Ende.

Denn als der Kreuzbandriss ausgeheilt ist, laboriert er an einer Oberschenkelverletzung. Die Saison 2020/21 verpasst Schobesberger zur Gänze. Er gibt im Februar 2022 ein Comeback, verbucht ein paar Kurzeinsätze, der Vertrag läuft nach acht Jahren aus.

Im Herbst heuert er beim SKU Amstetten an, wenige Monate später einigt man sich auf die Vertragsauflösung. Via ASKÖ Oedt und die Wiener Viktoria gelangt Schobesberger 2024 schließlich nach Traiskirchen.

Für den Ausklang ist es noch zu früh, ein paar Jahre habe ich noch. Sonst fühlt es sich hier gut an. Wenn es mir nicht gefallen würde, wäre ich nicht das dritte Jahr hier.

Plötzlich Regionalliga

Die Regionalliga taugt ihm. "Es gibt in vielen Teams eine gute Mischung. Wir haben überdurchschnittlich viele, die weiter oben waren, aber es gibt viele junge Spieler, die rauf wollen und ältere, die schon etwas gesehen haben und sie führen."

Nur noch nix tun, das ist eben nichts für den ehemaligen Profi. "Für den Ausklang ist es noch zu früh, ein paar Jahre habe ich noch", betont er, "sonst fühlt es sich hier gut an. Wenn es mir nicht gefallen würde, wäre ich nicht das dritte Jahr hier." So lange es Spaß macht und der Körper mitmacht, sieht Schobesberger keinen Grund aufzuhören.

Vom größten Klub des Landes immer weiter runter, das muss man erst einmal verkraften: "Das war für mich nie ein Problem. Am Anfang ist es eine riesige Umstellung, wenn du daneben arbeitest, aber ich finde es jetzt ganz cool mit meinem Lehrerjob. Da habe ich viel mit Sport zu tun. Am Abend trainiere ich selber, von dem her … ich denke, ich wäre sonst eh nicht der Fleißigste, der sich zum Laufen überwinden würde. Mit dem Schmäh in der Kabine passt es ganz gut."

Kicken, nicht pressen

Überhaupt wähnt sich Schobesberger etwas zu spät geboren, sinniert er auf Nachfrage nach: "In Österreich liegt der Fokus auf dem Körperlichen. Wenn du 15 Kilometer im Spiel laufen kannst, bist du ein super Spieler. Das war ich nie und werde ich auch nicht sein."

Natürlich, Pressing muss situativ sein, Traiskirchen will den Ball haben und spielen. Aber nur den "Ball vorschießen und raufen", das sei nichts für ihn: "Ich finde schon, dass man sich über den Fußball definieren sollte. Pressing ist einfach Mittel zum Zweck, um den Ball zu haben."

Der moderne Fußball, das ist eben nichts für ihn. Vor 15, 20 Jahren, sagt Schobesberger weiters, hätte er sogar vielleicht "eine andere Karriere gemacht. Aber das sind Sachen, über die mache ich mir keine Gedanken, weil ich es nicht ändern kann. Das ist verschwendete Zeit".

Und jetzt?

Heute ist Schobesberger 32 Jahre alt. Weiter oben kicken, das ginge, wie eingangs erwähnt.

"Wenn die Bundesliga anruft, dann würde ich es vielleicht machen, sogar für wenig Geld." Die 2. Liga hingegen interessiert ihn nicht: "Als Junger hat man keine andere Wahl, aber als G'standener sehe ich wenig Anreiz. Du kannst nicht nebenbei arbeiten und verdienst nicht genug, dass man gescheit etwas auf die Seite legen kann: Der Zug ist abgefahren."

Und mit Frau und zwei Kindern ins Ausland ziehen, das ginge nicht. "Zypern", lacht er. Das könnte er vielleicht durchbringen. Das ist aber Zukunftsmusik.

Aktuell ist zunächst einmal Schulanfang. Er unterrichtet in der Sportmittelschule in Hetzendorf. Der Kontakt entstand durch den Bruder des Direktors, der bei Rapid tätig war. Über ein paar Umwege kam Schobesberger zu der Stelle.

Sein Europacup-Tor macht er dort nicht zum Thema, aber die Kids sehen es natürlich: "Mit den sozialen Medien und dem Internet ist das schwer zu verheimlichen. Dazu spielen viele an der Schule bei Rapid, da wird der eine oder andere schon etwas sagen. Aber es ist kein Problem, die Burschen haben eher mehr Respekt."

Fußballerische Ziele im Sinne von so und so vielen Toren hat Schobesberger nicht. Er will spielen, fit bleiben und Spaß haben. "Gegen die Austria hoffe ich, dass es reicht, dass mich ein paar Zuschauer nett begrüßen", sagt er zum Abschied verschmitzt.

Denen wird er als Ex-Rapidler umso lieber zeigen, dass er es noch drauf hat.

ÖFB-Cup: FCM Traiskirchen gegen Austria Wien, am Samstag ab 17:30 Uhr im LIVE-Ticker >>>


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