Die Sachlage rund um Austria Klagenfurt ist derzeit so kompliziert, dass selbst Kenner der Materie die Haare raufen.
In erster Instanz wurde dem damaligen Bundesligisten letzte Saison die Lizenz verweigert, eine Zusage des umstrittenen Mäzens Helmut Kaltenegger und seiner TGI Gold sicherte im Nachsitzen die Spielerlaubnis für die ADMIRAL Bundesliga.
Im Zuge der Lizenzierung hatte der Goldhändler laut eigenen Angaben 700.000 Euro zur Verfügung gestellt. Die Summe sollte aber nur im Falle des Klassenerhalts an die Austria gehen.
Der Austria fehlen laut Medienberichten mittlerweile 1,5 Millionen Euro, vor allem Finanzamt und Gebietskrankenkassa wollen Geld sehen. Am letztwöchigen Freitag wurde das Konkursverfahren nach längerem Hin und Her eröffnet.
Nicht Stripfing
Wird die Insolvenz festgestellt, muss der Klub am Ende der Saison absteigen. Bis 20. Februar hat der Verein aber noch die Möglichkeit, einen sogenannten Rekurs einzubringen. Im Zuge dessen kann der Verein darlegen, dass man zahlungsfähig ist.
Ein entscheidender Unterschied zum Fall SV Stripfing: Der Masseverwalter des Klubs aus Niederösterreich legte die Zulassung für die 2. Liga umgehend zurück. Im Fall der Klagenfurter prüft nun der gerichtlich bestellte Masseverwalter, ob der Fortbestand zumindest bis Saisonende oder sogar darüber hinaus bestehen kann.
Diese Aufgabe übernimmt Rechtsanwalt Michael Pontasch-Müller, der im Übrigen 13 Jahre Handball-Bundesliga spielte und ausgebildeter Trainer für diesen Sport ist. Damit bringt er nicht nur juristische, sondern auch sportliche Erfahrung mit.
Isolierte Periode
"Grundsätzlich haben Gläubiger ein Interesse daran, dass ein Unternehmen fortgeführt wird", erläutert er gegenüber 90minuten. Wird das Konkursverfahren nicht zurückgenommen, schauen Fiskus und Krankenkassa durch die Finger, erhalten eine Summe von bis zu 30 Prozent.
Pontasch-Müllers Auftrag lautet, als Masseverwalter nun zu prüfen, ob der Klub in der Zeit von 7. Februar bis Saisonende mindestens eine schwarze Null erwirtschaften kann. "Einen Verlust darf ich nicht einfahren, das würde die Gläubiger schädigen, das ist verboten", so der Anwalt.
Insbesondere für die Spieler ist die Fortführung wichtig, da es für keine Karriere förderlich ist, wenn man mehrere Monate kein Bewerbsspiel hat.
Dabei entstehen nun zwei Handlungsstränge. Der Klub muss den Rekurs einbringen und beweisen, dass der Grund für die Insolvenz gar nicht bestand. Wo das Geld herkommt, spielt dabei keine Rolle. Theoretisch kann Hauptgesellschafter Zeljko Karajica auch Lotto spielen und bei einem Gewinn die Schulden begleichen.
Geld da?
Währenddessen prüft Pontasch-Müller den Fortbestand. Nun kann der Fall eintreten, dass Klagenfurt den Rekurs anstrengt, aber der Masseverwalter feststellt, dass ein Verlust eingefahren würde. Im Normalfall würde das Verfahren dann fortgeführt oder beendet. Problematisch wird es jedoch, wenn beide Prozesse zeitlich auseinanderfallen.
Der Worst Case ist in dem Zusammenhang dann nicht einmal nur, dass ein zweiter Verein unterjährig den Spielbetrieb einstellen würde – sondern dass zunächst der Fortbestand verneint wird, später aber der Konkurs rückabgewickelt wird. Dies könnte beispielsweise passieren, wenn am 28. Februar festgestellt wird, dass der Klub nicht fortgeführt werden kann, das Gericht den Konkurs aber im April rückabwickelt.
Kaltenegger ist indes der Überzeugung, den Verein retten zu können. Zu den eingangs erwähnten 700.000 Euro könnte er noch weitere 800.000 Euro auf den Tisch legen. Über die erste Summer war man sich zuletzt ohnehin zwischen Verein und Geldgeber uneins.
Sportlich beenden
Während juristisch noch vieles offen ist, richtet sich der Fokus der Liga bereits auf den Spielbetrieb. Die Sicht der Bundesliga ist dabei relativ einfach, wie Bundesliga-Vorstandsvorsitzender Christian Ebenbauer erklärt: "Aus Ligasicht haben wir das Ziel, dass Klagenfurt die Saison sportlich beendet." Für die Spieler, die Angestellten und alle Gläubiger sei es ein Vorteil, wenn der Klub weiter bestehen könnte.
"Insbesondere für die Spieler ist die Fortführung wichtig, da es für keine Karriere förderlich ist, wenn man mehrere Monate kein Bewerbsspiel hat", räumt er auch gleich mit Gerüchten auf, die Spieler könnten noch wechseln. Wie schon zu Weihnachten im großen 90minuten-Interview kritisiert er die Kostenstruktur, die letztlich zu hohen Ausgaben führt.
Mit der Reform 2018 wurde nämlich eigentlich ein Hybrid-Modell geschaffen, dass einen möglichst schaffbaren Übergang innerhalb einer Liga mit Profiklubs, Amateurklubs und Zweitmannschaften der Bundesligisten vereint: "Wirtschaftlich ist die Lage in der 2. Liga angespannt und wir sollten diese Unterschiedlichkeit deshalb auch annehmen und nicht versuchen, eine Vollprofiliga zu schaffen, die versucht, mit der höchsten Spielklasse mitzuhalten. Das gibt der Markt in Österreich nicht her."
Überzeugung
Von der Lizenzierung bzw. Zulassung zeigt er sich weiterhin überzeugt, da dieser Prozess "qualitative Merkmale in den Bereichen Sport, Personal und Infrastruktur sowie die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen" prüft. Komplett auszuschließen sind finanzielle Probleme bei den Vereinen nie. Geht ein Großgeldgeber wie bei Stripfing nach erfolgreicher Zulassung pleite, muss im schlimmsten Fall eben doch der Spielbetrieb eingestellt werden.
Er sagt aber auch: "Dieser Prozess ist aber vor allem in der 2. Liga mit den niedrigen Anforderungen kein Allheilmittel. Denn während einer laufenden Saison kann zwar durch Auflagen weiter der Status Quo beobachtet werden, für die Umsetzung ist aber immer der Klub selbst verantwortlich."
Indes sind alle Beteiligten – Verein, Liga und Masseverwalter – versucht, die Saison weiterzuspielen bzw. einen weiteren Ausfall für die Gläubiger zu vermeiden. Aus Fan-Sicht wäre es mehr als ernüchternd, wenn es einen zweiten 2. Liga-Klub unterjährig zerreißen würde.
Georg Sohler