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Gerangel im Abstiegskampf

Am Tabellenende tummeln sich mit der WSG Tirol, dem SV Mattersburg, der Admira und dem SKN St. Pölten vier Teams innerhalb von drei Punkten. Kämpferisch geben sich alle.

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+ + 90minuten.at Exklusiv + + Aus Wien berichtet Georg Sander

 

Die WSG Tirol beendete das erste Halbjahr in der Bundesliga mit sechs Niederlagen am Stück. Sechs Niederlagen schaffte auch Mattersburg ab Runde 10, immerhin streute man ein Remis gegen St. Pölten und in der letzten Runde vor der Winterpause einen Sieg gegen die Wattener ein. Die Admira wiederum holte aus den ersten neun Runden bis zum ersten Saisonsieg gegen die WSG am zehnten Spieltag zwei Pünktchen. Der SKN hatte keine derartige Schwächephase, verlor nie öfters als zwei Mal am Stück, kann aber auch nur auf drei Saisonsiege zurück blicken, ging in den letzten zwei Spielen vor dem Jahreswechsel als Verlierer vom Platz. Die Altacher konnten sich mit drei Siegen am Ende der Herbstsaison Luft verschaffen, dürfen aufgrund der Formkurve vielleicht sogar mit dem Europa League-Playoff-Platz spekulieren - was auch die Austria machen wird. Akut sind die Abstiegssorgen bei den vier zuerst genannten.

 

Erfahrung in Tirol und Ruhe in Mattersburg

Letzter ist aktuell die WSG Tirol. Dank Swarovski-Geld konnten einige Spieler geholt werden, allen voran Stefan Maierhofer. Und überhaupt sind doch Aufsteiger eigentlich fast nie in akuter Direktabstiegsgefahr, oder Herr Stefan Köck? „Wir haben uns aufgrund des Ligaformats schon im Abstiegskampf gesehen“, sagt der Sportchef gegenüber 90minuten.at. Er führt den letztjährigen Aufsteiger Hartberg an, die bekanntlich knapp an der Teilnahme an der Meistergruppe scheiterten und dann ebenfalls um den Klassenerhalt bangen mussten. „Jetzt weiß jeder im Verein, wo wir stehen“, meint er. Die Transfers erfahrener Spieler sieht er so: „Wir haben uns für erfahrene Spieler entschieden, weil es um Existenzen geht, die Karrieren der Spieler und Mitarbeiter des Vereins. Diese Situation kann man mit erfahrenen Spielern vielleicht besser bewältigen.“ Allerdins sollen auf Sicht auch Eigenbauspieler kommen, es gibt bekanntlich die Kooperation mit der Akademie in Tirol, im Sommer sollen junge Spieler dazu stoßen. Immerhin waren auch schon im Trainingslager zwei 17-Jährige mit.

"Wir haben uns für erfahrene Spieler entschieden, weil es um Existenzen geht." - WSG-Sportchef Stefan Köck

Nachwuchs wird auch beim SVM groß geschrieben. Trainer Franz Ponweiser arbeitete in der Akademie und musste im Winter wenig nachbessern. Aus mehreren Gründen: „Wir konnten uns schon relativ früh auf den Abstiegskampf einstellen, ich hoffe, das ist ein Vorteil. Aber jeder, der in Gefahr läuft abzusteigen, wird sich auch damit auseinander setzen.“ Durch die Verletzungen von Offensivspielern wie Sturm-Routinier Martin Pusic, dessen Vertrags verlängert wurde, und Offensivwirbelwind Andreas Gruber musste man auch wenig verändern, sie können durch längere Ausfallzeiten im Herbst als interne Neuzugänge gesehen werden.

"Wir konnten uns schon relativ früh auf den Abstiegskampf einstellen, ich hoffe, das ist ein Vorteil. " - SVM-Coach Franz Ponweiser

Die Analyse, so Ponweiser, ergab auch, dass man in der Defensive Probleme hatte, er nennt sie sogar „extrem“, die vielen Gegentore aber auf individuellen Fehlern fußten. Ein Beispiel ist Routinier und Urgestein Nedeljko Malic. Vielleicht können sich die Gegner auch deshalb auf Mittelfeldspieler Jano in der Innenverteidigung einstellen. Dazu kommen noch „heiße Eisen“ aus der eigenen Akademie.

 

Die Niederösterreicher

Während es beim SVM eben sehr ruhig war und die Tiroler mit prominenten Transfers auffielen, sorgte die Admira mit Felix Magaths Installierung als 'Head of Global Soccer' bei Sponsor Flyeralarm für Gerede. Das zog den Fokus weg von der Mannschaft, die ja bekanntlich auch nicht das erste Mal in Abstiegsgefahr ist. Manager Amir Shapourzadeh sieht die Vorgänge so: „Wir sind Profi genug, das hat aber schon ein bisschen von der aktuellen Situation abgelenkt – was aber nicht heißt, dass wir uns keine Gedanken drüber machen.“ Für Goalgetter Sinan Bakis und Abwehrtalent Emanuel Aiwu hat es wohl Angebote gegeben, auch dank Flyeralarm muss nicht mehr jeder Spieler sofort veräußert werden. Im Gegenteil holten die Südtstädter mit Markus Pink einen erfahrenen Stürmer. „Wir sind nun in einer anderen Situation als in den letzten Jahren, weil wir gut erstens gewirtschaftet haben und zweitens auch dank unseres Hauptsponsors. Das schafft Kontinuität.“

"Wir sind nun in einer anderen Situation als in den letzten Jahren, weil wir gut gewirtschaftet haben und auch dank unseres Hauptsponsors." - Admira-Manager Amir Shapourzadeh

Nun wolle man eher das Team zusammen halten und punktuell verstärken, der LASK dient hierbei als Shapourzadehs Beispiel. Außerdem: „In den Medien hat man ja Admira-Mannschaften gesehen, was gewesen wäre, wenn die zusammen gehalten worden wären.“ Die Vorbereitung war gut, es gab keine schweren Verletzungen, Kleinigkeiten wurden adaptiert.

"Wir wollen für starkes Pressing stehen. Da fühlen wir uns gut, das soll das Spiel des SKN sein, nicht nur des Trainers Schmidt." - SKN-General Manager Andreas Blumauer

Eher einen großen Umbruch hatte der SKN St. Pölten, gleich der Auftaktgegner der Admira. Nach der Transfersperre konnten endlich neue Spieler verpflichtet werden, die Sponsorensituation wurde adaptiert, ein Leitbild geschaffen. Dass man mittendrin im Abstiegskampf ist, weiß man. General Manager Andreas Blumauer spürt diesen „im Nacken, da brauchen wir uns nichts vormachen.“ Wer ein Spiel der St. Pöltner gesehen hat, weiß, dass Alexander Schmidt aber trotz Abstiegsnot wenig von Abwarten hält. „Dementsprechend haben wir auch die Mannschaft zusammen gestellt. Die steht auch schon lange, Stangl und Schimpelsberger haben wir schon zuvor geholt“, ist Blumauer zuversichtlich. Der offensive Spielstil soll beibehalten werden, darum hat Schmidt auch einen langfristigen Vertrag. „Wir wollen für starkes Pressing stehen. Da fühlen wir uns gut, das soll das Spiel des SKN sein, nicht nur des Trainers Schmidt.“ Zu Tode gefurchten ist eben auch gestorben. Aber absteigen wird ein Klub.

 

Einer muss runter

Doch was passiert, wenn es wirklich runter geht? Gelten dann all die Überlegungen überhaupt? In Wattens hat man klare Vorstellungen und ein Vorbild, denn wenn das passiert, „hat man es ja auch bei unserem Nachbar Wacker Innsbruck gesehen, dass man noch mehr verjüngen sollte und muss, weil auch finanzielle Mittel wegfallen“, sagt Sportchef Köck. Mattersburg, das es zuweilen schon mit prominenten Namen versuchte, hat schon im Sommer angefangen hier umzustellen. „Wir beschäftigen uns noch nicht mit dem Abstieg. So lange wir es selbst in der Hand haben, wäre es nicht gut, sich mit der 2. Liga zu auseinander zu setzen. Wir kennen unsere Stärken und auch die Schwächen.

Auch die Admira muss sich damit auseinander setzen: „Das Thema ist immer präsent, man muss vorsichtig sein. Mir bringen Statistiken nichts, wenn wir dann absteigen, blenden die Dinge aber aus.“ Beim anderen niederösterreichischen Klub gibt es ebenfalls keinen Plan für die 2. Liga. „Wir wollen diesen Spielstil beibehalten“, sagt Andreas Blumauer.

Es sind also unterschiedliche Zugänge, Kontinuität und Weitblick scheinen hier eher das Gebot der Stunde. Die Aufgaben am kommenden Wochenende könnten unterschiedlicher aber nicht sein. Denn während die Admira und der SKN aufeinander treffen, sich gegenseitig Punkte abknöpfen können, müssen Mattersburg (Sturm) und die WSG Tirol (Rapid) zu Klubs aus der oberen Tabellenhälfte. Und vielleicht ziehen sie ja noch Altach und die Austria mit in den Abstiegskampf. Die spielen in Vorarlberg gegeneinander und sind aufgrund der Punkteteilung vielleicht dann doch nicht so weit weg von Rang 12.

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