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Ralf Muhr: "Positivste Erkenntnis: Die jungen Spieler"

Wieder Winterpause und wie schon 2019 muss Austria-Sportchef Ralf Muhr erklären, warum es nicht läuft - oder eigentlich noch schlechter. Doch im Gespräch mit 90minuten.at ortet er auch Lichtblicke.

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Irgendwie kommt Mitleid auf. Vor einem Jahr, zwei Tische weiter hinten, erklärte Ralf Muhr schon sportlichen Unbill mit Sätzen wie "Wir sind nicht zufrieden. Auch mit der Erwartungshaltung mit dem neuen Stadion." Es kam noch schlimmer, so ehrlich kann, darf und muss man sein. Die Austria hechelt einem großen Rückstand hinterher, um es nach 'oben' zu schaffen. Doch es gibt auch einige Lichtblicke, wie der FAK-Sportchef im Gespräch mit 90minuten.at darlegt.

 

90minuten.at: Vor einem Jahr haben wir uns genau hier über Ihre erste Transferperiode für die Austria unterhalten. Das letzte Jahr war wohl nicht zufriedenstellend.

Ralf Muhr: Es war hinsichtlich der sportlichen Ausbeute sicher kein zufriedenstellendes Jahr. Das sportliche Minimalziel im Frühjahr haben wir allerdings erreicht. Die zweite Mannschaft hat die Liga gehalten, die erste die Europacup-Qualifikation geschafft. Das ist passiert. Wir sind dann mit viel Euphorie, wenig Veränderung im Kader, mit einem neuen Trainer in die Saison gegangen und sind sicherlich, was die Resultate und die Leistungen betrifft, weit hinter der Erwartung und der Zufriedenheit.

 

90minuten.at : Vielleicht können Sie uns da einen Einblick geben: Da holt man den heimischen Trainer-Shooting-Star, dann kommt der Dämpfer gegen eine zypriotische Mannschaft – wenngleich die Liga des Inselstaats hierzulande ja oft schlechter bewertet wird als sie ist. Wie war die Stimmung im Sommer?

Muhr: Es ist egal, gegen wen man in dieser Qualifikationsrunde ausscheidet, es tut immer weh. Es stimmt, dass die zypriotischen Mannschaften gerne unterschätzt werden. Man spielt gegen eine Legionärstruppe mit sehr erfahrenen Spielern. Wir hatten als Mannschaft in dieser Findungsphase wirklich Probleme, hatten Ausfälle. Und die, die wir als junge – das ist jetzt ein grausliches Wort – Perspektivspieler dazu geholt haben, wurden ins Feuer geworfen. Viele Spieler, mit denen wir aufgetreten sind, waren dann Leistungsträger bei den Young Violets. Sie waren nicht schuld, dass wir ausgeschieden sind, aber im Gesamtpaket mit der Mannschaftsfindung unglücklich.

"Die jungen Spieler haben sehr wohl gezeigt, dass mit ihnen in einer dann hoffentlich starken Austria-Mannschaft zu rechnen ist. Vielleicht hat es bei dem einen oder andern zu lange gedauert, bis man ihnen die Möglichkeit gegeben hat und auch sie den notwendigen Schritt gemacht haben." - Ralf Muhr über Fitz, Sarkaria und Co.

90minuten.at: Das ist alles Vergangenheit. Im Herbst ist man nach und nach stabiler geworden. Ein wichtiger Teil sind auch junge Eigengewächse. Wie sehr freut Sie das als ehemaliger Akademieleiter?

Muhr: Das ist mit die positivste Erkenntnis. Die jungen Spieler haben sehr wohl gezeigt, dass mit ihnen in einer dann hoffentlich starken Austria-Mannschaft zu rechnen ist. Vielleicht hat es bei dem einen oder andern zu lange gedauert, bis man ihnen die Möglichkeit gegeben hat und auch sie den notwendigen Schritt gemacht haben. Ich will hier niemandem die Schuld geben oder von etwas frei sprechen. Fakt ist aber, dass sie am Ende des Saison positiv aufgezeigt haben. Das muss aber letztlich unser Weg sein, dass man sich mit diesen Spielern identifiziert, einen erfolgreichen und dynamischen Fußball spielt.

 

90minuten.at: Die sieben Punkte auf Hartberg aufzuholen wird sich wohl nur sehr schwer ausgehen. Will man sich jetzt auch den Kader anschauen und unter Umständen auch teure, externe Spieler zugunsten der eigenen abgeben? Ist das jetzt dann in der Qualigruppe ein Schaulaufen?

Muhr: Neben aller Punktejagd ist es viel wichtiger, wie sich die Mannschaft weiter entwickelt, wer ist bereit? Wir wollen auf Sicht eine Austria sehen, die den nächsten Schritt gehen wollen. Das wissen die Spieler, die Berater und das ist auch mit dem Trainerteam abgesprochen. Das eine wird dann auch das andere ergeben. Das schließt sich nicht aus. Jetzt ist es auch wichtiger, dass man erkennt, dass die Entwicklungsschirtte nicht zu Ende waren mit der Weihnachtspause, dass es weiter geht. Auf Basis dessen soll sich die Mannschaft weiter entwickeln. Dann werden wir auch mehr Freude haben.

 

90minuten.at: Peter Stöger hat im Herbst die Spieler immer in Pflicht genommen. Er hat auch angedeutet, dass die Austria auch besser zahlt als die Konkurrenz. Ist das auch ein Learning aus dem letzten Jahr, dass man vielleicht besser schaut, wen man holt? Die Großstadt hat auch Verlockungen, wer hier aufwächst, kennt die schon.

Muhr: Das ist nur die Bestätigung dessen, was ich gerade gesagt habe. Man muss die Spieler finden, die bei der Austria ihren nächsten Entwicklungsschritt sehen. Das muss eine hungrige Truppe sein, die mit allen Ideen, die das Trainerteam vermittelt, schönen Fußball spielt. Es soll wieder erkennbar sein. Das ist ja unabhängig von der Anordnung der Spieler. Chris (Anm.: Ilzer) ist ja er geblieben in seiner Philosophie. Seine Prinzipien und seine Idee bleiben gleich und das soll man auf Sicht sehen.

 

90minuten.at: Wenn es finanziell besser läuft, will man dann nicht wieder 27, 28 Jahre alte Spieler holen.

Muhr: Der Weg wird so sein, wie wir das hier skizziert haben und auch der Peter (Anm.: Stöger) überall postuliert und fest hält.

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