Salzburger Supergau-Vermeidung
Foto © FC Red Bull Salzburg via Getty Images

Salzburger Supergau-Vermeidung

Serienmeister Red Bull Salzburg setzt mit Gerhard Struber das erste Mal seit Peter Zeidler 2015 einen Trainer vor die Türe. Der Supergau könnte aber erst Ende August eintreten.

+ + 90minuten.at PLUS - Von Georg Sohler + +

 

Der Sieg des LASK gegen Salzburg und der damit einhergehende Rauswurf von Gerhard Struber ist unser Momentum am Montag.

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Bereits nach Schlusspfiff wurde in der Raiffeisen Arena zu Linz spekuliert, ob es das mit Gerhard Struber als RBS-Coach war. Das Spiel war einigermaßen sinnbildlich für die Struber-Ära. Zunächst gibt es mit dem SK Sturm einen Gegner, der seine Hausaufgaben macht und da ist, wenn sich die Bullen schwertun - also jetzt. Dann fehlten natürlich, wie so oft in dieser Saison, wichtige Spieler wie Baidoo, Ulmer, Kjaergaard, Capalo oder Fernando. Das Spiel ging ohne sie, aber auch mit viel Qualität aufseiten des Serienmeister, los. Auf einen gefälligen Start folgt ein Elfmeter, den nicht jeder Schiedsrichter gibt. Da kam zum Unvermögen noch Pech dazu. Wie auch immer: das Aufbäumen funktioniert nicht, am Ende wurde der Sieg der Athletiker deutlich. Viel schlimmer aber als dieses 1:3 in Linz, dem Ausscheiden im Cup und dem Heimremis gegen Rapid: Hier wird kein Red Bull-Fußball gezeigt.

 

Die DNA erhalten

Das Credo an der Salzach war in den letzten Jahren immer, dass möglichst egal sein muss, wer spielt. Es soll gepresst, gezangelt und gesiegt werden. Auch wenn Strubers Start als Salzburg-Trainer im Sommer nach Runde 2 alles andere als ideal war: Die gewohnte Dominanz strahlte das Team über die letzten Monate nicht aus, auch nicht nach der Winterpause. Unter Struber ist die Red Bull-DNA verloren gegangen, unabhängig davon, ob Sturm nun sechs oder zwölf Punkte hinten oder drei vorne ist. Es ist Kaffeesudleserei, aber angesichts der gesamten Saison hätten sich Reiter/Seonbuchner auch bei einem Struber'schen Titel fragen müssen, ob das alles richtig zusammenläuft. Die Antwort wurde nun vorweggenommen.

 

Kein Turnaround

Der Effekt Trainerwechsel wurde unlängst in einer Studie belegt, es gibt einen spontanen Leistungsanstieg. Darauf hofft man mit dem Wechsel zu Onur Cinel, den man sich bis Saisonende bei Liefering gewissermaßen ausborgt. Würde man jetzt einen neuen Trainer holen, könnte es sein, dass dieser dann durch einen zweiten Platz "beschädigt" wird. Insofern ein smarter Move der Verantwortlichen angeblich soll Bo Svensson dann übernehmen. Aber all das spielt keine Rolle. Emotional wäre Platz 2 nach zehn Titeln in Folge gewissermaßen kein Beinbruch, selbiges gilt für das abermalige Ausscheiden im Cup. Man kann eben nicht immer gewinnen, das weiß man auch in Salzburg. Lässt man den Megagau - der LASK/Rapid stößt Salzburg noch von Rang zwei, wenn Sturm Meister wird - außer Acht, ist schon Rang zwei in der gegenwärtigen Situation sehr schwierig. 

 

Planungsfragen

Denn wenn man die Millionen an fixem Startgeld ausblendet, wird es als Vizemeister kompliziert, Königsklasse zu spielen. Das beginnt schon damit, dass das eine oder andere Supertalent, das man um viel Geld holen will, doch lieber zu einem der anderen Fixstarter in der Champions League geht. Zwar kann man von Rang 2 aus auch in die Königsklasse, aber der Weg sehe so aus, dass man bereits eineinhalb Wochen nach dem EM-Finale in der zweiten Qualifikationsrunde im Nicht-Meisterweg antreten muss. Dort wäre Salzburg gesetzt, aber die Gegner sind eben die Vizemeister aus Serbien, der Ukraine oder der Schweiz. In Q3 wäre man höchstwahrscheinlich auch gesetzt, aber belgische und schottische Vizemeister sind auch kein Lärcherlschaß. Letzten Endes wüsste der Verein erst am 27./28. August, ob man acht Spiele Königsklasse hat oder nicht. Wer auch immer ab 1. Juli Chefcoach ist, bekommt null Schonzeit, muss die Mannschaft sofort wieder auf Red Bull trimmen und bekommt mit drei Qualirunden gleich sechs Spiele obendrauf, die die Saison und den Einstand bei den Bullen ordentlich verhageln können. Und da haben wir noch nicht einmal über das Trainerkarussell gesprochen, das sich durch prominente Abschiede wie Tuchel, Klopp und Co. inklusive Euro kaum abschätzen lässt. Das könnte letztlich verhindern, dass Svensson oder wer auch immer vorschnell zusagt.

Dass nach zehn Titeln in Folge oder irgendwann ein 2. Platz herauskommen kann, ist eben geschenkt, der Zeitpunkt könnte schlechter nicht sein. Die Lösung, einmal mit Cinel ins Meisterschaftsfinish zu gehen, minimiert zumindest möglichen Schaden bei Rang zwei. Und immerhin: Auf Düdelingen kann man in der Quali nicht treffen...

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