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Lainer, Lindner und die gute Seite des Fußballs [Momentum am Montag]

Der Fußball gilt vielen Menschen als Projektionsfläche für viel Negatives in der Welt. Dass die im letzten Jahr an Krebs erkrankten ÖFB-Legionär Stefan Lainer und Heinz Lindner trotz Krankheit wieder kicken können, zeigt - neben anderen Themen auch - die gute Seite.

+ + 90minuten.at PLUS - Von Georg Sohler + +

 

Die Comebacks von Stefan Lainer und Heinz Lindner sind unser Momentum am Montag.

Heinz Lindner stand am vergangenen Wochenende für seinen neuen Klub Union Saint-Gilloise gegen VV Truiden im Kasten und bejubelte einen Heimsieg. Stefan Lainer verlor zwar mit Borussia Mönchengladbach gegen Augsburg, seine Einwechslung fühlte sich für ihn aber wohl wie ein Sieg an. Das sind schöne Nachrichten, in einer (Fußball-)Welt, die immer komplizierter und für viele Beobachter:innen unverständlicher wird. Eine Krebsdiagnose war vor einigen Jahrzehnten fast ein Todesurteil, Profisportler:in hätte man auch danach nicht sein können, das Leben hätte eingeschränkt werden müssen. Es ist ein Sieg der Wissenschaft über Krankheiten – gerade in Corona-Zeiten und der Anzweiflung wissenschaftlicher Erkenntnisse eine geniale Angelegenheit. Medizin gegen Krebs, drei Punkte, Kantersieg quasi. Aber auch für den Fußball ist das eine gute Nachricht, kämpft dieser doch um sein Image. Ein Beispiel vom Wochende, als Österreichs Handball-Herren das nächste Kapitel eines Wintermärchens gegen Deutschland schrieben. „Ich sehe gerade das erste Handball-Spiel meines Lebens. Gib zu, @PeterFilzmaier ist doch 10x spannender als jedes Fußballmatch. Was für ein Tempo!“, das schrieb niemand geringerer als ZiB2-Moderator Armin Wolf auf 'X'. Nunja, schon hier werden viele Fußballfans vehement widersprechen. 

 

Von Putins Party bis zu Petrodollars

Doch es geht um weitaus mehr, wenn wir über das Sudelimage des Fußballs schreiben. Vielleicht könnte diese Geschichte nun schon mit Doping bei der WM 1954 beginnen, wo Österreich Dritter wurde und die deutschen Weltmeister mutmaßlich gedopt waren. Oder vielleicht bei dem einen oder anderen Fan- und Finanzskandale ein halbes Jahrhundert später in Österreich? Alles ein bisschen alter Wein und längst nicht so krass wie die Vorwürfe, mit denen sich der Kick in den letzten Jahren herumschlagen musste. Da geht es um Geopolitik, deren Auswirkungen derzeit in den News-Abteilungen zu lesen sind. Putins Weltmeisterschaft 2018, als die Regierungschefs ins damals schon den Nachbarn angreifende Reich des Diktators fuhren. Oder das Sportswashing von ebenfalls autokratischen Staaten im Nahen Osten, die den Fußball missbrauchen, um das eigene Image aufzupolieren. Und natürlich die ganzen Skandale rund um die internationalen Verbände. Vorbei sind die Zeiten, wo Fußball bloß der Proletensport war, Spielwiese für streitbare Dorf- und Stadtkaiser. Nein, jetzt ist das runde Leder Spielball der Weltpolitik.

 

Die gute Nachricht

Dabei könnte der Fußball ganz andere Schlagzeilen schreiben. Die kickenden Frauen sind ein Leuchtturm dafür, wie sie in der gesamten (Berufs-)Welt nach wie vor benachteiligt werden. Eine Regenbogen-Armbinde stößt Diskussionen in der breiten Bevölkerung an, die staatliche Awareness-Kampagnen wohl kaum mit dem Impact schaffen würden. Der Umstand, dass die besten heimischen Kicker Alaba und Arnautovic heißen, führt bei dem einen oder anderen Rassisten zudem wohl zu einem Kurzschluss in seinem engstirnigen Hirn. Dass Nationalspieler wie Alexander Schlager, Florian Kainz und Philipp Mwene beim Warten auf die Bim Männer ansprechen, klare Position gegen Gewalt an Frauen zu beziehen, ist super. Die Siege von Lainer und Lindner gegen den Krebs stoßen dann vermutlich noch ein Thema an, dass klar Männer betrifft: Prävention.

Der Fußball hat eben gute Seiten und hat einen positiven Einfluss auf unsere Gesellschaft– das sollte bei all den negativen Meldungen nicht vergessen werden.

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