Die Austria hat die Lizenz - und jetzt? [Momentum am Montag]

Die Wiener Austria hat die Lizenz im Nachsitzen bekommen, inklusive Investorenmodell. Die Rettung in vorletzter Minute lässt aber Fragen offen.

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Austria Wien-Vorstand Markus Kraetschmer erklärte in einem Interview mit dem 'Standard', wie es zur Lizenz kam und dieses Gespräch wirft Fragen auf - unser Momentum am Montag.

Also sprach das Protestkomitee: Passt, Austria Wien, gut gemacht. Dabei, so Markus Kraetschmer gegenüber der Tageszeitung, war man auch beim erstinstanzlichen Einreichen überzeugt, dass alles passt, aber "dass dann aber so harte Nachweise für die Wirtschaftlichkeit der Zukunft gefordert werden, war für viele im Klub überraschend." Die Veilchen griffen gewissermaßen in die Trickkiste, bewerteten ein Prozent der AG mit 250.000 Euro, der Präsident, Ex-Spieler und sonst noch jemand soll zugegriffen haben. "Dieses alternative Finanzierungskonzept war neben bestehenden und neuen Sponsoren eine wichtige Säule als Nachweis im Lizenzierungsverfahren", so der Vorstand. Das ist freilich legitim, ein Satz am Ende des Interviews lässt aber aufhorchen, wenn nicht Alarmglocken schrillen.

 

Europacup ein Muss?

"Klar ist aber auch: Um unsere Infrastruktur dauerhaft betreiben zu können, muss man ein gewisses Level erreichen. Man braucht den sportlichen Erfolg, den Europacup, die Transfers. Sonst hat man ein Problem, den Betrieb zu finanzieren", erklärt Markus Kraetschmer in dem Interview abschließend. Der gesamte Verein, Akademie, 2. Mannschaft, Frauenteam, Kampfmannschaft, habe mindestens ein Budget von 24 Millionen Euro. Damit, so klar darf man das sagen, ist die Austria unter den reichsten Vereinen der Liga, ein planen mit dem Europacup bzw. aus guten Leistungen folgenden Transfers, ist da auch ein Ausdruck des Selbstvertrauens. Ein Budget darauf dauerhaft aufzubauen, aber schwierig.

 

Erinnerungen an frühere Tage

Dennoch muss erst einmal gekickt werden und eine Qualifikation für einen der drei Europacupbewerbe geschafft werden. Dort gibt es richtig viel Geld zu verdienen, im Europacup können die Eigengewächse aufzeigen und sich teuer machen. Das Problematische: Geld spielt nur bedingt Fußball. Ja, derzeit steht die finanzielle Nummer eins vor der Nummer zwei, aber ein Gesamtbudget für einen ganzen Verein heißt noch nicht, dass man auch für die erste Mannschaft so viel mehr Geld zur Verfügung hat als die größer werdende Konkurrenz im Lande. Vor zehn Jahren gab es sie, die Big4. Die haben sich aber in den letzten Jahren erweitert, mit dem LASK und auch dem WAC sind weitere Player hinzu gekommen, die mit zum Teil geringerem finanziellen Aufwand derzeit einen größeren Ertrag erspielen. Dass Meistergruppenteilnahmen von Klubs wie dem SKN, Hartberg und der WSG auch noch geschehen, erschwert einen schnellen Weg an den großen Kuchen der UEFA-Gelder. Mit Europacup (dauerhaft?!) zu budgetieren führte in früheren Tagen schon zu Problemen, ein Blick nach Wien-Penzing zeigt das. Vor Jahren war der Europacup auch notwendig. Ein finanzielles Roulettespiel.

 

Genau beobachten

Alle Kontrollinstanzen müssen nun darauf achten, dass die Austria sich hier aus der akuten finanziellen Not nicht in eine zukünftige reindribbelt. Man möchte den Veilchen nichts Böses unterstellen, aber gut gemeint ist nicht deckungsgleich mit gut gemacht. Die Kontrollgremien sind intern angesiedelt, es gibt das Lizenzierungsverfahren, weiters die Medien und auch die öffentlichen Stellen. Im Falle des SV Mattersburg und auch in früheren Jahren haben all diese Kontrollinstanzen versagt. Das möge der Austria, gemeinsam mit Rapid seit 1911/12 durchgehend in der jeweiligen höchsten Spielklasse des Landes zugegen, erspart bleiben. 

Eine große Frage angesichts der nur relativen Planbarkeit sportlichen Erfolgs (und somit auch des Transfererfolgs) bleibt aber: Was, wenn sie Rückkehr in höhere tabellarische Gefilde lange dauert? Geht sich das dann aus?

 

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