Momentum am Montag: Saison-Restart - Die einen müssen, die anderen dürfen nicht

Die Bundesliga will und muss die Saison fortsetzen. In den Halbprofi- und Amateurligen stellt sich die Situation ein wenig anders dar.

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Die nun erlaubte Wiederaufnahme des Trainings für 13 Fußballklubs ist unser Momentum am Montag.

Dieser Tage werden die Bundesligaklubs wieder trainieren können, mit strengen Auflagen. In Deutschland wird das schon länger gemacht, Stichwort Kleingruppentraining. Auch die viel härter betroffene Länder wie England, Spanien oder Italien diskutieren über eine Fortführung der Premiumligen. Sie müssen es tun – eine Sportart, die auch durch Fernsehgelder finanziert wird, hat keine andere Alternative.

Anders ist das jedoch in den unteren Ligen.

 

Finanzielle Frage

In Deutschland gibt es mittlerweile einen öffentlich ausgetragenen Konflikt von Drittligisten. Eine Gruppe aus Bayern, etwa Ingolstadt oder 1860 München, aber auch beispielsweise Hansa Rostock, wollen die finanziell schwierige 3. Liga weiter spielen. Eine Achtergruppe bestehend aus unter anderem Magdeburg oder Sonnenhof Großaßpach schoss zurück: „Wir sind davon überzeugt, dass der Preis für eine Fortsetzung der Saison nicht unverantwortlich hoch sein darf - gesellschaftlich, bezogen auf die Gesundheit und auch wirtschaftlich.“ Und das Wirtschaftliche ist der Knackpunkt für kleine Profiligen oder jene, wo Vollprofis auf Amateure treffen, wie in der österreichischen 2. Liga der Fall ist.

 

Fußball in Zeiten von...

Sollte nicht ein Wundermittel in Form einer Covid-19-Impfung quasi morgen gefunden werden, wird der gegenwärtige Fußball- und Sportzustand auch noch im Herbst da sein. Das heißt: Testen, testen, testen. Das können sich aber eben nur die Hochglanzklubs leisten. Selbst wenn nur die 161 Personen einmal vor dem Spiel getestet werden, kostet das bei 100 Euro pro Test eben 16.100 Euro. Das wären in der 2. Liga umgerechnet rund 1,4 Millionen Euro für die ausstehenden 88 Partien. Klar, der personelle Aufwand für 2. Liga-Klubs wäre eventuell geringer. Aber, zur Einordnung: 1,4 Mio. Euro ist mehr als der Umsatz (!) von Zweitligist SV Lafnitz in der Saison 2018/19. Und da fängt man noch nicht einmal von dritter oder vierter Liga an. Burgenland-Ligaspitzenreiter Siegendorf hatte ja sogar eine Klage gegen den Meisterschaftsabbruch abgekündigt.

 

Neue Fußballwelt

Die Rechnung ist ganz einfach: Wer als Liga nicht einen Millionen- oder Milliarden-schweren TV-Vertrag vor sich liegen hat, wird sich ohne Zuschauereinnahmen ein Testen nicht leisten können. Das wird auch noch im Herbst so sein, weil es deutet wenig darauf hin, dass sich die Situation im September, Oktober und folgende komplett anders gestalten wird als es die österreichische Regierung derzeit vorgibt. Insofern muss alles unterhalb der reichen Ligen anders gedacht werden, bis es die Impfung gibt.

Insofern kann man natürlich darüber diskutieren, ob der Abbruch der Amateurligen vorige Woche möglicherweise vom gefühlten Zeitpunkt her vielleicht zu früh war. Aber eines ist klar: Im Gegensatz zur millionenschweren Bundesliga wird man im Mai oder Juni einen Spielbetrieb in den Amateurligen nicht stemmen können. Zudem wäre dies behördlich aktuell auch nicht erlaubt. 

Die Amateur- und Halbprofiligen (2. Liga) müssen die Zeit jetzt also nützen, um Konzepte zu entwickeln, wie man überhaupt ab Herbst 2020 eine Liga starten wird können. Hier sind Kreativität und Zusammenhalt gefragt und keine Knieschüsse mit Klagen gegen den Verband. 

 

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