Goran Djuricin: "Erfahrung in einem Zweitligaverein hätte mir bei Rapid nichts gebracht“

Blau Weiß Linz-Trainer Goran Djuricin spricht im Interview mit 90minuten.at über die Professionalität bei seinem Arbeitgeber, der ihm alle Wünsche erfüllt – und auch darüber, ob ein paar Jahre 2. Liga bei Rapid geholfen hätten.

Rapid ist einfach eine andere Welt, da kannst du in der zweiten Liga trainieren, wen du willst. Rapid war eine große Herausforderung, ich konnte sehr viel lernen.

Goran Djuricin

Das Gespräch führte Georg Sander

 

90minuten.at: Sie kennen die Bundesliga, sind nun in der 2. Liga. Wie ist es, dort zu trainieren, wenn man die Bundesliga kennt?

Goran Djuricin: Es ist eine kleine Umstellung, beispielsweise was die Stadien und die Zuschaueranzahl betrifft. Es ist aber genau so ein Wille da, es sind motivierte Spieler am Werk. Man merkt, dass Vorstand David Wimleitner und Sportdirektor Tino Wawra Tag und Nacht arbeiten und nur über Fußball reden. Das sind Fachleute, meine Jungs sind willig. Ich kann mich sehr glücklich schätzen, bei diesem Traditionsverein zu sein. Und unsere Trainingsplätze sind sensationell. Ich bin auch von den Verbesserungen im Rundherum begeistert, wie sich das in den letzten drei Monaten geändert hat, seit ich dort bin. Jetzt schauen wir, dass wir halbwegs erfolgreich arbeiten.

 

90minuten.at: Ist es vom Training her anders? Im November betonte Wimleitner gegenüber 90minuten.at, dass man nicht nur Profis im Kampfmannschaftskader hätte.

Djuricin: Wir haben 17 plus drei im Kader, alle 20 sind Profis, dazu kommen noch drei, vier Junge von den Blau-Weißen Jungs, die ab und zu bei uns mittrainieren. Wir haben Gott sei Dank einen Vollprofi-Betrieb. Das stimmt mich sehr positiv. Die Gespräche, die ich mit David Wimleitner zu Beginn hatte – da ist alles eingehalten worden.

90minuten.at: Wenn man wie Sie schon Bundesligatrainer war, will man wohl nicht unbedingt zu einem Klub, der in der 2. Liga spielt und gar keine Ambitionen auf mehr hat?

Djuricin: Die gibt es auf längere Sicht. Ich bin kein oberflächlicher Mensch, der sagt, er geht nicht zu einem kleinen Zweitligaverein. Aber es muss das ganze Paket stimmen. Ich kannte David von früher, er ist ein seriöser, ehrlicher Typ, mit dem man normal reden kann. Die Tradition spielt für mich eine große Rolle, auch das Rundherum, das für die 2. Liga in Österreich sehr professionell ist, ist mir wichtig. Und Linz ist nicht so weit von Wien entfernt (lacht).

 

90minuten.at: Welche Ziele gibt es dennoch? Letztes Jahr hat man im Herbst sehr schnell gesagt, dass man nicht rauf will.

Djuricin: Es gibt drei, vier Vereine, die über uns zu stellen sind und das ist gut so. Wir haben zehn neue Spieler geholt, der älteste ist 24, der jüngste 18. Wir haben einen Altersschnitt von 22,9 Jahren. Wir werden gemeinsam mit den Amateurteams die jüngste Mannschaft der Liga stellen. Es braucht jetzt Konstanz, nicht mehr so ein Auf und Ab wie in den letzten zwei Jahren. Konstanz heißt, dass wir im Verein Geduld und Ruhe haben. Das herrscht derzeit und ich hoffe, dass es so bleibt. Die Verantwortlichen wissen auch, dass wir Zeit brauchen mit dieser jungen Mannschaft.

 

90minuten.at: Sie kamen unter der Saison. Jetzt haben Sie eine Vorbereitung absolviert, kann man sich offensiven Fußball wie bei Ebreichsdorf und Rapid erwarten?

Djuricin: Ich steh einfach auf Offensivfußball und das mögen viele Leute. Es gibt aber in einer Saison und in einem Spiel selbst Phasen, da steht man tiefer, da spielt man vielleicht nicht so gut, braucht lange Bälle, weil der Gegner ein gutes Anlaufverhalten hat. Ich kann nichts versprechen, außer, dass die Jungs Mentalität und Intensität zeigen werden. Das sind unsere Keywords, die für uns sprechen werden.

 

90minuten.at: Junge Mannschaft, Offensivspektakel – da kann es auch sein, dass Spiele sehr schief gehen.

Djuricin: Voll in die Hose. Ich rechne auch mit solchen Phasen, das gehört aber zu einer Entwicklung dazu, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Wir haben Spieler geholt, die Potential haben, aber auch Zeit brauchen.

 

90minuten.at: In Ihrer Vita steht nun Regionalliga, Bundesliga, 2. Liga. Wäre es aus heutiger Sicht besser gewesen, letztere zwei Erfahrungen umzudrehen?

Djuricin: Ich glaube nicht, weil die Erfahrung in einem Zweitligaverein hätte mir bei Rapid nichts gebracht. Gar nichts. Vielleicht hätte mir punkto Trainingssteuerung oder Profitum das eine oder andere Jahr in der 2. Liga gut getan. Rapid ist einfach eine andere Welt, da kannst du in der zweiten Liga trainieren, wen du willst. Rapid war eine große Herausforderung, ich konnte sehr viel lernen. Ich bin aber zufrieden, so wie es war, habe große Hürden genommen.