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Reinhard Herovits: "Vor Jahren war es im Sommer die Kultliga, wenig später die Todesliga"

Wie lautet die erste Zwischenbilanz der Bundesliga zur neuen 2. Liga? 90minuten.at hat den zuständigen Vorstand Reinhard Herovits zum Interview gebeten und vor allem bei den Themen Zuschauern, Medienpräsenz und Kosten nachgehakt.

Das Interview führte Georg Sander

 

Gut gelaunt und gut vorbereitet ist Bundesligavorstand Reinhard Herovits beim 90minuten.at-Interviewtermin. Herovits weiß, dass die komplett neue 2. Liga - Amateure statt Profis, 16 Teams statt 10, neuer TV-Partner, neue Anstoßzeiten - nicht allerorts die Herzen im Sturm eroberte - um es nett zu umschreiben. Der Vorstand legt aber einige Zahlen vor, die beweisen sollen, dass man auf einem guten Weg ist. 

90minuten.at spricht mit Herovits über den eher mauen Zuschauerzuspruch, die Lage in Sachen Drehscheibe vor allem für junge Spieler, die Medienpräsenz und die ersten Learnings.

90minuten.at: Die Liga hat im Vergleich zum Vorjahr über rund 500 Zuschauer pro Spiel verloren. Sie haben keine Vorgaben ausgegeben, aber wie stehen Sie dazu?

Reinhard Herovits: Die Zuschauerzahlen waren ein dezidiertes „Nichtziel“. Es war klar, dass durch die neue Struktur mit 16 statt 10 Klubs und inklusive Amateurmannschaften der Zuschauerschnitt nicht steigen kann. Ein Ziel auszugeben, das unterhalb des Vorjahres liegt, bringt nichts. Mal schauen, ob wir uns für die Zukunft eines setzen wollen. Ich versuche das nicht schön zu reden, aber fakten-orientiert sind es durchschnittlich rund 1.000, da sind Amateurmannschaften dabei, die naturgemäß weniger Zuschauer anlocken. Ich sehe es aber auch als tendenzielle Berichterstattung ins Negative, weil bspw. Steyr, Amstetten oder Ried sehr gute Zahlen haben. Unseres Erachtens nach sind wir mit der Entwicklung zufrieden.

 

90minuten.at: Wenn man auf Basis der ersten zwölf Runden hochrechnet, kommt man auf 240.000 Zuschauer absolut, letztes Jahr waren es rund 280.000. Die Kooperations- und Zweitvereine hat man ja aber auch ganz bewusst dazu geholt, die kann man schwer rausrechnen.

Herovits: Es wäre auch gut, nicht nur mit dem Vorjahr zu vergleichen, sondern auch mit den benachbarten Ligen. Im Vergleich zu den Regionalligen ist es so, dass wir das Zwei- bis Dreifache haben. Es geht aber auch um das generelle Freizeitverhalten. Ich habe vor 20 Jahren mit Hirm in Rohrbach vor dreieinhalbtausend Menschen Landesliga gespielt. Damals waren Zahlen von 500 bis 800 Usus. Das gibt es heutzutage nicht mehr. In den letzten beiden Jahrzehnten hat sich das Freizeitverhalten geändert, dem muss man bestmöglich entgegenwirken.

 

90minuten.at: Sind die Zuschauer ganz egal?

Herovits: Man braucht eine passende Vergleichsbasis. Bei zehn und zwölf Klubs in der Tipico Bundesliga geht das noch eher als bei zehn und 16 mitsamt strukturellen Änderungen. Wenn man sich das zumindest eine Saison angeschaut hat, kann man sich realistische Ziele setzen.

 

"Man braucht eine passende Vergleichsbasis. Bei zehn und zwölf Klubs in der Tipico Bundesliga geht das noch eher als bei zehn und 16 mitsamt strukturellen Änderungen." - Herovits erklärt für ihn schwer vergleichbare Zuschauerzahlen

90minuten.at: Es gab auch schon vorher Jahre mit sehr wenigen Zuschauern, etwa 2007/08 mit zwölf Teams und 919 Fans im Schnitt.

Herovits: Diese Liga hat immer eine Challenge. Sie ist regional verankert, aber dennoch ein nationaler Bewerb. Hohe Zahlen finden sich bei lokal interessanten Spielen, wie Steyr gegen Ried, Amstetten gegen Linz.

 

90minuten.at: Auch in der Bundesliga gibt es teilweise schlechte Zahlen.

Herovits: Es gibt eben mehrere Faktoren, auch die Infrastruktur oder den sportlichen Erfolg. Und last, but not least, das Freizeitverhalten. Dazu kommt noch das große Angebot an internationalem Topfußball.

 

90minuten.at: Mit den 1.000 sind sie zwischenzeitlich zufrieden?

Herovits: Nachdem es das Zwei- bis Dreifache der Regionalligen ist, muss man zufrieden sein.

 

90minuten.at: Die 2. Liga soll ein Sprungbrett sein. Letztes Jahr war das Durchschnittsalter der Kader 21,5 Jahre, dieses Jahr beträgt es 22,5. Ohne den vier Zweit- und Kooperationsvereine kommen wir auf 23,5 Jahre. Wie sehen Sie das?

Herovits: Unser Zielwert bei U22-Spielern war, auf über 25 Prozent Spielzeit zu kommen. Diesen Wert hatten wir letztes Jahr im Frühjahr im alten Format. Den erreichen wir jetzt ausschließlich mit Österreichern, mit Ausländern sind es sogar 40 Prozent aller Spielminuten. Das passt. Dass sich die Altersstruktur der Kader verändert, wenn Regionalligaklubs mit 'g'standenen' Spielern rauf kommen, ist nicht unerwartet. Außerdem geht es auch darum, das Team zu fördern. Unser Zielwert ist, dass 15 Spieler aus den 2. Liga-Teams in den ÖFB-Nachwuchskadern sind, speziell bei U21 und U19. Im September hatten wir, je nach Zeitpunkt,15 bis 21 Spieler.

 

90minuten.at: Mit oder ohne Zweit- und Kooperationsvereinen?

Herovits: Wir beziehen das auf die Liga. Es ist ja genau das Ziel, junge Spieler zu entwickeln.

 

90minuten.at: In einem Interview haben Sie auch die Trainer erwähnt. Es gab bereits mehrere Trainerwechsel in der Bundesliga, wäre es auch ein Ziel, Zweitligatrainer rauf zu bringen?

Herovits: Trainerwechsel sind kein Ziel. Vielmehr sollen im Schnitt zwölf Spieler abseits des Aufsteigers den Sprung in die Bundesliga schaffen. Da steht der fiktive Durchschnittswert dahinter, dass jeder Klub aus der höchsten Spielklasse einen Spieler aus der 2. Liga holt.

 

90minuten.at: Früher war es jahrelang so, dass sich Spieler aus der 2. Liga schwer getan haben. Wie groß ist der Unterschied? Wo sollen die Spieler her kommen?

Herovits: Eine aktuelle Einschätzung wäre noch zu früh. Man weiß noch nicht, wie sich ein aufgestiegener Spieler dauerhaft schlägt. Deswegen wird man seriöserweise erst im Sommer ein Resümee ziehen können. Wir haben unsere Zielsetzung betreffend Spieler einstweilen erreicht, jetzt muss man einmal eine Saison vorbei gehen lassen.

 

Auf der zweiten Seite des Interviews spricht Bundesliga-Vorstand Reinhard Herovits über die wirtschaftlichen Belange der neuen 2. Liga, Blau Weiß Linz' Entscheidung nicht aufzusteigen und den 10 Uhr 30-Termin.

 

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