Foto: © GEPA 2018 / Jänner

Oliver Lederer: "Wir sind sogar sehr weit weg von berauschend"

Die Lage beim SKN St. Pölten wirkt aussichtslos: Neun Punkte Rückstand auf den WAC, in 20 Runden nur sieben Zähler geholt. Trotzdem ist Oliver Lederer im Interview mit 90minuten.at positiv gestimmt, den Turnaround zu schaffen. Und im Zweifelsfall gibt es ja noch die Relegation.

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Das Gespräch führte Georg Sander

 

Trainingspause beim SKN St. Pölten. Oliver Lederer erscheint mit Hund zum Interview mit 90minuten.at in einem Kaffeehaus in der Nähe der NV-Arena. Der Trainer der "Wölfe" ist gut gelaunt, obwohl die Lage für die Landeshauptstädter eigentlich wenig Anlass zur Freude hergibt. Immerhin gibt es dieses Jahr dank der Ligareform 2018/19 noch die Relegation gegen den Tabellendritten der SkyGo Erste Liga, die den Klassenerhalt im Nachsitzen sichern kann. Während des Gesprächs wird zudem klar, dass Lederer Freude an der Arbeit und der Herausforderung hat. Das dürfte auch seinen Spielern helfen, die für Beobachter aussichtslose Ausgangsposition für die letzten 16 Runden positiv anzugehen. Und das dürfte im Abstiegskampf auch schon die halbe Miete sein.

90minuten.at: Die Bilanz ist bisher nicht so berauschend. Haben Sie es sich so schwierig vorgestellt?

Oliver Lederer: Dass die Situation herausfordernd ist, war mir bewusst, bevor ich den Job angetreten bin. Wir sind sogar sehr weit weg von berauschend, es ist sehr durchwachsen. Das heißt aber nur, dass die Herausforderung noch größer geworden ist. Der Ehrgeiz im Verein ist ungebrochen. Aber natürlich haben wir den größten Druck. Dem wollen wir uns stellen.

 

90minuten.at: In 20 Runden wurden sieben Punkte geholt. Wie soll man da in 16 Runden neun Punkte auf den WAC aufholen?

Lederer: Wir haben mehr Rückstand als wir Punkte gemacht haben. Für Außenstehende klingt das Ziel Platz neun wohl vermessen. Das ist für mich legitim. Es liegt jetzt an uns, die Aufholjagd 2018 so zu gestalten, dass es uns gelingt. Ich sehe es als riesengroßen Anreiz, etwas zu schaffen, was vor uns so noch keiner geschafft hat. Wenn wir clever sind und uns gut verstärken, dann glaube ich, dass wir ein prägendes Kapitel in unserer Vereinsgeschichte schreiben können.

 

90minuten.at: Ist das Wort Relegation beim SKN verboten?

Lederer: Das ist es nicht. Es ist Teil des Wettkampfs. Der Letzte hat eben die Möglichkeit, Relegation zu spielen. Wenn es am Ende nicht reicht, wollen wir diesen Rettungsanker ergreifen. Aber so lange wir den WAC im Blick haben und damit Land in Sicht ist, wollen wir uns damit nicht beschäftigen. Es liegt in einer Schublade, aber wir sind für Außenstehende der erste Anwärter. Wir sind ja nicht naiv.

 

David Atanga kennt die Situation, im Winter Letzter zu sein, aus Mattersburg

90minuten.at: David Atanga und Philipp Malicsek sind schon gekommen. Atanga kennt die Situation von der Leihe zum SVM letztes Jahr, Malicsek kennen Sie aus Admira-Zeiten, auch er kennt das Tabellenende. Allerdings sind sie noch jung. Sind noch weitere Verstärkungen geplant?

Lederer: Ich bin zunächst mit den zwei sehr glücklich. Sie verdienen die Bezeichnung „Verstärkung“. David und Philipp sind Spieler, die trotz ihres jungen Alters schon Erfahrung im Abstiegskampf mitbringen. Sie passen auch gut in unser Anforderungsprofil. Wir halten aber die Augen offen, um da zu sein, wenn ein Spieler am Markt ist, von dem wir überzeugt sind, dass er uns helfen kann. Das ist unser Zugang. Wir müssen aber auch schauen, dass wir den großen Kader verkleinern.

 

90minuten.at: Ist es auch psychologisch wichtig, jetzt nicht sieben oder acht Neue zu verpflichten?

Lederer: Es wurden ja im Sommer viele Spieler verpflichtet. Der Umbruch fand schon statt. Die Auswirkungen zeigen sich noch bis heute, nämlich, dass es nicht so funktioniert hat, wie es sich alle im Verein erhofft haben. Bis zu dem Punkt, dass der Trainer dran glauben musste. Wir wollen uns ersparen, den Joker Trainerwechsel erneut zu ziehen. Wir wollen vernünftig in der Planung vorgehen. Wir halten Augen und Ohren nach Spielern offen, die sowohl sportlich als auch wirtschaftlich ins Anforderungsprofil passen. Da gibt es noch genug Spieler. Aber man hat mich auch deshalb geholt, damit ich mithelfe, den Verein auf gesündere Beine zu stellen. Da braucht es Spieler mit Perspektive. Atanga und Malicsek sind Leihspieler und helfen und in dieser schwierigen Situation weiter, auf Sicht werden derartige Leihgeschäfte den Verein wirtschaftlich aber nicht weiter bringen. Wir wollen es schaffen, eigene Spieler auszubilden, sie weiterzuentwickeln und zu verkaufen.

 

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