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Joachim Standfest: „Ein guter Name ist natürlich ein gutes Zugpferd für einen Verein“

Nur wenige Tage nach seinem Karriereende beim WAC wurde Joachim Standfest als neuer Amateur-Trainer bei Sturm Graz vorgestellt. Im Interview mit 90minuten.at äußert sich Standfest zu seiner Profilaufbahn, seinem Debüt als Trainer und inwiefern er sich dieser Aufgabe in Graz gewachsen fühlt. Das Gespräch führte Stefan Berndl.

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90minuten.at: Das letzte Saisonspiel, das letzte Ihrer Karriere, ist nun knapp zwei Wochen her. Inwieweit haben Sie den Gedanken, kein Bundesligaspiel mehr zu bestreiten, schon realisiert?

Joachim Standfest: Ich bin ja nicht unvorbereitet gewesen. Daher ist es nicht wirklich ein Problem. Auch, weil der Übergang recht nahtlos gegangen ist. Alleine vom Gefühl her ist es aber schon komisch, dass ich nicht mehr zu trainieren beginne. Da juckt es mich schon. Ich bin jetzt aber mit den neuen Sachen so eingedeckt, dass das auch bald vorbei sein wird.

90minuten.at: Beim WAC wurde jetzt am Ende nicht mehr mit Ihnen geplant. Inwiefern wurde Ihnen damit die Entscheidung, die Karriere zu beenden, abgenommen?

Standfest: Nein, eigentlich nicht. Ich hatte in den zwei, drei Wochen nachdem das bekannt geworden ist, noch zwei Anfragen von Interessenten. Das gab mir dann auch ein gutes Gefühl, dass ich das alles selber beenden kann.

 

90minuten.at: Inwieweit war dann wirklich noch die Überlegung da, Ihre Karriere bei einem anderen Klub doch noch fortzusetzen?

Standfest: Nicht wirklich. Ich hätte vielleicht beim WAC noch ein Jahr angehängt, weil ich jeden Tag daheim sein konnte und es so gut passte. Aber im Endeffekt war es dann eher kein Thema mehr, dass ich noch wo anders hingehe. Es freute mich, dass noch jemand Interesse gezeigt hat und die Möglichkeit bestand, dass ich noch weiterspielen hätte können, wenn ich gewollt hätte. Aber wirklich konkret ist das nie geworden.

90minuten.at: Kam die Entscheidung vom WAC, dass sie nicht mehr mit Ihnen planen, eher überraschend?

Standfest: Es kam schon überraschend, das muss man schon so sagen. Ich habe da 28 Partien von Beginn an gespielt, habe 31 Spiele in der Saison gemacht. Da waren vielleicht zwei, drei schlechte dabei. Daher war es schon überraschend.

 

90minuten.at: Was ist Ihnen als Grund genannt worden, dass der Verein nicht mehr mit Ihnen plant?

Standfest: Dass ich zu alt bin (lacht). So einen richtigen Grund hat es nicht wirklich gegeben. Der Trainer konnte mir da nicht wirklich etwas sagen. Er wollte einen Umbruch machen und das betraf eben auch meine Person. Aber er sagte mir auch, dass es keine sportlichen und leistungstechnischen Gründe für die Entscheidung gab.

 

90minuten.at: Sie haben den WAC nach ihrer Zeit bei Sturm und Kapfenberg als „Glücksfall“ beschrieben, sich dort sehr wohl gefühlt. Inwiefern hätten Sie sich gewünscht, dort – wenn schon nicht als Spieler – in anderer Funktion weiterarbeiten zu können?

Standfest: Nachdem ich jetzt die Aufgabe bei Sturm habe, ist es nicht so dramatisch. Natürlich habe ich mich dort sehr wohlgefühlt, aber es hat sich einfach nicht ergeben, dass ich beim WAC weitermachen kann. Aber mit der neuen Aufgabe ist es nicht so tragisch.

Kurz vor dem 37. Geburtstag absolvierte Joachim Standfest sein letztes Spiel als Profi.

90minuten.at: Wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken: Was waren Ihre Höhe- und auch Tiefpunkte? Wie fällt die Bilanz aus?

Standfest: Die ist zu 100 Prozent positiv. Ich hatte nie Tiefen, in den ganzen 20 Jahren. Es waren vielleicht einmal die paar Monate, als ich nach Sturm und Kapfenberg geschaut habe, dass ich einen Verein finde. Nach Kapfenberg war ich zwei Monate Zuhause, da kann man sagen, dass das ein Tiefpunkt war. Das war es aber auch schon. Es ging fast 20 Jahre nur bergauf. Ich hatte eine wunderschöne Zeit und wunderbare Erlebnisse mit super Erfolgen. Ich kann nicht sagen, dass da ein Tag negativ war.

 

90minuten.at: Was werden Sie jetzt im Nachhinein am meisten vermissen?

Standfest: Das kann ich jetzt noch schwer sagen, jetzt erwartet mich erst einmal eine neue Aufgabe. Aber ich glaube der Adrenalinkick wird jetzt an der Seitenlinie genauso groß sein, wie auf dem Spielfeld. Vielleicht sogar noch mehr, jetzt zu Beginn. So richtig abgehen wird mir jetzt nichts. Ich freue mich so auf die Aufgabe mit den jungen Spielern zu arbeiten und sie weiterzubringen.

 

90minuten.at: Nun hat es Sie zurück nach Graz verschlagen. Was war für Sie ausschlaggebend, den Trainerposten bei den Sturm Amateuren anzunehmen?

Standfest: Nachdem es öffentlich wurde, dass der Schoppi (Anmerkung: Markus Schopp) das nicht mehr weitermachen wird, ist mein Name ins Gespräch gekommen. Ich hatte zwei Termine mit Günther Kreissl und Günther Neukirchner. Und da dürfte ich ganz gut abgeschnitten haben. Dann wurde es mir angeboten und ich musste keine Sekunde überlegen, ob ich es mache oder nicht. Das war eine riesengroße Chance für mich. Alleine schon das Vertrauen, das mir entgegengebracht wird und wie sich die Leute um mich bemüht haben. Das zeigte mir, dass ich einen großen Stellenwert habe. Daher musste ich da nicht lange überlegen.

 

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