Warum sich Zawieschitzky aus zwei Metern ins Gesicht schießen lässt
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Warum sich Zawieschitzky aus zwei Metern ins Gesicht schießen lässt

Mit 19 Jahren Einsergoalie bei Red Bull Salzburg und eine Klub-WM im Lebenslauf - Christian Zawieschitzky erklärt im 90minuten-Interview, wie es so weit gekommen ist und was Manuel Neuer damit zu tun hat.

Wer mit 19 Jahren Einsergoalie bei Red Bull Salzburg ist, muss eine gewisse Qualität haben. Diese sehen die Verantwortlichen in Christian Zawieschitzky. Der 1,92 Meter große Schlussmann erhält mit Christian Früchtl noch einen für einen Goalie auch noch jungen Back-Up - allerdings strahlt der gebürtige Kufsteiner nicht nur am Platz, sondern auch im Interview eine für das Alter ungewöhnliche Coolness aus.

Im 90minuten-Exklusiv-Interview spricht er über den Zufall, der ihn ins Tor gebracht hat, warum Torhüter vielleicht etwas anders sind als andere Kicker, die Rolle von Routiniers und welche Weltklasse-Keeper ihn beeindrucken.

90minuten: Du hast mit knapp 17 Jahren in der Admiral 2. Liga dein Profidebüt gegeben, ein Jahr später bei der Klub-WM gespielt, warst im Herbst im Europacup-Einsatz und bist jetzt mit 19 Jahren Stammkeeper bei Red Bull Salzburg – dem in den letzten zwei Jahrzehnten erfolgreichsten Klub des Landes. Wird dir manchmal schwindlig?

Christian Zawieschitzky: Nein, ich bekomme das, was von außen kommt, nicht so wirklich mit. Meine Mama hat mir immer wieder ein paar Berichte und ähnliches geschickt. Aber ich sehe das locker, lasse es einfach so passieren und freue mich darüber.

Es kam zum Elfmeterschießen und unser Tormann wollte plötzlich nicht mehr spielen. Der Trainer hat dann gefragt, wer es machen will, worauf ich mich gemeldet habe. Ich weiß eigentlich nicht mal mehr, warum.

Christian Zawieschitzky

90minuten: Das heißt, die Aufmerksamkeit stört nicht, wenn man merkt, dass man auf einmal in der Bundesliga spielt?

Zawieschitzky: Der Unterschied ist schon riesig, das stimmt. Aber ich tue mir leicht, mich anzupassen und das war bis jetzt kein Problem für mich.

90minuten: Gehen wir an den Anfang deiner Karriere zurück. Wie jeder andere Bub hast du irgendwann mit dem Kicken angefangen.

Zawieschitzky: Ich habe mit fünf Jahren bei Kundl gespielt und bin dann mit etwa neun Jahren zu Wacker Innsbruck gewechselt. Das war dann schon etwas anderes, allein vom Training her. Und auf einmal hast du Turniere in Deutschland und ich-weiß-nicht-wo sonst. Das war vor allem für meine Mama ein extremer Aufwand, die mich sehr oft hin- und herfahren musste, weil Innsbruck ja nicht bei uns in der Nähe ist, sondern 45 Minuten entfernt. Mit 13 Jahren bin ich dann nach Salzburg gegangen.

90minuten: Ich möchte kurz einhaken. Als Kind träumt man schon vielleicht eher davon, Tore zu schießen statt zu verhindern. Wann hast du für dich gesagt: Ich werde Tormann?

Zawieschitzky: Das war bei einem Turnier in Kundl. Es kam zum Elfmeterschießen und unser Tormann wollte plötzlich nicht mehr spielen. Der Trainer hat dann gefragt, wer es machen will, worauf ich mich gemeldet habe. Ich weiß eigentlich nicht mal mehr, warum (lacht). Aber seitdem bin ich Tormann.

90minuten: Jugendliche in deinem Alter haben ein ganz anderes Leben, machen Matura oder Lehrabschlussprüfung, gehen auf Festivals und haben generell "the time of their life". Hast du das Gefühl, dass dir etwas fehlt?

Zawieschitzky: Mir geht gar nichts ab. Spätestens mit meinem Wechsel zu Wacker Innsbruck sind viele Kontakte von früher abgerissen, weil ich mich auf den Fußball konzentriert habe. Mich hat das aber nicht gestört, ich wollte da einfach mein Ding durchziehen. Dass ich nicht feiern oder weggehen konnte, hat mich jedenfalls nie gestört.

Mit Alexander Schlager trainierte der Neo-Stammkeeper schon mit 16 Jahren. Über ihn sagt er: "Charakterlich ist er wirklich top, hat mir zum Beispiel bei der Wohnungssuche geholfen. Alex ist einfach ein super Typ."
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Mit Alexander Schlager trainierte der Neo-Stammkeeper schon mit 16 Jahren. Über ihn sagt er: "Charakterlich ist er wirklich top, hat mir zum Beispiel bei der Wohnungssuche geholfen. Alex ist einfach ein super Typ."

90minuten: Das kann man ja auch nach der Karriere noch nachholen. Aber das heißt, dass du keinen Kontakt mehr zu den Jugendfreunden hast.

Zawieschitzky: Wo ich herkomme, habe ich noch einen Freund. Sonst gibt es da keinen engen Kontakt mehr.

90minuten: Was bei dir ja auch anders ist, ist der Umstand, dass die meisten Keeper mit 19 Jahren zwischen zweiter und erster Mannschaft pendeln, oft auf der Bank sitzen. Dich stellt der Verein nun vor eine Riesenaufgabe, den Einsergoalie des Nationalteams zu ersetzen. Was macht das mit dir?

Zawieschitzky: Ich weiß eigentlich nicht, wie man das sagen soll. Es macht schon irgendwas mit einem, aber es ist in erster Linie positiv. Ich mache mir keine Gedanken, was passieren kann, freue mich jetzt über den Saisonstart und bekomme deswegen keine Kopfschmerzen.

90minuten: In den nächsten Wochen kommt aber trotzdem eher Otar Kiteishvili auf dich zu anstatt ein Nachwuchskicker von Sturm II, im Europacup kann es gegen die ganz großen Namen des Weltfußballs gehen. Bereitest du dich jetzt anders darauf vor?

Zawieschitzky: Auch das ist mir relativ egal, darauf freue ich mich. Immer, wenn ich mir zu viele Gedanken mache oder mich besonders gut vorbereiten wollte, hat manches nicht gepasst. So habe ich also schnell für mich herausgefunden, dass ich es einfach wie immer sonst auch angehe.

90minuten: Man sagt ja den Torhütern immer nach, dass sie ein bisschen anders sind als die Feldspieler. Stimmt das?

Zawieschitzky: Das stimmt sicher. Ich kenne jetzt keinen "normalen" Fußballspieler, der sich freiwillig aus zwei Metern Entfernung ins Gesicht schießen lässt (lacht). Deswegen würde ich schon sagen, dass wir in manchen Dingen ein bisschen anders sind.

90minuten: Das lernt man über viele Jahre. In den letzten beiden Jahren hast du dir viel von Alex Schlager abschauen können. Er strahlt auf jeden Fall eine ziemliche Coolness aus. Was hast du von ihm gelernt?

Zawieschitzky: Auf jeden Fall, ich konnte viel von ihm lernen. Ich habe die ersten Trainings mit Alex im Alter von 16 Jahren absolviert. Wenn mir da etwas aufgefallen ist, was er anders als ich macht, wollte ich es gleich nachmachen und ausprobieren. Bei manchen Übungen, bei denen ich mir anfangs schwerer getan habe, hat er mir Tipps gegeben. Auch charakterlich ist er wirklich top, hat mir zum Beispiel bei der Wohnungssuche geholfen. Alex ist einfach ein super Typ.

Eigentlich ist er schon seit ich ein Kind bin mein Vorbild und ich habe versucht, ihn ein bisschen nachzuahmen. Ich spiele auf jeden Fall sehr gern mit.

Zawieschitzky über Neuer

90minuten: Wenn man über modernes Goalkeeping spricht, fällt oft der Name Manuel Neuer. Er ist quasi ein elfter Feldspieler und hatte beim Nationalteam und den Bayern ein ähnliches Problem wie die Salzburg-Spieler: Es passiert lange nichts, dann musst du eine Situation exzellent lösen. Umgekehrt gibt es derzeit die Tendenz, richtig große Torhüter zu haben. Wo verortest du dich?

Zawieschitzky: Ich denke, ein Vergleich mit 2,05 Meter großen Keepern passt nicht, vielmehr könnten da die 1,93 von Manuel Neuer besser passen (lacht; Anm.: Zawieschitzky ist 1,92 Meter groß). Eigentlich ist er schon seit ich ein Kind bin mein Vorbild und ich habe versucht, ihn ein bisschen nachzuahmen. Ich spiele auf jeden Fall sehr gern mit. Das gehört heute zum modernen Tormannspiel dazu und wird bei uns vom Trainer auch eingefordert. Aber das Wichtigste ist dennoch die Torverteidigung.

90minuten: Das heißt, wir erwarten uns Flugkopfbälle 40 Meter vorm Tor?

Zawieschitzky: Wenn es notwendig ist – ja (lacht).

90minuten: Aber bleiben wir bei dem Torwartspiel in so einem Spiel, mit der Situation, dass du bei Salzburg eben über weite Strecken wenig zu tun hast. Wie hält man im Spiel die Spannung hoch?

Zawieschitzky: (denkt nach) Das war schon so, seit ich in der Red Bull Akademie war. Wir haben da viele Spiele gespielt, bei denen ich sehr wenig zu tun hatte. Dadurch konnte ich mich über die Jahre darauf einstellen und muss mir jetzt auch keinen Kopf mehr darüber zerbrechen, weil es da ist.

90minuten: Hast du bei der Weltmeisterschaft nun neue Trends entdeckt? Gut, den Weltmeister-Goalie hat man eigentlich nie gesehen...

Zawieschitzky: Einen Trend würde ich nicht sagen. Aber Unai Simon, der spanische Torwart, hat einige Situationen großartig gelöst, wie er sie gelesen hat und rausgelaufen ist, bevor gefährliche Angriffe entstanden sind. Das war imponierend.

90minuten: Was bei euch in Salzburg gerade der Trend ist, dass man wieder vermehrt auf Routiniers setzt. Ab welchem Alter oder wie vielen Einsätzen ist man routiniert? Aktuell hast du 34 Profieinsätze, wenn du jetzt alle Spiele spielst, wirst du vor deinem 22. Geburtstag in drei Jahren über 150 Einsätze auf Profiniveau haben.

Zawieschitzky: Wir haben schon noch jede Menge junge Spieler im Kader, so ist es nicht. Gegen Hartberg waren etwa außer mir auch Enrique Aguilar oder Valentin Zabransky in der Startelf, die beide über die Akademie gekommen sind. Generell ist das Alter nicht so ausschlaggebend, denke ich. Wichtiger ist dabei sicherlich die Anzahl an Spielen, die auf entsprechend hohem Niveau gemacht wurden. Letztlich ist aber jeder Spieler anders. Der eine ist nach einem Spiel schon voll drin und fühlt sich gut. Bei anderen dauert es eben länger.

An Spanien-Keeper Unai Simon imponiert ihm, dass der Torchancen verhindert, bevor es gefährlich wird.
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An Spanien-Keeper Unai Simon imponiert ihm, dass der Torchancen verhindert, bevor es gefährlich wird.

90minuten: Welche Rolle spielen jetzt die Routiniers, vor allem im Training? Welchen Benefit können sie liefern, wenn einer wie Haris Tabakovic deutsche Bundesliga gespielt hat? Immerhin hast du bei Liefering ja nicht so viel mit Leuten Ü-30 zu tun gehabt.

Zawieschitzky: Sie können mit Erfahrung helfen, mit dem, was sie in ihrer Karriere bereits erlebt haben. Mit Haris selbst hatte ich noch nicht so viele Trainings. Aber vielleicht frage ich ihn mal, wie er sich bei Elfmetern verhält, um da etwas zu lernen.

90minuten: Jahrelang war es so, dass Salzburg den Titel verlässlich eingefahren hat. Diese Serie ist vor drei Jahren gerissen. Woran hat es deiner Meinung nach gelegen, du warst ja nah dran?

Zawieschitzky: Das ist eine recht schwierige Frage (denkt nach). Man darf auf jeden Fall nicht vergessen, dass sich die Klubs der Liga insgesamt weiterentwickelt haben und gut arbeiten, sowohl die Top-Klubs, als auch die dahinter. Die Liga ist mittlerweile sehr eng, was man ja zuletzt in der Meisterschaft sehen konnte, wo es bis zur letzten Runde spannend war.

90minuten: Das heißt, die Kleinen sind einfach über die Jahre besser geworden?

Zawieschitzky: Ich würde sagen, dass alle Klubs besser geworden sind, auch die kleineren haben aufgeholt.

90minuten: Welche persönlichen Ziele gibst du dir nun abschließend für die Saison?

Zawieschitzky: Ich will vor allem viele Spielminuten sammeln und dabei gute Leistungen bringen. Zudem habe ich mir persönlich einige weitere Ziele gesetzt, über die ich jedoch nicht öffentlich sprechen möchte. Das möchte ich mit mir selbst ausmachen.

90minuten: Und wie groß ist die Bürde jetzt für euch als Team, nachdem man so lange nicht Meister wurde und alle den Titel erwarten?

Zawieschitzky: Natürlich wollen wir vorne mitspielen, aber ich kann nicht sagen, dass wir zu hundert Prozent sicher Meister werden. Das wäre die falsche Herangehensweise. Aber ich kann sagen, dass wir alles dafür tun werden.

90minuten: Wir danken für das Gespräch!


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