Tazemeta über BVB-Abgang: "Weiß selbst nicht, was da passiert ist"
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Tazemeta über BVB-Abgang: "Weiß selbst nicht, was da passiert ist"

Bei Kaiserslautern ist das 19-jährige ÖFB-Talent erstmals im Profifußball angekommen. Ob er sich das so erwartet hätte und was er zum BVB-Abgang sagt.

Das erste Profitor vor 29.000 Menschen auf St. Pauli, das zweite vor über 45.000 Leuten - daheim - am ikonischen Betzenberg.

"Das ist schon unbeschreiblich. Vor allem das Tor in unserem Stadion ist ein anderes Gefühl. Ich kann es kaum beschreiben", erzählt Thierry Fidjeu-Tazemeta Junior (kurz: Thierry Tazemeta) im Interview mit 90minuten.

Für den Sohn von Ex-Profi Thierry Fidjeu-Tazemeta (früher bei Horn, Schwanenstadt, Klagenfurt) änderte sich vor einigen Wochen alles schlagartig. Der 19-Jährige kam quasi ohne Erfahrung im Erwachsenenfußball im Sommer zum 1. FC Kaiserslautern in die 2. Deutsche Bundesliga. Auf einmal spielte er nicht vor 300 bis 400 Fans, sondern vor bis zu 50.000.

Sieben Minuten im Erwachsenenfußball

Eine Partie, satte sieben Minuten in der Regionalliga West für Borussia Dortmund II - mehr Pflichtspiel-Erfahrung gegen Erwachsene brachte Tazemeta nicht nach Kaiserslautern mit.

Beim Auftakt gegen Wolfsburg saß er noch 90 Minuten auf der Bank, zu Hause gegen den KSC gab er eine Woche später sein Debüt als Joker. Am dritten Spieltag kam er bereits zur Pause ins Spiel - und brauchte nur 30 Sekunden für seinen Premierentreffer.

Einen Spieltag später stand Tazemeta schon in der Startelf, in der er bis dato auch geblieben ist, und traf erstmals in einem FCK-Heimspiel.

Tazemeta im Trikot von Dortmund und Kaiserslautern
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Tazemeta im Trikot von Dortmund und Kaiserslautern

Einen so einwandfreien Übergang von der U19-Nachwuchsliga in die 2. Bundesliga schaffen die wenigsten. "Also ich bin ehrlich, ich weiß selbst nicht, wie mir das so gelungen ist", gibt Tazemeta zu.

"Mein Plan war es, so schnell wie möglich zu spielen. Aber dass es so schnell geht, hat sich auch niemand erwartet."

Der gebürtige Klagenfurter gibt sich jedenfalls als Teamplayer: "Es hilft, wenn man ein gutes Team hinter sich hat und so gute Menschen, die einem viel beibringen wollen - auch neben dem Platz."

Ausgeblendet

Womöglich hat es dem 19-Jährigen beim Übergang auch geholfen, dass ihn der krasse Anstieg an Zuschauern kaum beeinflusst.

"Es ist schon ein Riesenunterschied. Aber im Spiel blende ich das eigentlich größtenteils aus. Vielleicht war ich beim ersten Spiel die ersten Minuten nervös, aber sonst fühlt es sich für mich an wie ein normales Spiel. Trotzdem ist es eine Top-Atmosphäre."

Abgang aus Dortmund: Der nächste Schritt

Im Februar 2024 wagte Tazemeta den Sprung von der St. Pölten-Jugend zu den Schwarz-Gelben.

Anfänglich noch bei der U17, ging es schnell weiter zur U19. In 27 Spielen für die Auswahl kam er auf starke 15 Tore und neun Vorlagen. Trotzdem machte er nicht den nächsten Step im Verein.

Ich weiß selbst nicht, was da passiert ist mit den Versprechungen.

Thierry Tazemeta

Wenn man den ÖFB-Kicker nun bei Kaiserslautern sieht, fragt man sich: Warum konnte oder durfte er beim BVB nicht den nächsten Schritt gehen?

"Also es hat auch, glaube ich, mit meiner Verletzung zu tun", erklärt Tazemeta einleitend.

Von Februar bis September 2025 fiel er aus. "Davor war schon der Plan, dass ich im Sommer in der Regionalliga (für den BVB II, Anm.) spiele."

Tazemeta mit den Luca Reggiani (li.) und Samuele Inacio (M). Die beiden Italiener sind mittlerweile Teil des Profikaders.
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Tazemeta mit den Luca Reggiani (li.) und Samuele Inacio (M). Die beiden Italiener sind mittlerweile Teil des Profikaders.

Doch dieser Plan hat sich während der Verletzung offenbar geändert. "Danach weiß ich selbst nicht, was da passiert ist mit den Versprechungen."

Auf Nachfrage, ob ihm denn mehr versprochen wurde als letztendlich eingetroffen ist, antwortet der 19-Jährige: "Die Verletzung war natürlich nicht förderlich, aber ja. Man kann jetzt auch nichts mehr machen."

Kein böses Blut

Nachtragend ist der Offensivspieler also nicht. Ihm würden sogar einige Ex-Teamkollegen und Mitarbeiter abgehen. Fallen gelassen sei er jedenfalls nicht geworden. "Ich hatte eh noch zwei Jahre Vertrag, deshalb war es eigentlich meine Entscheidung, dass ich wechseln will."

Steine in seinen Weg legte Dortmund nicht. "Thierry hat sich in seiner Zeit beim BVB gut weiterentwickelt und sich diese Chance auf die 2. Liga verdient", sagte der BVB-Nachwuchsleiter Paul Schaffran bei der Verkündung von Tazemetas FCK-Wechsel im vergangenen Juli.

Im Sommer 2026 bestand jedoch auch die Möglichkeit einer Österreich-Rückkehr. Die Wiener Austria war dran, neben anderen internationalen Klubs.

"Natürlich ist Austria Wien und generell auch näher bei der Familie zu sein etwas Schönes. Aber dann habe ich mir mehr Gedanken über meine Zukunft gemacht - und ich glaube, ich habe mich richtig entschieden."

Besonderes Profil

Mit Blick auf die erste Nominierung für einen U21-Nationalteam-Lehrgang hat Tazemeta damit offensichtlich recht. Von der U15 bis zur U19 durchlief er davor alle Nachwuchsteams. "Aber ich finde, die U21 ist etwas Größeres", meint der Kaiserslautern-Profi, der bereits im Heimspiel gegen Dänemark sein Startelf-Debüt feiern durfte.

Die Nominierung hatte er sich nach dem starken Saisonstart auch verdient. Doch sogar hinsichtlich des A-Teams bringt Tazemeta ein spannendes Profil mit.

Und vor allem eines, das Ralf Rangnick in dieser Form aktuell nicht hat: Er ist 1,92 Meter groß, bringt ordentliches Tempo (33,47 km/h in dieser Saison) und starke Dribbling-Fähigkeiten mit. Dazu kann er als Mittelstürmer, rechter Flügel und Zehner spielen.

Thierry Tazemeta im Trikot der U17-Nationalmannschaft.
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Thierry Tazemeta im Trikot der U17-Nationalmannschaft.

Teamchef Rangnick hat sich allerdings noch nicht direkt gemeldet. "Es gab noch keinen persönlichen Kontakt oder sonstiges", sagt Tazemeta. Bei den Perspektivlehrgängen des ÖFB war er hingegen zwei Mal eingeladen. Diese musste er aber jeweils absagen, ein Mal "wegen Dortmund und ein Mal, weil ich verletzt war".

Macht sich Tazemeta dennoch Hoffnungen, aufgrund seines besonderen Profils über kurz oder lang im A-Team aufzutauchen? "Ja, also ich muss weiter an mir arbeiten und mich weiterentwickeln."

Sollte er irgendwann seine Chance unter Rangnick bekommen, "dann würde es mich natürlich freuen. Aber es liegt an mir".

Das Interview mit Tazemeta im VIDEO:

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