Sollbauer über Senft: "Hatte noch nie so einen Trainer"
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Sollbauer über Senft: "Hatte noch nie so einen Trainer"

Der Abwehrchef des Bundesliga-Aufsteigers spricht im Interview über die erfolgreiche Hinrunde mit Ried, seinen begehrten Trainer, Ex-Klub Rapid und die persönliche Zukunft.

Mit mittlerweile 35 Jahren hat Michael Sollbauer in seiner Karriere schon viel erlebt.

Als Kapitän des Wolfsberger AC wagte der Innenverteidiger 2020 den Schritt nach England zum FC Barnsley. Über Dynamo Dresden kehrte Sollbauer 2022 zum SK Rapid nach Österreich zurück.

Nach einem ordentlichen und einem verkorksten Jahr wechselte er im vergangenen Jahr in die ADMIRAL 2. Liga zur SV Ried. Mittlerweile ist er mit den Innviertlern zurück in der ADMIRAL Bundesliga und dabei voll angekommen.

Die Elf von Erfolgstrainer Maximilian Senft liegt nach 17 Runden auf Rang sechs und ist der beste Aufsteiger seit der Saison 2014/15. Im Interview mit 90minuten spricht Sollbauer nun über die Entwicklung, Trainer Senft, Ex-Klub Rapid und seine persönliche Zukunft.

90minuten: Mit 26 Punkten aus 17 Runden ist die SV Ried der beste Aufsteiger seit der Saison 2014/15, damals holte der SCR Altach 27 Punkte aus ebenso vielen Spielen. Habt ihr erwartet, dass ihr direkt so konkurrenzfähig sein werdet?

Michael Sollbauer: Rückblickend hätte man sicher nicht erwartet, dass wir zu diesem Zeitpunkt der Saison bereits so konkurrenzfähig sind. Wir waren aber dennoch der Meinung, dass wir auch eine Liga höher unser Spiel durchziehen können. Im Herbst gab es schon noch das ein oder andere Spiel, in dem wir uns anpassen mussten. Hinten raus war das Level dann schon gut. Der Weg stimmt also, trotzdem wissen wir aber auch, wo wir herkommen.

90minuten: Du selbst bist in allen Spielen in der Startelf gestanden, wie zufrieden bist du persönlich mit deiner Saison?

Sollbauer: Mit den ersten Spielen war ich persönlich noch nicht so zufrieden. Nach dem ersten Block war es dann schon so, wie ich es mir vorstelle. Da geht es nicht nur um die Leistung auf dem Platz, sondern auch was das Führen der Mannschaft anbelangt. Wir haben da zwei, drei Spieler, die ein bisschen ein Auge draufhaben und die Mannschaft in gewissen Situationen unterstützen. Egal ob es jetzt gut oder schlecht läuft. Im Herbst waren schon richtig gute Sachen dabei und daran gilt es jetzt im neuen Jahr anzuschließen.

Ich versuche vor allem den jungen Spielern Sicherheit zu vermitteln, fordere aber gleichzeitig auch Mut und Einsatzbereitschaft ein. Es ist ja nicht so, dass das eine Spaßveranstaltung ist.

Michael Sollbauer über seine Rolle

90minuten: Du bist einer der ältesten Spieler im Kader und bringst viel Erfahrung mit. Wie sieht deine Rolle im Team aus?

Sollbauer: Ich hatte in meiner Karriere schon viel Erfahrung in Führungspositionen innerhalb der Mannschaft. War Kapitän in Wolfsberg, auch in Barnsley und Dresden bin ich vorangegangen. Bei Rapid war das von der Kommunikation her vielleicht ein bisschen anders. Da habe ich diese Rolle weniger auf dem Feld, sondern mehr außerhalb eingenommen. Ich wurde auch aufgrund dieser Fähigkeit nach Ried geholt, das wird in gewisser Weise von mir erwartet. Ich versuche vor allem den jungen Spielern Sicherheit zu vermitteln, fordere aber gleichzeitig auch Mut und Einsatzbereitschaft ein. Es ist ja nicht so, dass das eine Spaßveranstaltung ist.

90minuten: Ex-Altach-Trainer Fabio Ingolitsch hat das letzte Duell gegen euch im Vorfeld als das "ekelhafteste Spiel des Jahres" bezeichnet. Warum ist es so unangenehm, gegen euch zu spielen und was macht euch so stark?

Sollbauer: Für uns war es in Altach im August ähnlich. Es war ein sehr körperliches und intensives Spiel, und genau so haben wir uns dann auch auf das Rückspiel vorbereitet. Für uns war es wichtig, dass wir aus dem Hinspiel gelernt haben und das zuhause besser machen. Das ist uns zum Glück auch gelungen. Wir haben damals in Altach gemerkt, dass die Intensität eine Liga höher nochmal eine andere ist. Aber im Allgemeinen zeichnen uns die körperliche Spielweise, die hohe Intensität und Laufbereitschaft, sowie die Gefährlichkeit bei Standards aus. Wir wollen leidenschaftlich spielen.

90minuten: Ihr steht in der Tabelle aktuell auf Rang sechs. Fünf Spiele gibt es noch bis zur Punkteteilung. Die Liga ist vor allem im Mittelfeld enorm eng. Wie groß ist trotzdem die Zuversicht, dass ihr am Ende in der Meistergruppe spielt?

Sollbauer: Wir hätten auch nicht erwartet, dass wir in den letzten drei Spielen gegen Wolfsberg, Rapid und Altach neun Punkte machen würden. Wir sind jetzt mittendrin im Kampf um die Top 6 und so wie ich die Mannschaft kenne, kommt sie im Jänner mit viel Motivation zurück. Aber klar bleibt das primäre Ziel der Klassenerhalt. Wir wissen auch um die Auslosung zum Start und da warten auswärts gegen Sturm Graz und zuhause gegen den LASK zwei sehr schwere Gegner. Wir wollen aber den Kampf weiter annehmen und so lange wie möglich in der Verlosung oben dabeibleiben.

Michael Sollbauer und Cheftrainer Maximilian Senft kennen sich bereits aus gemeinsamen Zeiten in Wolfsberg und beim FC Barnsley.
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Michael Sollbauer und Cheftrainer Maximilian Senft kennen sich bereits aus gemeinsamen Zeiten in Wolfsberg und beim FC Barnsley.

90minuten: Maximilian Senft leistet seit Jahren richtig gute Arbeit als Cheftrainer der Rieder, du kennst ihn ja auch schon von früheren Stationen beim WAC und Barnsley. Wie würdest du ihn beschreiben?

Sollbauer: Ich habe ihn zuerst in Wolfsberg als Videoanalyst und dann in Barnsley als Co-Trainer kennengelernt. Und jetzt natürlich in Ried. Er ist ein sehr akribischer Trainer, der alles bis ins kleinste Detail plant. Er verlangt sowohl von seinen Spielern als auch vom Staff sehr viel. Gleichzeitig weißt du aber auch, was du von ihm bekommst. Ich hatte zum Beispiel noch nie so einen Trainer, dem Kommunikation so wichtig war und der so viel mit seinen Spielern spricht.

90minuten: Was zeichnet ihn als Trainer aus?

Sollbauer: Wir sind immer sehr gut vorbereitet. Er bringt einen guten Mix aus 'wie bringen wir unsere Ideen besser auf den Platz und was macht der Gegner, was müssen wir adaptieren'. Sehr positiv ist auch, dass er gemeinsam mit Wolfgang Fiala von den Profis bis in die Akademie einen einheitlichen Fußball eingeführt hat. Das merke ich auch, weil ich selbst nebenbei in der Akademie als Co-Trainer tätig bin. Er hat sicherlich einen großen Anteil am Erfolg in Ried. Wie es aber weitergeht, weiß man nie. Der Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft und er steht nicht ohne Grund auf Shortlists gewisser Vereine. So wie ich ihn kenne, ist seine Arbeit in Ried aber noch nicht fertig.

90minuten: Glaubst du, dass er schon bereit für den nächsten Schritt ist?

Sollbauer: Ich glaube schon. Wie wir Spieler, lernt auch er immer weiter dazu. Da geht es um den Umgang nach Niederlagen, aber auch nach Siegesserien. Ich denke vom Setup her ist er total bereit für andere Aufgaben, sei es jetzt größer oder kleiner. Trotzdem ist er zu Recht immer in den Diskussionen beteiligt, wenn ein Verein einen Trainer sucht. Das weiß auch er. Trotzdem haben wir gemeinsam noch viel vor und da mache ich mir aktuell keine Sorgen.

Von 2022 bis 2024 absolvierte Sollbauer insgesamt 40 Spiele für den SK Rapid.
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Von 2022 bis 2024 absolvierte Sollbauer insgesamt 40 Spiele für den SK Rapid.

90minuten: Bevor du 2024 nach Ried gewechselt bist, hast du zwei Jahre lang beim SK Rapid gespielt. Wie blickst du heute, mit etwas Abstand, auf deine Zeit in Wien-Hütteldorf zurück?

Sollbauer: Es war eine sehr spannende Zeit, in der ich viel gelernt habe und viel passiert ist. Der Trainer, der mich geholt hat, war fünf Monate später wieder weg. Es ist viel passiert, vor allem außerhalb des Platzes. Es fehlte die Ruhe und das war eine zusätzliche Herausforderung für die Spieler, egal ob neu gekommen oder schon länger da. Das erste Jahr war dann mit knapp 30 Einsätzen okay, ich wusste ja, was mich erwartet. Im zweiten Jahr war es dann nicht mehr so wie gewünscht, der Verein plante nicht mehr mit mir und das ist als Spieler dann nicht so angenehm.

90minuten: Wie bist du dann mit der Situation umgegangen?

Sollbauer: Ich hatte im Sommer Möglichkeiten, habe dann aber entschieden, mich der Situation zu stellen. Ich bekam dann noch ein paar Einsätze aufgrund von Verletzungen und Sperren. Trotzdem war es ein Jahr, in dem ich sehr viel gelernt habe. Zwar nicht auf dem Platz, aber wie man mit der Situation umgeht und wie man trainingstechnisch auf einem hohen Niveau bleiben kann. Ich bereue den Schritt auch nicht, sondern ich würde ihn wieder machen und mich der Herausforderung stellen.

90minuten: Bei Rapid läuft es aktuell ja sehr unrund, sie liegen in der Tabelle hinter euch. Als Ex-Rapidler, wo siehst du die Gründe für ihre Krise?

Sollbauer: Ich möchte das von außen gar nicht so bewerten, das wäre nicht fair. Aber man muss ehrlicherweise sagen, dass wir alle zu Beginn der Saison zurecht gesagt haben, dass Rapid Meister werden kann. Weil die Leistungen einfach gut waren. Dann haben sie, aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr so performt. Der Anspruch bei einem Klub wie Rapid ist natürlich groß und das auch zurecht. Wenn ich zum Beispiel Sturm Graz hernehme, die haben sich in den letzten Jahren doch etwas unter dem Radar von Salzburg und Rapid entwickelt und jetzt zweimal in Folge die Meisterschaft gewonnen. Jetzt merkt man auch, dass es bei ihnen nicht mehr ganz so rund läuft. Die Erwartungen sind gestiegen und dann ist es eben oft schwer, damit umzugehen und die Leistungen abzurufen. Die entscheidende Frage ist dann: wie schaffe ich es, Ruhe in den Verein zu bekommen?

Die Championship ist schon ein ganz anderer Fußball, viel körperlicher, intensiver und mit einer hohen Anzahl an Spielen. In Deutschland ist es aufgrund der Fans und Choreos nochmal besonderer zu spielen.

Michael Sollbauer über die Unterschiede in den europäischen Ligen

90minuten: Du hast vor Rapid ja auch ein Jahr in der zweiten deutschen Bundesliga bei Dynamo Dresden, einem anderen Traditionsverein, gespielt. Wo siehst du da die Unterschiede, aber auch die Gemeinsamkeiten?

Sollbauer: Gemeinsam haben die beiden Klubs sicherlich die Leidenschaft der Fans. Bei Dresden erlebt man in jedem Heimspiel 30.000 Fans, das ist sogar nochmal ein Level drüber. Insgesamt war die Zeit schon sehr beeindruckend. Diese Zusammenarbeit und Wucht des Vereins, merkt man erst wenn man dabei ist. Egal ob wir auswärts gespielt haben, bei öffentlichen Trainings oder Testspielen, es waren immer Tausende Leute vor Ort. Die Nähe zwischen Spieler und Fans ist sehr wichtig für den Verein, auch in der Stadt Dresden. Auch wenn ich nur ein Jahr dort war, würde ich mit meinem Sohn jederzeit wieder hinfahren.

90minuten: Du hast zweite deutsche Bundesliga, ADMIRAL Bundesliga und Championship gespielt. Wie würdest du diese Ligen von der Stärke her vergleichen?

Sollbauer: Die Championship ist schon ein ganz anderer Fußball, viel körperlicher, intensiver und mit einer hohen Anzahl an Spielen. In Deutschland ist es aufgrund der Fans und Choreos nochmal besonderer zu spielen. Aber die Qualität der Einzelspieler ist in England am größten. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich zum Beispiel gegen einen 16-jährigen Jude Bellingham gespielt habe, der jetzt bei Real Madrid spielt. Die deutsche zweite Liga hingegen ist richtig gut vermarktet, da hast du überall volle Stadien und da fühlst du dich einfach nochmal mehr als Fußballer als jetzt in Österreich zum Beispiel. Ich will das jetzt gar nicht schlechtreden, aber es ist einfach so. Österreich holt trotzdem, glaube ich, das Maximum raus.

90minuten: Sprechen wir noch ein bisschen über deine Zukunft. Nach meinen Informationen gab es im Winter auch ein Angebot für dich. Wie wohl fühlst du dich in Ried und wie planst du deine Zukunft?

Sollbauer: Der Wechsel nach Ried war für mich die richtige Entscheidung, auch wenn ich damals in die 2. Liga gegangen bin. Ich werde jetzt bald 36 Jahre alt, fühle mich körperlich aber noch richtig gut. Es macht mir noch viel Spaß und ich fühle mich sehr wohl in der Mannschaft. Dadurch dass ich auch von Verletzungen verschont geblieben bin, habe ich nicht vor meine Schuhe so schnell an den Nagel zu hängen. Nebenbei mache ich noch meine Trainerausbildung, da möchte ich schon weit sein, wenn ich dann nicht mehr aktiv spiele.

90minuten: Das heißt du möchtest nach der aktiven Karriere den Weg als Trainer einschlagen?

Sollbauer: Ja, das habe ich schon im Kopf.

90minuten: Vielen Dank für das Gespräch!

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