Schriebl: "Die schlechteste Leistung kann man nicht wegleugnen"
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Schriebl: "Die schlechteste Leistung kann man nicht wegleugnen"

ÖFB-Frauen-Teamchef Alexander Schriebl will zur WM. Er räumt schlechte Leistungen ein, ist aber versucht, diese einzuordnen.

Seit Jänner 2025 steht Alexander Schriebl an der Seitenlinie des ÖFB-Nationalteams der Frauen. Die von den Spielerinnen 'Natio' genannte Frauschaft hatte zuvor wenig zu jubeln. Nach dem EM-Viertelfinale 2022 klappten die Qualifikationen für die nächsten beiden Großereignisse nicht.

Das soll nun Schriebl schaffen. Der Weg zur Fußball-Weltmeisterschaft 2027 in Brasilien führt die ÖFB-Frauen über ein Playoff. Dieses erreichte man bereits durch den Verbleib in der Nations League Liga A. Dieser wurde im Herbst 2025 durch zwei Siege gegen die Tschechinnen erreicht. Dadurch verblieben sie in Liga A für die WM-Qualifikation.

Der Modus ist folgender: Während die Quali-Gruppensieger fix in Brasilien mit dabei sind, müssen alle anderen zwei bzw. im schlimmsten Fall drei Playoff-Runden überstehen, um mit dabei zu sein. Die Details sind unterhalb zu finden.

Kurz: Egal wo Österreich in der Quali-Gruppe hinter den Deutschen landet, man hat eine Chance, bei der WM mit dabei zu sein. Die Auslosung findet am 24. Juni 2026 statt. Die erste Runde wird vom 7. bis 13. Oktober 2026 ausgespielt.

Schriebl hat im 90minuten-Interview Erkärungsbedarf. Der Start in dieses Länderspieljahr war mit einer knappen und verdienten Niederlage gegen Norwegen alles andere als gut. Gefolgt war das Spiel in der Südstadt von einem richtig schlechten Auftritt gegen die am Papier schwächsten Gegnerinnen in Slowenien - und jetzt kommt Deutschland.

90minuten: Fangen wir mit allgemeinen Entwicklungen an. Der ehemalige Serienmeister SV Neulengbach kämpft um das Überleben. Wie schätzen Sie als Teamchef diesen Umstand ein?

Alexander Schriebl: Das ist keine erfreuliche Nachricht. Da geht es in erster Linie um die unmittelbar Betroffenen. Die Verdienste für den Frauenfußball lassen das doppelt schwer wiegen. Die Nachricht kam überraschend und ist für niemanden im Frauenfußball schön.

Es gibt kein Team, gegen das die Norwegerinnen keine Torchance haben, und wir hatten auch unsere Chancen. Man kann nicht wegleugnen, dass das Spiel gegen Slowenien mit Sicherheit die schlechteste Leistung war, seit ich Teamchef bin.

Alexander Schriebl

90minuten: Ein schönes Zeichen wäre es, wenn es im Rückspiel gegen Deutschland in Ried ein ausverkauftes Haus gäbe?

Schriebl: Es wurden schon sehr viele Karten verkauft. Der Energieaustausch zwischen Zuschauern und Spielerinnen ist immer groß. Bei diesem speziellen Duell gilt das noch mehr. Die Rollen sind ja klar verteilt und vielleicht können die Fans uns Aufwind geben, um ein richtig gutes Spiel abzuliefern.

90minuten: Zum Glück sind die ÖFB-Frauen dank Platz drei in der Nations League letztes Jahr noch im Playoff-Rennen um die WM 2027, sonst bräuchte es ein Wunder.

Schriebl: Playoffs zu haben, haben wir uns letztes Jahr erarbeitet. Natürlich aber wollen wir nicht Vierter werden, sondern uns nach vorne arbeiten. Wir haben es trotz der zwei Niederlagen im ersten Lehrgang selbst in der Hand – aber wir müssen jetzt einmal die nächsten zwei Spiele positiv gestalten.

90minuten: Wie beurteilen Sie die zwei ersten Spiele gegen Norwegen und Slowenien?

Schriebl: Das Norwegen-Spiel hat uns aber schon gezeigt, dass man mit so einem Auftritt auch gegen vermeintlich bessere Gegner bis zum Schluss etwas mitnehmen könnte. Das Duell mit Slowenien war aber natürlich enttäuschend und hat den Spielerinnen am Platz auch weh getan. Normalerweise kann man es im Verein eine Woche darauf wiedergutmachen. Jetzt gilt es, daraus etwas zu lernen und uns gegen Deutschland ein Erfolgserlebnis für den nächsten Lehrgang zu holen. Wir wollen ein anderes Gesicht zeigen. Auch wenn klar ist, dass gegen die Deutschen alles passen muss, damit es bis zum Schluss eine Chance gibt, etwas mitzunehmen. Aber das passiert im Fußball immer wieder.

Deutschland-Legionärin Eileen Campbell kehrt nach einer Verletzung zurück ins Team
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Deutschland-Legionärin Eileen Campbell kehrt nach einer Verletzung zurück ins Team

90minuten: Ich habe das Spiel gegen die Norwegerinnen vor Ort nicht so positiv wahrgenommen. Über das Spiel gegen die Sloweninnen sagte Ballverliebt-Kollege Philipp Eitzinger: Verdiente Niederlage gegen den klar schwächsten Gegner der Gruppe. Ist es nicht Zeit für Klartext?

Schriebl: Es gibt kein Team, gegen das die Norwegerinnen keine Torchance haben, und wir hatten auch unsere Chancen. Gegen so einen Gegner brauchst du auch ein bisschen Glück, dass du der bist, der das Tor macht. Aber man kann nicht wegleugnen, dass das Spiel gegen Slowenien mit Sicherheit die schlechteste Leistung war, seit ich Teamchef bin.

Es geschahen unglaublich viele technische Fehler, die eigentlich sehr ungewöhnlich für diese Spielerinnen sind. Sie waren verkrampft und konnten ihre Qualität gar nicht auf den Platz bringen. Dass die Sloweninnen auf dem Papier der schlagbarste Gegner sind, ist auch so. Allerdings haben sie sich stark entwickelt, haben vor wenigen Jahren noch in der Liga C gespielt. An diesem Tag waren sie einfach zu stark, das kann man zugeben. Im Sportlerleben gehören Rückschläge eben dazu.

90minuten: Immerhin haben Sie mit Laura Wienroither und Eileen Campbell zwei erfahrene Spielerinnen wieder zur Verfügung. Ich will Ihnen keine Ausrede auflegen, aber der Verletzungsteufel wütete zuletzt schon massiv bei der 'Natio'.

Schriebl: Es hat Auswirkungen, wenn es so geballt kommt und dann sechs, sieben Spielerinnen für die Startelf fehlen. Das kann, glaube ich, kein Team so leicht verkraften. Gegen die Tschechinnen hat es uns auch getroffen und wir haben daheim den Turnaround geschafft. Im Spiel gegen Slowenien sind wir von Minute zu Minute verkrampfter geworden.

Aber es war ja auch nicht geplant, dass so viele Spielerinnen in neue Rollen schlüpfen müssen. Das geht nicht von heute auf morgen. Wobei ich sagen muss, dass wir immer wieder Debütantinnen dabeihaben und letztlich ein junges Team sind. Jetzt kommen mit Laura und Eileen zwei Erfahrene dazu, die uns qualitativ sehr helfen.

Der Plan ist, von meinem Start weg letztes Jahr, zwei Jahre zu arbeiten.

Alexander Schriebl

90minuten: Wenn man sich aber nur die Ergebnisse ansieht, mit zwölf Spielen und nur vier Siegen und einem Remis, wäre das schon eine Bilanz, mit der andere schon nicht mehr Trainer wären.

Schriebl: Ich kann nicht beurteilen, aus welchen Gründen in der Vergangenheit oder woanders Trainerentscheidungen getroffen worden sind. Ich möchte die Bilanz aber etwas einordnen. Die letzten zwei Spiele haben wir verloren. Einmal gegen ein Team, das am Papier besser ist und einmal gegen eines, das schlechter ist. Letztes Jahr hatten wir zwei Testspiele, da gab es ein Remis und eine Niederlage – aber das zählt für mich nicht, die sind ja zum Testen da. Also sind acht Spiele übrig, davon waren je zwei gegen Deutschland und die Niederlande. Gegen die haben wir in Pflichtspielen noch nie gewonnen.

Bleiben die vier Spiele gegen Schottland und Tschechien, von denen wir drei gewonnen und das Ziel, den Verbleib in der Liga A, erreicht haben. Somit finde ich das eigentlich OK. Vor allem, wenn ich an den Umbruch mit vielen neuen Impulsen und den Verletzungen denke.

90minuten: Was auf jeden Fall stimmt, ist, dass das Team im Umbruch ist, das ist ein Work in Progress. Wie viele Jahre wird das dauern, was sagt der Sportdirektor dazu? Ist Ihre Reise beim Verpassen der WM vorbei?

Schriebl: Wir haben von Anfang an kommuniziert, dass eine neue Spielidee implementiert werden soll. Es braucht schlichtweg Zeit, um die Facetten so zu gestalten, dass man auf diesem hohen Niveau bestehen kann. Dazu soll ich diesen Umbruch gesund vollziehen. Es bringt ja nichts, eine Spielerin einfach aus Prinzip nicht mehr einzuberufen, obwohl ihre Leistung passen würde.

Der Plan ist also, von meinem Start weg letztes Jahr, zwei Jahre zu arbeiten. Es haben sich jedoch zwischendrin einige Parameter verändert; Stichwort Verletzungen. Solange ich einen Vertrag habe, werde ich alles dafür tun, dass diese Entwicklung stattfindet. Mit der Direktion Sport bin ich zudem in ständigem Austausch, weil man die Sachlage eben immer neu bewerten muss.

Schriebl hofft gegen Deutschland auf eine Überraschung
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Schriebl hofft gegen Deutschland auf eine Überraschung

90minuten: Wie sieht es denn diesbezüglich mit dem Team ums Team aus? Ihre Vorgängerin hat das am Ende ja bemängelt. Wie ist der gegenwärtige Stand?

Schriebl: Es hat sich intern viel getan. Mit Sara Schaible gibt es seit letztem Jahr eine neue hauptberufliche Assistenztrainerin, zudem ein weiterer Assistenztrainer mit Thomas Pratl. Dazu kommen zwei Videoanalysten und ein erweiterter medizinischer Staff. Es hat sich also einiges getan, aber es wird immer Themen geben, wo es mehr Ressourcen braucht. Insgesamt bin ich sehr zufrieden, es ist eine homogene Truppe, von den Trainer:innen über die Teammanagerin bis hin zum Facility-Management und der Medien- oder Marketingabteilung.

90minuten: Sprechen wir zum Abschluss noch einmal über die Duelle mit den Deutschen. Eigentlich eine gute Gelegenheit, sich aufzurichten, solange man sich nicht komplett zerschießen lässt.

Schriebl: Sie haben 5:0 gegen Slowenien und 4:0 gegen Norwegen gespielt. Ich denke, die Rollen sind klar verteilt. Alles, was keine klare Niederlage ist, ist eine Überraschung. Wir wollen einfach unsere Basics auf den Platz bringen und unserem Spiel treu bleiben und alles in die Waagschale werfen. Es kann im Endeffekt ein tolles Learning sein, nach den jüngsten Rückschlägen. Der Fußball liefert ja immer wieder Wundergeschichten.

90minuten: Und der Rest entscheidet sich bei der Auslosung am 24. Juni – wir danken für das Gespräch!


Der Weg zur Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien erklärt:

Die Runde 1 der Playoffs erfolgt in zwei Wegen. Die Teams, die in den Gruppen der Liga A den zweiten und dritten Platz belegen, spielen gegen die sechs Gewinner und die beiden bestplatzierten Zweitplatzierten der Liga C. Die Teams aus Liga A sind gesetzt und haben in den Rückspielen Heimrecht. Die acht Sieger ziehen in die zweite Runde ein.

In der zweiten Playoff-Runde treffen die Teams aus beiden Wegen aufeinander und werden in acht Spiele gelost. Dabei wird der Sieger der ersten Runde, Weg 1, gesetzt und hat im Rückspiel Heimrecht. Die sieben bestplatzierten Playoff-Siegerinnen der zweiten Runde gemäß der Gesamtliga-Rangliste der Women's European Qualifiers 2026 qualifizieren sich direkt für die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2027.

Die verbleibende Playoff-Siegerin der zweiten Runde qualifiziert sich für die interkontinentalen WM-Playoffs. Die europäischen Teilnehmerinnen steigen im Februar 2027 direkt in die interkontinentalen Playoffs der zweiten Phase ein.

Termine:

Auslosung der Playoff-Runden 1 und 2: 24. Juni 2026
Playoff-Runde 1 (Hin- und Rückspiele): 7.–13. Oktober 2026
Playoff-Runde 2 (Hin- und Rückspiele): 26. November–5. Dezember 2026
Interkonföderations-Playoffs: Februar 2027
Endrunde: 24. Juni–25. Juli 2027 (Brasilien) 

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