Kapfenberg ist schlecht bis katastrophal in die Saison gestartet. Die Aufgaben mit Blau-Weiß Linz und der Admira werden nicht einfacher. Der neue Trainer Michael Liendl steht also vor einer großen Herausforderung. Langzeit-Präsident Erwin Fuchs weiß, dass dieser gar noch nicht Cheftrainer sein wollte.
Was er auch weiß: Dass diese Liga sehr schwer zu spielen ist, wenn einem die notwendigen Euros fehlen. Zwar haben die Falken (noch) Investorengeld, aber auch hohe Rückzahlungen zu tätigen.
Im Interview spricht er über den verpatzten Saisonstart, wie es um die Investoren und den Nachwuchs steht - sowie darüber, was der 2. Liga wirklich helfen würde.
90minuten: Vier Spiele, null Punkte, Trainer gewechselt. Können Sie sich an eine KSV-Situation zu Saisonbeginn erinnern, die schwieriger war, seit Kapfenberg 2002 in den österreichweiten Fußball zurückgekehrt ist?
Erwin Fuchs: Der Start 2002 war sehr mühsam. Auch als wir 2022/23 Abdullah Ibrakovic im Oktober geholt hatten, waren wir nach elf Runden ohne Sieg. Da wurden wir schon als Fixabsteiger gehandelt. Im Frühjahr waren wir dann eine der besten Mannschaften. Das waren die schwierigsten Saisonen in der 2. Liga.
Die Trainer selbst haben den Wunsch geäußert, in ihre angestammte Position zurückzukehren. Petrovic wollte Akademieleiter werden, Grgic wartet auf den A-Lizenz-Kurs.
90minuten: Warum wurde die Reißleine so früh gezogen?
Fuchs: Die Trainer selbst haben den Wunsch geäußert, in ihre angestammte Position zurückzukehren. Petrovic wollte Akademieleiter werden, Grgic wartet auf den A-Lizenz-Kurs. Sie wollten das also.
90minuten: Es war nicht Michael Liendls Plan, jetzt Cheftrainer in der 2. Liga zu werden. Hatten Sie ihn aber dennoch immer im Kopf, wenn ein Trainer wegen Erfolg oder Misserfolg gewechselt werden muss?
Fuchs: Genau deshalb ist er ja bei uns. Ich habe das mit ihm im Vorfeld besprochen und meinte, er soll einmal in den Nachwuchs einsteigen. Dass es so schnell geht mit dem Cheftrainerposten, war auch von uns aus nicht geplant.
90minuten: Kapfenberg arbeitet wie andere Vereine dieser Spielklasse mit einem Investor zusammen. Da wurde zu Beginn vom Bundesliga-Aufstieg geredet, man ist auch gleich Dritter geworden. Letzte Saison dann 13., jetzt hat man null Punkte. Wie reagiert Panna Football Partners bzw. RTC Management darauf?
Fuchs: Ich möchte das einfach sagen: Wir sind im dritten Jahr der Partnerschaft. Es gibt eine Abmachung, dass sie auch dieses Jahr ein gewisses Investment tätigen.
90minuten: Was passiert nach den drei Jahren?
Fuchs: Geschäftsführer Robert Schäfer steht in der Verantwortung. Ich kann darauf keine Antwort geben, weil ich nicht weiß, was die Gruppe vorhat.
90minuten: Es werden jetzt keine Unsummen fließen. Erfolg kann man sich im Fußball zwar nicht eins zu eins kaufen, aber etwas mehr Geld macht den Unterschied zwischen Platz 13 und fünf aus?
Fuchs: Das kann man so sagen und ist erkennbar. Ich bin nicht in der Verantwortung, aber im ersten Jahr wurde mehr investiert als im zweiten. Mit Geld kann man schon große Schritte machen.
90minuten: Welche Rolle haben Sie eigentlich aktuell als Vereinspräsident?
Fuchs: Ich bin im Vereinsregister als Vereinspräsident angeführt. Dort steht auch Robert Schäfer. Es reichen ja zwei, drei Leute für die Führung. Aber eigentlich möchte ich mich aus der Verantwortung zurückziehen und beraten.
90minuten: Kapfenberg muss wie viele andere Klubs auf Investoren setzen. Sie haben schon öfters kritisiert, dass es schade ist, wenn sich die lokale Wirtschaft mit großen Unternehmen nicht einbringt. Warum ist das so?
Fuchs: Ich denke, das liegt daran, dass die Personen, die hier vor Ort sind, nicht das Pouvoir haben, derartige Entscheidungen zu treffen. Das war vor zehn, 15 Jahren vielleicht noch anders, die heute Verantwortlichen haben nicht mehr ihren Lebensmittelpunkt in Kapfenberg. Die Unternehmen haben zwar tausende Mitarbeiter in der Stadt, aber keinen Bezug zur Region und die Entscheidungen werden woanders getroffen. Das ist schon ein bisschen schmerzhaft.
90minuten: Freut es dennoch, dass sich große Unternehmen wie die voestalpine doch wieder einbringen?
Fuchs: Wenn uns die voestalpine nicht ganz vergessen würde, wäre das gut. Sie war ein guter Partner und es wäre den hier lebenden Mitarbeitern und Kindern gegenüber gut.
90minuten: Aber wie schätzen Sie nach 30 Jahren im Geschäft diese Entwicklung ein? Es geht kaum noch ohne externe Geldgeber.
Fuchs: Entweder es geht mit Sponsoren und eigenen Entwicklungen. Fußball ist ein Unternehmen und es gibt Klubs, die ohne Zuschüsse überleben können. Das ist aber zurzeit kaum machbar, weil die Lohnkosten sehr hoch sind. Mit einem Drei-Millionen-Euro-Budget wäre man in der Liga aber sehr stabil unterwegs. Alles, was unter zwei Millionen ist, ist eine Mammutaufgabe.
90minuten: 2024/25 beliefen sich die Erträge des KSV auf knapp 2,4 Millionen Euro. Daraus müssen jährlich noch die Akademiegebäude rückgezahlt werden, das beläuft sich auf 300.000 Euro.
Fuchs: Darum bauen wir ja auch unser negatives Eigenkapital weiter auf (Anm.: ca. 2,5 Millionen Euro). Wir müssen diese sechs Millionen Euro über Jahre zurückzahlen. Das ist buchhalterisch aber nicht darstellbar, weil wir nicht Eigentümer sind. Wir diskutieren das immer mit dem Steuerberater und es schaut sehr schlecht aus. Erst wenn der Baurechtsvertrag endet, fließt das in das Budget ein und beläuft sich auf sieben bis acht Millionen Euro.
Wir haben ihn mit 200.000 Euro bewertet, wenn er beim GAK gut performed, wird er ihnen wohl mehr als eine Million Euro einbringen. Der Unterschied ist schon sehr groß.
90minuten: Hat es dann einen Effekt, wenn das abbezahlt ist und positives Eigenkapital da ist?
Fuchs: Wir brauchen die Einnahmen nicht mehr für den Kredit, sondern können das Geld für andere Investitionen gebrauchen, auch wenn es bei Gebäuden zu Abschreibungen kommt. Aber noch müssen wir das auf zehn Jahre abbezahlen.
90minuten: Wie sieht es in Sachen Infrastruktur mit dem Stadion aus? Ohne Land ist der Aufstiegsplan aufgeschoben, weil das Alpenstadion nicht bundesligatauglich ist?
Fuchs: Das würde ich nicht so sagen. Wenn die sportliche Entwicklung sehr gut ist, wir einstellig wären und uns Richtung Aufstieg entwickeln, wird die Politik auch wieder mehr an uns denken. Wir brauchen keine Riesensummen. Um das Stadion sehr schön herzurichten, bräuchte es vier, vielleicht fünf Millionen Euro. Dann hätten wir ein tadelloses Stadion. Ich habe dem Land auch mitgeteilt, dass es dann eben neben Graz und Hartberg ein drittes bundesligataugliches Stadion geben würde. Wenn es notwendig ist, könnte man zu uns ausweichen. Das war beim GAK ja schon der Fall. Also könnte es einem schon etwas wert sein. Aber in der aktuellen Situation brauche ich daran nicht denken.
90minuten: Eine Einnahmequelle sind auch Transfers, im Idealfall von Eigengewächsen. Wenn man sich die letzten Transferperioden ansieht, kommen immer weniger Spieler aus dem Nachwuchs in die Kampfmannschaft. Dafür gibt es einen Neuzugang aus der zweiten Leistungsstufe des Senegals. Warum?
Fuchs: Babacar Diack steht uns noch nicht zur Verfügung, er wartet noch auf seine Arbeitsbewilligung. Wenn er eine gute Leistung bringt, passt das. Mich freut dann schon, dass ein Florian Flecker, der bei uns gespielt hat, für den LASK gegen Celtic das 4:4 geschossen hat. Wir bringen gute Leute in die höchste Liga und ins Ausland.
90minuten: Aber trotzdem gibt es viele Externe.
Fuchs: Im Kader stehen schon einige, es kommen immer viele zum Probetraining. Wenn ich mir aber unsere Startformationen ansehe, sehe ich sechs, sieben Spieler, die von uns ausgebildet wurden. Das fällt vielleicht auf den ersten Blick nicht auf, dass die alle aus der Region sind, aber in den 90er-Jahren sind viele Menschen aus Ex-Jugoslawien zu uns in die Region gekommen und das sind jetzt eben deren Kinder. Und natürlich kommt der eine oder andere mit 14 in die Akademie, aber das sind dann für mich auch Eigenbauspieler. Da sind wir auch ligaweit gesehen sehr gut unterwegs.
90minuten: Aber an irgendwas hakt es, die großen Transfers geschehen in Österreich aktuell mit Legionären. Hakt es an unserer Ausbildung?
Fuchs: In den letzten beiden Jahren haben wir für unsere Verhältnisse gute Transfers getätigt. Etwa David Heindl zu Bayern II oder Andreas Hofleitner zum GAK. Das sind junge Österreicher, die sich bei uns gut entwickeln. Darum haben wir auch einen relativ guten Ruf. Die großen Summen gibt es in der 2. Liga sowieso nicht. Nehmen wir Hofleitner her. Wir haben ihn mit 200.000 Euro bewertet, wenn er beim GAK gut performed, wird er ihnen wohl mehr als eine Million Euro einbringen. Der Unterschied ist schon sehr groß. Aber ich sage es auch ganz ehrlich, dass mir bei den fünf großen Klubs zu wenige Österreicher spielen.
90minuten: Woran liegt das?
Fuchs: Die Qualität fehlt, weil die ganz Guten schon sehr früh ins Ausland wechseln.
90minuten: Und die Österreicher sind nicht bereit, das für die laut Gewerkschaft im Median 2.200 Euro zu machen und spielen lieber um die PRAE und trainieren weniger?
Fuchs: Auch das spielt mit Sicherheit eine Rolle.
90minuten: Wird man das in den Griff bekommen oder liegt das an der Gestaltung der Ligen?
Fuchs: Das liegt genau daran und das wird sich auch nicht ändern. Der Mensch geht immer dort hin, wo der Widerstand gering ist und der Ertrag am höchsten ist. Wir haben auch einige, die studieren und wenn man dann nur von dem Fußballgeld leben muss, gehen sie Anfang 20 in die Regionalliga. Da geht auch viel Talent verloren.
Wenn wir uns darauf einigen könnten, dass beispielsweise zwei Jahre lang niemand auf- oder absteigt, könnten Zweitligisten drucklos arbeiten, junge Spieler und Trainer einbauen und man würde dadurch sehr viel Geld sparen.
90minuten: Wechseln wir auf eine höhere Ebene. Wenn man sich die Liga anschaut, gibt es grob gesprochen ein Drittel Zweitvertretungen, ein Drittel Investorenvereine und nur ein Drittel eigenständige Vereine. Möglicherweise ist die Liga mit 16 Mannschaften zu groß?
Fuchs: Aus heutiger Sicht ist sie nicht zu groß. Wir hatten Zehner- und Zwölferligen in der 2. Spielklasse. Ich bin mittlerweile ein Fan dieser Sechzehnerliga. Wir brauchen diese Stabilität. Die Zweitvertretungen und Liefering sind mit dabei. Für diese Klubs ist diese Liga eine super Ausbildungsplattform. Sie sind sehr zufrieden und wollen auch nichts ändern und die Zweitteams wieder in der Regionalliga antreten. Und wenn man sich die U17-WM ansieht, waren da doch einige Spieler dabei, die sich in dieser Liga entwickeln. Dafür werden wir auch von anderen Ländern gelobt.
90minuten: Ist es eigentlich angenehmer, wenn es einen Absteiger weniger gibt? Was müsste man denn nun tun?
Fuchs: Es gibt nur einen Hebel: Wenn es in der 2. Liga keinen Abstiegsdruck gäbe. Ich weiß nicht, wie es in den Regionen genau aussieht, aber aus der Regionalliga Ost wollen Mannschaften aufsteigen. Wenn die das nicht dürften, würde es einen Aufschrei geben. Wenn wir uns jedoch darauf einigen könnten, dass beispielsweise zwei Jahre lang niemand auf- oder absteigt, könnten Zweitligisten drucklos arbeiten, junge Spieler und Trainer einbauen und man würde dadurch sehr viel Geld sparen. Ich finde, das wäre doch einmal ein Denkanstoß – auch für die Regionalligen. Da werden 800.000, 900.000 Euro investiert, vielleicht kann man dann gar nicht aufsteigen; die anderen Klubs müssen dann aber auch mehr Geld investieren.
90minuten: Das heißt nichts am Format ändern?
Fuchs: Genau. Dann könnten auch wir vermehrt auf 16-, 17-Jährige setzen. Ein 22-Jähriger interessiert niemanden im Ausland. Die wollen Teenager.
90minuten: Wir danken für das Gespräch!
Georg Sohler