KSC-Trainer Max Senft: "Werde Kühbauer wieder die Hand hinhalten"
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KSC-Trainer Max Senft: "Werde Kühbauer wieder die Hand hinhalten"

Der Österreicher spricht im Interview über seinen Start in Karlsruhe, den Trainer-Zoff mit Kühbauer und Mut im Job.

Maximilian Senft ist der jüngste Export der österreichischen Trainer-Szene!

In Ried erfolgreicher Langzeit-Coach, nahm er im Sommer das Angebot an, den deutschen Zweitligisten Karlsruher SC wieder zu altem Ruhm und Glanz zu verhelfen.

Im Interview mit 90minuten erklärt er, wie es gelingen soll, einen Kult-Klub auf links zu krempeln.

Außerdem spricht er über den Trainer-Zoff mit Didi Kühbauer und Thorsten Lieberknecht, verrät sein Verhältnis zum Thema Mut und erläutert die Vorzüge des neuen Technischen Direktors von Rapid, Wolfgang Fiala, mit dem er lange ein kongeniales Erfolgs-Duo bildete.

90 Minuten: Welche sind die drei wichtigsten Charakter-Eigenschaften, die ein erfolgreicher Trainer braucht?

Maximilian Senft: (überlegt kurz) Ich würde sagen Empathie, Wahrnehmungsfähigkeit und Lernbereitschaft.

90minuten: Interessant, dass Mut nicht dabei ist. Dabei wirst du als mutiger Typ wahrgenommen, der sich auf gut Wienerisch nix sch…

Senft: Es ist ja immer schwierig, über seine eigenen Eigenschaften zu sprechen (schmunzelt). Ich würde sagen: Ich treffe meine Entscheidungen aus Überzeugung und mache mir nicht so viele Gedanken darüber, ob die jetzt populär sind oder nicht. Das macht sicher einen guten Trainer aus, und da kann ich mir von Trainerfüchsen wie Didi Kühbauer oder Peter Pacult sicher etwas abschauen. Ich finde es sehr beeindruckend, wie wenig die sich von äußeren Umständen beeinflussen lassen.

Bei jedem Klub muss man sich die Frage stellen, ob man der dortigen Erwartungshaltung gerecht werden kann.

Maximilian Senft über den KSC-Wechsel.

90minuten: Auf Didi Kühbauer kommen wir noch zu sprechen. Aber wie mutig war es, zu einem Klub wie dem Karlsruher SC zu wechseln, der gefühlt irgendwie noch Europacup-Teilnehmer und Bundesligist ist, aber seit 17 Jahren in der zweiten und sogar dritten Liga zu Hause ist?

Senft: Bei jedem Klub muss man sich die Frage stellen, ob man der dortigen Erwartungshaltung gerecht werden kann. Die große Geschichte dieses Klubs ist etwas, das mich positiv gestimmt hat, weil diese Tradition etwas ist, das dem Klub ganz viel Kraft geben kann. Und die brauchen wir für die wirklich großen Herausforderungen, die der angestrebte Kurswechsel mit sich bringt. Es bereitet mir Freude, dafür in der Verantwortung zu stehen.

90minuten: Die meisten Fans verbinden den KSC mit Heroen wie Oliver Kahn oder Mehmet Scholl oder mit Trainer-Legenden wie Winnie Schäfer oder Jogi Löw. Spürt man diese großen Namen?

Senft: Ja, durchaus, gerade Winnie Schäfer ist hier immer wieder in aller Munde, weil er eine einzigartige und herausragende Persönlichkeit ist, über die ich schon viele Anekdoten gehört habe. Auch bei ihm hört man immer wieder heraus, dass er einer ist, der seinen persönlichen Überzeugungen folgt.

90minuten: Du hast den Job im Sommer von Christian Eichner übernommen, der sechseinhalb Jahre Trainer und auch schon vorher im Verein etabliert war. Wie mutig ist es, sich auf solch eine Konstellation einzulassen, von der viele sagen, man könne dabei nur verlieren?

Senft: Ich fand es vielmehr bestärkend, dass mein Vorgänger die Mannschaft über einen so langen Zeitraum trainieren durfte. Gerade auf der Trainer-Position ist das Fußballgeschäft so kurzlebig und dynamisch geworden, dass mich dieser Fakt total bestärkt hat, den KSC zu übernehmen.

90minuten: Zumal du in Ried nach mehr als drei Jahren auch den Status Langzeit-Trainer hattest. Du hättest allerdings schon im vergangenen Winter zu Sturm Graz wechseln können. War es mutig oder clever, das Angebot abzulehnen?

Senft: (lacht) Ach Gott, dieser Transferwinter holt mich immer wieder ein… Im Winter kam es aus verschiedenen Gründen nicht zu einem Engagement bei Sturm Graz. Und ich denke, dass seitdem beide Seiten einen sehr guten Weg gegangen sind. Damit ist zu der Thematik alles gesagt.

Maximilian Senft und Nürnberg-Coach Miroslav Klose.
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Maximilian Senft und Nürnberg-Coach Miroslav Klose.

90minuten: Zurück zum KSC, wo es im Sommer auf mehreren Ebenen einen großen Umbruch gab. Es wurde kommuniziert, dass es einen Vier-Jahres-Plan gibt, an dessen Ende die Rückkehr in die Bundesliga steht. Mutig oder tollkühn?

Senft: Überzeugt ist das richtige Wort! Überzeugt von einer Klub-Strategie, die dann funktionieren kann, wenn alle gemeinsam den Weg konsequent gehen.

90minuten: Wie sehen die Eckpfeiler dieser Strategie aus?

Senft: Es gibt drei Bereiche. Der erste ist die komplette Veränderung der Kaderstruktur, was die Verjüngung betrifft. Der zweite Faktor ist eine Veränderung der Spielweise, damit sind die Verantwortlichen ja auch konkret an mich herangetreten. Und drittens die Veränderung der Arbeitskultur hin zur Schaffung einer High-Performance-Kultur. Da geht es einerseits darum, wie ausgiebig und intensiv wir miteinander arbeiten, aber gleichzeitig wollen und müssen wir auch entlastende Elemente schaffen, um eine gewisse Leichtigkeit zu erzeugen.

90minuten: Am meisten dürfte dich ja Punkt zwei tangieren. Wie kompliziert ist es, wenn man einen neuen Spielstil implementieren möchte, bei dem man vieles auf links dreht?

Senft: Erstmal ist es wichtig zu verstehen, welche Menschen vor einem stehen und diese dann von der Spielweise zu überzeugen. Natürlich haben wir auch Spieler, die über viele Jahre eine ganz andere Spielweise gewohnt waren, gerade unsere erfahrenen Profis. Da ist die Verständnisebene ein wichtiger Hebel. Warum machen wir das und wie können sie selbst davon profitieren? Gerade in den Phasen, in denen die Ergebnisse noch nicht stimmen, gilt es, dranzubleiben, ständig in der Kommunikation zu bleiben, die Dinge zu moderieren. Das ist das Wichtigste.

Meine Erfahrungen in Ried helfen mir in der aktuellen Phase sehr, weil ich die Dynamiken im Prozess der Veränderung einer Mannschaft selbst schon erlebt und am eigenen Körper erfahren und mir eingeprägt habe.

Maximilian Senft über das Thema Aufstieg.

90minuten: Am Ende des Planes soll der Aufstieg stehen. Wie hilfreich ist es, dass du genau diesen Schritt schon einmal mit Ried geschafft hast?

Senft: Meine Erfahrungen in Ried helfen mir in der aktuellen Phase sehr, weil ich die Dynamiken im Prozess der Veränderung einer Mannschaft selbst schon erlebt und am eigenen Körper erfahren und mir eingeprägt habe. Deswegen war die eine oder andere Situation, die wir aktuell erleben, für mich zu antizipieren. Auch die unterschiedlichen und zahlreichen Themen, die so ein Wandel mit sich bringt, sind mir somit nicht neu.

90minuten: Du sprichst damit den Saisonstart an. Ihr habt das erste Spiel gewonnen und seid im DFB-Pokal eine Runde weitergekommen, dann gab es aber fünf Spiele mit drei Heim-Niederlagen und zwei Remis. Der Trend hat dich nicht überrascht?

Senft: Ich hätte diese Spiele selbstverständlich lieber gewonnen, das ist klar. Nur damit nicht der Eindruck entsteht, mir sei das egal. Aber mir war bewusst, dass der Zeitpunkt kommt, an dem die Sichtbarkeit der Veränderungen größer wird und sich in den Ergebnissen widerspiegelt. Keiner weiß, wann der Prozess kommt, aber dass er kommt, ist klar. Das war in Ried nicht anders.

90minuten: Du hast großes Aufsehen erregt, als du vor dem heißen Derby gegen Kaiserslautern öffentlich darauf hingewiesen hast, dass sich manche FCK-Spieler gerne am Boden wälzen. Auch der gegnerische Trainer Thorsten Lieberknecht hat darauf etwas verschnupft reagiert. Eine bewusste Provokation nach dem Motto: Hey, wir sind mutig und trauen uns das?

Senft: Es war einfach eine Beobachtung, die nicht zu übersehen war. Und dementsprechend fand ich es wichtig, das auch dem Schiedsrichterteam mitzuteilen.  Alles in allem finde ich, dass die Schiedsrichter in Deutschland, vor allem auf sozialer Ebene, einen hervorragenden Job machen. Der Austausch ist sehr gut. Das kann ich an dieser Stelle gerne einmal erwähnen.

90minuten: Trotzdem die Nachfrage: Du hast es ganz bewusst als Zeichen gesetzt.

Senft: (schmunzelt) Rausgerutscht ist mir das bei der PK nicht…Ich wollte einfach ein offensichtlich bewusst gewähltes Mittel des Gegners sichtbar machen. Und es ist ja eine Stärke, wenn man auf clevere Art Fouls des Gegners zieht, ich habe also in Wahrheit nur auf eine Stärke der Lauterer hingewiesen und wollte gleichzeitig eine gewisse Sensibilisierung herbeiführen.

Ich wollte ihm damals die Hand geben, ich werde sie ihm auch weiterhin hinhalten. Ob er dann einschlägt oder nicht, liegt an ihm.

Maximilian Senf über Didi Kühbauer.

90minuten: Viele in Österreich haben sich an deinen Disput mit LASK-Coach Didi Kühbauer erinnert gefühlt, der nach dem Pokal-Halbfinale im März dieses Jahres meinte: Ihm, Max Senft, gebe ich nie wieder die Hand! Gilt das noch?

Senft: Das weiß ich nicht, das musst du den Didi fragen. Ich wollte ihm damals die Hand geben, ich werde sie ihm auch weiterhin hinhalten. Ob er dann einschlägt oder nicht, liegt an ihm. Ich finde, er macht ganz offensichtlich einen herausragenden Job beim LASK. Es hätte sich ja kaum jemand gedacht, dass die Linzer in der Champions League so reüssieren.

90minuten: Du hast ihn, wie auch Peter Pacult, zu Beginn des Gesprächs als Trainer genannt, von denen du dir etwas abschauen kannst.

Senft: Absolut richtig! Die Beiden stehen für eine Unbeirrtheit auf ihrem Weg. Das ist total wichtig in einem Geschäft, in dem oft Kritik geäußert wird, was ja auch okay ist. Aber sie leben das vor, davon kann ich absolut etwas lernen.

90minuten: Wir stehen am Ende einer XXL-Pause, die es in der Form noch nicht gab. Warst du wegen des Negativ-Trends froh, dass ihr mal resetten konntet? Oder hättest du lieber schnell weitergemacht, um den Turnaround zu schaffen?

Senft: Es hat sich bestätigt, dass den Spielern nach dieser intensiven Startphase, die wir miteinander hatten, eine kleine Pause guttun würde. Gerade in einer Hochleistungskultur ist es wichtig, Regeneration und Entlastung nicht zu vernachlässigen. Aber natürlich war es auch unangenehm, nach der letzten Niederlage so lange warten zu müssen, bis du wieder die Chance hast, es besser zu machen. Das ist ja das große Privileg von uns Fußballern, dass wir es schnell wieder geraderücken können. Und bis zum Spiel beim FC St. Pauli ist es ja nicht mehr lange hin (Anm.: Sonntag, 13.30 Uhr).

Maximilian Senft und Wolfgang Fiala arbeiteten lange erfolgreich zusammen in Ried.
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Maximilian Senft und Wolfgang Fiala arbeiteten lange erfolgreich zusammen in Ried.

90minuten: Noch einen Blick zurück nach Ried, wo du mit Sportchef Wolfgang Fiala ein kongeniales Erfolgs-Duo gebildet hast. Nun kam auch er den Riedern abhanden und ist Technischer Direktor bei Rapid. Überrascht?

Senft: Wenig. Durch unsere Erfolge in Ried wurde die gute Arbeit von Wolfgang sichtbar. Es freut mich, dass er eine neue Aufgabe gefunden hat, mit der er sich total identifizieren kann.

90minuten: Was macht ihn zu einem guten Sportchef?

Senft: Aus meiner Sicht sein ganzheitlicher Blick auf die Dinge. Er versteht einerseits, was für einen Einfluss die Jugendarbeit auf die Identität eines Clubs hat, kennt aber genauso gut das beinharte Profigeschäft. In einer Managementrolle diese beiden Elemente zu verbinden, kann er richtig gut.

90minuten: Du hast zu Beginn Lernbereitschaft als eine wichtige Eigenschaft genannt. Was waren deine größten Learnings aus den ersten Monaten beim KSC?

Senft: Ich kann es auf die Bereiche münzen, in denen wir die größten Veränderungen hatten. Beim Kader habe ich gelernt, wie entscheidend es ist, Spieler dazu zu bekommen, die nicht nur die fußballerischen und physiologischen Parameter mitbringen, sondern sich auch über ihre Persönlichkeit mit dem eingeschlagenen Weg identifizieren können. Das ist uns gut gelungen. Auf Ebene der Spielweise würde ich die Wichtigkeit von Resilienz in schwierigen Phasen hervorheben. Gerade wenn es heikel wird, fällt eine Mannschaft in ihre alten Muster zurück, dem muss man entgegenwirken. Und das dritte Learning betrifft die Veränderung der Arbeitskultur, wo man gut beobachten und ständig im Austausch sein muss, um am Ende nicht zu starr zu agieren und laufend die passenden Anpassungen zu wählen.

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