Katzer optimistisch: "Überzeugt, dass der Erfolg kommt"
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Katzer optimistisch: "Überzeugt, dass der Erfolg kommt"

Nach Robert Klauß im April 2025 trennte sich der SK Rapid im November auch von Peter Stöger. Geschäftsführer Sport Markus Katzer sieht aber Grund zur Hoffnung.

Am 1. Jänner 2023 trat Markus Katzer den Posten als Geschäftsführer Sport beim SK Rapid an. Es ist neben dem Trainerposten bei den Hütteldorfern einer der schwierigsten Jobs im heimischen Fußball.

Denn der letzte Titel liegt bekanntlich schon so lange zurück. Wie lange? Bei Rapid II ist mit Kenny Nzogang mittlerweile ein Spieler gelistet, der kurz nach dem Meistertitel 2008 geboren ist. Manche Fans kennen Meisterfeiern nur vom Hörensagen. Entsprechend groß ist der Erfolgshunger im gesamten Klub.

Bemisst man Erfolg nur an Titeln, müsste eigentlich schon Katzers Stuhl wackeln. Auf der Habenseite steht beispielsweise die Rückkehr in die Europacup-Hauptrunde 2024/25 inklusive Conference League-Viertelfinale. Wirtschaftlich spülten Jansson und Sangaré Millionen in die Kassen. Auf der anderen Seite stehen mittlerweile drei Trainerentlassungen. Zuerst ging Barisic, dann sein Nachfolger Robert Klauß. Der im Sommer gekommene Peter Stöger ist ebenfalls schon wieder Geschichte. Dazwischen wirkte Stefan Kulovits interimistisch.

Viel wichtiger ist aber bei Rapid die innere Entwicklung. Das Loslösen von festgefahrenen Strukturen, das Ankommen im 21. Jahrhundert. Hierbei sieht sich Katzer auf einem guten Weg, wie er beim Mediaday zum Auftakt der Rückrunde gegenüber 90minuten im Exklusivinterview betont.

90minuten: Der Herbst war wieder einmal aufregend. Wie haben Sie ihn erlebt?

Markus Katzer: Die letzten zwei, drei Monate des Herbstes waren einfach mühsam, weil wir keine guten Ergebnisse hatten, sowie die Entwicklung von Spielern und Mannschaft nicht gepasst hat. Dabei greift das eine ins andere: Ein Spieler entwickelt sich nicht, dadurch leidet die Mannschaft. Darum haben wir den Trainerwechsel durchgeführt.

Wir haben Peter Stöger nicht mehr zugetraut, das Ruder rumzureißen. Der Wechsel zu Stefan Kulovits hat schlussendlich leider nicht den gewünschten Impuls gebracht. Mit einem Sieg in die Winterpause zu gehen, wäre schon besser gewesen, als in der 93. Minute durch ein Eigentor 1:1 zu spielen.

Ein Hobby werden Trainerentlassungen nie. Genauso wenig wie die Suche nach neuen Trainern. Letzteres ist aber angenehmer, als jemandem nach kurzer Zeit sagen zu müssen, dass es nicht mehr weitergeht.

Markus Katzer

90minuten: Was macht den neuen Coach Johannes Hoff Thorup aus?

Katzer: Wir haben uns mit der Entscheidung extrem lange Zeit gelassen. Wie immer haben wir sie sehr bewusst getroffen. Johannes Hoff Thorup ist sehr akribisch, ein sehr professionelles Umfeld gewohnt. Das bringt er mit ein. Er hat viele neue Ideen, die wir umsetzen können und wollen. Der erste Eindruck ist sehr positiv. 

90minuten: Was erwarten Sie von den ersten Spielen?

Katzer: Man sieht, dass wir im Ballbesitz Schritte nach vorne gemacht haben. Im letzten Vorbereitungsspiel waren wir schon viel zielstrebiger. Letztlich weiß man nie, wie man rein startet.

90minuten: Sie mussten innerhalb von nicht einmal neun Monaten den zweiten Trainer vor die Tür setzen. Wie gehen Sie damit um?

Katzer: Naja, ein Hobby werden Trainerentlassungen nie. Genauso wenig wie die Suche nach neuen Trainern. Letzteres ist aber angenehmer, als jemandem nach kurzer Zeit sagen zu müssen, dass es nicht mehr weitergeht. Ich weiß natürlich, dass es immer heißt, Vereine sollten länger an Trainern festhalten. Trotzdem trage ich als Geschäftsführer Sport eine Verantwortung.

Wenn ich dem Trainer keine Entwicklung mehr zutraue oder nicht glaube, dass er alles in eine positive Richtung lenken kann, bin ich zum Handeln gezwungen. Ich möchte betonen: Peter Stöger ist menschlich top und ein guter Trainer. Aber letztlich haben wir eben gemerkt, dass es aus welchen Gründen auch immer nicht mehr passt. 

Die Dynamik stimmt bei Johannes Hoff Thorup schon einmal
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Die Dynamik stimmt bei Johannes Hoff Thorup schon einmal

90minuten: Trainer haben immer viele Aufgaben: Sie sollen sportlichen Erfolg haben, die Spieler und die Mannschaft weiterentwickeln. Sie trauen das jüngeren Trainern eher zu?

Katzer: Wir sind davon ausgegangen, dass Peter mit seinen Management- und Teambuilding-Fähigkeiten in Kombination mit dem Trainerteam zu unserem modernen Weg passt. Robert Klauß war der erste Schritt, mit Johannes gibt es da einen ähnlichen Trainer, der akribisch ist, klare Vorstellungen hat und an viele Dinge denkt, die heutzutage notwendig sind.

90minuten: Kolportiert wurden auch heimische Namen wie Philipp Semlic oder Maximilian Senft. War es notwendig, so weit ins Ausland zu schauen?

Katzer: Es ist einmal wichtig, dass wir alle im 21. Jahrhundert ankommen. Die Welt ist globalisiert und es ist normal, Englisch zu sprechen. Wir stecken in dem Zusammenhang manchmal noch in der Vergangenheit fest, denken, dass der Trainer Österreicher sein muss. Es muss aber der beste, der verfügbar ist, sein. Wir haben uns mit vielen Trainern auseinandergesetzt, auch aus Österreich – und Hoff Thorup war dann die beste Option.

Die Strukturen waren lange festgefahren, die können nicht innerhalb kurzer Zeit aufgebrochen werden. Jetzt sind die Voraussetzungen besser denn je, um den Verein wieder nach oben zu führen.

90minuten: Abseits des sportlichen Erfolges ist Rapid intern im Umbruch. Inwiefern ist der Verein nun anders aufgestellt als zu Ihrem Amtsantritt im Jänner 2023?

Katzer: Aktuell gibt es ein Setting, das es zuvor noch nicht gab. Mit Daniela Bauer haben wir eine kompetente Geschäftsführerin Wirtschaft für uns gewinnen können, die auch den Teamspirit lebt. Dass das Präsidium erstmals für vier Jahre gewählt ist, bringt zusätzlich Stabilität und es hat uns im letzten Jahr mit Sicherheit geholfen, dass es nicht auch noch einen Wahlkampf gab.

Doch es ist alles ein Prozess. Die Strukturen waren lange festgefahren, die können nicht innerhalb kurzer Zeit aufgebrochen werden. Jetzt sind die Voraussetzungen besser denn je, um den Verein wieder nach oben zu führen. Denn am Ende geht es darum, Möglichkeiten zu schaffen, Erfolg zu haben und diese Struktur soll genau das ermöglichen.

90minuten: Wie viel Zeit mussten Sie in den letzten Monaten nach "innen" aufwenden?

Katzer: Umso weniger man sich um Dinge kümmern muss, die nicht zum Tagesgeschäft gehören, desto leichter ist selbiges. 

90minuten: Auf mich wirkt der Verein trotz des turbulenten letzten Jahres ruhiger, vielleicht sogar resignativ. Wie erleben Sie es?

Katzer: Rapid ist immer sehr präsent. Fakt ist aber, dass es manchmal Rückschläge braucht, um zu wachsen. Man lernt aus jeder schlechten Entscheidung, und wir haben aus der Vergangenheit unsere Schlüsse gezogen. Die Stimmung bei den Fans war zuletzt verständlicherweise zwar nicht gut, aber sie zeigen Geduld. Sie sehen, dass auch positive Dinge geschehen. Aber klar ist, dass wir es noch nicht geschafft haben, Konstanz und Nachhaltigkeit ins Spiel zu bekommen. Ich bin davon überzeugt, dass der Erfolg kommt, wenn wir gut arbeiten und der gesamte Verein geschlossen auftritt. Resignativ sind wir mit Sicherheit nicht!

90minuten: Wir danken für das Gespräch!


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