Am 20. Spieltag der abgelaufenen Saison der ADMIRAL 2. Liga war der SKU Amstetten Tabellenführer. Und das, obwohl man mit einem Budget von 2,6 Millionen Euro alles andere als die finanziellen Möglichkeiten der Aufstiegsaspiranten hat.
Der SKN St. Pölkten schloss 2024/25 mit Erträgen in der Höhe von knapp vier Millionen ab, die Vienna mit 6,4 Millionen, die Admira mit knapp acht Millionen.
Aber Geld ist nicht alles: Scheiterten diese Aufstiegsaspiranten doch an Austria Lustenau (4,3 Mio. Euro) und mussten sich von den Niederösterreichern auf der Nase herumtanzen lassen.
Seit die Amstettner 2018/19 Teil der ADMIRAL 2. Liga sind, war es am Ende nur einmal brenzlig - in der Saison 2023/24. Nach einem katastrophalen Saisonstart hatte man mit Patrick Enengl nicht nur einen erst 28 Jahre alten Trainer installiert, sondern auch ein neues Spielsystem implementiert.
Die Liga hielt man nur, weil Leoben und Dornbirn keine Zulassung erhielten und aus den Regionalligen nur zwei Klubs aufstiegen. Seitdem lauteten die Endplatzierungen sieben, sechs und vier. Enengl wechselte im Sommer zur Vienna, die im Gegensatz zum SKU aufsteigen will.
Geschützte Werkstatt?
"Die Bundesliga ist hier von der Wirtschaft und Infrastruktur her nicht möglich", sagte Vorstand Harald Vetter nämlich schon vor einem Jahr.
Abgesehen von der einen Ausnahme-Saison ist Amstetten aber ein gutes Umfeld ohne Abstiegsnot. Hier können sich Spieler entwickeln.
Ich habe schon mit 19 Jahren im Nachwuchsbereich angefangen zu coachen, war dann LAZ-Leiter in Linz, Talente-Coach beim LASK, Co-Trainer und auch als Analyst tätig. Es hat mir geholfen, viele verschiedene Tätigkeiten in diesem Bereich kennenzulernen und auszuüben.
Alleine im laufenden Transfersommer schlugen mit dem GAK (Matthias Gragger), Austria Lustenau (Niklas Pertlwieser) und dem SCR Altach (Yanis Eisschill) drei Bundesligisten im Mostviertel zu. Geht es nach dem Verein, soll diese Quote so bleiben.
An der Seitenlinie in der Verantwortung ist nun der 44-jährige Andreas Gahleitner.
Nach Stationen im oberösterreichischen Unterhaus arbeitete der Welser von 2018 an in verschiedenen Positionen beim ÖFB, vornehmlich als U21-Co-Trainer, sowie von 2020 bis 2022 beim LASK. Von 2022 an war er Co-Trainer bei Blau-Weiß Linz. Die Bestellung zum Cheftrainer bei Amstetten ist seine erste Cheftrainer-Position im Profifußball.
90minuten hat mit ihm kurz vor dem Saisonstart – ein Sieg, ein Remis stehen mittlerweile zu Buche – gesprochen.
90minuten: Der SKU Amstetten ist Ihre erste Cheftrainer-Position im Profifußball. Wie fühlt sich das an?
Andreas Gahleitner: Es ist eine coole Herausforderung, die ich ursprünglich nicht geplant hatte. Ich war Co-Trainer bei Blau-Weiß Linz und der U21 und jetzt hat es sich einfach richtig angefühlt.
90minuten: Wie geht man eine Trainerkarriere generell an?
Gahleitner: Ich denke, man spürt einfach, was Spaß macht. Ich habe schon relativ früh, mit 19 Jahren, im Nachwuchsbereich angefangen zu coachen, war dann LAZ-Leiter in Linz, Talente-Coach beim LASK, Co-Trainer und auch als Analyst tätig. Es hat mir geholfen, viele verschiedene Tätigkeiten in diesem Bereich kennenzulernen und auszuüben. Zudem habe ich Sportwissenschaften studiert und habe mich dabei viel mit Trainingslehre beschäftigt.
90minuten: Ist es als Trainer vielleicht sogar angenehmer, wenn man einen Verein hat, der aufgrund der vorhandenen Spielerqualität wahrscheinlich weder mit dem Abstieg noch mit dem Aufstieg zu tun hat? Ist das ein bisschen eine "geschützte Werkstatt"?
Gahleitner: Als "geschützte Werkstatt" würde ich es nicht bezeichnen. Natürlich gibt es nicht den Druck, unbedingt aufsteigen zu müssen, weil es ohnehin nicht möglich ist. Wir legen aber großen Wert auf Spielerentwicklung. Wir haben in der Sommer-Transferperiode drei Spieler in die Bundesliga verkauft, darüber definieren wir uns. Durch diese Transfers gelingt es uns wiederum, gute Spieler mit großem Potenzial zu holen, die in den nächsten Jahren den Sprung schaffen können.
90minuten: Unterscheiden sich die Ziele der Spieler bei den Arbeitgebern zwischen Bundesliga und 2. Liga?
Gahleitner: Wahrscheinlich. Aber ein junger Spieler möchte sich immer weiterentwickeln und den nächsten Schritt machen. Aus der 2. Liga ist das vorrangige Ziel, in die Bundesliga zu kommen. Spieler, die dort gute Leistungen bringen, wollen vielleicht ins Ausland gehen. Am Ende des Tages ist es zwar eine andere Ebene, aber es geht um dasselbe: Die Spieler wollen sich grundsätzlich weiterentwickeln. Jedoch funktioniert das nicht bei jedem Spieler gleich schnell. Wir haben aktuell einige gute junge Kicker im Kader, die schon Erfahrungen bei Nachwuchs-Nationalteams gesammelt haben und weiter ihre nächsten Entwicklungsschritte machen werden.
90minuten: Wie will Amstetten die Liga taktisch angehen? Der Vorgänger setzte auf Pressing – soll sich daran etwas ändern?
Gahleitner: Ich bin, so wie Patrick es im vergangenen Jahr war, ein Verfechter von "Pressingfußball". Und grundsätzlich ist Amstetten mit dieser Art und Weise, Fußball zu spielen, sehr erfolgreich gewesen. Natürlich hat jeder Trainer im Detail seine eigenen Ansichten. Was die Entwicklung der Spieler betrifft, ist es ganz wichtig, dass sie sich einerseits über die Spiele und andererseits über intensives Training körperlich weiterentwickeln. Das ist oft der größte Schritt, den die Spieler machen müssen, um sich in der Bundesliga etablieren zu können.
Wenn man sich den internationalen Fußball anschaut, gibt es viele Mannschaften, die auf Pressing und hohes Anlaufen setzen. Spanien hat bei der WM für mich Pressing- und Ballbesitzfußball unglaublich gut miteinander verbunden. Das ist wirklich schön anzuschauen. Das können aber nicht alle Mannschaften, weil die wenigsten Spieler beides können. In der 2. Liga ist es oft so, dass du entweder ein guter Pressingspieler bist oder ein guter Fußballspieler. Die Spieler, die beides können, sind dann ohnehin schnell woanders.
Wir möchten zeigen, dass beim SKU Amstetten kontinuierlich gute Arbeit geleistet wird, in der Hoffnung, dass in naher oder mittelfristiger Zukunft politisch etwas in Bewegung kommt.
90minuten: Hilft dabei Ihre Erfahrung bei den Nationalteams in Kombination mit dem Sportwissenschaftsstudium, gerade bei der Trainingssteuerung?
Gahleitner: Ich war auch bei Blau-Weiß eine Zeit lang mitverantwortlich für die Trainingssteuerung. Ich denke, dass jede Erfahrung, egal auf welcher Ebene, dir hilft, ein umfassenderes Wissen aufzubauen. Ich habe das Glück gehabt, schon viele Erfahrungen in unterschiedlichen Aufgabengebieten sammeln zu dürfen. Ich denke, das hilft mir in meiner aktuellen Rolle als Cheftrainer sehr.
90minuten: Wenn wir uns die Liga anschauen: Ein Drittel kann sich die Bundesliga vorstellen, bei einem weiteren Drittel steht die Spieler-Entwicklung im Vordergrund, etwa bei den Zweier-Teams. Wie geht man damit um, wenn man zu dem Drittel in der Mitte gehört – als eigenständiger Verein, der mit Auf- und Abstieg wahrscheinlich wenig zu tun hat?
Gahleitner: Wir wollen uns als niederösterreichischer Verein einfach gut positionieren und regelmäßig gute Ergebnisse erzielen. Wir möchten zeigen, dass beim SKU Amstetten kontinuierlich gute Arbeit geleistet wird, in der Hoffnung, dass in naher oder mittelfristiger Zukunft politisch etwas in Bewegung kommt. Im Stadion gibt es schon Möglichkeiten, gewisse Dinge zu adaptieren, um es bundesligatauglich zu machen. Wenn man regelmäßig gute Leistungen abliefert, kann man solche Dinge schon ankurbeln.
90minuten: In der 2. Liga kann es immer wieder passieren, dass sich die Auf- und Abstiegsszenarien ändern. Ist das etwas, das bei Ihrer Arbeit eine Rolle spielt?
Gahleitner: Das habe ich eigentlich gar nicht im Kopf. Ich konzentriere mich auf das, was wir beeinflussen können. Wenn wir uns über Szenarien unterhalten, die vielleicht eintreten und einem helfen könnten, visiert man so etwas vielleicht sogar unbewusst an. Das möchte ich auf keinen Fall. Wir wollen uns schnellstmöglich entwickeln, als Mannschaft gut zusammenwachsen und so gut es geht performen.
90minuten: Die Mannschaft ist im Schnitt noch etwas jünger geworden. Macht das die Aufgabe nicht schwieriger, weil junge Spieler ihre Leistungen oft weniger konstant abrufen als ältere?
Gahleitner: Ja, wir haben den Kader deutlich kleiner und etwas jünger gemacht. Das hat natürlich auch finanzielle Hintergründe. Andererseits geht es ohnehin darum, Spieler zu entwickeln. Einen jüngeren Spieler kann man klarerweise eher verkaufen als einen älteren. Wir haben trotzdem eine extrem gute und routinierte Achse gehalten. Das ist wichtig.
90minuten: Was passiert mit Spielern, die in der 2. Liga keinen Vertrag mehr bekommen?
Gahleitner: Damit habe ich mich jetzt noch nicht intensiv beschäftigt, aber klar ist: Wenn du in der 2. Liga Profi bist und keinen Vertrag mehr bekommst, ist das bitter, weil du wahrscheinlich deine Profi-Träume aufgeben musst. Wenn ich mir allerdings die Gehälter in der 2. Liga anschaue, sind manche Spieler vielleicht ohnehin besser bedient, wenn sie einen Schritt weiter nach unten gehen und zu arbeiten beginnen.
90minuten: Müsste man da irgendwo nachjustieren? Es kann ja eigentlich nicht sein, dass man in der dritten beziehungsweise vierten Liga teilweise mehr verdient als in der zweiten Bundesliga.
Gahleitner: Was man so mitkriegt, ist es in der 2. Liga wirtschaftlich nicht so einfach. Als junger Spieler muss man meiner Meinung nach schon das Ziel haben, den nächsten Schritt zu machen, und man sollte die 2. Liga als Plattform betrachten. Rein aus finanzieller Sicht muss man sich schon überlegen, ob man das weitermacht oder sich nicht lieber auf einen anderen Beruf konzentriert und vielleicht hobbymäßig oder semiprofessionell in der Regionalliga oder Landesliga spielt.
90minuten: Zum Abschluss: Das Ziel ist ungefähr, so wie im vergangenen Jahr zu performen – was den Tabellenstand und den Fußball betrifft. Gibt es darüber hinaus noch weitere Ziele?
Gahleitner: Für mich ist in erster Linie wichtig, dass die neuen Spieler gut integriert werden und wir zu einem harmonischen Team zusammenwachsen. Auch im Hinblick auf die Spielphilosophie. Die Spieler müssen gerade jetzt in der Anfangsphase schnell die Anforderungen auf der jeweiligen Position erfüllen. In weiterer Folge geht es darum, dass wir wieder zwei, drei, vier Spielern den Schritt in die Bundesliga ermöglichen können – oder vielleicht sogar ganz woanders hin.
90minuten: Wir danken für das Gespräch!
Georg Sohler