Um 2,7 Millionen neue Follower wuchs die ADMIRAL 2. Liga in diesem Sommer.
Allerdings geschah das nicht durch dazugekommene Abos bei den eigenen Social-Media-Kanälen von LigaZwa. Es hängt viel eher mit nur zwei Personalien zusammen: Billy-Bob Bracher (18) und Dredon Kelly (29).
Der kanadische Verteidiger kam aus Australien zu Schwarz-Weiß Bregenz, während Torhüter Bracher bei der Kapfenberger SV erstmals einen Profivertrag unterschrieb. 90minuten hat mit den Co-Trainern und Klub-Bossen von Kapfenberg und Bregenz über die neuen Social-Media-Stars der Liga gesprochen.
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In erster Linie steht das Sportliche im Vordergrund
"Grundsätzlich blicken wir auf das Sportliche und das Potenzial - das hat er", erzählt KSV-Geschäftsführer Robert Schäfer über Bracher. Dass Kelly über eine große Social-Media-Bekanntheit verfügt, war für Bregenz laut Obmann und Präsident Thomas Fricke "zweitrangig".
Nichtsdestotrotz wollen beide Vereine die Online-Präsenz der Neuzugänge nutzen. Oder tun dies bereits.
Der 18-jährige Bracher übernimmt sogar eine Doppelrolle in Kapfenberg.
Neben seinen Aufgaben auf dem Feld kümmert sich der trotz seines jungen Alters erfahrene Content Creator um den Social-Media-Auftritt des Klubs.
"Er geht da die Extrameile, ist administrativ und organisatorisch auch dabei", meint Schäfer. Bracher bringe eine spannende Mixtur mit.
Der KSV verpflichtete mit ihm nicht nur einen talentierten Torhüter aus dem deutschen Unterhaus mit zahlreichen Followern. "Er hat die vietnamesische Staatsangehörigkeit - und ist auch im Fokus von Vietnam (102 Mio. Einwohner, Anm.) für die Nationalmannschaft", so Schäfer.
Matchday-Vlog von Bracher:
Schon vor elf Jahren erschien das erste Video auf dem YouTube-Kanal "Billy Bob Bracher". Sein Vater lud Highlights des damals sechsjährigen Torhüters hoch. Dieser Clip hat mittlerweile vier Millionen Aufrufe auf YouTube. Sein meistaufgerufenes Video hat 22 Millionen Views.
Nicht nur reine Highlight-Videos sind auf dem Channel zu sehen, auch Kooperationen mit den ehemaligen Weltklasse-Spielern Toni Kroos und Keylor Navas. Aktiver ist Bracher mittlerweile auf Instagram und TikTok, wo er seine Fans in den Alltag eines Torhüters mitnimmt.
Brachers Content ist komplett auf das Thema Fußball ausgelegt.
Lifestyle statt Fußball
Dredon Kelly ist elf Jahre älter als Bracher und startete erst fünf Jahre später mit Social Media.
Der Kanadier ist zwar Fußballer, sein Content geht aber in die Richtung Lifestyle, Fashion oder Comedy - und läuft durchaus erfolgreich. Allein auf TikTok hat er 1,8 Millionen Follower, insgesamt wurden seine Videos 84 Millionen Mal geliked.
Zuerst gar nicht am Schirm
Im Gegensatz zum KSV wusste man in Bregenz anfänglich noch gar nichts von der großen Reichweite des Neuzugangs.
Fricke, neben seinen Tätigkeiten als Obmann und Präsident auch Geschäftsführer Wirtschaft/Administration bei Schwarz-Weiß, erklärt: "Der Spieler kam über Takashi Okuri (neuer Geschäftsführer Sport, Anm.). Das Social-Media-Thema hatten wir gar nicht im Blick."
Im Marketing wurde Kellys "Nebenberuf" schnell ein Thema. So wird der Neuzugang auch im neuen Panini-Sammelalbum auftauchen. Jeder LigaZwa-Klub kann nämlich drei Spieler auswählen, die es ins Album schaffen.
Eine Beteiligung am Social-Media-Auftritt des Klubs ist ebenso angedacht. "Wir haben darüber nachgedacht. Explizit wurde mit ihm aber noch nichts besprochen. Die Marke SW Bregenz wollen wir natürlich besser positionieren - das können wir uns mit ihm als Gesicht vorstellen."
Der "Zehnkämpfer" bringt mehr weibliche Fans ins Stadion
"Natürlich hat Kelly weltweit eine riesige Präsenz für die Marke, aber eine Präsenz hat er auch auf dem Feld. Da fragt man sich schon: Ist das jetzt ein Zehnkämpfer oder ein Fußballer?", so Fricke.
Auswirkungen auf die Online-Kanäle von Bregenz hatte die Verpflichtung noch nicht. Dafür merkt man seinen Einfluss im Stadion, wie Co-Trainer Murad Gerdi erzählte: "Auf jeden Fall sind jetzt mehr weibliche Gäste, junge Frauen im Stadion (lacht)."
Allzeithoch bei Kapfenberg
Anders als in Bregenz wirkt sich die Verpflichtung eines Social-Media-Stars bei den Kapfenbergern schon positiv auf die Online-Kanäle aus. Der KSV hat nicht nur mehr Follower als je zuvor, liegt auch im Liga-Vergleich vorne.
"Wir sehen das auch bei Interaktionen, Impressionen - alle Bereiche sind auf einem 'All Time High'", betont Geschäftsführer Schäfer.
Für Kapfenberg ist so ein Transfer nicht komplett neu. 2024 nahm der LigaZwa-Klub Kemal Eren unter Vertrag, der Deutsche gewann die YouTube-Show "Find the Pro". 14 Jahre zuvor verpflichtete der Klub mit Dominik Scherr den Sieger der Puls4-Sendung "Austria's new Footballstar".
"Das merken wir, aber auch andere"
Schäfer und sein Team erkennen also den Wert von Spielern auch außerhalb des Rasens. Wohl schon länger als viele Konkurrenten. "Wir waren vielleicht ein bisschen Pioniere, was das angeht. Es hat eine internationale Relevanz – das bekommen wir mit", sagt Schäfer.
Wird das sogar zum Trend in der 2. Liga? Unklar, der Kapfenberg-Geschäftsführer weiß aber zumindest: "Diese Plattform LigaZwa wird immer bedeutender. Das merken wir, aber auch andere."
Jonas Pamperl