"Dass wir uns vom Ferdl getrennt haben, war rein dem Ergebnis geschuldet"

"Dass wir uns vom Ferdl getrennt haben, war rein dem Ergebnis geschuldet"

Der GAK hat beim SK Rapid mit 0:8 verloren, Trainer Ferdinand Feldhofer musste gehen. Ein im Fußball recht logischer Schritt - aber die Rotjacken hätten ihn schon öfters vor die Tür setzen können. Was war da los, Rene Ziesler?

Von außen betrachtet droht der GAK auch im dritten Jahr in der ADMIRAL Bundesliga nicht vom Fleck zu kommen.

Das 0:8 in Wien-Hütteldorf ließ dann die Alarmglocken so laut schrillen, dass Trainer Ferdinand Feldhofer gehen musste. Der ehemalige Blau-Weiß-Linz-Coach Gerald Scheiblehner übernahm, nachdem sein Engagement beim Grasshoppers Club in Zürich im März beendet wurde.

Nach außen zu vertreten haben diese Entscheidungen Interimssportchef Andreas Lienhart sowie Präsident Rene Ziesler. Dieser nahm sich ausführlich Zeit, mit 90minuten über den Trainerwechsel, den neuen Trainer, Druck im Abstiegskampf und Magenschmerzen zu sprechen.

90minuten: Fangen wir mit einem Rückblick an. Wir sind beide alt genug, um uns an weitaus schlimmere GAK-Zeiten als die letzten Jahre zu erinnern. Wie schlimm wäre ein Abstieg zu Saisonende letztes Jahr gewesen?

Rene Ziesler: Emotional wäre das natürlich sehr schlimm gewesen, finanziell ist ein Abstieg auch nie gut. Wir wissen aus unserer eigenen Erfahrung, dass die 2. Liga wirtschaftlich schwierig ist. Allerdings muss jeder Bundesligist im Zuge der Lizenzierung ein zweites Budget abgeben und das haben wir natürlich gemacht.

90minuten: Weil Sie das ansprechen: Wie resilient wäre der GAK gegenwärtig? Ried gab sich einen Zweijahrsplan, wenn der nicht aufgegangen wäre, hätte man finanziell Einschnitte vornehmen müssen. Blau-Weiß Linz versucht es nun auch mit einem raschen Wiederaufstieg.

Ziesler: Gott sei Dank muss ich mich mit der Frage nicht auseinandersetzen. (denkt nach) Ich kann das nicht so genau sagen, weil es von vielen Faktoren abhängen würde. Wenn man so ein Ziel eines Wiederaufstiegs ausgibt, hat man eben nur begrenzt Zeit. Schafft man es nach zwei Jahren nicht, muss man sich andere Wege suchen. Wir als GAK hatten damals ja auch nachweislich nicht das größte Budget, sondern sind dank einer unglaublichen Dynamik aufgestiegen.

Es ist zu einfach, nur auf das System zu schimpfen. Wir sind selbst Teil der Bundesliga und die richtige Lösung hat niemand.

Rene Ziesler

90minuten: Liegt das auch am Ligensystem, sei es in der 2. Liga oder in der Bundesliga?

Ziesler: Es ist zu einfach, nur auf das System zu schimpfen. Wir sind selbst Teil der Bundesliga und die richtige Lösung hat niemand. Es haben ja schon alle Beteiligten für sich mehrmals durchgedacht und es gibt viele Experten sowie Verantwortliche, die sich Gedanken machen. Es gibt keine schnelle Lösung, weil die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schlicht Grenzen setzen. Dennoch denke ich, dass die 2. Liga mit den Traditionsvereinen eine sehr interessante Liga ist, die ab und zu zu schlecht wegkommt. Und vielleicht gibt es in den nächsten Jahren einmal einen Systemwechsel – aber es wird schwierig. Ein zweiter Aufsteiger wird den Bundesligisten beispielsweise nicht gefallen.

90minuten: Ferdinand Feldhofer hat die Liga gehalten, dann Zeit bekommen, mehr zu schaffen. Ist das schwierig, wenn man in der Qualifikationsgruppe immer gegen den Abstieg spielt, egal wie der Herbst war? Entwicklung ist in der Qualigruppe schwierig, Hartberg gegen GAK ist fußballerisch kein Leckerbissen.

Ziesler: Schwierig ist es immer. In der Bundesliga spielen die zwölf besten Vereine Österreichs. Da macht sich jeder Klub seine Gedanken. Dass man in der Qualifikationsgruppe nicht einfach hinten raus spielt und dass die Fans den schönsten Fußball sehen, ist – denke ich – klar. Für viele Vereine geht es um alles und kein Klub kann in der 2. Liga so weitermachen wie in der Bundesliga. So ehrlich muss man sein. Die Angst zu versagen schwingt da immer ein bisschen mit. In den vergangenen beiden Saisonen haben wir das trotz allem am Ende des Tages gut hinbekommen. In der letzten Spielzeit haben wir in Linz eine sehr, sehr gute Leistung abgeliefert. Wir haben den Abstieg abgewendet und das war ein richtiger Kraftakt. Ferdinand Feldhofer hat eine sehr gute Arbeit gemacht.

90minuten: Ein gutes Stichwort und man muss vorausschickend festhalten: Beim GAK bleiben die Trainer eher länger als zu kurz. Warum war genau das Spiel gegen Rapid der Knackpunkt?

Ziesler: Ich sage es ganz klar und ohne Interpretationsspielraum: Dass wir uns vom Ferdl getrennt haben, war rein dem Ergebnis geschuldet, den Umständen, wie wir uns an diesem Tag auf dem Platz präsentiert haben. Für mich ist es schon sehr spannend: Man hat mich in unterschiedlichen Phasen gefragt, wie viel Zeit wir dem Trainer noch geben. Ich kann nur sagen, dass wir bis zuletzt hinter ihm gestanden sind. Aber es passieren Dinge im Fußball, da kann man nicht mehr zur Tagesordnung übergehen. Wann dieser Zeitpunkt ist, wissen die Vereine selbst am besten. Darum haben wir für uns entschieden, dass wir einen neuen Impuls setzen wollten. Ich sage es noch einmal ganz deutlich: Das hat nur mit diesem Ergebnis zu tun.

"Keiner will 0:8 verlieren – Wir haben nach diesem Spiel einfach entschieden, dass wir einen neuen Impuls auf der Trainerposition setzen wollen", sagt Ziesler heute über Ex-Coach Feldhofer.
Foto © GEPA
"Keiner will 0:8 verlieren – Wir haben nach diesem Spiel einfach entschieden, dass wir einen neuen Impuls auf der Trainerposition setzen wollen", sagt Ziesler heute über Ex-Coach Feldhofer.

90minuten: Das ist sehr spannend. Es ist ja nicht normal, dass man nach einer Viertelstunde drei Tore bekommen hat, dass der Gegner bis zur Pause noch zwei schießt und dann weiter macht. Normalerweise fährt der dann zurück. Der unterlegene Verein würde auch eher sagen: Naja, es hat schon länger nicht mehr gepasst.

Ziesler: Keiner will 0:8 verlieren – aber noch einmal: Wir haben nach diesem Spiel einfach entschieden, dass wir einen neuen Impuls auf der Trainerposition setzen wollen. Ein Trainerwechsel ist nie einfach, persönlich und menschlich. Wir setzen da eher auf Konstanz und schenken den Trainern das Vertrauen. Das reden wir nicht einfach so daher, sondern leben es. Leider gehört es zum Geschäft dazu, Trainer zu wechseln.

90minuten: Wenn es jetzt nur das Ergebnis war, ist meine kommende Frage vielleicht sinnlos, aber vielleicht war es auch schwierig, weil Andreas Lienhart nur Co-Trainer und Chefscout war und nicht wie Tino Wawra – dem wir nur alles Gute wünschen – ein erfahrener Sportdirektor?

Ziesler: Der Trainerwechsel hatte nichts mit der Besetzung der sportlichen Leitung zu tun. Andreas Lienhart leistet in seiner Rolle hervorragende Arbeit. Zudem werden strategische Entscheidungen bei uns immer breiter auf mehreren Schultern getragen und im Team abgestimmt.

90minuten: Ist die Hoffnung, sich mit Gerald Scheiblehner fußballerisch einen Schritt weiterzuentwickeln? Auch wenn die Punkteteilung weg ist, schlägt ein weiteres Jahr Abstiegskampf sicherlich auf den Magen.

Ziesler: (lacht) Ja, das schlägt auf den Magen, da haben Sie recht. Es ist nervlich ein Wahnsinn. Mit einem neuen Trainer hoffen wir auf neue Energie und Ansätze in dem Verein. Es will ja niemand um den Abstieg spielen. Wenn's aber so weit ist, muss man es annehmen. Will man es positiv sehen, haben wir nun schon Erfahrung im Abstiegskampf. Fragt man mich jetzt, wollen wir natürlich nichts mit dem Abstieg zu tun haben, das ist ja klar. Aber es geht so schnell.

Wenn wir uns das Spiel gegen den WAC ansehen, ging es 90 Minuten in nur eine Richtung. Wir waren klar überlegen und der Ball wollte nicht reingehen – dann sind das zwei Punkte, die uns vielleicht irgendwann fehlen. Trotz allem bauen wir auf der Leistung auf. Entwicklung ist in gewisser Weise sehr wichtig, wichtiger sind aber die Punkte. Von unserem Saisonziel – einem einstelligen Tabellenplatz – rücken wir nicht ab. Das können wir auch erreichen, aber wir kennen auch die direkten Konkurrenten. Es geht dabei oft um Kleinigkeiten.

Das fängt schon während des Spiels, beziehungsweise mit dem Abpfiff, an. Es melden sich die Kandidaten direkt oder ihre Manager.

90minuten: Nach welchen Parametern hat man den Trainer gesucht? Es melden sich ja immer auch viele Trainer selbst, wenn einer der zwölf Bundesliga-Chefcoach-Posten vakant ist.

Ziesler: Das fängt schon während des Spiels, beziehungsweise mit dem Abpfiff, an. Es melden sich die Kandidaten direkt oder ihre Manager. Da sind spannende Namen dabei, auch aus Deutschland. Denen ist aber nicht bewusst, wie die finanziellen Mittel in unserer Bundesliga sind. Wir kontaktieren auch Trainer. Der Sportdirektor hat dann jedenfalls eine Liste erstellt und wir haben uns auf einen Favoritenkreis geeinigt. Danach haben wir mit den Trainern gesprochen, wie sie das Team einschätzen und was der Kader braucht. Das ist uns wichtig. Da gehe ich noch nicht auf Spielideen ein. Letztlich bleiben einige über, mit denen man intensiver spricht. Am Ende wird dann der Kandidat ausgewählt, bei dem das Gefühl am besten ist.

90minuten: Vor drei Jahren haben Sie meinem Kollegen gesagt, dass das Fundament die Jugend ist. Im Kader ist aber eigentlich kein Spieler, der direkt von der Zweier-Mannschaft gekommen ist. Die Zahlen hergehtzeigen auch, dass man eigentlich vom Marktwert her dort ist, wo man die letzten Jahre war – im Abstiegskampf.

Ziesler: Es ist nach wie vor so. Die Akademie ist für uns ganz wichtig, aber es ist nicht so einfach, dass die Spieler den Sprung schaffen, wenn man sieht, wo wir herkommen und wann wir die Akademie gegründet haben. Diese besteht seit 2022 und Nachwuchsentwicklung ist ein nachhaltiges Projekt, das Zeit braucht. Es bleibt aber unser Ziel und mit Christoph Hasenhüttl und Felix Baumgartner haben wir zwei 16-Jährige, die die ganze Vorbereitung dabei waren bzw. im erweiterten Kader sind.

90minuten: Welche Kompetenzen haben für Scheiblehner gesprochen?

Ziesler: Wenn es so eng hergeht, ist es oft schwierig, auch noch auf Entwicklung zu setzen. Aber der Trainer muss sich dazu bekennen. Er hat eine sehr gute Führungskompetenz und verfolgt einen klaren Plan.

90minuten: Das war also, was für ihn sprach, Führung und Plan?

Ziesler: Natürlich, er arbeitet auch sehr gern mit den jungen Burschen, hat sich intensiv mit unserem Kader beschäftigt. Es muss immer der Weg eines budgetär kleineren Vereins sein, auf diese zu setzen. Dazu haben wir uns auch immer bekannt, auch wenn es eben nicht immer sichtbar war. Auf unsere U-Nationalspieler sind wir sehr stolz und wir setzen auf die erwähnten.

90minuten: Aber gab es konkrete fußballerische Punkte, die für ihn sprachen?

Ziesler: Gute Vereinsführung bedeutet für mich auch, Aufgaben klar zu verteilen und den Fachexperten zu vertrauen. Da gibt es im Verein Leute, die mehr Kompetenzen besitzen als ich. Dazu stehe ich auch, dass ich gewisse Kompetenzen nicht habe. Die Detailfragen zur Spielphilosophie fallen in den Aufgabenbereich der sportlichen Leitung. Mir als Präsident geht es vor allem darum, den menschlichen Rahmen abzustecken und sicherzustellen, dass ein Trainer zu unseren Werten und zum gesamten Klub passt. Hier sehe ich meine Aufgaben. Sportspezifische Fragen als Präsident zu stellen, finde ich nicht gut. Über Scheiblehner muss man auch nicht viel sagen, er hat gezeigt, dass er das Maximum aus einem Team herausholen kann.

90minuten: Wir haben über Magenschmerzen gesprochen. Wenn es nun keine Punkteteilung mehr gibt, wird man besser schlafen, egal wie es wird, oder? Die WSG Tirol hatte 16 Punkte Vorsprung nach 22 Runden, damit wird man nun nicht mehr in Abstiegsnot geraten.

Ziesler: Das ist richtig. Für gewisse Vereine war es in gewissen Momenten vielleicht gut, dass es die Punkteteilung gab. Auch für den Zuschauer war es spannend. Für die Funktionäre weniger. Es kommt immer drauf an, weil wenn ich Letzter bin, war die Punkteteilung nicht schlecht. So ehrlich bin ich. So ist es aber am fairsten. Jetzt zählt einfach jeder Punkt gleich viel.

90minuten: Wir danken für das Gespräch!


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