Weniger Geld ab 2026/27: Was ist der Lizenzbonus?
Foto © GEPA

Weniger Geld ab 2026/27: Was ist der Lizenzbonus?

Bislang durften sich Aufstiegskandidaten über einen Bonus in Höhe von mehr als 200.000 Euro freuen, wenn ihnen die Bundesliga-Lizenz zugesprochen wird. Ab der kommenden Saison schrumpft der Lizenzbonus - 90minuten liefert einen Überblick.

Wer am Ende der Saison 2025/26 in die Bundesliga aufsteigt, entscheidet sich vermutlich erst am letzten Spieltag.

Wer grundsätzlich aufsteigen darf, steht bereits jetzt fest: Die Admira, Austria Lustenau, SKN St. Pölten und Vienna haben die Lizenz in erster Instanz erhalten. Schwarz-Weiß Bregenz und der FAC waren mit ihren Protesten erfolgreich und konnten in zweiter Instanz nachziehen und sind nun ebenfalls aufstiegsberechtigt.

Nun stellt sich die Frage, warum der Vorarlberger Hauptstadtklub den Lizenzprozess unbedingt erfolgreich abschließen wollte, obwohl er während der Saison 2025/26 nie unter Verdacht stand, um den Aufstieg mitzuspielen. Die simple Antwort: Bregenz verdient mit diesem Schritt Geld, das Stichwort lautet "Lizenzbonus".

Drei Kriterien für den Bonus

Eingeführt wurde dieser Fördertopf im Rahmen der Ligenreform 2018. Wer drei Kriterien erfüllt, profitiert.




1. Vereine müssen die Saison in einem bundesligatauglichen Stadion absolvieren. Wer in den Lizenzunterlagen ein Ausweichstadion nennt, geht leer aus - bei Neubauprojekten gibt es Ausnahmeregelungen.

2. Vereine müssen die Bundesliga-Lizenz fristgerecht beantragen und in der Folge zugesprochen bekommen. Etwaige Auflagen, die einzelnen Vereinen auferlegt werden können, spielen dabei keine Rolle.

3. Vereine müssen sportlich am Aufstieg scheitern.




Weil sowohl die Vienna als auch der FAC noch auf Freigabe von finanziellen Zuschüssen der Stadt Wien für Stadionumbauten warten müssen, würden sie im Aufstiegsfall in die Generali-Arena der Wiener Austria ausweichen. Das Thema Lizenzbonus ist daher bei beiden Vereinen vom Tisch.

Über wie viel Geld sich die verbliebenen vier Zweitligisten freuen dürfen, hängt jetzt von der sportlichen Entscheidung ab. Ausgezahlt wird der Betrag mit Saisonende.

Aufsteiger

Bonus für

Summe pro Verein

Floridsdorfer AC

4 Vereine

ca. 235.000 €

Admira/SKN St. Pölten/Austria Lustenau

3 Vereine

300.000 (Maximum)


Auch nach Abzug der Kosten, die im Lizenzierungsprozess für Wirtschaftsprüfung und andere Dienstleistungen anfallen, bleibt ein sechsstelliger Betrag übrig. In einer wirtschaftlich herausfordernden Liga können auch solche Summen das Leben erleichtern. Gemessen am Umsatz der Vorsaison würden 300.000 Euro bei Schwarz-Weiß Bregenz beispielsweise bereits 10 Prozent der Einnahmen ausmachen.

Zweckgebunden ist das Geld übrigens nicht. Dem Verein ist freigestellt, wie er es einsetzt.

Austria Lustenau und Admira hoffen wie St. Pölten und der FAC noch auf den Aufstieg
Foto © GEPA
Austria Lustenau und Admira hoffen wie St. Pölten und der FAC noch auf den Aufstieg

Spürbare Kürzung ab 2026/27

Über die letzten Jahre ist der Bewerbszuschuss, den die Bundesligaklubs pro Saison an die 2. Liga abtreten, stetig gestiegen. Aus 2,3 Millionen Euro in der Spielzeit 2018/19 wurden bis 2025/26 immerhin 3,8 Millionen.

Ab 2026/27 wird der Zuschuss erstmals deutlich reduziert: Zumindest 3,15 Millionen werden laut Angaben der Bundesliga gegenüber 90minuten künftig über vier Säulen an die Zweitligisten ausgeschüttet. Zweitvertretungen und Klubs mit mehr als acht Kooperationsspielern erhalten kein Geld. Außerdem wurde von der Klubkonferenz ein neuer Verteilungsschlüssel bestimmt.

Säulen

Aktueller Anteil

Anteil ab 26/27

Sockelbeitrag für alle Klubs

25 %

35 %

Lizenzbonus

25 %

15 %

Österreicher-Topf

15 %

15 %

Sportliche Leistung

15 %

15 %


Durch den geringeren Zuschuss und die geänderte Verteilung bleibt von der Fördersumme der aktuellen Saison ab 2026/27 nur noch die Hälfte übrig. Die bisherige Bonus-Obergrenze von 300.000 Euro pro Klub wird dadurch obsolet - sie wäre nur zum Tragen gekommen, wenn höchstens ein Verein die Lizenz erhalten hätte, ohne aufzusteigen. Jetzt ist schon bei 150.000 Euro Schluss.

Weniger Geld für die Schwergewichte

Zugute kommt die Reform vor allem jenen Vereinen, die keinen Zugriff auf den Lizenzbonus haben - sei es wegen ihres Stadions oder aus anderen Gründen. Ohne Änderung des Verteilungsschlüssels hätten sie rund 14.000 Euro an Einnahmen eingebüßt, künftig erhalten sie aber 12.000 Euro mehr.

Weniger vorteilhaft ist die Lösung für Klubs, die alle Lizenzanforderungen erfüllen können. Alleine durch die Reduktion des Zuschusses würden ihre Einnahmen um einen mittleren bis hohen fünfstelligen Betrag sinken. Berücksichtigt man zusätzlich die neue Verteilung und den niedrigeren Deckel, fehlen ab der kommenden Spielzeit je nach Anzahl der Lizenzbonus-Kandidaten Einnahmen in Höhe von rund 70.000 Euro bis zu ca. 170.000 Euro.

Wer hat bisher profitiert?

Bislang haben neun Vereine den Lizenzbonus erhalten, viele von ihnen gleich mehrfach - Spitzenreiter sind der GAK und St. Pölten. Die Grazer haben vor dem Aufstieg viermal erfolgreich die Lizenz beantragt, ebenso die Niederösterreicher nach ihrem Abstieg.

Einmal durfte sich sogar der Floridsdorfer AC über den Zuschuss freuen. In der ersten Saison nach seiner Einführung kam er auch jenen Vereinen zugute, die auf ein Ausweichstadion zurückgreifen müssen. In vier von fünf Anträgen war dies dann auch der Fall, im Jahr darauf wurden die Kriterien verschärft.

Eine Lizenzbonus-Bilanz:

Verein

Lizenzbonus-Einnahmen 2018/19 bis 2023/24 (gerundet)

SKN St. Pölten

ca. 1.000.000 Euro

GAK

ca. 1.000.000 Euro

Admira Wacker

ca. 700.000 Euro

Austria Lustenau

ca. 550.000 Euro

Schwarz-Weiß Bregenz

ca. 400.000 Euro

4 Vereine

unter 400.000 Euro


Regionalligisten gehen leer aus

Einen "Zulassungsbonus", analog zu jenem für die Lizenz, gibt es übrigens nicht. Regionalligisten winkt im Aufstiegsfall zwar ein Anteil an allen Geldern der 2. Liga. Alle Kosten auf dem Weg zur Zweitliga-Zulassung tragen sie allerdings selbst. Abgesehen von nötigen Investitionen in Infrastruktur und Personal fällt dafür laut 90minuten-Informationen ein niedriger fünfstelliger Betrag an.

Vielleicht wäre hier ein möglicher Hebel gefunden, um in Zukunft dafür zu sorgen, dass sich mehr Vereine in Richtung Profifußball orientieren.

Für 2026/27 gab es sechs Ansuchen für eine Bundesliga-Lizenz, neben den Amateurteams einiger Bundesligisten aber nur vier Anträge auf eine Zweitliga-Zulassung. Den ohnehin leerer gewordenen Geldkoffer weiter zu öffnen, dürfte für Österreichs Profivereine aktuell aber wenig attraktiv sein.



Kommentare