In den finalen 90 Minuten der Saison entscheidet sich nicht nur, wer den Meisterteller in die Höhe stemmen wird, sondern auch der Abstieg. Während es oben aber um die europäischen Futtertröge geht, muss der Absteiger kleinere Brötchen backen.
Aber wie viel der Abstieg tatsächlich "kostet", wird selten bis gar nicht kommuniziert. 90minuten hat genau das gemacht und bringt so viel Licht ins Dunkel, wie eben geht.
Unterschiede in der Einnahmenstruktur
Vorneweg: Wegen unterschiedlicher Einnahmen- und Ausgabenstruktur ist der Vergleich nackter Zahlen schwierig. Theoretisch wäre es möglich, 0 Euro an Sponsoreneinnahmen zu haben, wenn ein Mäzen aus der Privattasche Geld zuschießt.
Aber auch ansonsten ist der Vergleich schwierig. Laut letztverfügbarer Finanzkennzahlen der Bundesliga hatte die Admira 2024/25 als (aufstiegswilliger) Zweitligist mit 7,96 Millionen Euro beispielsweise ein höheres Budget als die WSG Tirol (7,3 Millionen Euro) – und das, obwohl die Wattener im Vergleich zur 2. Liga ein üppiges TV-Geld erhalten.
Die Zahlungen in der Bundesliga
Wie finanziert sich ein Fußballklub heutzutage generell? Dabei gibt es vier mehr oder weniger große Säulen: Sponsoren, Zuschauer, Transfers, TV-Geld. Die ersten drei Säulen variieren stark, wie das Beispiel Wien zeigt:
So bekommt Rapid von Wien Energie 2,8 Mio. Euro, die Austria von der Wien Holding 1,3 Mio. - für ein ähnlich gelagertes Sponsoring. Die Hütteldorfer haben insgesamt bislang mehr als 300.000 Zuschauer begrüßt, die Veilchen 100.000 weniger. Der Rapid-Rekordtransfer brachte kolportierte zehn Millionen Euro ein, jener der Austria derer sieben. Bei den Europacup-Teilnehmern kommen noch die Einnahmen von der UEFA hinzu.
Ein großer Klub kann also trotz schlechterer Tabellenplatzierung höhere Sponsoreneinnahmen haben als kleinere Vereine weiter oben. Von der Bundesliga gibt es ebenfalls Geld. Dieses teilt sich wie folgt auf:
TV-Geld: Dieses besteht aus einem Sockelbetrag, Punkten aus dem sportlichen Abschneiden, dem Österreicher-Topf und der Anzahl der Stadionzuschauer
UEFA-Solidarity-Payments: Wer nicht am Europacup teilnimmt, erhält Solidaritätszahlungen
Bewerbssponsoring durch ADMIRAL
Rechteverwertung: Hierbei handelt es sich um Wettdaten, weitere Einnahmen aus Rechten (bspw. Sorare, etc.) oder die Zugriffsmöglichkeit auf Strategiefördertopf
Die konkreten Summen unterliegen diversen Verschwiegenheitsverpflichtungen, wie die Bundesliga mitteilt. In Summe sind es rund zwei bis 2,5 Millionen Euro, wobei der Großteil aus dem TV-Geld des Sky-Vertrags stammt.
Faktor eins zu fünf
Eine Liga drunter gibt es den Bewerbszuschuss der Bundesliga (ab 2026/27 3,15 Mio. insgesamt), ein im Vergleich zur höchsten Liga sehr geringes TV-Geld, Bewerbssponsoring, Rechteverwertung, gegebenenfalls den Lizenzbonus, 20 Prozent aus dem Strategiefördertopf sowie weitere Einnahmen wie etwa aus dem UEFA-Solidaritäsfonds.
Bislang gab es für den Absteiger auch zwei Ausgleichszahlungen, einmal 300.000 Euro und 100.000 Euro im Folgejahr. Diese Zahlung wird in Zukunft 320.000 Euro einmalig betragen. "Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass der Löwenanteil der Gelder für die 2. Liga-Vereine aber eben auch durch die ADMIRAL Bundesliga bzw. ihre Klubs lukriert werden", stellt dazu Pressesprecher Mathias Slezak klar.
Mit dem geringer dotierten TV-Vertrag werden diese Zahlungen übrigens vermutlich um 20 Prozent verringert. Duch Änderungen in der Berechnung gibt es aber noch keine genauen Erfahrungswerte.
Fallbeispiel Ried
Offiziell bestätigen kann er die TV-Gelder nicht. "Aus Verschwiegenheitsgründen mit unseren Partnern dürfen wir keine genauen Zahlen nennen – grundsätzlich kann man aber grob gesprochen von einem Verhältnis von rund 5:1 ausgehen, die ein Klub in der Bundesliga im Vergleich zur 2. Liga aus Ligageldern lukrieren kann."
Etwas auskunftsfreudiger sind die Rieder. So bestätigt man via Pressestelle nach einem Hintergrundgespräch mit Präsident Thomas Gahleitner den finanziellen Unterschied in der Höhe. Um die Differenz der Zahlungen zwischen den Leistungsstufen zu unterstreichen, heißt es weiters: "In der 2. Bundesliga gibt es de facto kaum relevante TV-Einnahmen."
Die unterschiedlichen Erlösmöglichkeiten in den beiden Leistungsstufen lassen sich letztlich anhand der Finanzkennzahlen gut illustrieren:
Saison | Umsatz (Mio. €) | Spielklasse |
|---|---|---|
2017/18 | 7,482 | 2. Liga |
2018/19 | 5,484 | 2. Liga |
2019/20 | 5,387 | 2. Liga |
2020/21 | 8,43 | Bundesliga |
2021/22 | 10,519 | Bundesliga |
2022/23 | 10,812 | Bundesliga |
2023/24 | 8,421 | 2. Liga |
2024/25 | 8,516 | 2. Liga |
Geklärte Frage? Spoiler: Jein
In Ried gab es nach dem jüngsten Abstieg das Commitment der Sponsoren, nicht weniger auszuschütten und einen Zweijahresplan zu verfolgen. Wäre der Aufstieg nicht gelungen, hätte man kleinere Brötchen backen müssen. "Fakt ist, dass die 2. Liga auf Dauer – insbesondere mit der Infrastruktur eines Erstligisten und einem aufstiegsfähigen Kader – finanziell äußerst schwierig und herausfordernd ist", heißt es weiter.
Eine Akademie kostet beispielsweise Geld, genauso wie die Instandhaltung der eigenen Infrastruktur. Bezüglich aufstiegsfähigem Kader handelt es sich um die sogenannten Unterschiedsspieler.
Die Fußballergewerkschaft VdF führte eine Befragung durch. In der Bundesliga beträgt der Medianwert des Bruttomonatseinkommens 8.000 Euro, netto sind das rund 5.000 Euro. (Median bedeutet, dass 50% mehr, 50% weniger als diese Summe verdienen.). In der 2. Liga nur 2.200 Euro bzw. 1.750 netto. In Summe muss der Verein in der 2. Liga für den Mediankicker 40.000 Euro budgetieren, für den Bundesligakicker 140.000.
Damit beläuft sich ein fiktiver 23-Mann-Kader im Oberhaus auf 3,3 Mio. Euro, in der 2. Liga etwas mehr als 900.000 Euro.
Warum wir im Dunklen tappen
Wie viel der Abstieg am Ende kostet, scheitert an der heimischen Intransparenz in Sachen Finanzen. Die eingangs erwähnten Zahlen ergeben sich auch nur aus einer "Kurier"-Anfrage im Herbst 2025, nachdem die Bundesregierung das Informationsfreiheitsgesetz beschlossen hatte.
Ansonsten sind Sponsorzahlungen (nicht nur im Fußball) für die Öffentlichkeit gut gehütete Geheimnisse, genauso wie die exakten Zahlungen an TV-Geldern. Mehr als eine Aufdröselung nach Einnahmen, Personalaufwand, dem Jahresergebnis nach Steuern und Zahlungen an Spielervermittler (sowie die Bilanzdaten) werden nicht offen gelegt.
Die Liga selbst bzw. die Wirtschaftsprüfung bekommen allerdings alle Unterlagen inklusive Spielerverträge vorgelegt und überprüfen diese. Verein X weiß aber nicht, was Verein Y genau zahlt. Das kann ein Verein machen, wenn er will; Transparenz wäre hierbei wünschenswert, aus Wettbewerbsgründen wird es diese aber nicht geben.
Die Erkenntnis
Aber zurück zu belastbaren Zahlen rund um den Abstieg. Mit dem Abstieg selbst geht jeder Klub anders um. Fakt ist: Wer wieder nach oben möchte, braucht wie in jeder Spielklasse fünf, sechs Kicker, die auch eine Liga höher perfomen könnten. Ansonsten kann man auch mit zwei bis drei Millionen in der 2. Liga kicken.
Am Ende läuft die Rechnung auf einen simplen Nenner hinaus: Die zusätzlichen Millionen aus der Bundesliga finanzieren de facto den Bundesliga-Kader. Um dorthin zu gelangen, muss zumindest ein Teil davon mit hohem Risiko ohne den dortigen Erlösmöglichkeiten investiert werden. Fallen diese Einnahmen weg, muss entweder massiv gespart werden – oder ein Klub versucht, Erstligaqualität mit Zweitligaerlösen zu finanzieren.
Georg Sohler