Japanischer Investor bei Bregenz: "Horn ist uns in den Sinn gekommen"
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Japanischer Investor bei Bregenz: "Horn ist uns in den Sinn gekommen"

Schwarz-Weiß Bregenz ist jüngst eine strategische Partnerschaft mit Tochigi City eingegangen. Was hinter dem Einstieg des Investors steckt.

Schwarz-Weiß Bregenz ist im Frühjahr eine strategische Partnerschaft mit Tochigi City und deren Sporting Director Takashi Okuri eingegangen. Heißt im Klartext: Er bringt einen höheren sechsstelligen Betrag in eine neu gegründete GmbH mit ein, an der der Verein 51 Prozent hält.

Die Mehrheit bleibt beim Verein, die Struktur orientiert sich an klassischen 50+1-ähnlichen Modellen, wie sie im österreichischen Profifußball üblich sind.

Er ist Besitzer der japanischen Firma Nippon Rika. Diese wurde 1914 gegründet und stellt heute Isolationsmaterialien her. Man arbeitet mit großen Elektroherstellern wie Toshiba, Hitachi, Mitsubishi und Fuji zusammen. Der Klub spielt in der zweithöchsten japanischen Liga und Okuri verfolgt am Bodensee einen klassischen Investorenplan:

Den Verein finanziell unterstützen und durch die Platzierung von japanischen und internationalen Talenten weiter nach oben bringen – und durch den Verkauf von Kickern die Investition zu refinanzieren.

Die Wirtschaft ist groß, aber es tun sich alle schwer, an Sponsoren zu kommen. Die großen Player wären zwar finanzkräftig, aber denen ist der Fußball nicht so wichtig.

Thomas Fricke

Okuri fungiert gemeinsam mit Schwarz-Weiß-Bregenz-Obmann Thomas Fricke als Geschäftsführer. 90minuten hat mit dem österreichischen Teil der Geschäftsführung und langjährigen Unternehmensberater und Personalmanager gesprochen.

Das Problem der Landeshauptstädter

Wie überall gilt: Profifußball kostet viel Geld und an dieses heranzukommen, ist nicht einfach. Der ursprüngliche Verein wurde 1919 gegründet und spielte zwölf Jahre im Fußballoberhaus. 2005 kam es zum finanziellen Crash und zur Neugründung als SC – seit 2013 trägt man wieder das Logo und die Farben des ehemaligen Klubs.

Doch der Konkurs wirkt noch nach, wie Fricke zu Protokoll gibt: "Damals ist viel passiert. Speziell Politik und Wirtschaft sind noch skeptisch."

Dass der Verein, der seit 2023 wieder österreichweit spielt, mit den Geschehnissen vor mehr als 20 Jahren kaum noch etwas zu tun hat, mag die Augenbrauen anheben. Fricke war zum Zeitpunkt der Neugründung noch Personal- und Lohnverrechner bei einem Bauunternehmen aus Bürs und kam erst 2019 zum Klub.

Bemerkenswert ist der Einstieg aus Japan insbesondere vor dem Hintergrund der regional starken Wirtschaft im Rheintal: Dort leben mit 300.000 Menschen fast so viele Personen wie in Graz. Es gibt Weltmarktführer wie den Beschläge-Konzern Blum oder Seilbahnexperten Doppelmayr sowie global agierende Firmen wie Alpla (Kunststoffverpackungen) oder Zumtobel (Lichtindustrie).

SW Bregenz kämpft noch mit den Geistern der Vergangenheit
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SW Bregenz kämpft noch mit den Geistern der Vergangenheit

Wenig Geld aus dem Rheintal

Und dennoch tun sich die Profivereine gerade im Fußball schwer. Austria Lustenau benötigte für die letzten beiden Aufstiege die Hilfe der Investorgruppe CSC der Clermont-Foot-Eigentümer. Der SCR Altach hatte durch das langjährige Dasein als Nummer eins des Landes eine Monopolstellung für Profifußball.

Die Fußballleidenschaft und Präsidentschaft von Ex-Nationalsratspräsident und Wirtschaftskammer-Generalsekretär Karlheinz Kopf (ÖVP) hat bei der Sponsorensuche im tief schwarzen "Schaffe, schaffe, Häusle baue"-Umfeld nicht geschadet.

"Die Wirtschaft ist groß, aber es tun sich alle schwer, an Sponsoren zu kommen. Die großen Player wären zwar finanzkräftig, aber denen ist der Fußball nicht so wichtig", so Fricke. Dass der Harder Handballclub beispielsweise Alpla als Namenssponsor hat, liegt auch an der Leidenschaft des Präsidenten Günther Lehner. Liebhaberei also.

Fricke fasst zusammen: "Es gibt insgesamt viele Profivereine auf engem Raum, nicht nur im Fußball und wenn man irgendwo erfolgreich 10.000 Euro bekommt, muss man auch noch dreimal Danke sagen."

Blick nach außen

Darum schaute man über die Grenzen hinaus, holte Angebote für Partnerschaften ein, aber "99 Prozent davon konnte man vergessen. Der eine will ein Spielzeug, der andere schnelles Geld oder unzählige Spieler platzieren. Davon haben wir die Finger gelassen."

Wir haben mit neun Vorarlbergern gespielt und es sind 500 Personen ins Stadion gekommen. Wenn du gewinnst, kannst du aber mit elf Brasilianern spielen.

Okuri wurde auf Herz und Nieren geprüft, er war öfters in Bregenz und zeigte sich nicht nur vom Ort des Stadions am Bodensee, sondern auch der Nähe zu Zürich und München begeistert. "Okuri ist sportverrückt. Er will unseren Verein von Grund auf neu gestalten."

Beiden liegt der Nachwuchs am Herzen, es braucht zudem Investitionen ins Stadion, eine Geschäftsstelle mit entsprechendem Personal, einen Fanshop, ein Bistro, einen verbesserten VIP-Bereich und, und, und.

All das wurde schon besprochen. Das Ziel ist ein nachhaltiger Aufbau von Strukturen. "Natürlich will er in die Bundesliga und Geld verdienen", verweist Fricke auf das eingangs erwähnte Modell. Aber Geld auf das Problem "Bregenz ist sportlich abgestiegen" zu werfen, reicht eben nicht aus.

Kluges Vorgehen gefragt

So wird man das Lizenzspielerbudget von 1,3 Mio. Euro nicht verdoppeln und nicht verdreifachen, sondern peilt einen behutsamen Vormarsch Richtung Tabellenspitze – und in Folge vielleicht Bundesliga-Rückkehr – an.

Aus Frickes Sicht könnten ein paar junge Japaner und Brasilianer nicht nur günstig sein, sondern auch die Qualität heben. Alles in Kombination mit lokalen Kickern.

Die sind wichtig, aber nicht notwendig, wie Fricke mit Realitätssinn feststellen musste: "Wir haben mit neun Vorarlbergern gespielt und es sind 500 Personen ins Stadion gekommen. Wenn du gewinnst, kannst du aber mit elf Brasilianern spielen." Platz gibt es im Stadion für bis zu 12.000 Personen.

2005, Serkan Aslan im Infight mit Austria-Spieler Thomas Flögel - von solchen Spielen träumt man am Bodensee
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2005, Serkan Aslan im Infight mit Austria-Spieler Thomas Flögel - von solchen Spielen träumt man am Bodensee

Gutes Personal braucht es eher auf der Geschäftsstelle. Okuri scheint bewusst zu sein, dass er behutsam vorgehen muss. So wurde auch Nippon-Rika-Österreich-Vertreter Konstantin Kandlbauer aus Wien in den Vorstand des Vereins kooptiert, als Ansprechpartner.

Er kennt ein warnendes Beispiel: "Der SV Horn mit Keisuke Honda ist uns auch in den Sinn gekommen." Dort brachte Fernost mehr als nur Geld und ein paar Kicker. Die eingeräumte Mitsprache führte aber nicht zum erhofften Erfolg. Das behutsame Vorgehen in Bregenz wirkt erfolgsversprechender.

Produkt verbessern

Es braucht nun ein gutes Produkt, das war vorher schlecht, stellt er klar. Altach sei dabei ein Vorbild. Kopf wusste, wie er Politik, Wirtschaft und Sport zusammenbringt, um einen Vorzeigeverein zu gestalten. Die Rheindörfler investierten zudem ins Umfeld – als dann Geld für den Kader knapper wurde, wurden sie dafür gescholten. Der Erfolg gibt ihnen recht.

Nach einem langen Gespräch mit Thomas Fricke wirkt es so, als ob sich die Bregenzer hier einen guten Partner ins Boot geholt haben, der auf Augenhöhe agiert.

Ob das alles aufgeht und man die Altacher als Landeshauptstadt-Verein irgendwann überflügeln kann, ist heute offen. Immerhin: Die Lizenz für die Bundesliga (!) erhielt man ohne japanische Zuschüsse.

Und bislang, so Fricke abschließend, sind die Gelder wie ausgemacht geflossen. Zeit, dass der Ball wieder rollt und man beweisen kann, dass es heute anders läuft als vor zwei Jahrzehnten. Tochigi, meint er abschließend, sei Stand heute ein "Lottosechser".


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