Umbruch. Es ist das Wort, das SW Bregenz Jahr für Jahr begleitet.
Der Umbruch war Saison für Saison Teil von SW Bregenz, als man im Vorarlberger Amateurfußball spielte, der Umbruch folgte Bregenz mit dem Aufstieg in die ADMIRAL 2. Liga und in die drei Saisonen seither.
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Und ein Umbruch, das ist es auch, was SW Bregenz in diesem Sommer hinter sich hat. Heuer ist es nochmal ein größerer als in den Jahren zuvor.
Denn nach finanziellen Problemen wurde ein Investor ins Boot geholt. Mit Takashi Okuri wurde es ein Japaner, dessen Unternehmen Nippon Riko Isolationsmaterialien herstellt. Mit dem Investor ging eine Kooperation mit Tochigi City FC, einem J2-League-Klub einher, den Okuri aus der fünften Liga emporgehievt hat. Und dank der Kooperation spielen jetzt Japaner am Bodensee, der Staff wurde um japanische Mitglieder ergänzt, und Okuri selbst fungiert offiziell als Sportdirektor.
"Durch den Investor hat sich viel getan, es ist ein Umbruch", nennt Co-Trainer Murad Gerdi beim Mediaday der ADMIRAL 2. Liga wieder besagtes U-Wort. "Es ist auf jeden Fall interessant."
Intensität gefordert
Gerdi ist nicht neu, der 40-Jährige arbeitete bereits bis Jänner als Co-Trainer beim Klub, er arbeitete schon mit Regi Van Acker – unter dem Bregenz schönen Fußball spielen wollte, und das phasenweise erfolgreich tat – und mit Andreas Heraf, unter dem Bregenz zeitweise erfolgreichen Fußball spielte, auch wenn der nicht immer schön anzusehen war.
Neu ist der Cheftrainer: Martin Brenner. Der Österreich-Uruguayer folgt auf Heraf, der – nachdem seiner Funktion als Sportdirektor aus finanziellen Gründen bereits im Frühling eine Absage erteilt wurde – nach dem letzten Saisonspiel auch als Trainer freigestellt wurde.
Brenner arbeitete in der Saison 24/25 für den SC Austria Lustenau, der damalige Bundesliga-Absteiger performte zu der Zeit nicht wie gewünscht – und für Brenner war das Kapitel bereits nach 18 Spielen vorbei.
Zwischenzeitlich coachte er Lemense in Brasilien, nun ist er zurück in LigaZwa. Seinen Co-Trainer Gerdi kennt er aus der Zeit als Spieler, in der Saison 2006/07 spielten beide bei Austria Lustenau.
"Wir haben die gleiche Fußballphilosophie, wir matchen uns gut. Es ist wichtig, dass das Trainerteam eine gemeinsame Sprache spricht", sagt Gerdi.
Wie diese gemeinsame Philosophie aussieht? Intensiv. Gefordert wird Mut, gefordert wird Leidenschaft. "Wir fordern von unseren Spielern, dass sie in jedem Training aggressiv sind. Wenn wir ihnen das einspritzen können, geht der Funke auch im Spiel über", sagt Gerdi.
Natürlich dürfe man sagen, dass man einen schönen Fußball spielen wolle. "Aber wenn es mal ein dreckiger Fußball ist, dann ist es ein dreckiger Fußball. Am Ende zählt das Ergebnis."
Das Ergebnis schaute im Cup beim gegen Bad Leonfelden gut aus (5:0), das Ergebnis schaute beim Ligaauftakt gegen Wacker Innsbruck schlecht aus (0:5). "Wir waren mit dem Kopf unter der Erde", sagte Brenner nach dem Spiel über das Auseinanderfallen seiner Elf binnen weniger Minuten.
"Wollen ein neues Kapitel aufschlagen"
Die Aufgabe Umbruch ist für das neue Trainer-Duo keine einfache. In der Vorsaison hatte Bregenz nicht nur mit finanziellen Problemen zu kämpfen – sondern auch sportlich.
Bregenz verschliss mit Van Acker und Heraf zwei Trainer, Letzter wurde man nur nicht, weil mit Stripfing ein Team die Saison nicht beenden konnte und mit Austria Klagenfurt ein anderes ohnehin keine Zulassung mehr bekommen hatte.
Sportlich war 2025/26 aber kein Zweitliga-Team schwächer als die Bregenzer, die (inklusive drei abgezogenen Strafpunkten) 19 Zähler holten.
Das alles soll vergessen sein, sagt Gerdi. "Für uns als Trainerteam und als Verein ist es wichtig, die negativen Erlebnisse der Vergangenheit ad acta zu legen und ein neues Kapitel aufzuschlagen."
Man wolle eine Mannschaft formen, mit der man gute Ergebnisse einfahren könne. "Das ist unser Ziel", sagt Gerdi.
Vom Ländle nach Japan und Brasilien
Bei der Zusammenstellung dieser Mannschaft fällt auf: Viele aus der Vorsaison sind nicht mehr da, einige kommen aus Japan, manche aus Brasilien.
Das erste ist mit der sportlichen Performance zu erklären, das zweite mit besagtem Investor und seinem Partnerklub, das dritte mit Alex Dorta und Thiago de Lima Silva von der Spielerberater-Agentur TDL Sports Management, die den Deal zwischen Okuri und SW Bregenz laut den "Vorarlberger Nachrichten" eingefädelt haben sollen.
Drei Spieler sind bislang von Okuris Klub Tochigi City aus der J2 League gekommen, darunter Tormann Peter Kwame Aizawa, Stürmer Keita Saito und Mittelfeldspieler Genta Omotehara. Zudem der japanische Außenverteidiger Yusei Shima von Hammarby IF, Offensivspieler Thalissinho und Innenverteidiger Henrique Torelli aus der brasilianischen Série B, Angreifer La’Sean Sealey (England/Guyana) von Norwichs U21 und der kanadisch-jamaikanische Innenverteidiger und TikTok-Star Dredon Kelly.
William Rodrigues und Daniel Au Yeong kamen aus Lustenau, Anteo Fetahu aus Altach, Lucas Dantas von der Vienna, George Davies aus Amstetten und Mika Mettler aus der dritten Schweizer Liga.
Das Bregenzer Vorhaben der Vorsaison, bewusst Österreicher und insbesondere Vorarlberger Fußballer zu fördern, ist Geschichte. Mit Lars Nussbaumer ist ein Vorarlberger Gesicht der Vorsaison geblieben.
"Wir haben mit neun Vorarlbergern gespielt und es sind 500 Personen ins Stadion gekommen. Wenn du gewinnst, kannst du aber mit elf Brasilianern spielen", sagte Obmann und Geschäftsführer Thomas Fricke nach dem Okuri-Einstieg zu 90minuten.at.
Schritte der Professionalisierung
Mit Okuri sind aber nicht nur neue Spieler gekommen, sondern auch das konkrete Ziel der Professionalisierung. Diese wurde bereits bei der Präsentation des Investors angekündigt – und erste Ergebnisse gibt es bereits.
Im Stadion gibt es nun einen neu eingerichteten Kraftraum mit den wichtigsten Trainingsgeräten, die Spieler bekommen nach den Trainings Essen.
Ein japanischer Videoanalyst (der zuvor bei Tochigi City gearbeitet hat) ergänzt den Staff genauso wie ein Athletiktrainer aus den USA, der in Japan gelebt hat und die Sprache spricht. Er fungiere für das Trainerteam auch als Übersetzer.
Das alles klappe von Tag zu Tag besser, sagt Gerdi: "Vieles ist positiv und geht in die richtige Richtung."
Die Champions League ist fern
Klar ist: Ein Investor will auch Ergebnisse sehen. Okuri selbst träumte bei seiner Präsentation gar vom Einzug in die Champions League binnen weniger Jahre. "Druck hast du im Fußball immer, du musst Resultate liefern", weiß Gerdi. Und dennoch stapelte er vor dem Saisonbeginn tief, und rief realistischere Ziele aus.
Besser als in der Vorsaison wolle man sein, die Mannschaft wolle man besser machen. "Es ist ein Prozess, der jetzt stattfindet, und man muss wissen, was wir zur Verfügung haben. Und das wissen wir."
"Wir müssen realistisch sein. Wir wollen auf jeden Fall besser sein als letzte Saison."
Dass auch trotz Investor noch Arbeit vor den Schwarz-Weißen liegt, ist spätestens nach dem Zweitliga-Auftakt klar: da kassierte man gegen ein gnadenloses Wacker Innsbruck beim 0:5 gleich vier Tore in Hälfte eins. Takashi Okuri war extra für den Saisonauftakt aus Tokio angereist, und war nach dem Spiel in der Kabine.
"Es ist eine lange Saison", sagte Brenner nach dem frühen Dämpfer in der Saison. "Ich hoffe, dass wir schlecht starten und gut aufhören."